Offener Brief an die Stadtverordneten von Frankfurt zum Erhalt der Galopprennbahn

Sehr geehrte Damen und Herren,
Mitglieder der Stadtverordneten-Versammlung der Stadt Frankfurt,

Auf meine E-Mail vom 23. September habe ich einige interessante Antworten erhalten, die sich zum Erhalt der Rennbahn sowohl kritisch als auch positiv geäußert haben.
Ich möchte aus diesen noch einmal einzelne wichtige Punkte so gut wie möglich beantworten.

Das leidige Thema Subvention
Es ist nach meinem Wissen NICHT richtig, daß der Galoppsport in Frankfurt Subventionen aus Steuermitteln erhalten hat. Es ist wohl richtig, daß aus dem Verkauf der alten Weinberg-Ställe an die Huarong-Gruppe ein Teil des Verkaufserlöses an den Galoppsport geflossen ist.

In der Ausschuß-Sitzung Bauen und Wohnen am Donnerstag abend konnte Bürgermeister Cunitz trotz mehrerer Nachfragen keine konkrete Zahlung der Stadt an den Rennsport nennen. Er ist immer wieder ausgewichen.

Finanzielle Situation des Frankfurter Rennclubs
Es ist unbestritten, daß der Galoppsport in Frankfurt finanziell schwere Zeiten erlebt hat. Aber das ist Geschichte. Fakt ist, daß der Rennklub 2013 mit schwarzen Zahlen abgeschlossen hat und finanziell solide aufgestellt ist. Vor allem die Gewinnung von Sponsoren ist erfolgreich. Die Nutzung des Rennbahngeländes für andere Veranstaltungen ist nicht nur ein Gewinn für den Stadtteil Niederrad, sondern auch für den Rennklub.

Wenn von Seiten der Stadtspitze andere Zahlen genannt werden, so sind diese Aussagen falsch und haben nur den Zweck, den Galoppsport in ein schlechtes Licht zu rücken und damit dem Fußball-Projekt Vorschub zu leisten.

Wenn der Prinz zu Löwenstein auf der Sitzung Bauen und Wohnen in öffentlicher Rede behauptet, die Hippodrom GmbH hat nie die Pachtzahlungen geleistet, dann sagt er – wissentlich oder unwissentlich – die Unwahrheit und begeht eine bösartige Verleumdung, die eigentlich schon justitiabel ist!

Kaufpreis
Ich wiederhole meine Kritik an dem unterirdisch niedrigen Kaufpreis noch einmal. Nach meinen Recherchen hat die Huarong-Gruppe knapp 860,- EUR je qm bezahlt und das war vor sieben Jahren. Eine Kaufpreissteigerung von 30% in dem Zeitraum für ein Grundstück in guter Innenstadtlage von Frankfurt dürfte eher konservativ gerechnet sein.

Man kann sicher nicht die ganze Fläche von 15 od. 20 ha als Bauland betrachten. Aber für den  zu bebauenden Bereich muß dieser Wert als Marktpreis angesetzt werden. Für den Bereich der  Trainingsplätze muß ebenfalls ein Wert ermittelt werden. Wer in bester Innenstadtlage einen Trainingsplatz haben möchte, muß dafür eben einen anderen Preis bezahlen, als wenn dieser am Stadtrand auf einer Ackerfläche liegt.

Entweder hat die Huarong-Gruppe damals einen maßlos überzogenen Preis bezahlt oder der DFB erhält eine maßlose Subvention von der Stadt. Wie der Deutschlandfunk berichtet und Ihnen sicher auch bekannt ist, hat das Revisionsamt der Stadt Frankfurt bereits Bedenken wegen des extrem niedrigen Erbpachtzinses angemeldet.

Jedenfalls betrachte ich diese Subvention als ungerechtfertige Beihilfe und damit einen Verstoß gegen die geltenden EU-Richtlinien. Ich habe daher einen Rechtsanwalt mit der Prüfung beauftragt, ob und unter welchen Bedingungen eine Privatperson ein Beihilfeprüfungsverfahren bei der EU in Gang bringen kann. Wir reden hier immerhin von einer Subvention in Höhe eines hohen zweistelligen wenn nicht dreistelligen Millionbetrags.

Ich werde bei den Zahlen außerdem den Verdacht nicht los, daß das jetzt in der Öffentlichkeit verhandelte Projekt gar nicht das Projekt ist, was am Ende realisiert werden soll.

Vorkaufsrecht
Ich bin kein Jurist, mußte mich in einem anderen Fall aber bereits mit dieser Problematik auseinandersetzen. Im Miet- und Pachtrecht hat die Bestellung eines Vorkaufsrechts im Grundbuch erheblichen Einfluß auf eventuelle Entschädigungszahlungen bei der Beendigung eines Miet- oder Pachtvertrages. Kurz gesagt, der Mieter wird wesentlich besser gestellt, als dies normalerweise der Fall ist.

Ich kann nicht sagen, ob diese mietrechtliche Regelung in gleicher Weise auf Erbpacht-Verträge angewendet werden kann. Ich möchte aber das Risiko nicht ausschließen und Sie deswegen an dieser Stelle ausdrücklich darauf hinweisen, daß die Vertragsform für die Stadt Frankfurt zu erheblichen Zahlungsverpflichtungen gegenüber dem DFB führen kann.

Umweltschutz
Das Rennbahngelände liegt im Landschaftsschutzgebiet Zone I und Zone II. Die Verordnung sieht eine Umweltverträglichkeitsprüfung vor, was hinreichend bekannt sein dürfte. Es ist aber nicht bekannt, ob das erforderliche Gutachten bereits erstellt ist. Diese Tatsache ändert sich weder durch Ignoranz noch durch Verschweigen.

Der Rennklub mußte bei jeder kleinen landschaftlichen Änderung erfahren, daß dies nicht gehe, weil dort ein Biotop etc. sei. Jetzt aber kommt der DFB – und auf einmal soll jede noch so gravierende landschaftliche Änderung möglich sein und alles wird einfach abgenickt?

Weitere Zahlen
Der DFB zahlt zukünftig einen Erbpachtzins von rund 68.000,- EUR pro Jahr. Frau Rebekka Unrath vom FRK hat auf der Sitzung Bauen und Wohnen bereits vorgetragen, daß die Einnahmen aus dem Gelände ohne den Golfclub bereits jetzt 130.000,- EUR pro Jahr betragen

Die Mindereinnahme ohne die Einnahmen aus dem Golfclub für die Stadt ist jetzt schon 62.000,- EUR.  Anders gesagt, die Kosten für das Denkmal für Oberbürgermeister Feldmann, Bürgermeister Cunitz und Baudezernent Frank belastet die Stadtkasse mit jährlich mindestens 62.000,- EUR.

Soll hier tatsächlich ein Prestigeprojekt, denn mehr ist es in meinen Augen nicht, auf Biegen und Brechen und koste was es wolle, durchgeboxt werden?

