Das OLG Frankfurt hat einen Beschluß gefaßt

Ich gebe ganz ehrlich zu, daß ich im Moment nicht sagen kann, in welcher Sache die Rennbahn betreffend, der Beschluß verkündet wurde.  Es sind inzwischen wohl fast ein Dutzend Verfahren an verschiedenen Kammern der Frankfurter Gerichte, die die Zukunft der Rennbahn betreffen.

Der Rennklub hatte mit einer einstweiligen Anordnung erreicht, daß die Tribüne bis auf weiteres nicht abgerissen werden darf und dies wurde jetzt in der Verhandlung vor dem OLG bestätigt. Das ist aber nur ein Teil des Urteiles.

Die Frankfurter Rundschau schreibt in ihrem Artikel über das Verfahren: Die Erläuterungen der Richterin in der Verhandlung wirkten zeitweise wie eine Ohrfeige für die Anwälte der Stadt und den Leiter des Liegenschaftsamtes, Alfred Gangel. „Man kann hier nicht einfach jemanden raussetzen und die Bagger kommen lassen – sondern man muss sich erst einen Vollstreckungstitel verschaffen, so ist das nun mal in diesem Rechtsstaat“, sagte Boerner. Nach Einschätzung der Vorsitzenden des Senats übt der Rennklub derzeit „die Sachherrschaft“ über das Gelände in Niederrad aus. Die Richterin sprach auch mehrfach vom „Besitz“ des Areals durch den Rennklub. Sie folgte damit der Argumentation der Freunde des Turfs.
Ein Genuß, diese Zeilen zu lesen!

Deutlicher kann man es eigentlich nicht formulieren. Am Ende bedeutet es, daß die Hippodrom zwar formal der Pächter des Grundstücks ist, die tatsächliche Verfügungsgewalt aber beim Rennclub liegt und das kann sehr weitreichende Folgen haben.

Für Ende Oktober ist eine Entscheidung des LG Frankfurt terminiert, ob ein früherer Mietvertrag bis 2024 mit dem Rennclub für das Gelände noch gilt. So ich mich recht erinnere, ist in diesem Mietvertrag noch das Recht einer Option formuliert, womit der Vertrag dann bis 2034 oder 2039 laufen würde. Wie das LG entscheiden wird, steht noch offen und wenn der Antrag  des Rennclubs abgelehnt wird, bleibt noch die Berufung.

Ein kaum noch überbietende Frechheit haben sich die Vertreter der Stadt geleistet, als sie festgestellt haben, daß dieses Jahr in Frankfurt noch keine Rennen veranstaltet wurden. Es ist doch Markus Frank als Leiter des Ordnungsamts und damit der zuständigen Aufsichtsbehörde, der die Genehmigung zur Veranstaltung von Rennen verweigert. Eigentlich ist dies eine Formsache, weil die Voraussetzungen seit Jahren die gleichen sind. Da Markus Frank als Befürworter der DFB-Akademie die Rennbahn nicht mehr sehen will, kann man die Entscheidung, die Genehmigung zu versagen durchaus als politische Entscheidung betrachten.

Damit stellt sich die Frage des Amtsmißbrauchs. Eine Behörde hat zunächst auf Basis der Gesetze zu entscheiden. Persönliche Animositäten dürfen dabei keine Rolle spielen und Markus Frank vermischt seine politische Idee mit den Aufgaben als Leiter einer Behörde. Das sollte eigentlich mindestens ausreichen, ihn von seinen Funktionen zu entbinden  - wenn es dazu einen Willen in Frankfurt gäbe!

Nochmal ganz deutlich: Die linke Hand der Stadtverwaltung verbietet es, Rennen zu veranstalten und die rechte Hand wirft dem Rennklub deswegen Inaktivität vor. Geht es noch eine Nummer perverser?

Interessant sind auch die Stellungnahmen des DFB zu der aktuellen Entwicklung. So erklärt Markus Weise, Leiter Konzeptentwicklung des 109-Millionen-Euro-Projekts, daß er vom 1. Januar 2019 ausgehe.

