Auch die Neusser Rennbahn vor dem Aus?

Der Fortbestand der Rennbahn von Neuss steht auf der Kippe. Die dritte Rennbahn in Deutschland, um deren Zukunft es nicht gut bestellt ist.  Man konnte schon immer über die eckige Bahn streiten, aber sie hatte zweifelsohne große Zeiten erlebt. Gruppe-Rennen wurden hier gelaufen, hochdotierte Handicaps etc. Und in Neuss war oft die Bude richtig voll!

Am Samstag erschien in der NGZ, dem Ableger der Rheinischen Post jenseits des Großen Wassers, ein wehmütiger Artikel “Schade, wenn ein Kulturgut verschwindet”. Ein mit einer gewissen Sentimentalität geschriebener Artikel, in dem der Rennsport vor allem endlich mal als Kulturgut bezeichnet wird!

In den Leserkommentaren waren durchaus interessante und auch sehr sinnvolle Anregungen zu finden, wie man der Rennbahn wieder Leben einhaucht. Und es wird sehr deutliche Kritik an Neuss Marketing geübt, die nicht nur bei der Vermarktung der Rennbahn ein sehr schlechtes Bild abgibt Aber diese Anregungen würden voraussetzen, daß man im Vorstand des Neusser Rennvereins aktiv wird und etwas unternimmt.

Am Dienstag titelte die NGZ, daß Vogel auf dem hohen Roß sitzt. Teilweise ist der Artikel nicht ganz korrekt, aber der Tenor ist nicht falsch. Und der Autor findet deutliche Worte für den Präsidenten des Neusser Rennvereins.

Dadurch, daß die Winterrenntage passend auf die freien Zeiten bei PMU gelegt werden, werden die Winterrenntage nicht mehr als Veranstaltung für das lokale Publikum wahrgenommen, sondern als Veranstaltung für einen französischen Wettanbieter. Auch wenn das nicht ganz richtig ist, ist es eben der Eindruck, der für einen Außenstehenden entsteht. Langsam zeigen sich die Probleme immer deutlicher, die durch das fehlende Eigengeschäft des Galoppsports in Deutschland auftreten.

Und während Dortmund als zweiter Winterveranstalter noch eigene Renntage im Sommer veranstaltet, ist das in Neuss nicht mehr der Fall. Neuss veranstaltet keine Rennen mehr in eigener Verantwortung!!  Und da jetzt der nächste Renntag für den 24. Oktober angemeldet wurde, scheint man das auch nicht zu ändern zu wollen.

Auch wenn die Grasbahn derzeit “platt” ist, einen dauerhaften Übergang hat, so daß keine Rennen auf Gras möglich sind, könnte man auch im Sommer auf Sand veranstalten. Einen schönen Samstag-Renntag mit Party-Feeling wäre sicher praktikabel. Aber selbst jetzt, wo das Messer an der Gurgel sitzt, wird nichts unternommen, sondern das langweilige Programm der vergangenen Saison wird einfach fortgeschrieben.

Und bei allem Enthusiasmus für den Sport – wer bitte möchte in der Woche bei naßkalter Winterwitterung und einem sehr bescheidenen Programm die Rennen in Neuss “live” erleben, wenn er nicht unmittelbar beteiligt ist? Der Durchschnittszuschauer, der gerne schönen Sport mit schnellen Pferden in angenehmer Atmosphäre erleben möchte, geht im Sommer auf die Bahn.

Der Präsident des Neusser RV hat den Stadtrat nicht von seinen Plänen für die Zukunft der Bahn überzeugen können. Es wäre ja nicht so schlimm, aber der Präsident von Neuss ist als Generalsekretär des Direktoriums in Köln auch für die Zukunft des Rennsports in Deutschland verantwortlich. Und wie soll ihm das im Großen gelingen, was im Kleinen auf seiner Hausbahn nicht gelungen ist?

Und wenn man sich den Rennsport insgesamt in Deutschland anguckt, dann fehlt vor allem eins: Ein Masterplan, wie es besser werden soll.

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Derbyurteil vielleicht nicht öffentlich?

Wie gewöhnlich gut informierten Kreise berichten, liegt das Urteil des oberen Renngerichts inzwischen dem Direktorium vor. Ebenso berichten diese gut informierten Kreise, daß der Vorsitzende des oberen Renngerichts am Montag angeblich entscheiden will, ob und wie das Urteil veröffentlicht wird und ob es allgemein zugänglich sein wird.