Ich appelliere deswegen noch einmal an Sie als Stadtverordnete einer Stadt mit großer Galoppsport-Tradition, für den Erhalt der Rennbahn zu stimmen und dem DFB-Projekt abzusagen. Die Risiken der Stadt bei dem DFB-Projekt sind erheblich und das Projekt ist vor allem ein Prestigeprojekt der Beteiligten, egal, ob sie Feldmann, Niersbach, Bierhoff oder Frank heißen. Sie wollen sich ein persönliches Denkmal setzen. Denken Sie nicht nur an heute und  in Wahlperioden, denken Sie bitte langfristig – die Rennbahn besteht seit Generationen und kann noch viele Generationen fort bestehen. Als Treffpunkt der Pferdefreunde und als offene grüne Oase in Frankfurt-Niederrad. Ob das DFB-Projekt jedoch eine Generation überstehen wird, wage ich zu bezweifeln.

Wir dürfen nicht immer nur von Nachhaltigkeit reden – wir müssen sie leben!

Mit freundlichen Grüßen
Norbert Rumstich

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Ein historischer Sieg für Trêve im Prix de l’Arc de Triomphe

(c) Jürgen Langrock

Der Arc war dieses Jahr auf dem Papier eine offene Angelegenheit. Trêve, die Vorjahressiegerin  schien dieses Jahr nicht wirklich in Form zu sein. Sea the Moon, der überlegene Sieger im Deutschen Derby wurde lange als Favorit gehandelt, mußte dann aber wegen einer Verletzung passen und der englische Derbysieger Australia wurde frühzeitig zum Nichtstarter.

Die deutschen Hoffnungen ruhten auf dem Schlenderhaner Ivanhowe, der in Baden-Baden Sea the Moon die erste Niederlage seiner Karriere beigebracht hat. Der Hengst kam in guter Haltung in die Gerade, ging dann aber nicht weiter und war früh geschlagen. Er scheint mir unter Wert gelaufen zu sein und deswegen sollte man auch keine Vergleichsrechung über Ivanhowe zu Sea the Moon anstellen.  Für Ivanhowe wird der Boden auch zu trocken gewesen sein. Offiziell war er gut bis fest und weiches Geläuf wäre mehr nach seinem Geschmack gewesen.

Enttäuscht war auch die große japanische Fangemeinde, die mit rund 5.000 Turfbegeisterten aus Japan angereist war und sich große Hoffnungen auf den ersten Sieg eines Japaners im wichtigsten Rennen der Welt machte. Harp Star, die Zweite aus den Japanischen Oaks wurde als bester Starterin Nippons  Sechste.

Direkt an den Rails startete Trêve Mitte der Geraden ihren Angriff und kam leicht nach vorne. Am Ende betrug der Vorsprung auf Flintshire 2 Längen und noch einmal 1 1/4 Längen auf die Favoritin  Taghrooda aus dem Stall von John Gosden. Vierter wurde der englische Leger Sieger  Kingston Hill.

Trêve ist die erste Doppelsiegerin im Prix de l’Arc de Triomphe seit Alleged 1977/ 1978 mit Lester Piggott im Sattel das Doppel perfekt gemacht hat. Und es ist das erste Stutendoppel seit der legendären Corrida 1936/1937 und das zweite Stutendoppe überhaupt. Es spricht auch für die feine Hand von Christiane Head-Maarek, die die Stute nach der schwachen Frühform in diesem Jahr zum Arc wieder toppfit präsentierte. Sie ist nicht umsonst seit langem eine der Großen im französischen Galoppsport.

Unmittelbar nach dem Rennen wurde bekannt gegeben, daß Trêve ihre Rennkarriere beendet und in die Zucht geht. Damit wird Corrida auch weiterhin die erfolgreichste Arc-Starterin aller Zeiten bleiben. Außer zwei Siegen wurde sie noch einmal Dritte!

Der Arc 2014

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Offener Brief an die Damen und Herren des Frankfurter Stadtrats zum Erhalt der Galopprennbahn

Sehr geehrte Damen und Herren,
Mitglieder des Rats der Stadt Frankfurt,

Ich darf mich kurz vorstellen. Mein Name ist Norbert Rumstich aus Düsseldorf. Ich stamme aus einer Familie, die seit über 100 Jahren beruflich im Pferdesport aktiv ist und bin sozusagen im Pferdestall geboren und aufgewachsen, konnte eher Reiten als Lesen und Schreiben und auch, wenn ich einen anderen Beruf gewählt habe und im Moment aus zeitlichen Gründen eher selten reite, sind Pferde und Galopprennen immer noch ein wichtiger Bestandteil in meinem Leben. Ich habe erfolgreich Dressur, Springen, Military und als Amateur vor allem Galopprennen geritten. Heute bin ich in verschiedenen Gremien des Direktoriums für Vollblutzucht und Rennen aktiv, Landesvertreter des Verbandes Deutscher Amateurrennreiter für NRW und betreibe die Webseite, Galopp-Sieger.de, die wohl größte Datensammlung über die Historie und Gegenwart des Galopprennsports in Deutschland, Europa und teilweise auch in der Welt. Es gibt keinen Sport der eine ähnlich große Tradition hat, wie der Galopprennsport und mit Galopp-Sieger möchte ich auch die Erinnerung an große Pferde, Reiter und Trainer aus längst vergangenen Zeit lebendig halten.

Manche mögen mich neudeutsch als Lobbyisten bezeichnen, aber das ist nicht richtig. Ich engagiere lediglich mich mit gleichen Leidenschaft für den Galopprennsport, mit der ich früher in den Rennsattel gestiegen bin.

Frankfurt ist eine Stadt mit großer Tradition. Goethe wurde in Frankfurt geboren, das Paulskirchenparlament, der Chemiestandort Frankfurt, der ganz wesentlich von den Brüdern Dr. Arthur und Carl von Weinberg begründet und gestaltet wurde. Und zur Geschichte von Frankfurt gehört seit über 150 Jahren auch die Galopprennbahn in Niederrad .

Und jetzt soll nach dem Willen von Bürgermeister Feldmann diese über 150 Jahre währende Tradition des Galoppsports für den Fußball ausgelöscht werden. Weg, einfach so.  Allein das Procedere läßt mir die Haare zu Berge stehen. Im März wurde die Öffentlichkeit quasi vor vollendete Tatsachen gestellt. Ohne jede öffentliche Diskussion war hinter verschlossenen Türen das Grundstück dem DFB für ein Leistungszentrum angeboten worden und der Galoppsport und die auf dem Gelände arbeitenden Menschen wurde die Existenz unter den Füßen weggezogen.

Dies auch vor dem Hintergrund, daß ein Pachtvertrag mit einer Restlaufzeit von 12 Jahren besteht und die Hippodrom GmbH als Vertragspartner der Stadt eine Option auf weitere 15 Jahre hat. Es mutet schon sehr sonderbar an, daß in derart massiver Weise in einen bestehen Vertrag eingegriffen wird. So, als wenn Verträge in Frankfurt beliebig sind, wenn es der Stadtspitze gerade gefällt.