Hallo? Derzeit wird vor Gericht verhandelt, ob der bis 2024 laufende Mietvertrag mit Option auf 2034 oder 2039 noch gültig ist und die Fußballer phantasieren von einem Termin Januar 2019. Hat man beim DFB den Knall nicht gehört oder haben die Herren zu viel harte Kopfbälle abbekommen und haben dadurch eine getrübte Wahrnehmung? Bei Facebook reagiert man bei der DFB-Akademie inzwischen sehr dünnhäutig. Wurden früher kritische Kommentare zu dem Projekt noch beantwortet, werden heute Links und Kommentare  dazu sehr schnell gelöscht.

Und schließlich und endlich liegt die ganze Causa noch bei der EU in Brüssel, ob das Vergabeverfahren und der Preis überhaupt angemessen ist. Es geht dabei um die Frage, ob ein rechnerischer Preis von ca 50 euro in bester Innenstadtlage von Frankfurt für einen Bürogrundstück mit angeschlossener Sportakademie angemessen ist. In der direkten Umgebung liegen die Preise bei 500 bis 800 Euro.

Eigentlich wird es Zeit, das vernünftige Politiker aus dem Stadtparlament den Kontakt zum Rennklub suchen und Friedensverhandlungen beginnen.

Es bleibt weiter spannend in Frankfurt. Rebekka Unrath und dem Grafen Solms zu Wildenfels sei Dank!

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Polnische Vollblüter im Westen

Polen ist ein großes Pferdeland mit einer großen Reiter-Tradition, aber der Galopprennsport und die Vollblutzucht spielen eine eher untergeordnete Rolle.  Trotzdem sind in Polen große Jockeys aufgewachsen. Jerzy Jednaszewski als der Reiter von Windwurf und Stalljockey in Ravensberg oder Mieczyslaw Melnicki, der lange Jahre in Deutschland geritten hat, seien hier stellvertretend erwähnt.

Nach Erfolgen von in Polen trainierten Pferden auf den deutschen Bahnen muß man deswegen  suchen. 2011 gewann der in Irland gezogene Exciting Life das Hubertus Liebrecht-Gedächtnispreis (Scherping-Rennen) in polnischen Farben in Baden Baden. Für den nächsten Sieger auf der Flachen muß man dann schon einige Jahre weiter zurück blättern.  1971, also 40 Jahre früher, gewann die in Polen gezogene Bostella das damals mit stolzen 30.000,- DM dotierte Robert Pferdmenges Rennen in Köln während des Europa-Meetings.

Und dann gab es noch einige Plazierungen. Angefangen mit Doris Day im Preis von Europa 1972, Czubaryk 1979 ebenfalls im Preis von Europa. Später lief er in den Farben von Waldemar Zeitelhack erfolgreich in Westeuropa. Und Pawiment muß man unbedingt  erwähnen. Der in Polen gezogene Hengst lief in den Farben des Stalls Moritzberg von Waldemar Zeitelhack und trainiert von Charlie Seiffert in München erfolgreich “im Westen”. 1980 gewann er den mit 70.000 DM dotierten Großen Preis von Hessen, dem damals wertvollstem Handicap in Deutschland. Danach gewann er den Preis von Europa und sprengte mit einer Quote von 1216:10 den Toto. Anschließend gewann er mit dem Gran Premio del Jockey Club e Coppa d’Oro in Mailand eines der wichtigsten Rennen des italienischen Turfs. Es war wohl der beste Vollblüter aus polnischer Zucht der jüngeren Geschichte.

Zwischendrin, in den 90ern, nach dem Fall der Mauer lief Country Club in Hoppegarten im Europa-Championat ins Geld, aber gewinnen konnte er nicht. Waldemar Zeitelhack holte sich mit “Krezus” wieder einen Vollblüter aus polnischer Zucht, der einige Plazierungen in großen Rennen erreichen konnte.

