Wenn Pferde fliegen können

Durch Zufall bin ich über einen Zusammenschnitt der besten Siege von Chautauqua, einem australischen Flieger gestolpert. Faszinierend, mmit wie viel Speed  der Encosta de Lago-Sohn seine Rennen gewonnen hat. Leider war er Wallach und konnte seinen Speed nicht vererben.

Chautauqua Zusammenschnitt

Der Beste ist für mich aber immer noch dieser namenlose Japaner, der von ganz weit hinten kommt und dann noch locker gewinnt. Dabei ist nicht nur die Speedleistung des Pferdes phantastisch, der Kommentator, der hinterher nur noch im Stakkato stammelt, ist ein Hörgenuß dazu.  Könnte man fast als Klingelton auf dem Handy verwenden.

Ein fliegender Japaner

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Relaunch Deutscher Galopp – ein paar aufgeschnappte Meinungen

Turfdeutschland organisiert sich – mal wieder – neu und neben einer neuen, hier bereits kritisierten Struktur, wurde auch der Internetauftritt mit allem,was dazu gehört, neu gestaltet. Ich war ja nie ein Freund von German Racing, weil ich die Anglismen nicht leiden kann, aber wenn ich das neue sehe, dann sehne ich mich nach der alten Seite zurück.

Abgesehen davon, daß es bei der Markenpflege eine sehr gefährliche Operation ist, sowohl Namen als auch Erscheinungsbild einer Marke komplett zu ändern, kann man über die jetzige Darstellung sehr geteilter Meinung sein. Aus Raider wurde Twix, aber das Erscheinungsbild des Schokoriegels war im gleichen Design geblieben, nicht so bei den Galoppern.

Wir haben uns deswegen im pferdeaffinen Bekanntenkreis ein wenig umgehört und folgende Antworten bekommen.

  • Das ist kein Logo, das ist ein Piktogramm. Wofür soll das stehen? Ein Pferd ist nicht zu erkennen.
  • Das Pferd ist „negativ“ dargestellt. Die Ohren sind angelegt, „positive“ Pferdeohren zeigen nach vorne. „Mit gespitzten Ohren“.
  • Was soll die Kugel da? Ist das der Mond über dem Berggipfel (das wurde O-Ton so gesagt)
  • Die Webseite ist jetzt Klicky-Bunti. Hat da ein Praktikant mal ausprobiert, welche Farben man auf einer Webseite verwenden kann, ohne sie komplett unleserlich zu machen?

Und das Statement „Mit Herzblut für Vollblut“. Ist das aus der Herzschmerz-Serie des ZDF am Sonntag Abend? Rosamunde Pilcher et al? Oder ist das aus der Werbung von Doppelherz, „Mit der Kraft der zwei Herzen“? Oder hat man den Slogan im Wendy-Forum geklaut?

Und das dazu veröffentlichte „Manifest Deutscher Galopp“ – ich lese da immer nur „wir …wir… wir“ oder “ich, ich, ich”. Wir beschäftigen uns erst mal mit uns selbst und störende Kunden und Interessenten können wir dabei nicht gebrauchen. Wir rechtfertigen uns, für das, was wir tun, wir fühlen uns in die Ecke gestellt etc. etc. Man könnte auch sagen, das Manifest ist ein Kniefall vor Peta. Das hat der Galopprennsport nicht nötig – nicht ansatzweise!

Und der Besucher? Wo wird auf der Webseite der Besucher angesprochen, wo wird man neugierig auf Pferderennen gemacht. Galopp-Rennen ist seit ewigen Zeiten eine Leistungsprüfung für Sportpferde und gleichzeitig ein gesellschaftliches Ereignis, daß alle Klassen einer Gesellschaft miteinander verbindet. Galopprennen ist Freizeit für Kumpel und Könige. Okay, Kumpel haben wir kaum noch in Deutschland und Könige leider (sic!!) auch nicht mehr! Aber die Idee, daß sich auf der Rennbahn der einfache Mann mit dem Vertreter der großen Gesellschaft trifft, wird auf der Rennbahn immer noch gelebt.

Die ehemalige Produktmanagerin der SparkassenCard, der Chipkarte mit der größten Verbreitung im deutschen Finanzwesen, fragte dazu:
Woran soll der Besucher den Sport wiedererkennen? Als was soll der Besucher die Marke verstehen? Nach knapp 10 Jahren soll sich der Besucher komplett neu orientieren, neues Logo, neue Farben … hmmm Wo stehen die Alleinstellungsmerkmale des Sports? Was ist die besondere Faszination des Galoppsports? Warum sind Pferderennen interessanter als andere Sportarten? Warum geht man mit der Familie am Wochenende besser auf die Rennbahn als ins Fußballstadion?

Warum soll ich auf Pferde am Toto setzen und nicht auf das Ergebnis eines Fußballspiels setzen?

Für Insider ist Galopprennen der großartigste Sport auf der Welt – aber bei Deutscher Galopp spürt man nichts davon, nichts, gar nichts. Wo ist die Dynamik des Vollbluts zu spüren, wo die Leidenschaft auf der Rennbahn?

Ich frage mich, wer hat das zu verantworten? Ich plädiere dafür, den Projektmanager nach Sibirien zu verbannen – 20 Jahre mindestens!