Es ist diese Geheimniskrämerei, dieser Standesdünkel, daß Informationen nur einem ausgewähltem Kreis zugänglich sein dürfen etc., der mehr als nur ein schlechtes Licht auf den Rennsport fallen läßt und der mit Recht, die Aufrichtigkeit der handelnden Personen zweifelhaft erscheinen lassen. Und die trifft für viele Belange des Rennsports zu.

Was das Urteuil betrifft, so ist es in der regulären Gerichtsbarkeit (als Abgrenzung zur Sportgerichtsbarkeit des DVR) üblich, daß Entscheidungen nach einer Anonymisierung allgemein zugänglich sind. Dabei werden die Entscheidungen der Obergerichte allgemein veröffentlicht, so daß ein Zugriff Interessierter im Internet direkt erfolgen kann.

Das Urteil hat im Rennsport ein Beben von bisher kaum gekannter Stärke verursacht und viel Schaden verursacht. Sollte um diese Entscheidung jetzt als Verschlußsache behandelt werden,  wäre ein offener Aufstand wohl kaum noch zu vermeiden – und damit sollte man nicht bis zum 14. Juli warten. Es bleibt auch zu hoffen, daß es in Köln keine März gefallenen geben wird.

Es bleibt zu hoffen, daß Herr Dr. Paul als Vorsitzender des oberen Renngerichts und ehemaliger Präsident des hessischen Staatsgerichtshofs sich der Gepflogenheiten der Rechtspflege in Deutschland erinnert und das Urteil uneingeschränkt und allgemein zugänglich veröffentlichen wird.

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Video – auch bei Dschingis Secret Verstoß gegen die Peitschenregel

Im Internet ist ein neues Video online und auch bei Dschingis Secret wurde im Derby gegen die Peitschenregel verstoßen.

Um es gang klar zu sagen, ich mache dem Reiter deswegen keinen Vorwurf. Es war das Derby, es war eine knappe Ankunft und wenn dann mal mehr zur Peitsche gegriffen wird, ist das allzu verständlich. Man will das Rennen schließlich nach Hause bringen.
Aber der Besitzer sollte einfach noch in sich gehen und feststellen, daß er nicht etwas bei anderen kritisieren darf, was bei seinem Jockey auch der Fall ist, nämlich ein nach Rennordnung übermäßiger Peitschengebrauch.

Wenn der Besitzer Anstand und Charakter hat, sollte er seinen Protest nach diesen neuen Beweisen zurück ziehen – aber ich fürchte, daß er dies nicht tun wird.

Peitschengebrauch bei Dschingis Secret

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Das Derby 2016 geht in die nächste Runde.

Am Donnerstag hat das obere Renngericht entschieden, daß der Einlauf im Deutschen Derby 2016 vor dem Renngericht neu verhandelt werden muß. Es wurde folgende Pressemitteilung veröffentlicht:

Die Entscheidung des Renngerichts beruht zwar unter anderem auf einer jahrzehntelangen Handhabung der Nr. 623 Punkt 2 der Rennordnung und anderer Vorschriften. Nr. 623 Pkt. 2 der Rennordnung bestimmt wörtlich:
623. Ein Pferd ist zu disqualifizieren

… 2. bei einem Verstoß gegen die Vorschriften über die Durchführung der Rennen“

Diese bisherige Handhabung hält jedoch einer Nachprüfung nicht stand. An der eindeutigen Bestimmung der Nr. 623 Pkt. 2 der Rennordnung ist nicht vorbeizukommen. Deshalb ist beim Einsatz der Peitsche über die zulässige Richtzahl von fünf Schlägen (Nr. 482 RO in Verbindung mit Richtlinie Nr. 9 Ziffer 4) hinaus zu disqualifizieren. Dem Renngericht bleibt allerdings die Entscheidung, wie im Einzelnen diese Disqualifikation zu erfolgen hat (Nr. 626 der Rennordnung).

Soweit das kurze Presse-Statement

Um das Ergebnis vorweg zu nehmen. Das Urteil kann man aus vielen Gründen nur als Skandalurteil betrachten, dem dazu der Geruch der Befangenheit anhaftet.