Va Bank als Sieger im Preis der Sparkassen-Finanz-Gruppe, dem vormaligen Spreti-Rennen, ist mit ziemlicher Sicherheit das erste Pferd, das für polnische Interessen in Deutschland ein Gruppe-Rennen gewinnt, denn Pawiment war ja nach Deutschland verpachtet. Man könnte ihn fast als den zweiten Overdose bezeichnen, denn er kam auch als Ungeschlagener aus dem “Ostblock” und setzte seine Siegesserie hier unbeirrt fort.  Auch wenn der jeweilige Vorsprung nicht so überragend war, wie bei dem ungarischen Wunder der Fall war. Der Heiße Favorit Potemkin aus dem Stall von Andreas Wöhler und im Besitz von Klaus Allofs und der Stiftung Gestüt Fährhof war mit 1 1/2 Längen klar geschlagen.

Mal gucken, wie die Karriere von Va Bank weiter geht. Eine Eintagsfliege ist er als Ungeschlagener jedenfalls nicht!

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Turf-Globetrotter aus Deutschland

Rogue Runner im Besitz des Kölner Präsidenten Eckhard Sauren und trainiert von Peter Schiergen geht erneut auf Reisen – Norwegen ist Nummer acht in seiner Länderliste und damit gehört er zweifelsohne zu den Vielreisenden im Turf. Auch wenn in Deutschland inzwischen ein intensiver Pendelverkehr zu den Bahnen in Frankreich besteht und einige Pferde eine größere Anzahl an Grenzübertritten haben, wird die Länderzahl von Rogue Runner derzeit wohl nicht getoppt.

Früher war der Rennsport in Deutschland mehr national und Auslandsreisen waren eher selten, sieht man mal von Ausflügen nach Belgien ab. Das war damals lohnend, denn in den guten Rennen war das Rennpreis-Niveau sehr beachtlich und teilweise auch höher als in Deutschland.

Allerdings war Adrian von Borcke als Privat-Trainer von Erlenhof schon in den 50ern ein sehr reisefreudiger Trainer. Niederländer lief z. B. 1952 in den damals noch jungen King George VI and Queen Elizabeth Stakes und 1953 im Prix de l’Arc de Trimphe – beides Mal leider ohne zählbare Ausbeute.

Das Reisepferd von Adrian von Borcke schlechthin war aber Orsini. Zwei- und dreijährig ist er nur in Deutschland gelaufen. Vierjährig ging es im Sommer nach Ostende/Belgien, wo er das “Grand International d’Ostende et de l’Exposition” gewann. Im September stand der Oslo Cup in Norwegen auf dem Programm, danach der Grand Prix d’Exposition in Belgien und dann der Prix du Moulin de Longchamp in Longchamp und das Washingon DC International in den USA als damals wertvollstes Einladungsrennen der Welt. Und Geld hat er überall bekommen. Vierjährig waren es fünf Reisen in vier Länder.

Fünfjährig (1959)  lief er im Sommer in den King George VI and Queen Elizabeth Stakes in Ascot und wurde Fünfter. Bis zum Sieg von Danedream 2012 in dem englischen Paraderennen war es die beste Plazierung, die ein Deutscher dort erreicht hat – über 50 Jahre. Im September lief er im Stockholm Cup in Schweden, was auch einer seiner letzten Starts war.

Insgesamt waren es für Orsini sieben Auslandsreisen in sechs Länder. Der Punkt geht damit an Rogue Runner – aber in Katar etc konnte Orsini gar nicht laufen, denn damals gab es dort keine Rennen  und wer in Europa wäre wohl auf die Idee gekommen, zum Rennen nach Katar oder Dubai zu fahren….

Aber für damalige Verhältnisse, als Reisen eine ganz andere Dimension hatte und Auslandsreisen etwas unerhört Aufregendes waren und selbst einer Fahrt nach Belgien enorm viele Zollformalitäten voraus gingen, war Orsini ein echter Globetrotter.

Rennrekord von Orsini

Ein ganz anderer Globetrotter der Neuzeit war der Fährhofer Quijano 14 bis 15 Auslandreisen hat er unternommen, aber er kommt dabei nur auf sechs Länder.  Dubai – Frankreich – Kanada – Hong Kong – Italien – USA

Rennrekord Quijano

Nachtrag vom 28. August
Es gibt doch noch ein paar mehr Globetrotter in Deutschland, man kommt nur leider nicht sofort drauf.

