Zwei interessante Sieger: Mums Tripple und Alpine Star

Außer den etablierten Stars wie Enable, Stradivarius und Crystal Ocean gab es diese Woche zwei interessante Sieger.

Mums Tripple in den Goffs UK Premier Yearling Stakes in York. Das Rennen ist wie ein Auktionsrennen aufgemacht, aber der Ton macht die Musik und der war Fortissimo. 11  Längen trennten den Sieger vom Zweiten.
Allerdings fragt man sich, warum Ryan Moore bei einem derart überlegenen Pferd zur Peitsche gegriffen hat. Oder war das Publikum so laut, daß Mums Tripple davor zurück schreckte und nicht mehr weiter wollte?

Goffs UK Premier Yearling Stakes

In Irland auf dem Curragh gewann Alpine Star nach heißem Kampf in den Niarchos-Farben vor Petite Mustique als beste Vertreterin der O’Brien Armada die zur Gruppe 2 zählenden Debutante-Stakes über 7 Furlongs.

Alpine Star ist eine Tochter des Görlsdorfer Derby-Siegers Sea the Moon, der sich inzwischen im Oberhaus der englischen Stallions etabliert hat. Und eine gute Werbung für die Badener Auktion ist der Sieg allemal.

Debutante Stakes

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Geht es auch eine Nummer kleiner?

Von einer spektakulären Großen Woche schreibt German Racing über das anstehende Meeting in Baden Baden. Spektakulär – da kommen die wildesten Gedanken. Enable wird in den Yorkshire-Oaks gestrichen und startet vor dem Arc im Großen Preis von Baden oder was ganz wildes eben.

Bisher hat ein Pferd die Yorshire-Oaks und dann nach den Arc gewonnen. Das war Enable 2017, aber zwei Pferde haben den Großen Preis von Baden und dann den Arc gewonnen – Marienbard und Danedream. Und Star Appeal hat 1975 ein vierter Platz in Baden für den Sieg in Paris gereicht, so gut war der Sport damals in Deutschland. Die Chance, nach einem Sieg in Baden Baden auch den Arc zu gewinnen, ist – rein statisch betrachtet – also doppelt so hoch, wie nach einem Sieg in den Yorkshire-Oaks. Irgendwo eine spektakuläre Fehldisposition des Trainers….

Aber Enable wird nicht kommen, das ist eine spektakuläre Phantasie. Was ist denn sonst spektakulär an dieser Großen Woche? Die Rennpreise sind es nicht, die sind wie immer Deutscher Standard. Nicht mehr die besonderen Rennpreise, die Baden Baden einst zahlte, als man durchaus auf Augenhöhe mit den großen internationalen Veranstaltern auftrat. Damals gab es 128.000 DM in Gruppe III zu gewinnen, mehr als in Frankreich, dort gab es Pi mal Daumen umgerechnet nur 110.000 DM. Damals schwebte Baden Baden zwei Etagen über Turfdeutschland – Hamburg in den 90ern einmal ausgenommen, die waren ähnlich hoch. Damals waren die Ausgleich IV mit 15.000 DM in Baden Baden dotiert, viel mehr als im Rest der Republik.

Das war irgendwie schon spektakulär – und auch die Umsätze waren es. In einem Rennen hat man in Baden Baden so viel gemacht, wie die Veranstalter im Westen am ganzen Tag, wenn sie während des Meetings veranstaltet haben. Baden Baden war „outstanding“ Aber das alles ging zum Henker als der Tod mich fort gerafft, heiß es in Offenbachs Orpheus. Tod ist man Gott sei Dank noch lange nicht – aber Glanz und Glorie hat man verloren.  Die glorreichen Zeiten sind nicht mehr. Deutsche Mindestdotierung wird in Baden Baden in den Black Type Rennen gezahlt. Mehr nicht. Früher hätte man sich deswegen geschämt. 1,25 Mio Geldpreise werden ausgeschüttet – damit hätte man noch nicht einmal den ersten Tag des gerade in York stattfindenden Ebor-Meetings finanzieren können. In Baden reicht das jetzt für eine ganze Woche.

Ja natürlich, die Rahmenbedingungen haben sich geändert. Die „Grande Armee“ unterhält in Baden keine Garnison mehr, und mit den Kuren ist das auch nicht mehr so, wie das früher mal war und deswegen ist die Bäder- und Kurverwaltung auch nicht mehr so spendabel, wie sie es mal war. Die Region hat sich gewandelt, dazu das geänderte Wettverhalten, weniger Pferde, mehr Fußball, die Buchmacher, denen man kaum etwas entgegen zu setzen hat oder es vielleicht auch nicht will. Zu wenig Präsenz bei den Wettannahmen etc. Probleme über Probleme und teilweise kann man sie nur in Köln lösen. Aber in Baden ist auch das Flair verloren gegangen, das man in den 90ern hatte. Das kann nur Baden selbst wieder auffrischen.

Zweifelsohne – der Veranstalter hat sich außerhalb der Rennen einiges einfallen lassen, um das Publikum zu unterhalten. Der Kino-Abend der Sport-Welt verspricht einiges. Aber der Sport ist nicht mehr „outstanding“, eher normaler deutscher Standard. Sieglosen-Rennen, Ausgleich IV und zwischendrin das „Gruppe-Highlight“. Und dann die C- und D-Promis dazu, die nerven doch nur. Das ist keine Unterhaltung, die muß man ertragen, wenn sie ihre Turfweisheiten zum besten geben.

Es fehlt das Geld, es fehlen die guten Pferde, die Stars die die Massen bewegen. In Deutschland sind sie selten geworden und wenn es sie gibt laufen sie im Ausland oder werden gleich verkauft – weil es am Geld fehlt.

Aber dafür haben wir ja jetzt in Baden Baden spektakuläre Hausmannskost.

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Enable auf dem Weg zur Unsterblichkeit.