Einzig positiv ist, daß der Rennsport für diese Übungsveranstaltung einer Markenagentur ein Honorar von 60.000 Euro erhalten haben soll. Ist ja immerhin etwas Geld in die Kasse!

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Die Struktur-Reform – Gastbeitrag von Hubertus Schmelz

Das Thema Strukturreform geistert seit gefühlt 30 Jahren durch den Sport. Ein untoter Geist, der stets bemüht wird, eine untote Sache zu beleben. Das DRV hat getagt, wie jedes Jahr, und man hat eine neue Satzung verabschiedet, die in der Tat eine Reform insofern darstellt, als der Vorstand des DVR abgeschafft werden soll, und stattdessen nur noch das Präsidium und der Präsident entscheiden sollen. Auch soll das DRV zukünftig als „Deutscher Galopp“ firmieren. Diesen Namen hat sich eine Hamburger Agentur für um und bei 60.000 ausgedacht. Was soll man dazu sagen?

Es hat sich dazu laut GOL Herr Baumgarten geäussert, einer der neuen Vorstände der BV. Ich empfehle, den Artikel im Archiv dort nachzulesen. Ich werde aus seinen Ansichten nicht recht schlau; einerseits beschreibt er ganz gut, was alles nicht gut ist, andererseits beklagt er die viele Kritik.

„Neue Besitzer, Syndikate, Wetter, Kundenpflege, Dienstleistung, EDV, Zucht usw usw…aber nur, wenn alle mithelfen und anpacken und wissen, dass Fehler passieren, gerade, weil der Sport unterpersonalisiert und unterfinanziert ist – kann er sich selber helfen.

Wer ist dabei – Deutscher Galopp – auf gehts.““

So ganz stimmt das ja nun nicht, denn es scheint zumindest soviel Geld da zu sein, um des Herrn Pommer‘s neue Abteilung Marketing zu finanzieren, und einen Präsidenten, der auch nur für Geld arbeitet. Also, Personal für Geld ist jede Menge vorhanden. Und daß alle mithelfen müssen, ist richtig, aber das tun die Besitzer ja schon seit Ewigkeiten, und zwar zu drei Vierteln. Jedoch, es werden immer weniger, wie auch die Pferde immer weniger werden, und die Bahnen. Das ist das Kernproblem.

Noch kerniger wird das Problem, wenn man sich mal vergegenwärtigt, wie der Sport in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Eine der wenigen erhellenden Aussagen der Nielsen Studie ist die Erkenntnis, daß das Thema Tierschutz ganz oben steht, was Leute am Sport nicht mögen. A#1. Hierzu schreibt der neue Vorstand Baumgarten wie folgt:

„Die 2jährigen Rennen können weiter stattfinden – mit den Tierschutzverbänden sieht es nach einem guten Kompromiss aus.“

In der Washington Post von gestern steht auf der Seite 1 folgendes über einem Meinungsartikel:

Does a sport that gambles with the lives of horses really belong in our world?“

Das ist die Frage, um die es geht, und die 2 Jährigen Rennen sind ein extrem wichtiges Thema, was man an den Leitlinien zum Pferdesport in GER erkennt. Die wollen zukünftig auch das Trainieren und Rennen für 2 Jährige abschaffen. Die Welt rückt zusammen, der Rennsport ist sowieso international. Wie viele Vollblüter der Gesamtpopulation weltweit gehen auf Northern Dancer zurück? Fast 100%!

Der Posten Tierschutzbeauftragte des DVR ist unbesetzt, wie aus Köln zu hören war.

Nach meiner Ansicht hat der Sport bis heute wenig bis nicht erkannt, daß die Welt sich verändert hat. Wenn sich die Internationale Presse auf den Titelseiten kritisch mit dem Thema beschäftigt, und das zunehmend und nicht nur wegen Santa Anita, dann sollte auch den hiesigen Vertretern des Sport klar sein, woher der Gegenwind weht, und wie stark er zunehmend wird. Die zentrale Frage ist, wie die WaPo schreibt,

„Gehört ein Sport, der mit dem Leben von Pferden spielt, wirklich in unsere Welt?“

Ob diese Strukturreform diese Frage positiv beantworten kann, oder die beiden Herren an der Spitze, wage ich zu bezweifeln.

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Die 100 bedeutendsten Rennen der Welt

Die International Federation of Horseracing Authorities hat das offizielle Rating der internationalen Top-100 Gruppe-1 Rennen veröffentlicht und es enthält ein paar Überraschungen. Nicht ganz erstaunlich ist dabei die geringe Anzahl der französischen Rennen in der Top-100-Aufstellung. Und auch wenn das Rating vom Arc angeführt wird, ist das Ergebnis für die Franzosen sicherlich nicht befriedigend. Nur5% der Top-Renen der Welt werden in Frankreich gelaufen und in England sind es viermal so viele. Das wird die “Grande Nation” schmerzen. Für die Franzosen kommt noch dazu, das eine merkliche Zahl der Gruppe-Rennen ins Ausland entführt wurde und nicht nur die Engländer starteten immer wieder erfolgreiche “Kaperfahrten” nach Frankreich.