Caitano – nicht nur hoch erfolgreich und eisenhart, sondern auch ein echter Weltenbummler mit vier Kontinenten, 12 Ländern und 20 Reisen im Rekord. Sein PEch war, daß er in den USA unter Lasix gelaufen ist und deswegen in Dtld nur sehr eingeschränkt hätte als Deckhengst aufgestellt werden können.

Italien  - Frankreich – Japan – USA  - Hong Kong  - Dubai – Türkei – Canada – Singapur – Australien (Mooney Valley) Dänemark und Polen.  Caitano hat so viel Meilen zusammen geflogen, der hatte bei der Lufthansa Senator Class Status.

Rennrekord Caitano

Und wer noch einen echten Globetrotter mit mehr als sieben Ländern findet, darf sich gerne melden.

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Die Präsidenten des DVR

Walter Scheel ist im hohen Alter von 97 Jahren gestorben. Von 1982 bis 1991 war er Präsident des Direktoriums für Vollblutzucht und Rennen. Aber er war nicht nur Präsident des DVR, sondern zuvor war er Minister in verschiedenen Kabinetten, Vorsitzender der FDP und der Vater der Koalition von FDP und SPD unter Willy Brandt und schließlich Bundespräsident. Eine Persönlichkeit, die die Politik dieser Republik maßgeblich beeinflußt hat und eben auch noch Präsident des Direktoriums gewesen ist.

An dieser Stelle möchte ich keinen Nachruf über den Politiker und DVR-Präsidenten schreiben.  Es ist auffällig, daß in den zahlreichen Nachrufen, die die Presse verfaßt hat, die verschiedenen Ämter und Ehrenämter mehr oder weniger umfassend erwähnt wurden, aber einen Hinweis auf die neunjährige Präsidentschaft beim DVR wurde in keinem Nachruf erwähnt. Auch im CV von Walter Scheel bei Wikipedia ist die Direktoriums-Präsidentschaft nicht erwähnt. Es mag nur eine Randerscheinung sein, aber es ist eben auch Ausdruck, daß der Galopp-Sport in der allgemeinen Presse kaum noch wahrgenommen wird.

Und was macht der Rennsport? Auf German Racing, der “offiziellen” Seite des Galoppsports in Deutschland ist auch am “Tag danach” noch nicht mal ein Hinweis auf den Tod des früheren Direktoriums-Präsidenten erschienen. An den Toten zu erinnern, ihn zu ehren, ihm auf diese Weise die letzte Ehre zu erweisen, scheint in Köln nicht “en vogue” zu sein.

Auf vielen Webseiten von Vereinen und Verbänden gehört zur Selbst-Darstellung und zum Blick in die Geschichte auch die Nennung der früheren Präsidenten und Generalsekretäre, nicht so beim Direktorium alias German Racing. Man findet dieses Angaben nicht. Dabei sind darunter sehr wohlklingende Namen, die auch außerhalb des Sports einen guten Klang hatten. Und dann wundert es nur wenig, wenn die Presse die Direktoriums-Präsidentschaft Walter Scheels nicht erwähnt. Wo soll sie auch Informationen darüber finden, wenn das DVR sie selbst nicht anbietet.

In Zeiten, in denen das Tagesgeschäft mau ist, hilft ein Blick zurück auf die großen Zeiten manchmal auch, die Durststrecke zu überwinden. Und wenn ein Sport in Deutschland auf eine große Tradition zurückblicken kann, dann ist es der Galoppsport.  Aber auch diese Traditionspflege findet beim Direktorium nicht statt. Man ignoriert einfach die eigene Geschichte. Schade!