Es muß auch die Frage gestellt werden, warum die Stadt das Grundbuch und die zugehörigen Grundakten des Rennbahngeländes nicht offen legt. Ist dort vielleicht doch ein Hinweis auf eine Vereinbarung mit den Herren v. Weinberg enthalten und der Bürgermeister will nicht, daß diese Vereinbarung öffentlich wird?

Ohne Frage, der Rennsport in Deutschland hat einige Probleme, die zu einem Teil hausgemacht sind, zu einem großen Teil aber auch an den gesetzlichen Rahmenbedingungen liegen. Als Beispiel sei nur der vor einigen Jahren beschlossene Glückspielstaatsvertrag genannt. Darin ist festgelegt, daß die auf die Buchmacherwette eingenommene Steuer zu einem Teil an den Galoppsport abgeführt werden soll. Das dafür erforderliche Ausführungsgesetz ist bis heute jedoch nicht beschlossen. Daß es auch anders geht, zeigt Frankreich. Dort hat der Galoppsport perfekte gesetzliche Rahmenbedingung und ist ein blühender Sport.

In Frankfurt sind zwei Rennvereine Insolvent gegangen, aber die Situation des neuen Renn-Klubs hat sich auch finanziell deutlich verbessert. Die neue Tribüne ist inzwischen abgezahlt, so daß kein Kapitaldienst mehr erbracht werden muß und die Zahlen insgesamt positiv sind. Und jetzt, nachdem dieser Kraftakt bewältigt wurde, soll die gerade abgezahlte Tribüne wieder abgerissen werden?

Das Team des Rennvereins ist auch sehr aktiv, es werden neue Sponsoren gewonnen und die Nutzung des Geländes für die Bürger von Niederrad wird sehr offen betrieben.
Wenn Dezernent Markus Frank in der FNP ausführt, daß der Galoppsport Subventionen erhalten hat, dann ist diese Aussage so nicht richtig. Es sei denn, Dezernent Frank meint die Rückerstattung der Rennwettsteuer, aber die wird vom Galoppsport auch erst mal selbst verdient. Hier wird pauschal ein Argument in die Welt gesetzt, das einer nähren Prüfung nicht standhalten kann!

Inzwischen sind die Rahmenbedingungen veröffentlicht. Der DFB zahlt für 99 Jahre einen Erbpachtzins von 6,8 Mio Euro für ein Gelände von 20 ha, als 200.000 qm. Das entspricht einem Erbpachtzins von 68.700 Euro pro Jahr oder 34 Cent pro qm und Jahr. Der reichste Sportverband der Welt zahlt eine Erbpacht im Gegenwert eines Brötchens für einen Quadratmeter bebaubares Land! Ich weiß die Zahl leider nicht mehr genau, aber die Chinesen haben für das Hotel für ein wesentlich kleineres Grundstück auf dem Geländer der alten Weinbergställe vor einigen Jahren einen hohen siebenstelligen Betrag gezahlt.

Im Bereich Rennbahn/Schwarzwaldstraße werden vom Gutachterausschuß Grundstückspreise von 600 bis 1.100 EUR/qm genannt. Nimmt man einen Mittelwert von 800 Euro, dann wäre ein reeller Kaufpreis für die an den DFB vergebene Fläche 160.000.000 Euro (800 x 200.000 qm). Allgemein beträgt der jährliche Erbpachtzins 4 bis 5%, also 32 bis 40 Euro je qm und Jahr. Der vereinbarte Erbpachtzins ist irgendwo im homöopathischen Promille-Bereich. Frankfurt subventioniert das DFB Zentrum jährlich mit einigen Millionen Euro. Jährlich, sehr geehrte Damen und Herren.

Erstaunlich auch, daß Markus Frank das Zustandekommen für den Super-Sonder-Spezialpreis für den DBF nicht erklären konnte. Konnte er es nicht oder wollte er es einfach nicht?

Und die Stadt steht sich auch schlechter, als mit der bisherigen Konstellation. Der Golfclub als Unterpächter auf dem Rennbahngelände zahlt eine monatliche Pacht von 28.000 EUR, also 336.000 Euro /Jahr. Eine deutliche Verschlechterung der Einnahmesituation für die Stadt von rund 270.000 EUR pro Jahr. Aus dem Geschäftsbesorgungsvertrag sind davon allerdings auch wieder Zahlungen an den Rennverein zu leisten. Aber es gibt weitere Pachtverträge auf dem Grundstück, von denen mir die Konditionen aber nicht bekannt sind.

Wer mit dem Immobilienmarkt ein wenig vertraut ist, der reibt sich bei diesen Zahlen ganz fürchterlich die Augen und hier muß die Frage erlaubt sein, ob das der Öffentlichkeit präsentierte Projekt tatsächlich das Projekt ist, das langfristig realisiert werden soll. Honi soit qui mal y pense.

Der DFB und der Fußball allgemein ist bekannt dafür, daß er sich sehr gerne von der öffentlichen Hand subventionieren läßt. Das Fußballmuseum in Dortmund wurde zur Hälfte mit Landesmitteln gebaut, an der laufenden Finanzierung beteiligt sich der DFB nur zu einem geringen Anteil. In Köln wollte man für ein solche Museum das Grundstück von der Stadt als Geschenk erhalten und der Versuch, in Köln eine Fußball-Akademie zu errichten, ist am Widerstand der Bürger gescheitert.

Ich möchte Ihnen deswegen einen Beitrag in Monitor empfehlen, in dem verschiedene Beispiele beschrieben werden. Was passiert denn, wenn die EU-Kommission den Vertrag zwischen Stadt und DFB für ungültig erklärt? Wer haftet dann?

Bericht in Monitor über Subventionen im Fußball

Aktuell hat auch der Deutschlandfunk sich sehr kritisch über den Fußball und die Forderungen an die öffentliche Hand geäußert.

Deutschlandfunk über Fußballmonopol

Es ist keine Frage, daß der Fußball in Deutschland ein sehr populärer Sport ist, aber gerade bei so großer Popularität, bei den erheblichen Zuwendungen aus den Rundfunkgebühren müssen auch die Belange andere Sportarten für den DFB von Bedeutung sein. Eine Verdrängung, wie sie jetzt in Frankfurt versucht wird, darf nicht sein.

Im Interesse eines vielfältigen Sportangebots in Frankfurt, im Interesse des traditionsreichen Galoppsports in Niederrad und auch im Andenken an die großen Gönner Frankfurts, den Brüdern v. Weinberg bitte ich Sie deswegen sehr herzlich, dem DFB-Projekt Ihre Stimme zu verweigern und für den Erhalt der Galopprennbahn in Niedrrad zu stimmen.

Machen Sie es den Kölnern nach, zeigen Sie dem DFB die rote Karte und verweigern das subventionierte Leistungszentrum. Das Projekt hilft niemandem außer dem DFB und vielleicht dem Bürgermeister Feldmann, nicht aber den Bürgern Frankfurts. Wer weiß, welche finanziellen Forderungen vom DFB noch gestellt werden.