Die diesjährigen King George VI and Queen Elizabeth Stakes werden so schnell nicht in Vergessenheit geraten. Nach Enables erfolgreichen Jahresdebut in den Eclipse-Stakes von Sandown rechnete man allgemein mit einem souveränen Sieg der Stute in Englands Parade-Rennen und Europas wichtigstem Sommer-Grand-Prix.

Aber es kam anders – es wurde ein spanndes Finish über fast die ganze Gerade von Ascot. Crystal Ocean, im Besitz von Sir Evelyn de Rothschild und trainiert von Sir Michael Stoute stellte Khaled Abdullahs bestes Pferd zum Kampf. Dabei agierte James Doyle im Sattel von Crystal Ocean wesentlich energischer als Frankie Dettori auf Enable, der eigentlich nur mit den Händen ritt und mit der Peitsche sehr sparsam agierte. Am Ende betrug der Vorsprung der Stute einen Hals – die Würze des Rennens war aber nicht die knappe Ankunft, sondern der Kampf um den Sieg über fast die ganze Gerade.

Dritter mit 1 ¾ Längen dahinter wurde Waldgeist mit Pierre Charles Boudot im Sattel. Es war die mit Abstand beste Form des Ammerländers in diesem Jahr und vielleicht eine der besten Formen seiner Karriere. In der Champions-League fehlt dem Vertreter des Ravensberger Waldrun-Familie das letzte Quentchen Klasse, um aus dem Duo ein Trio im Streit um den Sieg zu machen. Allerdings agierte PCB auch nicht mit der Effizienz, mit der James Doyle und Frankie Dettori zu Werke gingen.

Deutliche sieben Längen betrug dann der Abstand zu Viertplazierten Saloun. Enttäuschend lief der englisch-irische Doppel-Derbysieger Anthony van Dyck, der am Berg schon in Nöten war und bei Erreichen der Geraden mit dem Ausgang des Rennens nichts mehr zu tun hatte. Am Ende kam er als Zehnter, rund 40 Längen hinter der Siegerin über die Linie. Es scheint, daß die Dreijährigen in Europa dieses Jahre nicht besonders stark sind.

Die spannende Frage des Turfs ist natürlich, ob Enable als erste dreifache Siegerin des Arcs in die Geschichte eingehen wird.

Es gibt acht Doppelsieger im Arc, fünf davon nach dem Krieg. Dies sind Tantieme 1950/51, Ribot 1955/56, Alleged 1977/78, Treve 2013/2014 und Enable 2017/18. Corrida ist immer noch das Maß aller Dinge, denn sie war 1935 als Dreijährige Dritte in dem Pariser Paraderennen und danach zweimal gewann, gefolgt von Treve, die 2015 nach zwei Siegen beim dritten Versuch als Vierte über die Linie ging. Criquette Head, die Trainerin von Treve merkte nach dem Rennen an, daß der Trouble und das sehr große Interesse der Medien für viel Unruhe gesorgt habe und das war für die Vorbereitung nicht gerade positiv. Für mich hat allerdings Thierry Jarnet im dritten Arc nicht den perfekten Ritt geliefert. Auch für einen so alten Hasen dürfte die nervliche Belastung in diesem Rennen übermäßig groß gewesen sein! Aber vorne machte 2015 Golden Horn eine Musik, gegen die schwer anzukommen gewesen wäre – auch wenn bei Treve alles optimal gelaufen wäre.

Drei Pferde haben die „King George“ zweimal gewonnen, Dahlia 1973/74, Swain 1997/98 und Enable 2017/18. Aber außer weder Dahlia noch Swain haben den Arc gewonnen.

Damit ist Enable die erste Doppelsiegerin in beiden Rennen und das allein ist schon einen Sonderplatz in der Geschichte wert. Aber ist das ein gutes Omen für einen einen dritten Arc-Sieg? Oder dreht Cyrstal Ocean im Arc den Spieß um? Von den Dreijährigen scheint in dieser Saison keine starke Konkurrenz nachgewachsen zu sein. Aber immer dann, wenn man meint, daß es nicht scheitern kann, kommt ein großer Außenseiter, der dem Star die Show vermasselt. Jedenfalls werden die französischen Medien John Gosden nicht so auf die Füße treten, wie das bei Mme Head in Chantilly gewesen ist.

Wenn auch ebenfalls ein Gruppe 1-Rennen aber trotzdem drei Nummern kleiner ging es am Sonntag im Großen Dallmayr-Preis, dem Bayerischen Zuchtrennen um 155.000 Euro. Favorit wurde der Derby-Dritte Quest the Moon. Aber es kam anders, als die Wetter das gedacht haben. Sieger wurde der aus England entsandte Danceteria, im Besitz der Besitzergemeinschaft Australian Bloodstock & Clive Washburn.. Was soll man von dem Sieger halten? Er kam überhaupt erst vierährig ins Rollen, war zuletzt Vierter in den von Enable gewonnenen Eclipse-Stakes und jetzt gewinnt er Gruppe 1 in Deutschland. Ist er ein spätes Pferd, das jetzt erst riczhtig ins Rollen kommt, oder waren die Gegner so schwach, daß man mit einem französischen Gruppe-3-Sieg gut genug für Gruppe 1 in Deutschland ist. Inzwischen sind dieses Jahr mehr Gruppe-Rennen ins Ausland gegangen, als im Land geblieben sind und die Sieger vertraten im Heimatland nicht die erste Garnitur. Das ist kein gutes Omen für das Rating der deutschen Black-Type-Rennen

Quest the Moon wurde hinter seinem Stallgefährten Wai Key Star Dritter und lief damit besser als der Derby-Vertreter in England. Für meinen Geschmack war Oisin Murphy aber auch etwas früh in Front gezogen und dann fehlte am Ende die Kraft. Der Sieger kam erst halbe Gerade wirklich ins Rennen und da schien für einen Moment fast zu cantern.