Eine Ursache für diese englische Dominanz liegt natürlich auch im Rennpreis-System. Währende in England die Pyramide der Dotierung relativ steil ist, ist sie in Frankreich deutlich flacher. In England sind die kleinen Rennen eher dürftig dotiert, inzwischen gibt es zwar eine gut dotierte Mittelklasse, aber wirkliches Geld kann man nur in den Top-Rennen verdienen. In Frankreich hingegen sind schon die Basis-Rennen recht gut dotiert und auch wenn es in den großen Rennen gutes Geld zu verdienen gibt, fehlt der englische Druck, für eine erfolgreiche Zucht, unbedingt Spitzenpferde zu züchten.

Bemerkenswert ist weiterhin die Tatsache, daß das japanische Derby im Rating über dem englischen Derby rangiert. Und ebenso bemerkenswert ist, daß das beste amerikanische Rennen erst auf Platz 10 hinter japanischen und australischen Rennen erscheint.

Aus deutscher Sicht ist es erfreulich, daß zwei Rennen unter den Top-100 aufgeführt sind, auch wenn sie erst am Ende der Statistik auftauchen und das Rating sehr von ausländischen Pferden beeinflußt wurde.  Das ist nicht viel, aber im Kreis der GRoßen spielt Deutschland nunmal ganz eindeutig die zweite Geige und bei der derzeitigen Situation im Rennsport müssen wir aufpassen, nicht noch weiter nach hinten zu rutschen. Es kommt noch hinzu, daß außer der der Diana und dem Derby alle Gruppe-1 und eine erhebliche Zahl der anderen Black-Type-Rennen ins Ausland gingen. Es war, wie Harald Siemen in seinem Handicapper-Blog geschrieben hatte, ein Annus horribilis für die Vollblutzucht in Deutschland.

Zur besseren Orientierung nachfolgend der Link mit der Aufstellung mit den 100 wichtigsten Rennen und dazu die Links für die nationalen Gruppe-1 Rennen. Leider kann ich die Rennen für Zweijährige die im Top-100-Ranking nicht berücksichtigt wurden, nicht einfach ausblenden.

Statt des offiziellen Ratings werden in Galopp-Sieger die Ratings der Racing-Post dargestellt. Diese weichen zwar zuweilen von den offiziellen Zahlen ab, aber sie geben trotzdem eine Orientierung.  Außerhalb Europas werden nicht alle Rennen von der RP geratet – dann steht ein entsprechender Hinweis in den Daten.

Die Top-100-Rennen der Welt

Gruppe-1 Rennen England

Gruppe-1 Rennen Frankreich

Gruppe-1 Rennen USA

Gruppe-1 Rennen Japan

Gruppe-1 Rennen Irland

Gruppe-1 Rennen Australien

Gruppe-1 Rennen Neuseeland

Gruppe-1 Rennen Hongkong

Gruppe-1 Rennen Südafrika

In Südafrika sind die Daten noch sehr lückenhaft, wir arbeiten daran. Ansonsten sollten alle Gruppe-1 Rennen der aufgeführten Länder in den Daten enthalten sein. Wer ein fehlendes Rennen findet, bitte nicht behalten, sondern einen kurzen Hinweis in den Kommentaren.

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Invictus Games 2022

Allen Freunden von Galopp-Sieger etwas verspätet ein glückliches, gesundes und erfolgreiches Neues Jahr:
Gott schütze uns vor Sturm und Wind und Pferden, die zu langsam sind!
.

(C) princeofwales.gov.uk

Es läuft im Moment nicht gut für HRH Prince Henry of Sussex und seine amerikanische Ehefrau. Aber egal, wie man die aktuelle Situation bewerten möchte, mit den Invictus Games hat sich der Enkel von Königin Elizabeth ein großartiges Denkmal geschaffen. Er hat die an der Front zum Krüppel geschossenen aus der dunklen Ecke des Verschweigens, des nicht drüber Sprechens herausgeholt. Nicht mit noch einem Denkmal an die Gefallenen des Kriegs zu erinnern, sondern sich um die Überlebenden kümmern, war seine Intention. Er war selbst Frontsoldat und hat erlebt, was für schlimme Dinge den Menschen dort widerfahren.

“Dulce et decorum est pro patria mori – Süß und ehrenvoll ist es, fürs Vaterland zu sterben”  ließ uns Horaz, der alte römische Philosoph und Dichter, einst wissen. In der Realität ist das aber viel weniger schön. Den Heldentod zu sterben, wäre ja noch nett, wenn man danach nicht so kalt und starr werden würde. Und auch ansonsten ist es verdammt beschissen, wenn man mit kaputten Knochen und abgetrennten Gliedmaßen das Leben weiter leben muss. Die Tatsache, dass man sie im Dienst für das Vaterland verloren hat, macht die Sache auch nicht angenehmer. Denn die Rente und die allgemeine Fürsorge des Staats ist eher dürftig.

Neben den körperlichen (und auch oft seelischen) Gebrechen kommt noch die gesellschaftliche Ausgrenzung hinzu, die schwerbeschädigte Soldaten oftmals erleiden müssen. Es fragt dann niemand, wie es zu dieser Behinderung und zu dieser Einschränkung gekommen ist. Viele kriegsbeschädigte Veteranen leben deswegen oft als einsame Menschen am Rande der Gesellschaft. Körperliche, seelische und finanzielle Einschränkungen lassen oft keine andere Wahl.

