Wer kennt Cazoo? Über den Namen bin ich das erste mal gestolpert, als Cazoo als Sponsor des Epsom Derbys aufgetreten ist. Außer dem Derby sponsert das Unternehmen inzwischen das Saint Leger und diverse andere Rennen – der Name ist im britischen Rennsport sehr präsent.
Googelt man ein wenig, dann liest man in der Autopresse, daß Cazoo durch Zukäufe eine energische Expansionspolitik auf dem Kontinent betreibt. In Deutschland wurde Anfang des Jahre Cluno übernommen, der als Pionier des Abo-Geschäfts im Gebrauchtwagenmarkt gilt.
Eigentlich ist doch Cazoo ein perfekter Partner für den Galopp-Sport in Deutschland. Wie dieses sehr dynamisch auftretende Unternehmen für den traditionsreichen Rennsport gewonnen werden konnte, sollte doch mit dem Jockey-Club oder der BHA in Britannien besprochen werden können.
Natürlich müssen dafür Voraussetzungen geschaffen werden. Und da ist an erster Stelle immer wieder die Medienpräsenz zu nennen. Wir haben derzeit an der Spitze Direktoriums einen Präsidenten, der nach meinem Eindruck in der Politik gut oder sehr gut vernetzt scheint. Dieses Netzwerk in Verbindung mit Sponsoren-Geldern von Cazoo sollte doch bei der Medienpräsenz einige Bewegung ermöglichen.
Derzeit jedenfalls ist von außen betrachtet die vor Corona noch zu spürende Dynamik bei der besseren Außendarstellung des Rennsports nicht mehr viel zu spüren. Ermattung an allen Fronten. Leider hat Deutschland derzeit noch mehr Restriktionen in der Corona-Politik als dies in anderen Ländern der Fall ist, aber das alleine kann es nicht sein.
Derzeit findet das große Turnier in der Aachener Soers statt, im Galopprennsport von der Vielzahl der erstklassigen Prüfungen nur mit dem Königlichen Meeting von Ascot zu vergleichen. Keine Prüfung unter Listen-Level.
Ein Blick auf die Sponsoren ist interessant. Teilweise sind es lokale Sponsoren, die auch durch familiäre Bindung schon „seit ewig“ zu den Unterstützen des ALRV gehören. Aber genauso gibt es Großsponsoren, wie Allianz, Deutsche Bank, Turkish Airlines, Rolex, SAP, Lindt, Meggle, Mercedes und viele andere mehr.
Welche Summen für die Übernahme einer Prüfung gezahlt werden müssen, weiß ich nicht. Ein bekannter meines Vaters wollte einmal „vor Jahren“ das CHIO nutzen, um ein Produkt im Pferdesport zu vermarkten. Er meinte damals, daß die aufgerufenen Preise „sehr anspruchsvoll“ seien und der Kauf eines Mercedes-PKW dagegen preiswert sei. Was macht der ALRV, daß diese Unternehmen seit Jahren oder Jahrzehnten zu den Unterstützern gehören. Wie kann der Rennsport dieses Konzept kopieren?
Wir sind wieder bei der Frage, was denn der Rennsport solchen international tätigen Unternehmen bieten kann, damit es ein Win-Win-Situation wird. Die Rennvereine sind eigentlich sehr agil, wenn es um die Akquise neuer lokaler Sponsoren geht. Aber es fehlt trotzdem überall an Mitteln, um den Rennsport wieder zu alter Größe zu verhelfen. Für zusätzliche Sponsoren gibt es erst mal keine Rennen, soll man sie als Dachsponsoren bezeichnen, die allgemeine Mittel zur Verfügung stellen. Und natürlich besteht bei solchen „Dachsponsoren“ ein Souveränitätskonflikt zwischen Rennvereinen und Direktorium.
Wie auch immer, einen Unternehmen, das im englischen Rennsport als Großsponsor auftritt und jetzt im Deutschland das Gebrauchtwagen-Geschäft verändern will und dabei merkliche Marktanteile gewinnen will, kann der Rennsport nicht ignorieren und weiter auf besser Wetter warten.
Es ist an der Zeit, daß das Direktorium handelt!