Uns fehlen in Deutschland einfach Pferde. Vier bis fünf Prozent eines Jahrgangs kann man der erweiterten Spitzenklasse zurechnen, bei 1000 Fohlen sind das 40 bis 50 Pferde. In guten Jahren hatten wir über 2000 Fohlen, also 80 bis 100 Pferde im Oberhaus. Und damals wurden noch zahlreiche gut gezogenen Vollblüter importiert. Heute ist das Gegenteil der Fall. Gute Deutsche Vollblüter werden exportiert. Inzwischen recht häufig nach Australien, wie zuletzt der Derbyzweite Django Freeman, der auf den fünften Kontinent verkauft wurde. Aus der Sicht der Besitzer eine absolut verständliche Entscheidung, denn wahrscheinlich wird das Pferd in Deutschland nie das Geld gewinnen, das durch den Verkauf erzielt wurde. Und bei aller Passion muß darf man die Kasse nicht aus den Augen lassen.

In München zeigt sich auch an anderer Stelle das ganze Elend des deutschen Rennsports. Gab es 2014 noch 12 wichtige Rennen (incl. Auktionsrennen) in München, waren es 2016 noch sechs und 2018 sind noch vier davon übrig geblieben. Kein Listenrennen mehr, kein Ausgleich 1, drei Gruppe-Rennen und das Auktionsrennen sind übrig geblieben. Das Rahmenprogramm beim Dallmayr-Renntag war eher das eines Brot- und Butter-Renntags. Acht gute Rennen auf einer Bahn weniger, das ist ein Wort. Und auch, wenn der Aderlaß in München besonders hoch ist, findet er auch auf anderen Bahnen statt.

Und so kommt man in einen Teufelskreis – weniger Rennen, dadurch weniger Pferde und die Attraktivität des Rennsports nimmt weiter ab. Ein Sport, der in den Medien präsent sein will, muß regelmäßig veranstalten, es müssen viele Besucher auf der Bahn sein und die nationalen Athleten müssen internationale Klasse vertreten, sonst wird das nichts.

Daß die Engländer gerne auf den Kontinent kommen und die großen Rennen auf die Insel entführen, ist allerdings kein alleiniges deutsches Problem. In Deauville wurde der Prix Rothschild als erstes großes Rennen des Sommermeetings gelaufen – und es siegte die in England von Karl Burke vorbereitete Laurens. Insgesamt sind es mehr als ein Dutzend Gruppe-Rennen die, die die Engländer dieses Jahr aus Frankreich entführt haben.

Zwei große Pferde sind in den letzten Wochen abgetreten. In Japan hat sich der Super-Stallion Deep Impact von einer Rückenoperation nicht erholt und mußte aufgegeben werden. Er wurde 17 Jahre alt. Die Sieger der Irish Oaks von 2018 und zweite zu Enable im Arc des gleichen Jahres mußte wegen einer Krebserkrankung ebenfalls aufgegeben werden.

Es sind nicht immer die Unfälle auf der Rennbahn, die die Pferde zu früh sterben lassen. Manchmal ist das Leben eben ein verdammt unfairer Sport.

Sea of Classe Irish Oaks

Japan würdigt Deep Impact (schon älter)

Japan würdigt Deep Impact (2019 japanisch)

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Network im Alter von 22 Jahren abgetreten

Wie die Racing Post heute berichtet, ist Network im Alter von 22 Jahren nach einem Herzanfall eingegangen.

Gezogen im Gestüts Wittekindshof lief er in den Farben des Stalles Harlekin 11 Rennen, von denen er vier gewann und dreimal plaziert war. Sein bester Erfolg war der Sieg in der Union im Jahr 2000 gegen den Schlenderhaner Indian Ruby und den Erlenhofer Anzillero. Danach sollte ihm aber nicht mehr viel gelingen, sein nächster größerer Erfolg ist 2001 der zweite Platz in einem Listenrennen in München.

Seine Stutenlinie ist die alte Erlenhofer Familie der Nella da Gubbio, die damals von Thyssen aus Italien vom Gestüt Dormello Olgiata nach Deutschland eingeführt wurde und mit Nereide, Nebelwerfer, Neckar und Niederländer vier Derbysieger gebracht hat.

Der Monsun-Sohn  war über Jahre eine feste Größe bei den französischen Hindernis-Stallions und zusammen mit Lavirco und einigen anderen deutschen Hengsten aus den “goldenen Neunzigern” war er eines der großen Aushängeschilder für die deutsche Vollblutzucht und seinen Vater Monsun.

Er ist laut Racing Post Vater von fünf individuellen Gruppe-1 Sieger über die Sprünge und mit Sprinter Sacre hat er einen Steepler gebracht, der zu den ganz Großen seiner Zeit in England zählte.

Die Zahl der deutschen Hengste, die über einige Jahre im französischen Hindernissport führend waren, wird nach dem Abtreten von Lavirco und nun auch Network immer kleiner. Mit Nachwuchs ist leider nicht zu rechnen.

Racing-Post Artikel

Networks Nachkommen bei Galopp-Sieger

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Die seltenen Royal-Ascot-Doppel

Royal Ascot, die königliche Rennwoche, dauert von Dienstag bis Samstag, früher von Dienstag bis Freitag. Bei nur fünf (früher vier) aufeinander folgenden Renntagen sind vor allem in der heutigen Zeit Doppelerfolge während des Meetings sehr selten – welches erstklassige Pferd absolviert in so kurzer Zeit schon zwei Starts?

Aber es gibt sie – auch wenn sie fast so selten sind wie die berühmte Blaue Mauritius bei den Briefmarken.

Dieses Jahr gelang es Blue Point aus der großen Godolphin-Flotte, trainiert von Charlie Appleby und geritten von James Doyle. Er gewann am Eröffnungstag die King’s Stand Stakes und konnte am Schlußtag die Diamond Jubilee Stakes für sich entscheiden.

Ascot Racecourse schreibt, daß dieses Kunststück das letzte Mal 2003 Choisir gelungen ist, der ebenfalls die King’s Stand Stakes und die damals Golden Jubilee Stakes gewinnen konnte.

Aber danach gab es zwei weitere Doppelsieger während des königlichen Meetings, wenn auch auf niedrigerem Niveau und auf der Steherdistanz.