Mit den Invictus Games kann man all das Leid nicht heilen, das Körper und Seele zugefügt worden ist. Aber man kann die Menschen ein Stück aus ihrer selbst gewählten Isolation herausholen und ihnen ein Stück Lebensfreude zurückgeben. Und man kann die Gesellschaft auch auf die Situation dieser Menschen aufmerksam manchen.

2022 finden diese Spiele nun in Düsseldorf statt. Die Sportarten, in denen sich die Veteranen messen, passen nicht wirklich zum Galopprennsport. Aber es sei daran erinnert, dass es einen kriegsversehrten Offizier in der Armee Ihrer Britischen Majestät gibt, der mit einer Beinprothese offizielle Rennen (races under rules) geritten ist.

Der Galopprennsport und vor allem die Rennbahn in Düsseldorf sollten versuchen, im Rahmenprogramm dieser Invictus Games ein Platz zu erhalten. Selbst wenn die Einzelwettkämpfe nicht auf dem Grafenberg stattfinden, wird es doch bestimmt möglich sein, den Sproß des dem Galoppsport eng verbundenen Königshauses zu einem Abstecher auf den Grafenberg zu bewegen. Und vielleicht könnte es sogar gelingen, den zuvor angesprochenen britischen Offizier, dessen Namen ich leider vergessen habe, eine Startmöglichkeit in einem Amateurrennen in Düsseldorf zu ermöglichen.

2022 feiert der Galopprennsport in Deutschland sein 200-jähriges Bestehen. Aufgrund der seit vielen Jahren angespannten finanziellen Lage des Galopprennsports wird es ein sehr sparsames Jubiläum geben und es wird gewiss keine Jubiläumsdotierung der in Deutschland gelaufenen Rennen geben. Ein wenig wirklicher Glanz, auch wenn er aus Britannien kommt, täte diesem Jubiläum sicherlich gut.

Aber man muß jetzt anfangen, wenn die Terminplanung für die Spiele gemacht wird und nicht erst starten, wenn die Vorbereitungen abgeschlossen sind. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!

Invictus Games in Düsseldorf

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Frohe Weihnachten

(c) Jocky Club


Allen Freunden von Galopp-Sieger und auch allen Anderen ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein glückliches und gesundes neues Jahr.

Es sind spannende Zeiten, in denen wir leben, nicht nur auf den Galopprennsport bezogen. Wir werden noch große Änderungen und auch Verwerfungen erleben. Und wir werden feststellen müssen, daß an entscheidenden Stellen den Menschen der Wille fehlt, diese Änderungen in unserer aller Sinne zu gestalten.

Aber hoffen wir einfach das Beste und es ist auch an uns, die Zukunft mitzugestalten.

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In Memoriam Cornelia Schmock und Michael Blau

(C) Marc Ruehl

Am 4. Dezember verstarb viel zu früh Cornelia Schmock, die einst über den Reitsport zum Rennsport gekommen war. Nach kurzer schwerer Krankheit und gerade einmal 62 Jahre alt.

In der Anfangszeit ritt sie als Amateurrenreiterin und ihre Mutter war die Trainerin mit Besitzertrainer-Lizenz. Und in der Anfangszeit waren die Ritte mehr durch Furchtlosigkeit als durch Stil und Eleganz geprägt. Ihr größter Erfolg als Reiterin war ohne Zweifel der Sieg 1989 mit Cadiz im Königsberger Jagdrennen in Mülheim an der Ruhr, einem Listenrennen mit einer Dotierung von 20.000 D-Mark, dahinter waren Pferde aus dem großen Stall von Uwe Stoltefuß und aus dem Steintor-Stall, der damals den Hindernissport über sehr viele Jahre in Deutschland dominiert hat.

Deutlich größer waren die Erfolge als Trainerin mit den eigenen Pferden und es waren nicht die Siege, sondern die zahlreichen Platzierungen, die im Laufe der Zeit errungen wurden. Gute Pferde, die in ihren Farben liefen, waren u.a Schäferin, die dann Mutter von Supervisor werden sollte und Nadenko. Nadenko ritt ich für Cornelia Schmock im Deutschen Amateurpreis in Düsseldorf, aber wegen eines verlorenen Eisens war das Rennen für uns vorzeitig beendet. Gewonnen hätten wir nicht, aber Geld hätte es mit ziemlicher Sicherheit gegeben.

Ihr letztes Pferd war Supervisor, den sie selbst aus der Schäferin gezogen hat. Und er war ein reell gutes und vor allem unglaublich hartes Pferd, der in über 100 Rennen über Sprünge gelaufen ist. Wann gibt es da heute noch?

Supervisor war 2009 das erfolgreichste Hindernispferd in Deutschland und für Cornelia Schmock war es das Championat als Besitzer, als Züchter und als Besitzertrainerin über Sprünge. Gewiss, der Hindernissport in Deutschland ist nur noch ein Schatten früherer Tage, nur noch ein kümmerlicher Rest – aber mit einem Pferd gegen größere Ställe das Championat zu erringen, ist immer noch eine Leistung! 2010 wurde Supervisor noch einmal erfolgreichster Steepler in Deutschland – im Besitzer-Championat hatte aber das Stall Steintor von Otto Werner Seiler die Nase vorn und Cornelia Schmock wurde dahinter Vize.