Die Mitglieder des oberen Renngerichts waren die Herren Dr. Paul, Ellerbracke, Leisten, Neunzig, v. Mitzlaff. Wer profitiert von einer Disqualifikation des Siegers und des Zweitplazierten?  Der vermeintliche Sieger Dschingis Secret wird in Röttgen trainiert, Soldier Hollow ist in Auenquelle aufgestellt. Mindestens zwei Mitglieder des Renngerichts hätten wegen eigener Interessen gar nicht am Tisch sitzen dürfen.

Weitere Besonderheiten dieser Verhandlung hat Lars-Wilhelm Baumgarten bei Facebook gepostet. Der Beklagten-Anwalt und der Sprecher der Rennleitung des HRC Frank Becker waren zur Verhandlung nicht zugelassen, wohl aber der Klägervertreter. Des Weiteren erfolgte die Verhandlung unter Ausschluß der Öffentlichkeit.

Seit wann erfolgen Verhandlungen unter Ausschluß der Öffentlichkeit (Sonderfälle, die im Rennsport nicht zur Debatte stehen, einmal außen vor)? Wie kann es sein, daß der Beklagten-Vertreter zur Verhandlung nicht zugelassen ist? Auch wenn es ein wenig weit hergeholt sein könnte, erinnert es sehr an politische Prozesse, die es in Dtld seit 1989 eigentlich nicht mehr geben sollte.

Allein die Tatsache, daß der Beklagtenvertreter zur Verhandlung nicht zugelassen wurde, macht die Entscheidung anfechtbar! Jedes ordentliche Gericht würde sie sofort kassieren!

Die Argumentation in der Presseerklärung ist nicht nachvollziehbar. Es gibt in der RO dezidierte Regeln für das Verfahren bei einem Peitschenmißbrauch und wie der Jockey zu betrafen ist. Nach dem Derby wurden diese Strafen drastisch verschärft, was hier aber nicht zu berücksichtigen ist. In Ziffer 484 RO ist ausdrücklich vermerkt, daß eine Disqualifikation nur erfolgen darf, wenn eine Peitsche statt einer Reitklappe mitgeführt wurde. Das heißt auch im Umkehrschluß, daß in allen anderen Fällen des Peitschenmißbrauchs oder der falschen Führung der Peitsche KEINE Disqualifikation erfolgen darf!

Die angeführte Ziffer 623 Nr 2 RO ist eine sehr allgemeine Regelung, die aber nicht für die Fälle greifen kann, für die eigene Vorschriften erlassen wurden. In den folgenden Ausführungen, in denen die verschiedenen Protestgründe genannt werden, ist der Fall des Peitschenmißbrauchs  nicht genannt. Wohl aber ist vorgeschrieben, daß der Protest vor Waageschluß erfolgen muß.  Da der Besitzer des Drittplazierten keinen Protest eingelegt hat, kann er jetzt auch nicht eine Änderung des Richterspruchs fordern.

Wenn die Auffassung des Renngerichts also greifen sollte, hätte seit Verschärfung der Peitschenregel (oder schon vorher?) in jedem Fall des Peitschenmißbrauchs der Sieger oder die Plazierten disqualifiziert werden müssen. Dies ist jedoch bisher nicht der Fall gewesen und auch deswegen kann Ziffer 623 RO hier nicht in dieser vom ORG angedachten Form verstanden und angewendet werden.

Es scheint ein Verfahren zu sein, bei dem man dicke Eichenbalken der gewachsenen Rechtsprechung des Rennsports wie Gummistäbe biegen will, um ein für bestimmte Leute passendes Ergebnis zu erzielen.

Sollte es zu einem Urteil kommen, in dem der Sieger wegen Peitschenmißbrauchs disqualifiziert wird, wäre das ein Unikum in der Welt der großen Rennsportländer und es muß dann die Frage gestellt werden, ob man die Leitung des Rennsports dann nicht besser dem Festkommitee des Kölner Karnevals überträgt, denn mit Leistungsprüfungen haben die Veranstaltungen dann nur noch wenig gemein.

Der Schaden für das ohnehin ramponierte Image des Rennsports in der Öffentlichkeit ist schon heute hoch.

Die Kritik in den sozialen Medien ist hoch, nachfolgend ein paar Beispiele:

“Wirklich unglaublich!”