2012 gewann Simenon aus dem Stall des irischen Meistertrainers William Peter Mullins mit Ryan Moore im Sattel die Ascot Stakes am Eröffnungstag und die Queen Alexandra Stakes als traditionell letztes Rennen des Meetings.

2006 gelang das Doppel aus Ascot Stakes und Alexandra Stakes Baddam, trainiert von Mick Channon und geritten von Ian Morgan.

Vor Choisir gab es aber auch schon Doppelsieger und eine davon ist die Stute Stanerra, die 1983 sowohl die Prince of Wales Stakes als auch die Hardwicke Stakes gegen die Hengste gewann.

Insgesamt sind bei Galopp-Sieger seit 1900 23 Doppelsieger während Royal Ascot verzeichnet. Ich bin bei dieser Zahl allerdings etwas vorsichtig, weil bei den alten Rennen nicht ganz sicher ist, ob sie immer zum königlichen Meeting gehörten.

1920 gab es wahrscheinlich sogar eine dreifacher Siegerin. Diadem gewann die All Aged Stakes, heute als Golden Jubilee Stakes gelaufen, die Rous Memorial Stakes in einem Walkover (Alleingang) und dann noch die King’s Stand Stakes – also die gleichen Fliegerrennen, die auch Blue Point 2019 gewann.

King’s Stand Stakes 2019

Diamond Jubilee Stakes 2019

Hayley Turner schreibt erneut Rennsportgeschichte. 2008 war sie die erste Frau, die in Deutschland den Sieger in einem Gruppe-Rennen geritten hat. Lady Deauville in der Lando-Trophy, dem ex Hessen-Pokal in Hannover.

In den Sandringham Stakes, einem Handicap für dreijährige Stuten auf der Meile reitet sie Thanks Be aus dem Stall von Charlie Fellowes mit einem Hals  gegen Magnetic Charm in den Farben der Königin mit James Doyle im Sattel  nach Hause. Allerdings hatte Thanks Be auch 1 Stone, 7  lbs (21 lbs), rund 10 kg weniger zu schleppen als die Pferde dahinter.

Nach Gay Kelleway die 1987 Sprowston Boy in den Queen Alexandra Stakes zum Sieg geritten hat, ist Hayley Turner die zweite Frau überhaupt, die einen Royal Ascot Sieger geritten hat.

Sandringham Stakes 2019

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Die Union 2019 – Herold lebt!

Laccario gewinnt mit Eduardo Pedroza im Sattel souverän die Union. (C) Marc Rühl

Nein, eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und ein Union-Sieger ist noch lange kein Deckhengst und wie gut der Jahrgang 16 ist, wird sich erst noch zeigen. Aber immerhin weht seit langem mal wieder eine frische Brise durch Deutschlands ältester, noch existierender Hengstlinie. Denn trotz einzelner Erfolge – national und international – war es um diese einstige Perle der deutschen Vollblutzucht in den letzten Jahren doch ziemlich ruhig geworden.

Dark Ronald – Herold – Alchimist – Birkhahn – Literat – Surumu – Acatenango – Lando – Scalo.

Scalo war vielleicht nicht der Super-Star seiner Zeit, dafür fehlen internationale Erfolge in seinem Rekord, aber er war ein sehr gutes Rennpferd, Gruppe-1 und Europapreis-Sieger. Es war schwierig, ihn in Deutschland als Deckhengst unterzubringen, weil es mit ähnlichem Pedigree einfach zu viele Hengste in Deutschland gab. Er ging nach Frankreich und man hatte eigentlich gehofft, daß er dort erfolgreich wirken kann, aber dem war leider nicht so. Bei Galopp-Sieger sind gerade mal eine handvoll Nachkommen von ihm erfaßt und das auch nur, weil auch Erfolge, die eigentlich bei GS nicht erwähnt werden, in manchen Fällen trotzdem Eingang in die Datenbank finden.

Auch konnte man fragen, ob er aus Ittlingen genügend Unterstützung bekommt oder ob man nicht vielleicht etwas mehr Engagement zeigen könnte – wie auch immer. Jetzt hat Scalo mit Laccario seinen ersten Gruppe-2 Sieger gebracht und mit dem beeindruckenden Sieg in der Union ist er klarer Favorit für das Derby. Er schlug dabei Django Freeman den Sieger des Bavarian Classic in München und Winterfuchs, den Sieger des Dr. Busch-Memorials in Krefeld, die beide Campanologist zum Vater haben und zwei renommierte Derby-Vorprüfungen gewonnen haben.

Laccario muß jetzt zeigen, daß er die Klasse für die Fortsetzung von Deutschlands Traditionshengstlinie hat. Gezogen ist er schon mal gut genug. Er hat Lomtias zum Stutenvater und ist auf Laurea, der Mutter zweier Derbysieger 3 x 3 ingezogen. Aber auf dem Pedigree reitet man nicht und das Pedigree alleine läuft auch nicht schnell.

Das Ergebnis der Union und auch anderer Prüfungen für die Dreijährigen hat aber auch gezeigt, daß die Vollblutzucht oft eine wahre Passion ist – eine Leidenschaft, die Leiden schafft. Der Kingmambo-Sohn Campanologist wurde vom Gestüt Fährhof 2012 von Godolphin erworben und brachte sowohl in Deutschland als auch in seinem Shuttle-Land Argentinien sehr schnell gute Pferde. Aus dem Jahrgang 2014 war in Argentinien Village King im zur Gruppe 1 zählenden Gran Premio Jockey Club erfolgreich und in Europa war Walsingham im von Khan gewonnenen Europa-Preis 2018 Zweiter. Das hätte eine ganz große Karriere als Deckhengst werden können, aber auf der Rückreise von Argentinien nach Europa im Dezember 2015 ist er im Flugzeug an einer Kolik eingegangen.