Sie haben Fragen oder wünschen weitere Informationen. Ich stehe Ihnen per Mail oder telefonisch gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
Norbert Rumstich

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Slivia Göldner lebt nicht mehr

Die traurige Nachricht habe ich heute bei Facebook erhalten.

Mit Kincsem hatte Silvia Göldner lange vor Galopp-Sieger eine Webseite über den Galopp-Rennsport geschaffen, und dort viele Informationen über die großen Vollblüter der Welt zusammen getragen. Vor allem in der Anfangszeit von Galopp-Sieger war sie eine große Hilfe beim Zusammentragen von Informationen und eine unermüdliche “Meckertante”, die laufend Ideen hatte, was man denn alles besser machen könne. Dazu sage ich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlichen Dank.

Sie hat viel photographiert, war eine sehr creative Frau gewesen und hatte eigentlich laufend gute Ideen, wie man den Rennsport besser vermarkten kann. “Wir sind Arc-Sieger”, als Danedream den Arc 2011 gewonnen hat, war einfach eine klasse Idee, aber leider konnte sie in Köln mit ihren Ideen nicht durchdringen.

Mit Silvia Göldner geht nicht nur eine sehr nette und liebenswerte Frau von dieser Welt, sondern auch eine Vollblut-Enthusiastin, wie sie im Buche steht! Ich werde Sie sehr vermissen.

Ihrer Familie und ihren Freunden mein aufrichtiges Beileid – möge sie nicht in einen Himmel kommen, in dem es keine Pferde gibt!

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Die Verräter von Frankfurt – Teil II Der Bürgermeister

Thomas Paine einer der Gründerväter der USA sagte einmal über Patrioten: “The duty of a patriot is to protect the people from its government”. Wie recht Thomas Paine hat, erlebt man aktuell in Frankfurt bei Peter Feldmann, dem ersten Bürger der Stadt.

Liest man verschiedene Veröffentlichungen vom Frankfurter Bürgermeister Peter Feldmann, dann könnte man ihn über alle Parteigrenzen hinweg beinahe sympathisch finden. In seinen Thesen zur Kulturpolitik in Frankfurt am Main, wird von Vielfalt gesprochen, davon daß die Großen in der Kulturszene die Kleinen nicht verdrängen dürfen – alles ehrbare Gedanken und der Leser sollte eigentlich meinen, daß der Bürgermeister diese Ideen auch für die anderen Bereiche der Politik gelten läßt – z. B. für die Sportpolitik.

Aber man wird sehr schnell aus seinen Träumen gerissen, denn das Thesenpapier ist natürlich nur für Sonntagsreden geeignet. In der Realität sieht das alles ganz anders aus. Da gibt es keine Rücksichten, mit rücksichtsloser Härte wird alles weg gedrückt, was dem Bürgermeister nicht in den Kram paßt.

Über 150 Jahre reicht die Geschichte des Galopp-Rennsports in Frankfurt zurück. Der alte Frankfurter Rennclub war einer der ältesten Sportvereine Deutschlands. Im März wurde der Rennverein vor die vollendete Tatsache gestellt, daß das Rennbahngelände zukünftig vom DFB genutzt werde. 150 Jahre gelebte Sporttradition werden von diesem Bürgermeister aus einer Laune heraus einfach weggewischt. In der damaligen Presseerklärung wurde der Rennsport mit keiner Silbe erwähnt.  So als wenn es niemanden interessieren würde, als wenn es niemanden etwas anginge!

Würde es Bürgermeister Feldmann mit sportlicher Vielfalt ernst meinen, dann würde er das Gelände für 50 Millionen an den DFB verkaufen und die Summe dem Rennsport für den Bau einer neuen Rennbahn zur Verfügung stellen. Der DFB ist schließlich der reichste Sportverband der Welt und wird diese Summe problemlos aufbringen.

Gefragt hat er niemanden im Vorfeld in Frankfurt und auch die direkt betroffenen Bürger in Niederrad wurde einfach vor vollendete Tatsachen gestellt. Bürgerbeteiligung ist für Bürgermeister Feldmann eben nur etwas für Sonntagsreden. In der Tagespolitik interessiert das nicht, da wird einfach gemacht. Ob das den Bürgern paßt oder nicht, ist doch egal!

Bestehende Verträge  - interessiert doch nicht, Verträge werden von Bürgermeister Feldmann einfach ignoriert. Das ist doch eh nur wertloses Papier.

Die “Nutzungsänderung” hat natürlich auch weitreichende Auswirkungen auf die Existenzgrundlage der dort arbeitenden Unternehmer und Angestellten. Um die 100 werden es insgesamt sein.  Kleine Leute, einfache Leute, die vom Tagesgeschäft leben, denen einfach die Existenzgrundlage unter den Füßen weggezogen wird. Aber das interessiert Bürgermeister Feldmann doch nicht. Hier werden keine Sonntagsreden gehalten, hier geht es um Realpolitik, da kann man doch auf kleine Leute keine Rücksicht nehmen. Die müssen eben Platz machen, der DFB braucht schließlich für seine balltretenden Millionäre eine neue Spielwiese – das muß man doch verstehen. Arbeitslosigkeit? Keine Perspektive? Alles egal, dann werden die Leute eben Hartz-IV Empfänger. Pech gehabt. Da kann man als Sozialdemokrat doch keine Rücksicht drauf nehmen.

Dieses Jahr noch soll alles zu Ende sein: der Rennbetrieb soll eingestellt und das Gelände geräumt werden. In gerade mal 9 Monaten werden von Bürgermeister Feldmann 150 Jahre Sporttradition mit der Dampfwalze platt gemacht.

Die Rennbahn ist mitten in der Stadt eine grüne Lunge. Stört aber nicht, sagt Bürgermeister Feldmann, Flora-Fauna-Habitat. Muß man alles nicht so eng sehen, geht ja schließlich um die Fußball-Akademie des DFB, da müssen die Vorschriften großzügig ausgelegt werden! Außerdem wird doch als Ersatz ein Freizeitpark, der natürlich nichts kosten darf, aufgebaut

Die Rennbahn ist Freiraum, Ruhepunkt für den Stadtteil. Soll sich das Volk doch nicht so anstellen, gibt auch andere Grünflächen. Hinten im Park der Villa Waldfried, die man damals “billig” von den Weinbergs gekauft hat, ist doch auch noch Platz. Nun seien Sie doch bitte mal nicht alle so pingelig.

Und das Ganze wird im Magistrat als streng vertraulich behandelt. Was werden da eigentlich noch für Rechtsvorschriften verbogen, damit der Drop für den DFB passend gelutscht werden kann. Man muß Böses ahnen, aber die Wahrheit wird man eh nie erfahren.