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PETA-Protest in Bad Doberan

PETA hat zur Eröffnung des Meetings in Bad Doberan Protest angekündigt, weil der Gebrauch der Peitsche angeblich Tierquälerei sei.
Es ist höchste Zeit, daß das DVR den Fehdehandschuh annimmt und die offene Diskussion mit PETA sucht. Es kann und darf nicht sein, daß man dieses für den Rennsport wichtige Thema dieser Spenden-Sammel-Organisation alleine überläßt.
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3000 britische Sieger für Frankie Dettori

Es war ein ganz normaler “Brot und Butter-Renntag” in Newmarket, an dem am Freitag Abend Rennsport-Geschichte geschrieben wurde.  Mit Predilection ritt Frankie Dettori im letzten Rennen des Tages den magischen Sieger für seinen Trainer John Gosden.  Zuvor hatte er im dritten Rennen des Tages mit  Ghayyar Sieger Nummer 2999 gesteuert. Er ist damit der achte Reiter in der Geschichte des britischen Turfs und der sechste Reiter auf der Flachen, der 3.000 Sieger geritten hat. Die im Ausland erzielten Sieger sind dabei nicht berücksichtigt.

Sein Vater Gianfranco Dettori war einer der besten Reiter Italiens zu seiner Zeit und sein Sohn Lanfranco (Frankie) ging früh nach England und wurde bald einer der Spitzenjockeys im Mutterland des Turfs. Mit seinen Erfolgen in großen Rennen kann man ein dickes Buch füllen, deswegen nur ein kurzer Abriß.

Im Alter von 13 Jahren hat er die Schule in Italien verlassen und ging 1985 nach England um bei Luca Cumani, einem Landsmann eine Jockey-Lehre zu beginnen.
Seinen ersten Sieger ritt er im November 1986 in Turin, den ersten Sieger in England im Juni 1987, sein erster Gruppe-Sieger war ebenfalls 1987 mit Legal Case in den Select Stzakes in Goodwood für seinen Lehrherrn und Mentor, Luca Cumani.  Gruppe-Sieg Nummer zwei  sollte zwei Wochen später. 1990 war der erste Erfolg in Gruppe 1 fällig – und gleich im Doppelpack am 29. September in Ascot in der Fillies’ Mile und in den ‘Queen Elizabeth II Stakes.Zwei Gruppe-1 Siege an einem Tag!. Später im Jahr sollte in seiner Heimat im Premio Roma der dritte Gruppe-1-Erfolg in einem Jahr.  Ebenfalls 1990 war er der ersten Teenager, der seit Lester Piggott in England in einer Saison über 100 Sieger geritten hat. Am 28. September 1996 ritt er in Ascot sieben Sieger in sieben Rennen.

1991 waren die ersten Klassiker fällig: Deutsches Derby es siegte Temporal aus dem Stall Rosita mit einem damals in Deutschland unbekannten Lanfranco Dettori im Sattel – und er hat Peter Schiergen mit Lomitas aus dem Gestüt Fährhof gewaltig die Suppe versalzen. Ein Finish bis auf die Linie und Lomitas kam einfach nicht mehr ran und der Europarekordler Peter Schiergen mußte seine hocherfolgreiche Jockey-Karriere ohne einen Sieger im Derby geritten zu haben beenden – Dettori wars schuld.

In den 90ern wurde er Stalljockey von Godolphin am Stall von Saeed bin Suroor und man kann dies wohl als die große Epoche von Stall, Trainer und Jockey bezeichnen. Die Verbindung wurde 2012 gelöst. Die Chemie im Stall paßte offensichtlich nicht mehr und dann ritt er noch in großen Rennen für den “Erzfeind” der Königsblauen, für das Coolmore-Imperium der Preußisch-Blauen und da war das Ende absehbar.

2007 gewann er nach 15 Versuchen mit Authorized endlich das englische Derby. Allerdings nicht für das königsblaue Quartier sondern für Saleh Al Homaizi & Imad Al Sagar und Trainer Peter Chapple-Hyam. Aber egal, endlich einen Epsom-Derby-Sieger.
2012 war das schwarze Jahr seiner Karriere. Außer der Beendigung seiner Zusammenarbeit mit Godolphin. Im November 2012 wurde er in Frankreich positiv auf unerlaubte Substanzen getestet und wurde im Dezember für 6 Monate gesperrt. Es schien das Ende einer großen Karriere zu kommen.