Und wer mir jetzt wieder einen Hang zu Nostalgie vorwirft, dem kann ich nicht ganz widersprechen. Aber es gilt, daß Galopprennen keine Schönheitswettbewerbe und auch keine Veranstaltung vom Mütter-Genesungswerk sind. Es ist ein Auslesesport in dem sich die jeweils besten Pferde für die Zucht qualifizieren. Und wenn die besten eines Jahrgangs dann Tradition aus einer alten deutschen Hengstlinie und Leistung vereinen, ist es doch ganz im Sinne der Vollblutzucht in Deutschland – auch ganz ohne Nostalgie.

Union-Rennen 2019

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Das Waterloo von Köln

(C) Marc Ruehl

(C) Marc Ruehl

In knapp einem Monat, am 18. Juni wird in Waterloo in der Nähe von Brüssel an die Schlacht von Waterloo erinnert. Dort schlug am 18. Juni eine internationale Armee unter dem Kommando des englischen Marschalls Wellington die französische „Grande Armee“ (oder was davon noch übrig geblieben war) unter Napoleon Bonaparte.

Freilich wäre dieser englische Sieg nicht gelungen wenn die preußischen Truppen unter dem Marschall von Blücher und seines Generalquartiermeisters Graf Geneisenau nicht gerade noch rechtzeitig eingetroffen wären und die schon im Karree stehenden Engländer unverzüglich und unter Aufbietung aller Kräfte entsetzt hätten.

Und nicht nur wegen der militärischen Niederlage Napoleons sondern auch, weil es in Europa den unbedingten politischen Willen gab, der dauernden französischen Aggression und den Großmachtphantasien Napoleons ein Ende zu bereiten, wurde Waterloo zum Synonym für eine endgültige und vernichtende Niederlage.

Eine solche verheerende  Niederlage hat die deutsche Vollblutzucht am heutigen Sonntag in Köln im ersten Klassiker der Saison, dem Mehl-Mülhens-Rennen (Deutsche 2000 Guineas) erlebt. Nicht nur, daß bei elf Startern gerade einmal drei Pferde in Deutschland trainiert werden und von diesen drei haben je nach Lesart einer oder zwei Pferde einen ausländischen Hengst zum Vater.

Die Plätze 1 bis 7 wurden von Engländern belegt, dahinter kamen die Deutschen. Die Abstände waren nicht riesig, aber die Niederlage ist brutal. Wenn ich bei den Altdaten keinen Fehler gemacht habe, hat es seit 1945 46 Rennen Gruppe-Rennen gegeben, bei denen die ersten drei Pferde im Ausland trainiert wurden. Meistens waren es Flieger-Rennen, besonders die Goldene Peitsche und auch das Zukunftsrennen – aber in einem Klassiker hat es das nicht nicht gegeben. Und wie es auf den Plätzen 4 und Folgende bei den früheren  Rennen war, kann ich aus dem Bauch leider auch nicht beantworten.

Gewonnen hat Fox Champion von King Power Racing mit Oisin Murphy im Sattel und trainiert von Richard Hannon junior. Wie gut der Sieger dann wirklich ist, ist schwer zu sagen. Außer beim Debut ist er ungeschlagen, aber Black-Type ist er noch nicht gelaufen. Auch die folgenden Pferde kann man nicht wirklich einschätzen. Schlecht sind sie nicht, aber zur ersten Garde auf der Insel gehören sie auch nicht.

Eigentlich hat sich die Niederlage im Carl Jaspers Preis schon angedeutet, als ein Listenpferd aus der französischen Provinz Gruppe II in Deutschland gewinnt, aber daß die Niederlage derart massiv ist, war dann doch nicht zu erwarten. Aber wo waren die großen Gestüte, Röttgen, Fährhof, Schlenderhan, Görlsdorf, Karlshof etc. – alle glänzten sie durch Abwesenheit. Oder hat niemand mehr gescheite Dreijährige im Stall, oder warten die großen Gestüte bis zur Union, bis die besseren Pferde an den Start kommen?

Bisher waren die international bescheidenen Dotierungen und die Klasse der deutschen Pferde ein Garant dafür, daß die Rennen überwiegend im Lande blieben. Aber wenn sich das jetzt in England rumspricht, daß die Vollblutzucht in Dtld nicht mehr so ist, wie sie mal war, sondern vor allem vom Ruhm vergangener Tage zehrt, dann machen die Engländer demnächst Kaffeefahrten nach Deutschland. Aber hoffen wir mal auf ein paar gute Pferde, die noch wachsen müssen.

In den USA wurden die Preakness Stakes gelaufen – Sieger war War of Will, der bei der Rempelei im Kentucky-Derby besonders in Mitleidenschaft gezogen wurde. Beieindruckend war die Aufholjagd von Everfast, der im Rennen teilweise hinter dem Feld lief und mit viel Speed noch Zweiter wurde. Bodeexpress hatte keine Meinung und sptrang mit einem riesigen Satz au der Maschine, den sein Reiter nicht aussitzen konnte und zu Boden ging.

In Paris Auteuil wurde die Grand Steeplechase de Paris gelaufen.Es siegte der siebenjährige Carriacou von Califet aus dem Stall von Mme I Pacault, geritten von Davy Russell und im Besitz des Stalls Mirande souverän mit 9 Längen. Der Prix Marechal Foch, ein traditionsreiches Jagdrennen für die Amateure unter Fegentri-Patronat und damit ein Wertungslauf für die Weltmeisterschaft der Amateure. Der Sieger Dalahst wurde von dem irischen Amateur Tom Hamilton geritten. Allerdings scheint er kein nominierter Reiter zu sein und deswegen gibt es auch eine Weltmeister-Punkte.

Schon gestern sattelte der irische Meistertrainer William Mullins mit dem in Frankreich gezogenen Benie des Dieux seinen fünften Sieger im Grande Course des Haies d’Auteuil. Geritten hat Paul Townend und Besitzer ist Susannah Ricci, die in Irland einen großen Hindernisstall unterhält und in deren Farben auch die Shirocco-Tochter Annie Power gelaufen ist.