Cornelia Schmock war eine Pferdefrau durch und durch, ein Kind vom „platten Land“. Es ging ihr um die Arbeit mit den Pferden, nicht um den Glamour und den Erfolg. Der Erfolg sagte sie einmal, ist doch vor allem die Bestätigung guter Arbeit und daß man mit den Pferden alles richtig gemacht hat. Trainierst Du zu viel, haben sie keine Lust, trainierst Du zu wenig, haben sie keine Luft.

Und es tut verdammt weh und stimmt nachdenklich, wenn man gute Bekannte, die man „seit ewig“ kennt, in so jungen Jahren davon gehen sieht.

(c) Marc Ruehl

Und diese Woche ist Michael Blau gestorben, auch gerade mal 69 Jahre alt.

„Blau, rot-weiß gevierteilt“ feixte mein Vater früher über den Namen und die Rennfarbe. Wenn ich schon Blau heiße, dann sollte meine Rennfarbe doch auch blau sein.

Michael Blau hat sein Geld in der Versicherungs- und Immobilienbranche verdient und kam in den 80ern in den Rennsport. Anfangs liefen die Pferde unter dem Decknamen Gestüt Erftland und wenn ich nicht, ganz irre, war das frühere Gestüt Charlottenhof von Ferdi Leisten damals die Homebase.

Kyros, Parcel Gild und Romano waren damals seine guten Pferde. Und mit Romano gelang ihm im Consul Bayeff-Rennen in Bremen, das damals Gruppe-3 Status hatte, sein bester Sieg. Aber Parcel Gild und andere waren beständiger in der Form und eigentlich sind es doch die beständigen Pferde, die einem Besitzer Freude machen und nicht der, der einmal richtig schnell läuft.

Als Mann aus der Versicherungsbranche war er umtriebig und so war er auch Sponsor des Renntags. War es die Versicherungsgruppe für die er tätig war oder war es die Firma Michael Blau alleine, die in Köln einen oder mehrere Renntage gesponsert hat.

Er war für den damals noch sehr konservativen Rennsport aus der Art gefallen, hielt nicht viel von Konventionen, war locker drauf und in seiner Art paßte er perfekt zu seinem damaligen Trainer Anton „Toni“ Pohlkötter. Der hatte es auch weniger mit Konventionen, dafür war er nie um einen Witz verlegen.

Ich habe ihn erst besser kennen gelernt, als er als Besitzertrainer aktiv wurde und auch öfter Starter in Fegentri-Rennen stellte. Man konnte mit ihm herrlich Lachen und die Witze waren nicht immer stubenrein, aber das war egal. Was interessiert denn das Geschwätz anderer Leute. Aber er war auch immer ein Pferdemann und ein Sportsmann durch und durch, Als in einem Fegentri-Rennen einmal ein Pferd die Startbox nicht beziehen wollte, regte er sich auf. Da kommt ein Amateur aus Spanien angereist, will in Deutschland reiten und dann sitzt er auf einem Pferd, das nicht in die Maschine will. Das finde ich vom Besitzer und vom Trainer eine Frechheit gegenüber dem Reiter, daß ein so unsicherer Kantonist i9n so einem Rennen genannt wird. Das ist sportlich unfair! Der Mann, der sonst nie um einen Witz verlegen war,egal wie schwierig die Situation gerade war,war „extrem angepißt“, nicht weil es ihn betraf, sondern weil er es sportlich beschissen fand.

Mit Michael Blau verliert der Rennsport auch wieder einen Aktiven aus der Basis, der einfach Freude am Sport hatte und für den der Sport und das Training der eigenen Pferde ein schöner Zeitvertreib war und dem es nicht mehr um die großen Erfolge ging.

„Big Blue“ wird auf den Rennbahnen fehlen! Gerade einmal 69 Jahre ist er alt geworden.

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Wenn der Kumpel Dir im Rennen die Peitsche leiht.

Es ist sicher bemerkenswert, wenn man im Rennen die Peitsche verliert und der Kumpel Dir dann seine rüber reicht. Dumm nur, daß´die Stewards das gar nicht gut fanden und dafür eine Sperre von 30 Tagen verhängt haben.

Peitschenleihe

Ähnlich hatte auch einmal Lester Piggott agiert. Eingangs der Geraden verlor er die Peitsche und nahm dem neben ihm reiternden Kollegen diese ab, um dann nach Hause zu reiten und zu gewinnen. Ich meine, es wäre African Hope im Grand Prix de Deauville gewesen und die Peitsche hat er sich von Pat Eddery oder Freddy Head (oder war es ein anderer) “geliehen”.

Als er dann den Stewarts erklärte, daß der Kollege ihm die Peitsche  doch hingehalten habe, weil er (LP) auf dem deutlich besser gehenden Pferde gesessen haben, muß es den Stewarts die Sprache verschlagen haben. Danach bekam Piggott das Rennen dann abgenommen.

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Neuss vor dem Aus?

Die schlechten Nachrichten reißen in Turf-Deutschland nicht ab. Das Damokles-Schwert der Schließung hängt schon länger über der Neusser Rennbahn, aber so wie es im Moment aussieht, scheint die Politik die Gnadenfrist nicht noch einmal zu verlängern.