Dettori agierte danach eine Zeitlang als Freelancer,  bis er Jockey bei John Gosden und dort vor allem für die Pferde der Al Thani-Familie wurde.  Dettori agiert seitdem erfolgreich wie in besten Zeiten. Die Verbindung dauert bis heute an.
Frankie Dettori hat rund 560 Gruppe-Sieger geritten, darunter mehr als 200 Gruppe 1 Sieger.  Davon 327 Gruppe-Sieger und 81 Grupp-1-Sieger in England. Bei 240 Gruppe-Siegern außerhalb Englands kann man wohl 1000 Sieger außerhalb Englands hinzu rechnen.

36 klassische Sieger zieren seinen Rekord, davon allein 9 Derbys in verschiedenen Ländern.  England sind es 16 Klassiker und zwei Derbys, zuletzt 2015 mit Golden Horn.
Frankie Dettori ist nicht nur ein begnadeter Jockey, sondern auch der Sunny-Boy des Rennsports. Er ist eigentlich fast immer für jeden Spaß zu haben. Auf dem Weg zum Führring ein Selfie mit Frankie – kein Problem, wo andere Jockeys gerne mal abblocken, macht er mit, wenn nicht gerade die Zeit drängt.

2000 wurde er von der Königin mit dem MBE (Order of the British Empire) ausgezeichnet.

2007 wurde er das Gesicht des Jockey-Joghurts, der fast überall in Europa (außer in Deutschland) und besonders erfolgreich in Frankreich vertrieben wurde

Dem sympathischen Italo-Engländer noch viel erfolgreiche Jahre im Sattel – auch wenn er die  Rekord von Sir Gordon Richards und Lester Piggott wohl nie erreichen wird.

Klassische Sieger

Gruppe-Sieger (mehrere Seiten)

Erster Derby-Sieg 1981 mit Temporal

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In Frankreich geht eine Epoche zu Ende

Wie heute in Paris Turf zu lesen war, wird der Rennstall der Gebrüder Wildenstein zwar nicht aufgelöst, aber deutlich reduziert. 110 Pferde Pferde kommen zum Verkauf. Es wird nicht mehr der Rennstall sein, der über Jahrzehnte den Rennsport nicht nur in Frankreich prägte.

http://www.paris-turf.com/actualites/dispersion-des-wildenstein-stables-ltd-135566

Der Rennstall Wildenstein steht jetzt in der dritten Generation – und die Liste der großen und größten Erfolge wird in Kürze ausführlicher dargestellt.

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Diana-Tag in Düsseldorf und die Geldpreise in Deutschland

(c) Galopp-online.de

Am Sonntag wurde mit der Diana das zweitwertvollste Rennen des deutschen Turfs in Düsseldorf gelaufen. Mit 500.000 EUR ist die Diana (German Oaks) nach dem Prix de Diane und den Epsom Oaks die drittwertvollste Prüfung dieser Art in Europa.

Eigentlich eine tolle Sache, aber leider bezieht sich die durchaus ansehnliche Dotierung nur auf das Hauptrennen. Die Dotierung der Basisrennen konnte sich noch sehen lassen, aber der Mittelbau war dann nur noch Standard.  Für das Listenrennen gab es die üblichen 25.000 EUR und der Ausgleich I war mit 22.500 ebenfalls mit der Standard-Dotierung ausgestattet.

Das seit Jahren andauernde Engagement von Henkel ist wohl eines der Besten, das es in Turfdeutschland gibt. Wenn aber so viel Geld für das Hauptrennen da ist, dann sollte es doch möglich sein, die guten Rennen des Rahmenprogramms besser auszustatten. 10.000 Euro zusätzlich für das Listenrennen und 5.000 Euro zusätzlich für den Ausgleich I. Dann wäre das Rahmenprogramm einigermaßen angemessen zum Hauptereignis.

Davon ab, der Renntag war klasse. Andreas Wöhler sattelte mit Serienholde aus dem Gestüt Wittekindshof die dritte Diana-Siegerin in Folge. Aus der Maschine raus gab es flottes Tempo und Frankie Dettori, er den Grafenberg bestens kennt, war im Zielbogen mit der Favoritin Architecture einigermaßen in Nöten um die Stute bei der schnellen Fahrt gut durch den Bogen zu bringen.

