Ich lasse mal den „klassischen“ Rückblick auf den Arc mit Rennbeschreibung etc ausfallen. Es ist schon genug drüber geschrieben worden. Selbst die Medien, die sonst nie oder nur sehr sparsam über den Galopprennsport berichten, haben sich richtig ins Zeug gelegt! Wer Erfolg hat, bekommt auch Presse und ist in den Medien präsent und dabei geht es nicht um heimische Erfolge.
Rene Piechulek hat einen nahezu perfekten Ritt auf einem Pferd vorgelegt, das an dem Tag einfach klasse drauf war! Die Plazierten 2-4 warten mit erstklassiger Form angereist und hatten keine wesentlichen Störungen. Deswegen ist die Form richtig was wert!
Trainer, Reiter und Besitzer waren Debutanten im Arc. Marcel Weiß als Trainer ist erst sein knapp 2 Jahren in Amt und Würden, hat aber schon bisher eine gute Hand für seine Pferde bewiesen. Aber wer längere Zeit bei Uwe Ostmann als Futtermeister tätig war und beim Training aufgepaßt hat, der hat schon sehr gute Voraussetzungen für den Start in die Trainerkarriere. Und wo hätte man mit dem Pferd hingehen sollen, wenn nicht nach Paris? Die deutschen Gruppe-1 Rennen bieten leider keine echte Reputation mehr, auch wenn die Ratings allgemein ziemlich gut sind. Die schmale Dotierung lockt einfach keine Cracks mehr an.
Torquator Tasso ist nach Marienbard und Danedream der dritte Sieger, der vor dem Arc den Großen Preis von Baden gewonnen hat. Das Doppel Englisches Leger – Arc muß weiter auf die Erfüllung warten. Auch Dermot Weld, der irische Meistertrainer, muß auf seinen ersten Arc-Erfolg noch warten. Eine ¾ Länge war er zurück. Bitter, wenn man so nah dran ist.
Ebenso warten die Japaner noch auf den ersten Erfolg. Sie waren dieses Jahr fast mit einem Großaufgebot mit erstklassigen Pferden angereist. Aber der matschige Boden hat die japanischen Chancen in selbigen versinken lassen, noch bevor die Pferde in de Maschine eingerückt waren. In Japan ist der Standardboden „fest“ und manchmal auch „gut“, aber das gilt dort schon als ziemlich weich.
Und jetzt ein kleiner Schwenk in die Geschichte. Der erste Prix de l’Arc de Triomphe wurde am 3. Oktober 1920 gelaufen. Es sollte ein großes Rennen im Herbst an den Sieg der Franzosen über die Deutschen im 1. Weltkrieg erinnern.- Sozusagen eine jährliche große Siegesparade der Franzosen in Form eines großen Galopprennens.
Der erste Sieger war Comrade im Besitz von Evremont de Saint-Alary, trainiert von P Grillpin und geritten von Frank Butters. Die Dotierung betrug damals 200.425 Francs, der Sieger erhielt 172.425, rund 86%. Um den Wert in der damaligen Zeit abzuschätzen bzw. die Höhe im damalige Französischen Rennsystem fehlen mir leider Vergleichszahlen.
Vergleichszahlen kann ich für 1935 anbieten. Der Arc war mit 522.000 Francs dotiert, 402.000 für den Sieger. Die Grand Steeplechase de Paris war mit 465.000 Francs ausgestattet, der Grand Prix de Jockey Club mit 446.000 und der Grand Prix de Paris als wertvollstes Rennen in Frankreich hatte eine Dotierung von 933.100 Francs, davon 783.100 für den Sieger. Der Arc war ein sehr gut dotiertes Rennen in Frankreich, aber eben nicht herausragend. Die Umrechnung zur Reichsmark betrug 6 zu 1. 6 Francs für eine Mark.
Heute sind Gott sei Dank die von zwei Weltkriegen gerissenen Wunden in den Seelen der Völker weitgehend verheilt. Und die Deutsch-Französische Freundschaft, die Adenauer und de Gaulle 1963 begründet haben, hat die vielen Gräben zwischen den Ländern zuwachsen lassen, auch wenn es eine gewisse Asymmetrie gibt.
Über den Gründungsgedanken spricht man heute auch in Frankreich nur noch am Rande. Der Sport hat die Politik eindeutig den Rang abgelaufen. Heute ist Der Arc einfach eines der wichtigsten Galopprennen der Welt, das die besten Pferde aus aller Herren Länder anzieht.
Oleander war der erste Deutsche, der sich in Paris versuchte. 1928 wurde er Fünfter, 1929 Dritter. Es war ein Achtungserfolg. 1936 ließ Nereide den Arc leider auf Anweisung ihres Besitzers aus. Sie hatte zur in Münchens Braunem Band Corrida auf den Platz verwiesen und ein nochmaliges Aufeinandertreffen der beiden Superstuten in Paris wäre sicher hoch interessant gewesen. Aber Baron Thyssen als Nereides Eigner wollte es nicht. 1937 wurde Sturmvogel in Schlenderhaner Farben ebenfalls Fünfter. Dann kam der Krieg und 1939 und 1940 wurde der Arc nicht gelaufen.
1947 siegte Le Paillon der zuvor Zweiter im Cheltenham Hurdle, Sieger im Grande Course de Haies von Auteuil, Sieger im Grand Prix de Deauville und dann Sieger im Arc wurde. Eine wohl einmalige Startfolge.
Wer erinnert sich noch an den Russen Anilin, dem dreifacher Sieger im Preis von Europa? Er lief 1965 in Paris und zog sich als Fünfter sehr ordentlich aus der Affäre Anilin war damals ein „Ostblock-Pferd“ das absolut europäische Klasse vertrat.
Nach mehr oder weniger erfolglosen Versuchen von 1953 mit Niederländer bis 1967 mit Luciano sollte es bis 1975 für einen deutschen Erfolg dauern, bis mit Star Appeal der erste Sieg im Arc gelang. Das Rennen ist inzwischen in Deutschland Legende und als die Racingpost die höchsten Quoten im Arc am Sonntag Abend kommentierte, stelle sie zu Star Appeals 119/1 fest, daß er als Sieger der Eclipse Stakes mit einem englischen Trainer mit 19/1 gestartet wäre die 100 Punkte waren der Malus für den Trainingsstandort Deutschland.
Die Länderwertung für den Arc sieht wie folgt aus:
| Land | Siege |
| Frankreich | 68 |
| Großbritannien | 14 |
| Irland | 9 |
| Italien | 6 |
| Deutschland | 3 |
| Summe Ausländer | 32 |
Aber jetzt es ist dann doch ein wenig Ironie zum Gründungsgedanken wenn ausgerechnet die 100. Entscheidung dann von einem deutschen Pferd gewonnen wird. Gegen eine Stute aus Irland und zwei Hengste aus England. Die 100. Parade zur Erinnerung an den französischen Sieg über die Deutschen wird von einem Deutschen angeführt. Oder ist es ein Zeichen der Völkerverständigung?
Turf-Deutschland hat am Sonntag in Paris ein riesiges Marketing-Paket geschenkt bekommen. Jetzt muß etwas daraus gemacht werden!!