“Soetwas nennt man Befangenheit. UNGLAUBLICH, dass die Besetzung des Gerichts so überhaupt aufgestellt wurde, meiner Meinung nach noch unglaublicher, dass jemand, der sich dem “Geruch” einer Befangenheit ausgesetzt sieht, sich überhaupt aufstellen lässt.”
“Skandal, diese Herren machen den ganzen Sport kaputt”

“Da fällt einem nur ein einziges Wort ein : SKANDAL. Auch eine Möglichkeit den Rennsport in der Außenwirkung der völligen Lächerlichkeit preiszugeben. Man kann nur hoffen, das diese Herrschaften nicht auch noch über die Verteilung der Mittel und damit die Zukunft des Rennsports entscheiden. Wie heißt doch eine alte Binsenweisheut: GELD VERDIRBT DEN CHARAKTER”

“Die Totengräber des Rennsports an einem Tisch , Glückwunsch !!”

“Das oberste Renngericht hat angeblich in der folgenden Besetzung , Dr Paul, Ellerbracke und Leisten entschieden. Dr. Paul, Herr Ellerbracke ??? SoldierHollow steht in Auenquelle, der Betroffene Besitzer hat wo die Pferde im Training stehen? Der ganze Protest ist an Unsportlichkeit kaum zu übertreffen , aber jetzt wird es peinlich für den Rennsport.”

“Es gibt eine schönes Lied das heißt. Wer hat mein Lied so zerstört. Jetzt kann man nur noch sagen. Wer hat meinen Sport so zerstört. Unglaublich dieser deutscher Rennsport”
“Das ist das allerletzte, eine solche Besetzung, die doch in keiner Weise unabhängig ist entscheidet? Gehts noch? Kennt denn keiner die Verbindungen”

“Lass mich selten zu kommentaren hinreissen. Aber was heute hier entschieden wurde ist fuer unseren sport grauenhaft. Da kaempft man mit eigenen mitteln fuer die erhaltung von rennbahn und sport und dann entscheidet die debilitaet von diesen herren und stellt alle entscheidungen des renngerichts in frage? Ich werde die konsequenz daraus ziehen.”

“Antwort dazu: Ja Herr [...] nur bitte die richtige Konsequenz! Es muß endlich eine Wachablösung herbeigeführt werden und dabei müssen endlich alle an einem Strang ziehen. Die Verantwortlichkeiten müssen neu verteilt werden, dabei müssen verschiedene Fraktionen berücksichtigt und die alten Seilschaften nachhaltig geschwächt werden. Solange jeder im Sinne seiner Eigeninteressen sein Fähnlein nach dem Winde hängt, wird sich nichts verändern.”

“Ich dachte das gibt’s nur in Italien”

Und das beste Zitat zum Schluß: “Die Maxime einer mittlerweile verstorbenen Grand Dame des deutschen Rennsports lautete: ‘Wir gewinnen etweder auf dem grünen Rasen oder gar nicht’. Das mag verstaubt sein, aber hat was. Diese Prozesse mit allem Drum und Dran machen mehr Schade, als unserem Sport gut tut.Soviel Engagement würde ich mir bei der Entwicklung neuer Wege, Visionen für die Zukunft wünschen.”

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Der Spiegel berichtet über die Probleme im Galoppsport

Ein Bericht im Spiegel über die Problem im Galoppsport. Es ist eben viel Hausgemachtes und man wartet auf Lösungsvorschläge aus Köln. Eine offene Diskussion wäre überfällig, aber sie findet seit Jahren nicht statt.

Bericht im Spiegel

Wo soll das hinführen, wie soll es weiter gehen?

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Es gibt noch Richter in Frankfurt!

Einen Paukenschlag hat es heute in Frankfurt gegeben. Das OLG hat entschieden, daß die Zwangsräumung der Rennbahn durch die Stadt aus dem Urteil des LG Frankfurt vom 16. Dezember gegen Sicherheitsleistung von 75.000 EUR eingestellt wird.

Die Urteilsbegründung hat einen Umfang von 15 Seiten  - und wenn man an das letzte Urteil des OLG in den Streitigkeiten um die Rennbahn denkt, könnte es eine erneute schallende Ohrfeige für die in der Stadtverwaltung am Projekt beteiligen “Fachleute” sein. Damit ist das Ansinnen der Stadt, die Rennbahn an den DFB zum Bau der Sportakademie baldmöglichst zu übergeben, in weite Ferne gerückt. Das OLG ist dabei der Argumentation des Rennklubs gefolgt, wonach dieser noch einen Pachtvertrag bis mindestens 2024 hat.