Dieser junge, dynamische, aalglatte Salonsozialist im kapitalistischen Dreiteiler macht eben sein Ding. Bürgerbeteiligung, Bürgerinteressen interessieren ihn noch nicht einmal am Rande. Und die Tradition einer 150 Jahre währenden Sporttradition ist ihm auch egal. Auf solche Sentimentalitäten kann schließlich keine Rücksicht genommen werden. Rücksicht scheint sowieso ein Wort zu sein, das im Vokabular von Bürgermeister Feldmann nicht existiert.

Wenn man die Rücksichtslosigkeit und Arroganz erlebt, mit der das DFB-Projekt von Bürgermeister Feldmann durchgepeitscht wird, dann muß man zu der Erkenntnis kommen, daß Niccolo Machiavelli im Vergleich zu Bürgermeister Feldmann geradezu wie der Abt vom Orden der Barmherzigen Brüder erscheint.

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Die Verräter von Frankfurt – Teil I

Gott schütze mich vor meinen Freunden, vor meinen Feinden kann ich mich selber schützen. So alt dieses Bonmot ist, so aktuell ist es, wenn man die Entwicklung in Frankfurt beobachtet.

Bevor man über Manfred Hellwig den Stab bricht, muß zu seiner Ehre festgestellt werden, daß  es nach der Pleite des altehrwürdigen Frankfurter Rennclubs wahrscheinlich keine Rennen in Frankfurt mehr gegeben hätte, wenn er sich nicht in erheblichem Maß finanziell im vorherigen und aktuellen Rennclub engagiert hätte. Wahrscheinlich nicht, aber sicher ist es auch nicht.

Die aktuelle Entwicklung seit den Iden des März in diesem Jahr lassen – dezent formuliert – kein gutes Licht auf den “Retter” der Frankfurter Rennbahn fallen. Manfred Hellwig ist nicht nur Geschäftsführer-Gesellschafter der Hippodrom GmbH, sondern auch Präsident des Frankfurter Rennvereins. Die Stadt wollte nach den Turbulenzen der vergangenen Jahre einen Ansprechpartner außerhalb des RV-Vorstands haben. Die von Manfred Hellwig neu gegründete Hippodrom GmbH wurde der Vertragspartner der Stadt und schloß Verträge mit Rennverein, Golfclub etc ab. Der Pachtvertrag hat nach den vorliegenden Informationen eine Laufzeit von 15  Jahren und das Recht einer einmaligen Option von weiteren 15 Jahren. Manfred Hellwig ist hier vor allem der Treuhänder des Rennsports und hat bei seinen Entscheidungen erst einmal die Belange des Rennsports zu berücksichtigen.

Und weil es der Stadt gerade paßt, soll der Vertrag nach wenigen Jahren Laufzeit beendet werden. Angeblich gäbe es Pachtrückstände. Alles Quatsch behaupte ich. Gäbe es einen Pachtrückstand von mehr als drei Monaten, hätte die Stadt ein Sonderkündigungsrecht und bräuchte überhaupt keine Abfindung zu zahlen.

Allein das Recht einer Option macht, ohne der Vertrag en detail zu kennen, die Position des Pächters sehr stark. Geschwächt werden kann sie wohl nur durch besondere Zusatzvereinbarungen, die nicht öffentlich bekannt sind und es ist fraglich, ob es überhaupt so etwas gibt.

Der Vertrag erscheint mir so stark, daß Manfred Hellwig als erfahrener Pokerspieler die Stadt und den Bürgermeister bis zum Nervenzusammenbruch vor sich hätte hertreiben können. Denn die Stadt hat sich gegenüber dem DFB sehr weit aus dem Fenster gelehnt, indem sie einen weiteren Vertrag über das Gelände geschlossen hat – und daß der DFB über Leichen geht, wenn man seine Kreise stört, erlebt man gerade bei der Diskussion über die Polizeikosten zur Sicherung der Spiele.

Manfred Hellwig hätte pokern können, bis der Bürgermeister die weiße Fahne hißt. Wenn der DFB das Gelände haben will, soll er doch zahlen. Soviel, daß man dafür eine neue Rennbahn vor den Toren der Stadt hätte bauen können. Er hätte genüßlich in der Loge zuschauen können, wenn der DFB dem Bürgermeister das Fell über die Ohren zieht, weil dieser den “Zweitvertrag” nicht erfüllen kann. Und erst dann nachgeben, wenn Stadt und DFB die neue Rennbahn bezahlen. Aber das hat er nicht, er hat nichts für den Rennsport getan! Er hatte vier Asse in der Hand und hat bei zwei Siebenern des Kontrahenten gepaßt.

Stattdessen gibt es offensichtlich zwischen Manfred Hellwig und der Stadt seit mindestens März geheime Verhandlungen über die Auflösung des Vertrages. Der Rennverein wurde, wie mir dort aus dem Vorstand versichert wurde, zu keiner Zeit über das weitere Vorgehen des Präsidenten informiert. Es soll Angebote von anderen Rennsportinteressierten gegeben haben, die Manfred Hellwig die Anteile an der Hippodrom GmbH für einen sehr guten Preis abkaufen wollten, was von ihm abgelehnt wurde.

Jetzt steht heute, am 7. August in der Frankfurter Rundschau zu lesen, daß zwischen Hippodrom GmbH und der Stadt eine Auflösungsvereinbarung geschlossen wurde. Manfred Hellwig hat seine Schäflein ins Trockene gebracht – und der Rennverein steht im Regen – erreichbar scheint der Herr Präsident im Moment auch nicht zu sein.
Der Treuhänder verrät den Treugeber in einer Art, wie man es selten erlebt hat. Die 30 Silberlinge, die er von der Stadt für seinen Verrat bekommen hat, steckt er in die eigene Tasche – beim Rennverein weiß heute abend noch keiner etwas Genaueres darüber, was nun beschlossen wurde.

Es waren die Gebrüder von Weinberg, die den Rennsport in Frankfurt groß gemacht haben, es war Prof Dr. H G Lasch, der den Rennverein in den Neunzigern zu großer Blüte geführt hat. Viele große Unternehmen standen als Sponsor für eine Vielzahl großer Rennen zur Verfügung. Sie alle würden sich im Grabe umdrehen, wenn sie wüßten, wie das, was sie aufgebaut haben, von Manfred Hellwig im vollkommenen Eigennutz verraten wurde!

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31. Juli 1914 – Das ganze Halt

Der 31. Juli 1914 war ein Freitag. Rennen in Heringsdorf an der Ostsee. Kein wichtiger Renntag, Nützlichkeitssport ist die treffendere Bezeichnung. Aber es sollte der letzte Renntag des Rennjahres 1914 sein.

Die Krise in Europa hatte sich nach dem Attentat von Sarajevo vom 28. Juni zugespitzt, von allen Seiten wurde Öl ins Feuer gegossen, die Österreicher forderten verständlicherweise die Bestrafung der Attentäter der gleich ganz Serbiens. Die Russen schwammen auf der Welle des Pan-Slavismus und sicherte Serbien im Falle einer österreichischen Intervention Beistand zu. Im Frühjahr war von Berlin das vom Fürsten Bismarck sorgsam gepflegte Rückversicherungsabkommen mit Rußland nicht verlängert worden, weil man es angeblich nicht mehr brauche.