Bei erreichen der Zielgeraden kam Architecture nicht weiter und eigentlich war die heße Favoritin, immerhin Zweite in den Epsom Oaks und dem irischen Pendant nie wirklich im Rennen. In der Geraden war die Fährhoferin Sarandia als erstes zur Stelle und das sah auch gut aus, bis außen Serienholde von Eddi Pedroza immer besser ins Rennens g4ebracht wurde. Die Wittekindshoferin hatte recht früh alles im Griff und gewann das Rennen sehr sicher, auch wenn die Abstände nicht gerade groß waren.

Es war ein voller Erfolg für die deutsche Vollblutzucht. Auch wenn Architecture vielleicht nicht  den besten Tag hatte, so ist ihre Reputation unbestritten. Zweiter zu Minding, der zweifelsohne besten Stute des Jahrgangs 2013 ist mal ein Wort.

Serienholde und Sarandia repräsentieren Beide die Schlenderhaner Schwarzgoldlinie und bei Beiden ist steht Salesiana als dritte Mutter im Pedigree. Mit Soldier Hollow hat die Siegerin noch einen in Deutschland aufgestellten Vater. Für Soldier Hollow war es der dritte Gruppe-1 Sieger und der zweite Erfolg nach Pastorius in einem Klassiker.
Das Listenrennen gewann mit Fair Mountain aus dem Stall Margarete ein weiterer Wöhler-Schützling. Der hoch eingeschätze Yorkidding, extra aus England angereist und zum toto-Favoriten erklärt, war als Sechster schon recht deutlich geschlagen.  Der Ausgleich I wurde duch Wonnemond aus dem Stall von Sascha Smrczek gewonnen und blieb damit auf dem Grafenberg.

Nach der Pleite von München, wo mit Elliptique ein französisches Gruppe-3 Pferd “mal eben” Gruppe 1 in Deutschland gewinnt, war das Wochenende in Düsseldorf doch um einiges versöhnlicher. Die Stuten des Jahrgangs 2013 scheinen recht gut gelungen. Ob das auch für die Hengste gilt, werden die nächsten Rennen und natürlich das Badener Meeting zeigen.

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Das Derby und der G20-Gipfel in Hamburg.


Das Derby 2017 wirft die ersten Schatten voraus – organisatorisch zumindest. Es gibt mal wieder Terminprobleme. 2017 findet in Hamburg der G20 Gipfel statt, das wohl größte politische Ereignis, das je in Hamburg stattgefunden hat. Sieht man einmal von den regelmäßigen Besuchen Seiner Majestät des  Kaisers zur Hamburger Derbywoche ab.

In der Vergangenheit wurde das Derby 72 mal im Juni und 73 mal im Juli gelaufen. Einmal im  August und September, 1946 und 1947.

Der Gipfel findet am 7. und 8. Juli, also nach dem regulären Derbytermin der letzten Jahren, dem  ersten Sonntag im Juli, statt. Die Entourage der Mächtigen wird vor dem Termin anreisen.  Es wäre doch genial, den Derbytag und den Samstag als gesellschaftlichen Programmpunkt in den G20-Gipfel einzubauen. Dann bekommt man endlich mal wieder echte Prominenz auf die Bahn und kann auch mal auf die Problem des Sports aufmerksam machen, die wir auch durch die Politik haben.

Statt die Chance beim Schopf zu packen, wird ausgewichen. Das Derby wird mal wieder nach hinten verlegt (warum eigentlich nicht mal nach Vorne und auf den letzten Sonntag im Juni??)  Nicht nur, daß ich die Verlegung für politisch sehr unglücklich halte, sie ist auch züchterisch sehr bedenklich. Das deutsche Derby ist das mit dem spätesten Termin der großen Rennsportländer. Und wenn wir es immer weiter nach hinten legen, bekommen wird ein anderes Pferd. Dann ist Frühreife kein Kriterium mehr, dann gewinnt auch ein “spätes” Pferd das Derby und die deutsche Zucht verliert international an Reputation.