Das Urteil wird auch Signal-Wirkung auf den DFB-Bundestag haben, der im September über den Bau der Akademie entscheiden soll. Entgegen den bisherigen Äußerungen des DFB’s ist es nämlich keinesfalls so, daß mit der Übergabe des Geländes direkt gebaut werden kann. Dafür ist nämlich nicht nur ein Präsidiumsbeschluß erforderlich, wie von DFB-Seite bisher der Eindruck vermittelt wurde. Vielmehr muß der DFB-Bundestag insgesamt darüber entscheiden – und ob der angesichts jahrelanger Streitigkeiten dazu eine Mehrheit finden wird, ist mehr als fraglich.

Es ist jetzt sehr dringend an der Zeit, daß die Stadt die Niederlage eingesteht und baldmöglichst mit dem Rennklub konstruktive Gespräche über die Fortführung des Rennbetriebs aufnimmt. Das Gelände gammelt vor sich hin und bietet keinen schönen Anblick. Die Stadt als derzeitiger indirekter (oder direkter??) Besitzer läßt die Anlage einfach vor sich hingammeln und wenn im Frühjahr überall das Unkraut sprießt, dann sieht es dort bald aus wie auf einer Industriebrache – und das mitten in Frankfurt.

Glückwunsch an das Team um Graf Solms und seine Mitstreiter im Frankfurter Rennklub. Es zeigt sich mal wieder, daß es sich lohnt, um eine Sache, von der man begeistert ist, zu kämpfen.  Und an dieser Stelle muß man auch an Rebekka Unrath erinnern, die “damals” als 2014 der Frankfurter Magistrat einfach beschlossen hat, den Rennsport zu enteignen, ein Bürgerbegehren auf die Beine gestellt hat, das zwar formaljuristisch gescheitert war, aber in Frankfurt einen richtigen Wirbel verursacht hat.

Es sind die Amateure, die in Frankfurt eine heiße Klinge schlagen, während sich die Profis in Köln mehr als bedeckt halten.

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Einsicht bei der Politik in Frankfurt?

Wie die Frankfurter Rundschau diese Woche berichtet, hat die Stadt dem Rennklub angeblich eine Entschädigung für den Fall angeboten, daß man die Rennbahn räume. Der Rennklub hat natürlich abgelehnt, denn wahrscheinlich wird diese “Entschädigung” in Höhe eines Almosen gewesen sein, wie das in der Politik so üblich ist, wenn man an Privatpersonen oder Vereine “freiwillig” eine Zahlung leistet

Wobei – jetzt hat die Stadt endlich mal den ersten Schritt gemacht und dem Rennklub ein Angebot gemacht. Jetzt sollte man einfach mal um die Höhe feilschen. Einfach mal 50 Million in den Ring werfen und dann die entsetzten Gesichter des Magistrats genießen. Zu wenig Fragen ist schließlich Faulheit und das darf man dem Grafen Solms nun wirklich nicht unterstellen.

Dann wird gefeilscht und geschachert und gehandelt daß den Bazaristi die Augen ausfallen – und am Ende kommen dann 40 oder vielleicht auch nur 35 Millionen raus. Und davon wird dann an der Peripherie eine neue Bahn gebaut – alles top modern mit schönen Linien.

Dann können die Fußball-Rowdies ihr Schulungs-und Weiterbildungs-Zentrum für Hooligans und Balltreter bauen und der Rennsport hat eine schöne neue Bahn – und alle sind Glücklich und zufrieden.

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Jockey-Club will die Rennbahn von Kempton Park schließen

Während in Deutschland die Rennbahnen meistens den Gemeinden gehören und an den Rennsport vermietet werden, ist der Jockeyclub in England der Eigentümer vieler Rennbahnen.

Diese Woche verkündete der Präsident des Jockey Clubs, daß man die Rennbahn von Kempton Park im Speckgürtel von London schließen und als Bauland verkaufen wolle. Mit dem erwartetem Erlös von rund 500 Mio Pfund soll die Struktur des Rennsports insgesamt verbessert werden und eine neue Sandbahn in Newmarket gebaut werden.