Ein kleiner Blick zurück auf die Geschichte der Rennbahn, auch um die aktuellen Probleme besser einordnen zu können. Der Galopp-Sport und der Bürger-Schützen-Verein hängen in Neuss zusammen, wie in keiner anderen Stadt. Die Rennbahn ist auch die Festwiese des Schützenvereins und das alljährliche Schützenfest in Neuss ist das gesellschaftliche Ereignis in der rheinischen Metropole.

Sportlich dominierte früher in Neuss der Basis-Sport. Das herausragende Ereignis des Jahres war der Preis von Neuss, der wie ein besseres Altersgewichtsrennen dotiert war. Hier und da gab es zuweilen ein besseres Handicap, aber das war es dann sportlich gesehen auch schon.

Im Krieg wurde Neuss wie kaum eine zweite Bahn, bombardiert. Die Nähe zum Neusser Hafen, der einer der größten Binnenhäfen in Europa war, wurde der Bahn zum Verhängnis. Die Beseitigung der Kriegsschäden sollte bis 1951 andauern. Die recht große Tribüne war den Bombentod gestorben und es wurden verschiedene Notbehelfe errichtet. Neuss war der letzte der westdeutschen Vereine, die den Rennbetrieb nach dem Krieg wieder aufgenommen haben.

Der Aufschwung ließ nicht lange auf sich warten. Es war auch der allgemeine Aufschwung, den der Rennsport in Deutschland in der Zeit nach dem Krieg erlebt und auch eine Folge des allgemeinen Wirtschaftswunders war. 1952 wurde erstmals der Neusser Stutenpreis unter dem Titel „

Preis des Ministers für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten des Landes NRW -Herbst-Stuten-Preis“ gelaufen. Das Rennen war über Jahrzehnte der Höhepunkt des Neusser Rennjahres und hatte von 1976 bis 1994 Gruppe-Status. Dazu gab es einige hoch dotierte Handicaps und andere interessante Rennen.

Der Vorstand bestand aus Mitgliedern der alten, einflußreichen und nicht selten wohlhabenden Neusser Familien, der Kontakt zur lokalen Wirtschaft war damit garantiert. Der „Macher“ des Rennvereins war sein General-Sekretär, Harald von Gustedt, vor dem Krieg selbst erfolgreicher Amateurrennreiter. Der Amateur-Rennsport war im Neusser Rahmenprogramm immer präsent. Bei der Gründung der Fegentri 1955 war Harald von Gustedt einer der Mitinitiatoren auf deutscher Seite. 1956 wurde in Neuss der Preis der Olympiasieger und Weltmeister gelaufen, bei dem Amateure gegen die Großen des Reitsports. Hans-Günther Winkler stieg ebenso in den Rennsattel wie der französische Olympia-Sieger und Vizeweltmeister Pierre Jonquères d’Oriola. Initiiert wurde das Rennen von dem ehemaligen Jockey-Lehrling, Meister-Schüler von Otto Lörke und selbst ein Großmeister der klassischen Reitkunst, Willi Schultheis, der auch selbst in den Rennsattel stieg. Ein sportlich eher bescheidenes Rennen, das aber ein sehr großes Medien- und Zuschauer-Echo bewirkt hat. Pferderennen war damals total „in“.

Das Teehaus, wurde von den Firmen aus dem Gewerbegebiet am Hammfeld in Nachbarschaft zur Rennbahn als Restaurant für die Bewirtung von Gästen und Schulungsteilnehmern intensiv genutzt. Die Bude war meistens brechend voll. Und nicht wenige Besucher stellten dann fest, daß man hier auch mal zum Rennen hinkommen könnte.

Einen besonderen Stellenwert nahm die Traktoren-Fabrik IHC International Harvester Company für den Neusser Rennverein ein. Das Werk wurde 1937 im Neusser Hafen gegründet, quasi vis à vis zur Rennbahn. IHC nutzte die Rennbahn für die Präsentation neuer Maschinen und Schlepper und wurde außerdem einer der großen Sponsoren des Rennvereins. Der IHC Renntag war ein Highlight des Jahresprogramms.

Zusätzlich nutzte IHC an rennfreien Tagen die Parkplätze der Rennbahn für die Mitarbeiter. Ich kannte den letzten Personalleiter von IHC über den Reitsport recht gut und er erklärte dazu einmal, ohne eine Summe zu nennen, daß die jährlichen Zahlungen an den Rennverein für die Parkplatznutzung erheblich seien.

Aber das alles war vorbei, als 1997 das IHC-Werk im Neusser Hafen endgültig geschlossen wurde. Es gab damals ein Überangebot an Schleppern und die Traktor-Produktion wurde von Neuss nach Doncaster verlagert.

Der Verlust von IHC hat die Stadt Neuss in vielerlei Hinsicht getroffen. Für den Rennverein war es nicht nur der Wegfall eines großen Sponsors sondern auch der Wegfall von Mietzahlungen zur allgemeinen Kostendeckung.