Vom 20. bis 23. Juli war der französische Ministerpräsident Raymond Poincaré zu Besuch in Rußland und natürlich wurden Beistandsverhandlungen geführt. Der Krieg war auf Sichtweite heran gekommen.

Von da an ging es Schlag auf Schlag. Österreich setzte Serbien ein 48-Stunden-Ultimatum, um die Attentäter zu verfolgen und die nationalistischen Umtrieben einzustellen, aber am 25. Juli wird in Serbien die Armee mobilisiert , Österreich antwortet mit einer Teilmobilmachung. Am 26. Juli werden die österreichischen Truppen an der Grenze zu Rußland mobilisiert. Am 27. Juli wird vom Deutschen Reich ein britischer Vorschlag, den Konflikt durch eine Außenministerkonferenz zu lösen, abgelehnt. Danach versuchte Berlin, Österreich noch einmal zu mäßigen, aber nach der am selben Tag gegen Serbien erfolgten Kriegserklärung war der Versuch zum Scheitern verurteilt .

Am 29/30. Juli erfolgt die russische Mobilmachen, England verweigert eine von Deutschland gewünschte Neutralitätszusage. Halb Europa war zu den Waffen gerufen. Am 31. Juli morgens sieht der Kaiser die drohende Kriegsgefahr, aber ändern kann er nichts mehr, denn seine Aufrufe an Frankreich und Rußland werden überhört.

Und in Heringsdorf waren Pferderennen, Nachmittags um 3 Uhr, ein Eröffnungsflachrennen und ansonsten wurde von den Amateuren über die Sprünge geritten. Der Sieger bekam jeweils 1000 Mark. Viel Geld, wenn man das mit der Kaufkraft von heute vergleicht, aber für damalige Verhältnisse war die Dotierung sparsam. Heringsdorf war ja auch eine ländliche Bahn ohne großen sportlichen Anspruch.
1470 ist die letzte Rennberichts-Nummer, soviel Rennen vor 2013 in Deutschland im ganzen Jahr nicht gelaufen.  Der letzte Sieger war “Red Park” im Besitz des Hauptmanns Kleinschmitt vom Artillerie-Regiment 74, geritten von Amateur Nikolai.

Am nächsten Tag, Samstag den 1. August 1914 wurde in Deutschland die Generalmobilmachung verkündet, die Rennen fanden nicht mehr statt. Ebenso fielen die Rennen vom Sonntag aus. Der Große Preis von Berlin, gelaufen am 12. Juli war damit das letzte große Rennen, das in Deutschland gelaufen wurde. Der Rest des Rennjahres wurde abgesagt.

Heringsdorf, die Provinzbahn an der Ostsee wurde damit die letzte Bahn, die in Deutschland im Kriegsjahr 1914 Rennen veranstaltet hat.

1915 wurden die wichtigen Renntage wieder veranstaltet, aber die Rennjahre im Krieg hatten alle nur ein Sparprogramm und nur, um die wichtigen Rennen für die Zucht zu veranstalten.

Im August 14 waren alle patriotisch gestimmt, man freute sich auf die Front, auf die eisernen Kreuze, die man sich verdienen konnte, auf den “Blauen Max”. Man dachte an den Krieg 70/71, dachte, daß man Weihnachten wieder bei Muttern war, etc.

Aber es sollte alles ganz anders kommen. Europa, die Welt erlebte einen Umbruch, wie sie ihn zuvor noch nicht erlebt hatte, der Krieg war ganz anders, als man ihn aus der Geschichte kannte, keine glorreichen Kavallerieattacken, stattdessen Materialschlachten im Schützengraben. Alles war anders und es gab viel Verluste zu beklagen. Über 200 Amateurrennreiter, die in den Krieg zogen, sollten nicht wieder kommen. Statt Eiserner Kreuze gab es viel Leid und viele Tränen!

Und als das Grauen 1918 vorbei war, war die Welt eine andere. Die meisten Monarchien Europas wurden hinweg gefegt und nicht nur für die Galoppsport begann eine vollkommen neue Zeit. Für den Rennsport bedeutete es eine Zäsur, von der er sich nicht mehr wirklich erholen sollte.

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In eigener Sache: Französische Rennen

Mit etwas Geschick kann man aus der französischen Datenbank auch die Rennergebnisse vor 1991 heraus kitzeln. Mit nicht ganz geringem Aufwand sind jetzt alle Ergebnisse der französischen Gruppe-Rennen seit 1979 bei Galopp-Sieger verfügbar. Zu wenigen Pferden fehlen einige Angaben, was bei der Menge an Daten aber nicht ins Gewicht fallen soll.

Die Dotierungen sind vor 2002 in Französischen Franc angegeben, da andernfalls durch die Änderung der Wechselkurse um die Umrechnung mit dem Konversionskurs für den Euro der Wert der Rennen teilweise merklich reduziert worden wäre.

Und wie bei Galopp-Sieger üblich, sind nur die ersten drei Pferde je Rennen genannt, in Ausnahmefällen werden weitere Teilnehmer genannt und in vielen Fällen werden die Starter aus Deutschland oder Pferde mit deutschem Zuchthintergrund aufgeführt. Alles andere wäre mit einem nicht vertretbarem Aufwand verbunden.

Insgesamt sind es per heute fast 3800 Rennergebnisse für den Zeitraum ab 1979 für Frankreich.

Die großen Hindernisrennen Frankreichs sind noch nicht vollständig, werden aber peu à peu komplettiert.

Der Datenbestand wird fortlaufend erweitert. So stehen inzwischen die japanischen Gruppe-1 Rennen mit vielen Daten zur Verfügung, für Australien/Neuseeland und die USA werden die Renndaten laufend erweitert. Nicht nur die vorhandenen Rennen werden um die neuen Austragungen ergänzt, die Anzahl der berichteten Rennen wird fortlaufend erweitert.

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Die verratenen Ideale von Frankfurt

Ideale sind die Leitlinien, nach denen ein Mensch sein Leben gestaltet, die Grundsätze, die die große Richtung vorgeben. Natürlich kann man das Tagesgeschäft nicht nur nach Idealen gestalten, aber man sollte so handeln, daß man den eigenen Normen nicht vollständig aber annähernd genügen kann. Zu den wichtigen Idealen gehören Aufrichtigkeit und Verläßlichkeit.

Genauso wieder jeder Mensch seine Ideale definiert, tun dies Parteien und Vereine. In den Parteiprogrammen ist formuliert, welche Ziele man erreichen möchte, wie man in politischer Verantwortung die Gesellschaft und das Leben der Menschen gestalten möchte.