Den Betrachter wundert es, daß eine Rennbahn mit Sandbahn geschlossen werden solle, um an anderer Stelle eine neue Sandbahn zu bauen.

Es hat nicht lange nach der Veröffentlichung der Meldung gedauert, bis ein Shitstorm nicht nur in den sozialen Medien über den Präsidenten des altehrwürdigen Jockey-Clubs hereinbrach, mit dem man in Newmarket wohl nicht ansatzweise gerechnet hat. Die Äußerungen sind teilweise sehr hart und deutlich wie z. B. die Frage, warum man denn eine neue Sandbahn brauche. Die Sandbahnrennen sind doch vor allem dafür da, den Buchmachern die Taschen zu füllen.

Aber es sind nicht nur die sozialen Medien, die Sturem gegen den Beschluß des Jockey Clubs laufen. Auch die Presse schießt scharf gegen den “Heiligen Stuhl von Newmarket” des Galopprennsports. Der Guardian protestiert in mehreren Artikeln gegen die Schließung. Eine traditionsreiche Bahn, auf der Pferde wie Arkle, Desert Orchid and Kauto Star sich einen Namen gemacht haben, kann man nicht einfach schließen. Der Autor zitiert den Jockey-Club der einmal über den Wert des englischen Rennsports sagte, das die Tradition des Sports in England keinen Preis habe, weil sie unbezahlbar sei – und eben dieser Jockey-Club will jetzt eine traditionsreiche Rennbahn verkaufen – 30 Silberlinge werden an anderer Stelle als Kaufpreis genannt.

Die Racing Post veröffentlicht bei  Facebook fast im Stundentakt Stimmen von Trainern und Reitern, die sauer und wütend über den Beschluß des Jockey-Clubs sind. Die sonst verwendete vornehme Formulierung “not amused” scheint den Trainern und Reitern in diesem Fall entschieden zu milde zu sein ;-)

Daß die Trainergilde und natürlich auch die Jockeys Sturm gegen die Schließung laufen, sei nur am Rande erwähnt. Nicky Henderson, einer der großen Trainer des National Hunt Sports, meint, daß der Boden in Kempton Park etwas besonderes sei und daß man die Rennen nicht  einfach nach Sandown verschieben könne. Es sei zwar nur 5 Meilen entfernt, aber die Verhältnisse seien ganz andere. Sehr deutlich sagt er, die Schließung von Kempton Park wäre ein Nagel im Sarg des National Hunt Sports.

Kempton Park ist nicht die ganz großartige Rennbahn im Königreich, aber sie ist Heimat der  King George VI Chase am sogenannten Boxing Day, dem zweiten Weihnachtstag. Und es ist in England gute Familientradition, am Boxing Day einen Ausflug nach Kempton Park zu machen. Ob man die Besucher wohl einfach nach Sandown umleiten kann?Inzwischen sind mehrere Petitionen zum Erhalt von Kempton Park bei Change.org eingerichtet worden. In den Foren der Buchmacher ist die angekündigte Schließung das Hauptthema.

Ich wage am Ende mal die provokante Frage, ob es vielleicht bald einen Präsidenten beim Jockey-Club geben wird. Es sind schon wegen kleinerer “Unfälle” die Köpfe von Verantwortlichen gerollt.

Petition zum Erhalt der Rennbahn in Kempton Park

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Der Melbourne-Cup – ein Reisebericht von Sarah Leutwiler

Sarah Leutwiler, Juristin aus Zürich und frühere Amateurrennreiterin, Silbermedaillen-Gewinnerin der Fegentri-Weltmeisterschaftswertung für die Damen 2011, hat privat Australien bereist. Und wer einmal vom Galopp-Virus infiziert ist, besucht bei einer solchen Reise natürlich auch den Melbourne-Cup, das berühmteste Galopprennen Australiens – The Race which stops the world.
Über den Melbourne-Cup hat sie einen kleinen Reisebericht verfaßt:

In meiner Zeit als Amateurrennreiterin war ich schon sehr weit herumgekommen. Aber nach Australien hatte ich es bisher nicht geschafft. Als ich dann im Jahr 2015 den Sieg von Michelle Payne als erste siegreiche Amazone des Melbourne Cups in den Medien verfolgte, wusste ich, dass ich unbedingt mal live vor Ort sein wollte, wenn dieses Rennen stattfindet. So kam es, dass ich mit meinem Verlobten im Oktober/November 2016 zwei Wochen Ferien in Australien machte und dabei auch den Melbourne Cup besuchte.