In den 90ern wurde die Sandbahn gebaut, die zweite nach Dortmund in Deutschland. Neuss war wegen seines Standorts ausgewählt worden Köln, das Ruhrgebiet, der Niederrhein, alles relativ nah gelegen und gut zu erreichen. Die Neunziger waren so etwas wie die „Goldenen Jahre“ des Rennsports in der Nachkriegszeit. Es wurde viel Geld ausgeschüttet, auch bei Rennen, die nicht unbedingt einen hohen sportlichen Standard hatten. ‘Neuss schwamm mit auf dieser Welle. Listen-Rennen, Nationale Listenrennen, Auktionsrennen etc. Überall gab es viel Geld. Und Wettumsätze von über eine Mio DM an einem Renntag waren fast normal.

Die aufziehenden Wolken in Form eines stagnierenden Totos, der dazu teilweise von der Bahn ins Internet wanderte, wollte niemand wirklich sehen.

Das letzte eigene gut dotiere Rennen in Neuss wurde mit dem BBAG Auktionrennen 2006 gelaufen. Danach gastierte der der eigentlich in Köln beheimatete Grand-Prix-Aufgalopp witterungsbedingt noch zweimal auf der Sandbahn, aber das war es dann auch. Danach gab es nur noch Basis-Sport mit Brot und Butter ohne Nachtisch und ohne Appetit-Happen.

2009 wurde nach langer Diskussion die neue Tribüne gebaut, Rennbahnhaus genannt. Wie mir vor längerer Zeit einmal ein Vertreter der Politik erklärte, in Abstimmung mit dem Rennverein. Allerdings ist dieses Rennbahnhaus so funktional für eine Galopprennbahn wie ein Sumo-Ringer als Leichtgewichtsjockey geeignet ist. Die alten Gebäude waren nicht mehr ansehnlich, aber sie waren funktional und das ist dieses Rennbahnhaus nicht mehr. Auf einer zugigen Dachterrasse hat man einen Blick auf die Rennbahn, aber das war es dann auch. Eine Tribüne, auf der man sitzen und die Rennen verfolgen kann, gibt es nicht mehr. Das ist so, wie ein Fußballstadion, in dem es keine Zuschauer-Ränge gibt. Eine komplette Fehlkonstruktion.

Zur gleichen Zeit wurden im Eingangsbereich des Geländes alte Stallanlagen abgebrochen und durch eine Wohnbebauung ersetzt. Wurde mit dem Verkauf dieser Wohnungen der Neubau des Rennbahnhauses finanziert? Bei den heutigen Immoblien-Preisen kann man das fast vermuten – und dann ist am Ende die Finanzleistung der Stadt zugunsten des Rennvereins irgendwo bei Null.

Die restlichen Gebäude sind immer noch im „Urzustand“, Neuss atmet immer noch die Nachkriegszeit. Von Komfort für den Besucher kann nicht wirklich gesprochen werden. Die Grasbahn kann seit Jahren nicht mehr genutzt werden, angeblich ist dafür auch die Stadt verantwortlich.

Vergangene Woche schrieb die zur Rheinischen Post gehörende Neuss-Grevenbroicher-Zeitung, daß immer noch der Miet-Vertrag von 1953 gelte und dieser immer wieder fortgeschrieben wurde.

Wenn meine Informationen richtig sind, war „früher“ der Rennverein der Pächter oder Mieter des Grundstücks und alle Untermietverträge wurden zugunsten des Rennvereins abgeschlossen. Heute ist die Neusser Stadtmarketing-Gesellschaft für die Vermietung des Grundstücks verantwortlich. Die Erlöse fließen nicht mehr dem Rennverein zu, sondern gehen indirekt in die Stadtkasse. Der Rennverein hat keinen Einfluß mehr auf die Vertragsgestaltung und kann die Anlage lediglich für die Durchführung von Rennen nutzen. So mußte auch Dippels Waffelbude, auf den Rennbahnen im Westen allgemein eine „Institution“, entsprechend dem Pächter den Wünschen des Restaurant-Pächters weichen.

Zusätzlich soll der Rennverein eine hohe fünfstellige oder sogar sechsstellige Pacht für die Nutzung des Geländes zahlen. Diese Pachtforderung, die der Rennverein zu recht nicht erfüllen will, ist wohl auch der Streitpunkt zur Verlängerung des Pachtvertrags.

Es kann nicht sein, daß sämtliche Verträge zur Nutzung des Geländes am Rennverein vorbei geschlossen werden, ohne die Belange des Rennvereins zu berücksichtigen.

Das Damokles-Schwert der Rennbahnschließung schwebt schon einige Jahre über der Neusser Bahn und im letzten Jahr hat man noch einmal von einer Gnadenfrist gesprochen. Es wäre eigentlich Sache des Rennvereins gewesen, die Bahn wieder mehr an die Bevölkerung heran zu bringen. Auch wegen der verkehrsgünstigen Lage hätte man bequem im Sommer Abendrenntage oder am späten Samstag veranstalten können. Pferderennen bei schönem Wetter, Freizeit für die ganze Familie. Mit einem guten Konzept hätte man die Bahn richtig voll bekommen können, aber nichts geschah. Es wurden außerhalb der Wintersaison keine Termine bekannt gegeben.

Wenn man einen Verein nur verwaltet, kann er sich nicht entwickeln. Und wenn man gegenüber der Stadt seine Existenzberechtigung nachweisen will, dann muß man ein „volles Haus“ präsentieren, wenn man dazu aber nichts unternimmt, dann hat man am Ende irgendwo schlechte Karten.