Bürgermeister Feldmann hat in seinem Thesenpapier zur Kulturpolitik einige bemerkenswerte Kernaussagen formuliert. So unter Punkt 3 “Kultur ist Verbreiterung, nicht Elitisierung” Der Galoppsport in Frankfurt ist Breitensport mit ein wenig Spitzensport, der DFB und das geplante Leistungszentrum sind Elite und nicht Breitensport. Das Leistungszentrum wird eine abgeschlossene Enklave sein, die für die Bürger nicht zugänglich ist. Die Rennbahn ist eine offene Anlage, die die Bürger Niederrads jederzeit betreten können und die für vielfältige Freizeitgestaltung genutzt wird.

Ich zitiere weiter: “die neuen Medien haben für Transparenz, ein schier unübersehbares Angebot und erhöhten Wettbewerb gesorgt. Das führt aber dazu, dass oft nur die ohnehin Etablierten auf Kosten nicht publicityträchtiger Kleininitiativen nach oben katapultiert werden”. Genau hier hat er das Problem beschrieben, welches wir im Moment im Galoppsport im Vergleich zum Fußball haben. Eine nahezu perfekte Formulierung.

Aber auch in anderen Bereichen haben die in Deutschland dominierenden Parteien den Pluralismus in der Wirtschaft und in allen Bereichen der Gesellschaft als Ideal formuliert. Nicht der Mainstream soll gefördert werden, sondern ein möglichst breites Angebot sowohl im Wirtschaftsleben als auch in den anderen Bereichen des Lebens. Keine Monopolbildung, sondern Vielseitigkeit ist das angestrebte Ziel. Dazu gehört der Erhalt der Natur, der Umweltschutz, dem sich besonders die Grünen verpflichtet fühlen.

Würde man es nicht kulturpolitisch, sondern wirtschaftspolitisch formulieren, so steht mit dem DFB ein großer Konzern mit fast schon monopolartigen Elementen dem relativ kleinen Galoppsport gegenüber.

Aber werden die Ideale, die in den Parteiprogrammen und Thesenpapieren formuliert sind, auch wirklich gelebt?

Es steht eine Entscheidung im Magistrat der Stadt Frankfurt an, die eigentlich gar nicht anstehen dürfte – die weitere Verwendung der altehrwürdigen Frankfurter Galopprennbahn.

Diese Entscheidung dürfte eigentlich nicht anstehen, weil 2011, vor gerade einmal drei Jahren ein Vertrag über die Nutzung des Geländes mit einer Laufzeit von 15 Jahren und einer Option von weiteren 15 Jahren geschlossen wurde.

Wie würden die Mitglieder des Magistrats wohl denken, wenn ihnen nach drei Jahren mitgeteilt wird, daß ihr eigentlich noch 12 Jahre laufender Vertrag beendet wird, weil der Eigentümer ein besseres Angebot erhalten hat? Würden sie sich nicht auch verschaukelt fühlen, um es einmal dezent zu formulieren?  Würden sie nicht auch auf Erfüllung des Vertrages pochen und alle Mittel ausschöpfen, dies zu erreichen? Es gehört doch zu den allgemeinen Gepflogenheiten, daß Verträge von beiden Seiten erfüllt werden müssen.

Der DFB möchte das Gelände haben, um dort ein Leistungszentrum zu errichten. Der DFB ist der größte Sportverband der Welt. Er hat sich und den angeschlossenen Fußballvereinen durch eine geschickte Geschäftspolitik in den Medien eine Fast-Monopolstellung geschaffen und wird durch die Allgemeinheit in vielfältiger Weise subventioniert. In NRW werden z. B. ein Drittel der Kosten für Polizeiarbeit vom Fußball verursacht. Kosten, die nicht der DFB oder der Verein trägt, sondern die Allgemeinheit. Die Rechte zur Übertragung der Bundesliga-Spiele werden aus den allgemeinen Rundfunkgebühren finanziert. Ein großer Teil des Wohlstands der Fußball-Welt wird aus allgemeinen Abgaben bezahlt, die jeder Bürger leisten muß, ganz gleich, ob er am Fußball interessiert ist oder nicht.

Ich möchte hier noch einmal an das Thesenpapier von Bürgermeister Feldmann erinnern: “die neuen Medien haben für Transparenz, ein schier unübersehbares Angebot und erhöhten Wettbewerb gesorgt. Das führt aber dazu, dass oft nur die ohnehin Etablierten auf Kosten nicht publicityträchtiger Kleininitiativen nach oben katapultiert werden”. Und genau das ist mit dem Fußball passier. Der etablierte Fußball ist auf Kosten kleinerer Sportarten nach oben katapultiert worden und nutzt diese Macht jetzt aus.

Es geht bei dem Gelände der Frankfurter Rennbahn nicht um irgendeine kleine  Sportstätte, es geht um eine der ältesten Sportanlagen in Deutschland überhaupt,  mit einer Tradition von über 150 Jahren, auf der sowohl Breitensport als auch Spitzensport ausgeübt wird. So trainieren in Frankfurt z. B. der Weltmeister der Amateurrennreiter sowie die Bronzemedaillengewinnerin der Damenwertung, Rebekka Unrath. Es ist zudem die einzige Galopprennbahn in Hessen und ein Wegfall hätte fatale Folgen für den Galoppsport in Deutschland.

Und diese Tradition soll nun mit einem Federstrich beendet werden, weil der angebliche König Fußball einen Teil des Geländes haben will? Der Fußball ist in meinen Augen Vieles, aber nicht königlich, denn dann würde er nicht einfach eine andere Sportart in derart rücksichtsloser Weise verdrängen wollen.

So wie viele Rennbahnen in Deutschland ist auch die Frankfurter Galopprennbahn eine grüne Lunge für die Stadt. Sie ist offen für alle Bürger und davon wird in Frankfurt von den Anwohnern vielfältig Gebrauch gemacht. Die Jogger schätzen die vorzügliche Grasbahn, auf der man viel angenehmer und gesünder laufen kann als auf einer Asphaltpiste. Die Rennbahn ist eigentlich aus dem Stadtbild von Niederrad nicht mehr wegzudenken.

Es mutet deswegen sonderbar an, wenn aus dem Magistrat die Forderung nach einem Bürgerpark auf dem verbleibenden Rennbahngelände erhoben wird. Eigentlich ist die Rennbahn fast schon ein Bürgerpark und in der Umgebung gibt es städtische Flächen, auf denen ein Bürgerpark gestaltet werden könnte. Z. B. das Gelände von Haus Waldfried, dem ehemaligen Wohnsitz von Paul v. Weinberg, das die Stadt “günstig” erhalten hat.

Die Rennbahn liegt im Landschaftsschutzgebiet, teilweise Zone 1, teilweise Zone 2. Damit scheidet eine Bebauung, ganz gleich in welcher Form, aus. Nur priviligierte Berufsgruppen, wie z. B. Landwirte dürfen im Landschaftsschutzgebiet bauen und die dafür erforderlichen Bedingungen erfüllt der DFB nicht einmal im Ansatz. Streng genommen dürfte er auf dem Gelände nicht einmal eine Garage errichten.