Von Zürich aus flogen wir mit Emirates via Dubai nach Melbourne. Um bequemer zu reisen, hatten wir bereits Anfang Jahr Business-Flüge gebucht. Das schlägt sich zwar im Budget nieder, aber hat sich für uns gelohnt, zumal ein Aufenthalt von lediglich zwei Wochen eher kurz ist, wenn man den Zeitunterschied von 10 Stunden bedenkt. Den Jetlag überwanden wir in den zwei Wochen nie richtig. Aber wir waren dafür bereits früh morgens fit und unternehmungslustig, was auch Vorteile hat.

Die Tickets für den Melbourne Cup hatten wir via Internet gekauft. Die Tribünenplätze werden etwa im März zum Verkauf freigegeben und sind bereits einige Monate vor dem Melbourne Cup ausgebucht. Wir erstanden unsere Tickets rund ein halbes Jahr vor dem Rennen. Zu diesem Zeitpunkt waren schon die meisten Plätze nicht mehr zu haben.

In Melbourne wohnten wir im Hotel Crown Metropole, eines der drei Crown Hotels, die auch Pferderennen sponsern und viele Rennsportgäste beherbergen. Dass der Tag des Melbourne Cups ein besonderer, öffentlicher Feiertag ist, schlägt sich natürlich in den Hotelpreisen und den Verfügbarkeiten der Zimmer nieder. Auch die meisten Hotels sind früh ausgebucht. Es lohnt sich auch hier, frühzeitig zu buchen.

Der Hype um den Melbourne Cup ist natürlich riesig. Auf Werbeplakaten und in Nachrichtensendern, überall wird man an das Grossereignis erinnert und es wird darüber diskutiert, wer denn der diesjährige Sieger sein wird.

Das Wetter in Melbourne ist sehr unberechenbar. Es kann sich im Verlaufe eines Tages bis zu viermal ändern. Vom wolkenlos blauen Himmel mit viel Sonnenschein und frühsommerlich warmen bis heissen Temperaturen bis zum wolkenverhangenen, grauen Himmel mit viel Wind und Regen sowie stürmischen Gewittern haben wir in den vier Tagen in Melbourne alles erlebt. Am Renntag selbst war es zum Glück bis auf drei kurze Schauern trocken und teilweise sogar sonnig.

Auf die Rennbahn Flemington reist man vom Stadtzentrum aus am einfachsten und schnellsten mit der Bahn. Die Rennbahn verfügt über eine eigene Bahnstation und ist in rund 20 Minuten zu erreichen. Auf den Strassen hat es demgegenüber extrem viel Verkehr und entsprechende Staus.

Am Melbourne Cup Day waren rund 100’000 Besucher auf der Rennbahn. Das ist mit Abstand die höchste Besucherzahl, die ich je erlebt habe. Alle Leute waren entsprechend dem Dresscode sehr schön und bunt gekleidet. Die Damen trugen natürlich Hut. Die Kleidung und Stimmung der Leute schuf eine wunderbar lebensfrohe Atmosphäre, die wohl fast einmalig ist.

Wir hatten nummerierte Plätze auf der Tribüne Lawn Stand. Das ist ein nicht überdachter Teil der Tribüne, welcher fast vis-à-vis des Zielpfostens liegt. Die Tickets waren mit rund EUR 170 recht teuer, wenn man bedenkt, dass wir damit keinen Zugang zur Haupttribüne und dem noch viel schöneren VIP-Bereich hatten.

Der hohen Besucherzahl entsprechend war die Rennbahn extrem überfüllt. Überall musste man Schlange stehen, was der guten Stimmung aber keinen Abbruch tat und wohl einfach dazugehört.

Die Rennbahn ist mit Rosen in unterschiedlichsten Farben wunderschön geschmückt. Es wurde mir gesagt, dass sich ein Angestellter das ganze Jahr über nur um die Rosen auf der Rennbahn kümmert.