Und das sei an dieser Stelle auch einmal gesagt, es sind um Rennsport und im Neusser Rennverein wohlbekannte Namen, die in der Fortführung des Rennbetriebs keinen Nutzen für die Stadt mehr erkennen können. Nachfahren von ehemaligen Vereinspräsidenten. Das sollte den Verantwortlichen auch einmal zu denken geben

Ob das Ding noch mal gedreht werden kann?

Vielleicht sollten die Verantwortlichen einmal nach Mülheim blicken. Da wurde ein Rennverein über Jahre von einem Schuldirektor verwaltet. Die Vertraglich von der Stadt Mülheim vorgegebenen Renntage wurden erfüllt – und mehr nicht. Nach einer Insolvenz des alten Vereins, die der Schuldirektor wohl auch auf Betreiben des Golfplatzbetreibers betrieben hat, hat sich ein neuer Verein gegründet, der aus dem verschlafenen Verwaltungsverein innerhalb kurzer Zeit wieder einen aktiven Rennverein gemacht hat. Sieben Renntage 2019 wurden in Mülheim ausgeschrieben und es wurden wieder zwei Listenrennen gelaufen. Und der traditionelle Mülheimer Termin am zweiten Weihnachtstag ist auch wieder im Programm. Vielleicht sollten die Macher von Mülheim mal den Neussern zeigen, wie man einen Rennverein wieder belebt!!

Ich bin sicher, daß mit einem passenden Konzept auch die Stadt wieder mitspielt!

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Fünf Rennen zur Wintersaison je Renntag?

Wie GOL vor einigen Tagen gemeldet hat, sind für die Wintersaison ab Januar jeweils nur fünf Rennen je Renntag ausgeschrieben. Vier werden über die PMU finanziert und ein ganzes  Rennen kann Deutschland-Turf selbst finanzieren.

Für 2020 sind die Renntage wieder alle auf einen Sonntag terminiert, was gegenüber der letzten Saison ein deutlicher Fortschritt ist. Da wurden die Rennen an Tagen gelaufen, an denen nur der “harte  Kern” sich auf die Bahn verirrt hat und die Wettumsätze über das Internet sind auch nicht gerade berühmt.  Die Terminierung ist jedenfalls ein gewaltiger Fortschritt.

Aber ein Rennen kann der Veranstalter jeweils je Renntag finanzieren? Im Winter müssen es sicherlich keine 10 Rennen je Tag sein, aber sieben Rennen sollten es doch sein, sonst lohnt doch die Fahrt zur Bahn kaum.  Turf-Deutschland, wohin gehst Du?

Gewiß, die Blockkosten, die für jeden Renntag anfallen, sind erheblich. Vom Starthelfer über den medizinischen Bereich bis zur Rennleitung. Eine Vielzahl von Einzelpositionen, die jeden Renntag anfallen. Für einen Sommerrenntag ist mir einmal vor einigen Jahren eine Zahl von rund 40,.000 Euro genannt worden, die bezahlt werden müssen, bevor auch nur ein Euro Rennpreise ausgeschüttet wird. Wenn diese Blockkosten auf fünf Rennen verteilt werden, sind das 8.000,-Euro je Rennen, bei sieben Rennen sind es noch 5.700. Das ist immer noch mehr, als die Dotierung der meisten Rennen im Winterprogramm.

Hier muß deutlich nachgebessert werden, sonst geht der Rennsport im Winter komplett den Bach runter.

1997 wurde der letzte Winterrenntag am 2. Weihnachtstag in Mülheim gelaufen. Nach den vielen Festessen raus an die frische Luft auf die zentral gelegene Bahn in NRW.  In der guten alten Zeit in den 90ern, als der Rennsport brummte, war der Renntag eigentlich immer für eine Umsatz-Millionen gut.Das sind natürlich Zahlen, von denen man heute nicht einmal träumen kann. Dieses Jahr lebt die Tradition wieder auf und es finden Rennen in Mülheim am 2. Weihnachtstag statt. 7 Rennen sind ausgeschrieben, dabei ist ein besseres Altersgewichtsrennen mit einer Dotierung von 10.000 Euro.

Die Insolvenz des alten Vereins, die das Vorgängerpräsidium zu verantworten hat, muß man heute als Glücksfall für Mülheim betrachten. Der neue Verein und sein Vorstand hat wieder “Leben in die Bude” gebracht. Nicht nur das es den Weihnachtsrenntag wieder gibt. Zwei Listenrennen wurden dieses Jahr in Mülheim gelaufen, darunter das Jahrzehnte am Raffelberg gelaufene Silberne Band der Ruhr als Deutschland längstes Flachrennen.

Es war übrigens Mülheim, das in  den späten 20ern (oder waren es die frühen 30er) mit Winterrennen in Deutschland begonnen hat. Davor  war ab Dezember die Saison zu Ende und im Februar/März wurde wieder gestartet. Diese Regel hatte Mülheim damals durchbrochen in der Folge gab es das ganze Jahr in Deutschland Rennen.

Mülheim und das neue Team im Rennverein gehören derzeit zu den positiven Erscheinungen im Rennsport.

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