In Italien stand das Derby-Italiano auf dem Programm. Sieger wurde der irisch gezogene Rip von Winkle-Sohn Keep on Fly aus dem Stall von A Botti im Besitz von Dioscuri Srl, einer Gesellschaft im Besitz der Familie Botti, und die Plätze zwei und drei wurden ebenfalls von Botti-Pferden gewonnen. Der Premio Presidente Repubblica über 1800m ging an den in England von Ed Walker trainierten Stormy Antarctic mit Frankie Dettori im Sattel.

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Wenn die Erben fehlen – Gigginstown House Stud wird merklich verkleinert

Die Racing Post meldet heute, daß  das Gigginstown Hous Stud von Michael O’Leary seien Aktivitäten massiv reduzieren wird und wahrscheinlich keine neuen Pferde kaufen wird. Als Grund wird das fehlende Interesse der Kinder am Rennsport angegeben.

Das ist ein Beben von seimischen Ausmaß, schreibt die Racing Post weiter und für Gordon Elliott ist es eine sehr schwierige Situation, denn er ist durch die Vielzahl der Gigginstown-Pferde von der Entscheidung besonders betroffen.

Gigginstown dominiert den irischen Hindernis-Sport in enormen Maß und teilweise sind fünf, sechs oder mehr Pferde in einem Rennen in den Bordeaux-Weißen Farben am Start. Das führte natürlich auch zu einer Monokultur, denn Mrs S Ricci und John McManaus als weitere Großbesitzer dominieren den Hindernissport auf der Grünen Insel.

225 Pferde sind in der letzten Saison in den Gigginstown-Farben gelaufen – so viel wird es nicht mehr geben. Der Abbau soll über fünf Jahre erfolgen, auch damit die Trainer Zeit für die Anpassung haben.

Wird der Wegfall eines Großinvestors aber vielleicht wieder kleinere Besitzer animieren, in den Hindernis-Sport einzusteigen?

Und was wird schließlich auch mit dem umfangreichen Sponsoring von Ryan Air in den Hindernissport geschehen, wenn der Chef keine Pferde mehr am Start hat. Für den irischen Rennsport kann das eine enorme Zäsur bedeuten, denn man muß noch den Weg-Fall des Darley-Sponsoring u.a. für die Irish Oaks kompensieren.

Die Frage, was mit einigen deutschen Gestüten geschehen wird, wenn die jetzige Besitzergeneration abtritt, stellt man im Moment besser nicht ….

Der Racing-Post Artikel

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Erste Disqualifikation in 145 Jahren im Kentucky Derby

Drei wichtige Klassiker wurden am vergangenen Wochenende gelaufen.

Das Kentucky-Derby macht den Anfang eines kleinen Rückblicks. Erstmals in der Geschichte des Rennens wurde der Sieger nicht auf dem Schlamm der Sandbahn ermittelt, sondern am grünen Tisch der Stewards.Anfangs war ich irritiert über diese Entscheidung bei reichlicher Betrachtung des Rennfilms muß man diese jedoch als richtig ansehen. Im Schlußbogen hat Maximum Security für erhebliche Unruhe im Feld gesorgt. In den sozialen Medien waren nicht wenige Stimmen, die von einem Glück sprachen, daß nicht mehr passiert sei. In der Fachpresse sind die Meinungen sehr geteilt. Die Racing Post spricht von einer „sensationellen Disqualifikation“

Im Rennfilm ist die kritische Stelle ab 2:00 Min zu sehen. Wenn der Film mit Stop and Go langsam läuft, sieht man die Rempelei und auch die Folgen recht deutlich. Wie die Racing Post berichtet, will man im Umfeld von Maximum Security Einspruch gegen die Entscheidung der Rennleitung einlegen.

Kentucky-Derby 2019

Statement der Rennleitung zur Disqualifikation

Glücklicher Sieger wurde Country House im Besitz einer scheinbar ziemlich großen Besitzergemeinschaft, trainiert von William Motts und geritten von dem Franzosen Flavien Prat. Flavien Prat reitet seit 2015 in den USA und es war sein erster Erfolg im Kentucky Derby. Mit einer Quote 66,5:1 oder 665:10 nach alter Schreibweise war es einer der längsten Außenseiter im Feld und der Derbysieger mit der längsten Quote seit mindestens 1991. Ältere Quoten habe ich leider nur mit Lücken.

Der erste Schritt zur Triple Crown? Nein, daran glaube ich nicht!

In England wurden die Guineas gelaufen und sie wurden mal wieder Beute der „irischen Coolmore Boys“ Aidan O’Brien für den es nach der Rekordjagd in 2017 in 2018 nicht wirklich rund gelaufen ist, scheint für die neue Saison bestens gerüstet. Die 2000 Guineas wurden von dem Invincible Spirit-Sohn Magna Grecia Mit Trainersohn Donnaca O’Brien im Sattel gewonnen. Aber es war (noch) nicht die Dominanz der Coolmore Pferde, die man in den vergangenen Jahren oft erlebt hat. Ten Sovereigns als weiterer Coolmore-Vertreter wurde Fünfter. Aus Deutscher Sicht interessant ist der zweite Platz von King of Change. Sein Vater Farhh ist ein Sohn der Auenquellerin Gonbarda, die als doppelte Gruppe-1 Siegerin an die Maktoums verkauft wurde. 2018 stellte Farhh mit Dee Ex Bee den Runner Up zu Mansar im Epsom Derby. Farhh selbst hat mit den Lockinge Stakes von Newbury in den Champions Stakes von Ascot zwei renommierte Rennen des englischne Turfs gewonnen und bis fünfjährig auf der Bahn.

2000 Guineas Magna Grecia

In den 1000 Guineas für die Stuten siegte die Galileo-Tochter Hermosa aus dem O’Brien Quartier. Aber auch hier saß der Stalljocky wieder auf der Falschen und Wayne Lordan konnte den zweiten Sieg in einem englischen Klassiker nach Hause bringen.

1000 Guineas Hermosa

Auffallend war die geringe Präsenz von Frankel-Nachkommen in den Klassikern. In keinem der drei Rennen (Kentucky Derby, 2000 Guineas und 1000 Guineas) hatte er einen Starter.