Zum Wetten gibt es nicht nur bediente Wettschalter sondern auch Automaten. Diese sind grundsätzlich einfach zu bedienen, nur muss man wissen, dass sie kein Rückgeld rauslassen. Unsere Wetteinsätze waren deshalb etwas höher als geplant, aber dank dem fantastischen Schlenderhaner Sieger Almandin holten wir dann doch noch einen kleinen Wettgewinn heraus. Wer nicht alles Geld einsetzt, erhält anstelle von Rückgeld einen Gutschein (Voucher), dessen Wert zu einem späteren Zeitpunkt verwettet werden kann.

Für 8 australische Dollar kann man das offizielle Racebook kaufen, welches in einem kompakten Format zahlreiche nützliche Informationen über die Starter enthält. Ohne dieses Racebook hätten wir wohl keinen Wettgewinn erzielt.

Der Besuch des Melbourne Cups war auf jeden Fall ein unvergessliches Erlebnis. Die riesigen Dimensionen der Rennbahn, die eindrückliche Kulisse mit der Skyline von Melbourne, die enthusiastischen Rennbahnbesucher und der tolle Rennsport sind einfach fantastisch und international gesehen wohl fast unvergleichbar.

Dazu einige Impressionen von der Rennbahn und dem Blick auf Melbourne, die auch ohne Bildunterschriften sprechend sind – leider ohne den Sieger.

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Die Süddeutsche berichtet über die Rennbahn

Der Rennbahnstreit in Frankfurt geht weiter und das Medieninteresse nimmt nicht ab, sondern eher zu. Am Neujahrstag berichtet die Süddeutsche in einem ausführlichem Artikel über das Geschehen in der hessischen Metropole.

Der kleine Frankfurter Rennklub wehrt sich gegen den mächtigen DFB und die Stadt Frankfurt. Fast fühlt man sich an die Geschichte vom kleinen gallischen Dorf und das mächtige Imperium Romanum erinnert. Aber Graf Solmix und Rebekka Unrathix haben mit Asterix und Obelix eher wenig Ähnlichkeit….;-)

Die Süddeutsche als außenstehende, nicht zum “Frankfurter Club” Zeitung rollte die Geschichte noch einmal recht ausführlich auf, aber leider übersieht auch sie einige Fakten zur Causa Rennbahn.

Es wird immer noch der Sportakademie gesprochen. Verschwiegen wird, daß der DFB mit seinen gesamten Zentrale auf das Grundstück ziehen will. Also mit allen DFB-eigenen Firmen. Die bekommen dann neue Büroräume auf einem Filet-Grundstück zu einem Preis der jeder Beschreibung spottet.

Und die Kosten für die “Freimachen” des Grundstücks werden nicht genannt. Ich wiederhole sie hier aus einem früheren Post noch einmal

Manfred Hellwig, Gesellschafteranteil 2,0 Mio
Manfred Hellwig, Ersatz für Investitionen 3,0 Mio
Golfakademie für vorzeitige Beendigung des Mietvertrages 2,5 Mio

Das sind rund 7,5 Mio Euro. Dazu kommt noch der weitgehende Pachtverzicht gegenüber dem Golfclub von rund 300.000 EUR für das Jahr 2016. Da das Grundstück nach derzeitiger Lage nicht zum 1. Januar 2017 übergeben werden kann, muß theoretisch die Vertragsstrafe mit dem DFB in Höhe von 900.000 Euro hinzu gerechnet werden. Das macht dann gute 8,5 Mio an Kosten für die Stadt. Demgegenüber steht ein Erlös aus dem Erbpachtvertrag von 6,3 Mio Euro, macht einen Verlust bei Vertragsabschluß von reichlich 2 Mio EUR.

Und jetzt steht das Projekt noch unter dem Vorbehalt des DFB-Bundestags, was erst Ende 2016 bekannt wurde. Bisher hatte es immer geheißen, daß das Projekt beim DFB in trockenen Tüchern sei. Und was passiert, wenn der DFB-Bundestag auch wegen der weiter gestiegenen Kosten das Projekt ablehnt?

Dann ist die Rennbahn platt und es besteht eine große Freifläcte. Und die wird dann in die richtigen Kanäle an die Frankfurter Baulöwen weiter gereicht und die verdienen sich dann eine goldene Nase.

Ist der DFB vielleicht nur vorgeschoben und es geht der Stadt nur um Bauland?

Der Link zum Artikel Süddeutsche Zeitung

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