Will man auch hier das Ideal des Landschaftschutzes auf dem Altar des DFB opfern?
Der Vertrag über die Frankfurter Rennbahn hat einige Besonderheiten. Nicht der Rennverein als Nutzer der Anlage ist der Vertragspartner, sondern die Hippodrom GmbH.
Durch diese Vertragskonstruktion kann der Rennverein als der eigentlich Betroffene nicht direkt Einfluß auf seine Geschicke nehmen. Dies geschieht indirekt durch die GmbH und den Geschäftsführer-Gesellschafter Manfred Hellwig.

Juristisch ist er der Vertragspartner der Stadt, für den Rennsport ist er aber erst einmal Treuhänder, der bei seinem Handeln zuallererst die Interessen seines Mandatsgebers zu berücksichtigen hat. Es ist mehr als nur schlechter Stil, Herrn Hellwig jetzt in eine Situation zu bringen, in der aufgefordert wird, eine Entscheidung gegen seinen Mandatsgeber zu treffen. Eigentlich wird er aufgefordert, Verrat zu begehen.

Und an dieser Stelle könnte man alle Überlegungen abbrechen, wenn der Hippodrom GmbH ein Weinberg vorstehen würde – denn dieser würde alles abprallen lassen und auf den Vertrag verweisen, an den die Stadt gebunden ist.

Es ist in gewisser Weise der Kampf David gegen Goliath, hier der kleine Galopprennsport mit den Unternehmen, die auf der Rennbahn ihr Geld verdienen und dort der mächtige DFB und die Fußballmillionäre.

Selbst wenn die Stadt die Hippodrom GmbH entschädigen würde, gingen die eigentlich Betroffenen, der Rennverein und die auf der Rennbahn tätigen Unternehmen leer aus. Die Unternehmen verlieren dabei “nur” die eigene Existenz.

Der DFB als der größte Sportverband der Welt und einer der Wohlhabendsten bekommt ein Frankfurter Filet-Stück zum Freibankpreis offeriert. Wenn Präsident Niersbach das Grundstück haben möchte, soll er es auch bezahlen. 100 EUR/qm  für 45 ha macht 45 Millionen EUR. Von diesem Geld baut die Stadt dem Rennverein eine neue Anlage vor der Stadt. Es wundert, daß eine solche Alternative bisher nicht diskutiert wurde. Die Presse berichtet, daß die Zuweisung der Fifa an den DFB aus der Fußball-WM allein 14 Mio betragen soll. An der fehlenden Finanzkraft des Käufers kann es also nicht scheitern.

Am Montag soll der Magistrat über die weitere Verwendung des Rennbahngeländes entscheiden. In der Frankfurter Rundschau war zu lesen, daß der Prinz zu Löwenstein als Vorsitzender der CDU-Fraktion ein Bekenntnis des Magistrats zum Vertrag mit dem DFB erwartet. Anders ausgedrückt, der Prinz zu Löwenstein erwartet ein Bekenntnis zum Vertragsbruch mit der Hippodrom GmbH als Treuhänder für den Galopprennsport.
An den Sproß eines hessischen Hoch- und Uradelsgeschlechts und dazu einem studierten Juristen habe ich eigentlich andere Erwartungen – Nicht die Fahne in den Wind zu hängen, weil es gerade Mode ist, sondern Verträge zu respektieren und Anstand zu leben: Üb immer Treu und Redlichkeit bis an Dein kühles Grab und weiche keinen Finger breit von Gottes Wegen ab!

Von den Mitgliedern des Magistrats von Frankfurt wird nicht weniger erwartet, als daß sie innerhalb kürzester Zeit über den Untergang der ältesten Sportstätte Frankfurts, einer grünen Oase in der Großstadt mit mittelständischen Unternehmen und der Schönsten aller Sportarten entscheiden sollen. Und indirekt entscheiden sie auch über die Beseitigung des Erbes der Gebrüder Weinberg, die den Rennclub in Frankfurt mit viel Leidenschaft und finanziellem Einsatz zu einem der großen Sportvereine in Deutschland gemacht haben. Die Mitglieder des Magistrats sollen dabei auch die in den Parteiprogrammen geschriebenen Grundsätze und Ideale einfach beiseite schieben – allein damit der großmächtige DFB noch ein Stück mächtiger wird und wieder eine kleine Sportart verdrängt.

Die Entscheidung über das Rennbahngelände ist auch ein Lakmustest für die Wahrheit der Parteipolitik und die Aufrichtigkeit und den Anstand in der Politik überhaupt!

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Nur eine wagemutige Idee?

Früher waren in England die King George VI and Queen Elizabeth Stakes der erste Altersvergleich für die Steher auf der Insel. In Deutschland war es der damals noch in Düsseldorf gelaufene Große Preis von Berlin.

Der Abstand von drei Wochen zum Deutschen Derby und zum Irischen Derby war für viele Pferde allerdings sehr kurz und wenn die Pferde in beiden Rennen Finish gegangen waren, war danach oft die Form weg. Aber: Sea the Moon ist in Hamburg kein bißchen Finish gegangen.

Für einen deutschen Dreijährigen war es früher undenkbar, in die großen internationalen Rennen zu gehen. Die deutschen Pferde galten als späte Pferde, deswegen wagte man sich erst vierjährig auf das internationale Parkett. Aber die Zeiten sind nicht erst seit Danedreams Sieg im Arc vorbei.

Was spricht gegen einen Start von Sea the Moon in den King George? Das Pferd ist in Topform, der Derbysieg war eine bessere Arbeit, das Pferd ist nie gefordert worden. Der Jockey saß Mitte der Geraden schon bequem. Man soll das Eisen schmieden, solange es warm ist, wer weiß, wie lange die Form steht, ob er im Herbst auch noch so gut ist. Es wäre auch erst sein vierter Start in diesem Jahr.

Man kann die Frage der Klasse der deutschen Dreijährigen stellen, wenn einer so vorne weg geht. Geoffrey Chaucer scheidet wegen seiner Verletzung im Rennen als Elle aus. Aber Pinzolo war in Hamburg ähnlich gut oder schlecht gelaufen wie in Epsom. Danach scheinen die Dreijährigen in England nicht besser und nicht schlechter als in Deutschland zu sein. Und einen dominierenden Star unter den Älteren über 2400m gibt es auf der europäischen Bühne derzeit nicht! Der vermeintlich beste Dreijährige Australia soll dem Vernehmen nach erst einmal über 2000m laufen und deswegen die King George auslassen.

Es wäre die Chance für die Deutsche Vollblutzucht, die Chance für Görlsdorf, wenn der Derbysieger die King George gewinnen würde. Und selbst wenn er nur plaziert läuft, dann bricht er sich keinen Zacken aus der Krone, denn eine Plazierung in Englands Paraderennen ist immer noch ein Mehrwert für die Zucht!

Natürlich ist es ein Risiko – doch ist es nicht vielmehr eine Chance, einen deutschen Dreijährigen in der Weltliga des Turfs ganz weit nach vorne zu bringen? Dem Mutigen gehört die Welt – hoffentlich hat man Mut in Görlsdorf!

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