In Deutschland wurde mit dem Carl Jaspers Preis als Nachfolger des Gerling-Preis gelaufen. Seit 1929 gehört das Rennen zum Kölner Kalender und ist das mit Abstand älteste gesponserte Rennen in Deutschland. Als der Gerling Konzern in seiner alten Struktur aufgehört hatte, zu existieren, wurde das Rennen von einer Tochter von Hans Gerling weiter gesponsert – aber auch dieses Engagement hat sein Ende gefunden – warum auch immer. „Gerling“ das war ein Name, das war auch ein Stück Wirtschafts-Tradition in Deutschland und jetzt ist er futsch. Der neue Sponsor Carl Jaspers kommt auch aus der der Industrieversicherung und gehört schon länger zu den Sponsoren des Kölner Rennvereins. Jetzt beleibt die Hoffnung, daß das Engagement ähnlich lange währen wird, wie das von Gerling.

Der Sieger kam mit French King aus Frankreich und hatte zuletzt mit der „H.H The Emir Trophy“ ein Rennen mit einer Dotierung von 1 Mio USD in Doha gewonnen.Das Rennen wurde 2017 schon von dem Graditzer Chopin gewonnen. Zweiter wurde Be my Sheriff im Besitz von Nadine Siepmann in traditionsreichen Farben. Für Nadine Siepmann war es der bisher größte Erfolg. Dritter wurde Windstoß, der Derbysieger von 2017. Sein jüngerer Bruder Weltstar, der 2018 das Derby gewann, ist seit seinem Triumph in Hamburg noch nicht wieder gelaufen. Wie gut der Sieger ist, muß er noch zeigen, denn 2018 lief er vorzugsweise in der französischen Provinz. Es ist schwer, den Sieg in der Wüste einzuschätzen. Die Racing Post gibt French King sowohl für den Wüstensieg als auch für den Sieg in Köln ein Rating von 110. Ohne diesen Sieg ist es ein Pferd aus der französischen Provinz, der in Listenrennen plaziert ist, aber nicht gewonnen. Und jetzt avanciert er zum Gruppe-2 Sieger in Deutschland und schlägt dabei den Derbysieger von 2017. Hoffentlich gewinnt er jetzt in Frankreich wenigstens Gruppe 3.

Carl Jaspers Gerling Preis French King

Kleine Züchter haben es schwer und das nicht nur in Deutschland. Einer dieser kleinen Züchter ist Matthias Tamrat, dessen Zuchtaktivitäten unter eigenem Namen, unter dem Namen seiner Lebensgefährtin Claudia Löseken oder unter dem Decknamen Stall Proclamat laufen. Dem von Matthias Tamrat gezogenen Kabir galten im Frühjahr letzten Jahres größere Hoffnungen Als Zweiter im Ferdinand Leisten Memorial in Baden Baden und Sieger des Münchener Auktionsrennens sollte er klassischen Lorbeer für Darius Racing gewinnen. Aber das hat nicht geklappt. Im September ist er in einem Reclamer von Guido Schmitt gekauft worden und fand im kleineren Rahmen wieder zu guter Form Zwei Plätze und ein Sieg, alle in Frankreich, standen für den neuen Besitzer im Rekord. Am Samstag siegte Kabir im Grand Handicap de Paris, einem mit 70.000 Euro dotieren Grand Handicap in Longchamp. Die Handicap-Kultur in Frankreich ist nicht mit der in England zu vergleichen. Die großen Handicaps haben dort nicht nur Dotierungen, die teilweise weit über der von Gruppe-Rennen liegt, aber verachten sollte man die „Grand Handicaps“ in Frankreich auch nicht. Man muß schon ein gutes Pferd haben, wenn man dort gewinnen will.

Für Guido Schmitt, der beim Kauf von Pferden ohne aktuelle Form ein gutes Händchen bewiesen hat, war der Kauf von Kabir ein schon jetzt erfolgreiches Geschäft. Zweiter wurde Cafe Royal, ein Nicaron-Sohn aus Pfauenhofer Zucht, trainiert von Axel Kleinkorres, womit der deutsche Einlauf komplett war.

Grand Handicap de Paris Kabir

Eine Züchterprämie für die deutschen PFerde gab es leider nicht.

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Tiger Roll und Magic of Light schreiben Grand National Geschichte

Seit Red Rum 1973 und 1974 die Grand National zweimal in Folge gewonnen hat, ist es noch keinem Pferd wieder gelungen, das berühmteste Jagdrennen der der Welt zweimal zu gewinnen – bis dies Tiger Roll 2018 und 2019 nach 45 Jahren erneut gelang.

Insgesamt gibt es 10 Pferde, denen das Kunststück eines Doppelsiegs in der Liverpooler gelungen ist. The Duke (1836, 1837, Peter Simple (1849,1853), Abd-El-Kader (1850,1851), The Colonel (1869, 1870), Manifesto (1897,1899), Poethlyn (1918,1919), Reynoldstown (1935,1936), Red Rum (1973,1974,1977) und jetzt Tiger Roll (2018,2019)

Der Doppelerfolg von The Duke muß mit Skepsis betrachtet werden, verschiedene Quellen sehen die erste Austragung der Grand National 1839, andere sehen die Grand National schon in den frühen Dreißigern des 19. Jahrhunderts als den Beginn der Grand National.

Ebenso außergewöhnlich ist der zweite Platz von Magic of Light. Zuletzt lief mit Eyecatcher 1976 und 1977 eine Stute in die Plazierung. Die letzte Stute, die die Grand National gewonnen hat, ist Nickel Coin 1951.

Die äußeren Bedingungen für ein gutes Rennen waren ideal, der Boden war gut bis weich, also perfekt, um bei der Landung nach dem Sprung gut zu federn, aber nicht so viel Kraft kostet, wie wenn die Bahn weich oder gar schwer ist. Tiger Roll, der als kleines und leichtes Pferd beschrieben wird, ging mit dem dritthöchsten Gewicht von 11-5 (rund 72 kg) an den Start. Das Gigginstown House Stud von Ryanair Chef Michael O’Leary hatte insgesamt sieben Pferde im Rennen.

Vom Fleck weg gab es eine zügige Pace und man sah Magic of Light relativ früh in der Spitzengruppe, während Tiger Roll das Rennen mehr im Mittelfeld aufnahm. Am ersten Hindernis gab es gleich einen folgenschweren Sturz, bei dem Vintage Clouds gefallen war und Up for Review sehr unglücklich über ihn fiel und sich dabei wahrscheinlich das Genick gebrochen hat. Up for Review ist das erste Pferd seit 2012, das in der Grand National sein Leben gelassen hat.

Danach lief alles fast reibungslos. 37 Pferde von 40 gestarteten gingen in die zweite Runde. An den anderen 14 Hindernissen der ersten Runde wurde nur Monbeg Notorious an Hindernis 11 angehalten. Es ist schon fast phänomenal, wenn bei den anspruchsvollen Sprüngen und dem großen Feld kein Pferd seinen Reiter verliert oder fällt.

Über den Weg bestimmte eine Gruppe die Pace, zu der auch Magic of Lights gehörte. Tiger Roll verbesserte eher unauffällig seine Position und war am vorletzten Sprung dann schließlich in Front. Magic of Lights versuchte nachzusetzen und auch Rathvinden blieb dicht dabei. Am letzten Sprung mußte Paddy Kennedy auf Magic of Lights noch einen ziemlichen Rumpler aussitzen. Ob die Stute ohne diesen Rumpler Tiger Roll geschlagen hätte – ich glaube es nicht, denn Tiger Roll ging am Ende für das Auge deutlich besser und hätte wohl ziemlich jeden Angriff von Magic of Lights parieren können. Rathvinden mit Ruby Walsh im Sattel lief ebenfalls ein starkes Rennen und war dicht auf.

Die Grand National war wieder fest in irischer Hand – die Plätze 1-2-3-5 gingen auf die Grüne Insel und nur Walk in the Mill verhinderte den totalen irischen Triumph und legte Ehre für Good old England ein!

Tiger Roll lief wie im letzten Jahr als Vorbereitungsrennen für die Grand National eine Cross Country Chase in Cheltenham. Es ist bewundernswert, wie dieses eher leichte Pferd mit dem hohen Gewicht über die großen Sprünge geht.

Lights of Magic hat in dieser Saison schon sechs Starts vor der Grand National absolviert, was für ein Hindernispferd auf der Insel schon ein ziemlich strammes Programm ist. Dabei fiel sie nicht unbedingt als besonders talentiert auf. Zuletzt war sie in Cheltenham Siebte, davor verlor sie ihren Reiter in Fairyhouse, war zweite in eine Jagdrennen für Stuten und gewann davor ein Hürdenrennen für Stuten in Ascot. Wahrlich keine Empfehlung für eine vordere Plazierung in der Grand National und so ging sie mit 66/1 als eine der längsten Außenseiter ins Rennen. Die Buchmacher boten für eine größere Gruppe von Startern eine Quote von 66/1 und nur Just a Par mit 100/1 stand noch länger.

Das Gigginstown House Stud ist jetzt zusammen mit Trevor Hemmings, James Machell und Noel le Mare einer von vier Besitzern mit drei Siegern in der Grand National. Gordon Elliott als Trainer hat ebenfalls drei Sieger für das Rennen bisher gesattelt.

Und die Deutschen?

Einige Deutsche Stallions hatten sich in der Hinderniszucht in Frankreich recht schnell einen Namen gemacht und nicht wenige Hindernispferde in England und Irland kommen aus Frankreich, wie zB der große Kauto Star. Aber die Hochzeit der deutschen Deckhengste in der französischen Hinderniszucht ist vorbei. Die Stars sind aus Altersgründen abgetreten und mit den jüngeren Hengsten klappt es im Moment nicht so. Daher wird auch der Kreis der Pferde im Hindernissport mit deutschen Zuchthintergrund immer kleiner.

In der Grand National liefen fünf Pferde mit einem deutschen Vater. Am besten lief Valseur Lido der in den Gigginstown-Farben Zehnter wurde und damit noch Geld bekam. Vieux Lion Rouge, im Dezember Zweiter in der Becher Chase in Aintree über den Grand National Kurs, kam auf Platz 15 ein und der Rest ist gefallen oder wurde angehalten.

Am ersten Tag des Meetings gewann Portland Hills das Doom Bar Anniversary 4-Y-O Juvenile Hurdle (Grade 1). Portland Hills Mutter ist Elle Galante und die großartige Elle Danzig aus Wittekindshofer Zucht ist seine Großmutter.

Im Betway Top Novices’ Hurdle (Grade 1) wurde der früher für Röttgen von Markus Klug trainierte Aramon Zweiter.

Michael O’Leary flog mit der hauseigenen Linie zurück nach Irland – und spendierte allen Mitfliegern zwei kostenlose Getränke auf dem Heimflug. Die Stimmung an Bord der Ryanair-Maschine muß sehr ausgelassen gewesen sein. Über den Geschäftsmann M O’L könnte man einiges schreiben aber das ist ein anderes Thema und gehört hier nicht hin.

Und wie geht es weiter mit Tiger Roll? Jetzt zweimal Zweiter wie Red Rum oder drei Siege in Folge – eine Handicap Chase mit 40 Pferde über anspruchsvolle Hindernisse mehrfach zu gewinnen ist schon eine Ansage – und unterwegs kann immer mal was passieren, auch durch Fremdverschulden!

Hoffen wir einfach, daß er gesund bleibt und noch viele gute Rennen gewinnen kann! Wenn er aber 2020 wieder die Cross Country Chase von Cheltenham gewinnt, dann könnte die Grand National für die Buchmacher eine sehr teure Angelegenheit werden. Dieses Jahr hat sie angeblich 250 Mio Pfund gekostet.

Michael O’Leary läßt auf dem Heimflug die Korken knallen

Grand National 2018

Grand National 2019

Grand National – wo landeten die Teilnehmer.

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