Ich habe sehr großen Respekt vor dem HRC, wie man das Meeting trotz vieler Widrigkeiten immer wieder bestens stemmt und auch in den “Basis-Rennen” mit die besten Rennpreise der Republik zahlt. Aber das Termin-Management mit einem immer weiter nach hinten rückenden Derby ist – diplomatisch ausgedrückt – nicht gelungen.

Und 2018 ist dann wieder Fußball-WM und dann muß wieder ausgewichen werden. Und natürlich nach hinten, statt mal nach vorne auszuweichen! Demnächst kommen dann Abstimmungsprobleme mit den Skandinaviern, bei denen das Derby traditionell im August gelaufen wird.  Aber dann ist Deutschland keine große Rennsportnation mehr.

Nachtrag: Nach einem  Telefongespräch mit einem Vorstand des Hamburger Rennclubs war ich doch ein wenig überrascht, wie sehr der G20-Gipfel sich im Vorfeld schon auf das Preisniveau der Stadt auswirkt.

Nicht nur, daß sich die Übernachtungspreise verdoppeln –  für Veranstaltungen stehen viele Räume nicht mehr zur Verfügung, weil sie schon anderweitig verplant sind.  Das wäre dann eine sehr teure Derbywoche für die auswärtigen Besucher – und das muß nicht sein!

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Der Peitschengebrauch im Galoppsport und der Tierschutz

Das Gesicht des Derbysiegers 2016. Sieht so ein Pferd aus, das gerade von seinem Jockey gepeitscht wurde und vor lauter Angst und Panik das Rennen gewonnen hat? (C) Andreas Wöhler

Nach dem Derby ist die Frage des Peitscheneinsatzes das beherrschende Thema in Turfdeutschland. In den sozialen Medien wurden teilweise Äußerungen auch von Insidern gemacht, die jeder Beschreibung spotten. Es wird von prügelnden Jockeys gesprochen und von gepeitschten Pferden. Für einen Peitscheneinsatz – daran sei erinnert, der z. B. in Irland in einem solchen Finish als vollkommen normal angesehen würde und über den man vor rund 10 Jahren in Deutschland auch nicht wirklich diskutiert hätte. Ich war teilweise erschrocken, was dort geschrieben wurde.

Es wird immer wieder der Tierschutz angeführt, um deretwillen der Peitscheinsatz auf ein Minimum beschränkt werden soll oder nach anderer Meinung ganz verboten werden soll.

Nachfolgend einige Gedanken zum Tierschutz und Peitschengebrauch im Rennen.

Es ist vor allem einmal grundsätzlich zu unterscheiden, ob ich ein Pferd mit der Peitsche im Stall schlage oder ob ich die Peitsche “im Eifer des Gefechts” im Rennen gebrauche.  Das Schlagen eines Pferde mit der Peitsche im Stall ist – von bestimmten Ausnahmen abgesehen – abzulehnen und kontraproduktiv. Ein Pferd, das im Stall mit der Peitsche geschlagen wird, begegnet dem Menschen mit Mißtrauen. Wird mehrfach oder fortlaufend geschlagen, wird es bösartig.

Der Peitschengebrauch im Rennen unterscheidet sich davon grundsätzlich.
Ich habe schon viele Diskussionen darüber geführt und habe den Einsatz der Peitsche im Rennen wie folgt erklärt. Das Verhältnis von Chef und Mitarbeitern ist nicht immer friedlich. Der Chef will mehr Ergebnis sehen und der Mitarbeiter fühlt sein Soll als erfüllt an. Es wird heftig diskutiert, der Chef mach dem Mitarbeiter sehr deutlich, daß er mehr leisten muß.
Oftmals stellen die Gesprächspartner in einer solchen Runde dann fest, daß der Chef den Mitarbeiter verbal in den Hintern getreten hat und betrachten den Peitschengebrauch im Rennen dazu analog – und so kann man es sehr treffend sagen.  In fast allen Fällen war die Quintessenz, daß die Diskussionspartner den Peitschengebrauch im Rennen als normal und korrekt betrachten. Wenige waren unentschlossen und ein verschwindender Teil blieb bei der Auffassung, daß es falsch sei, ein Pferd mit einer Peitsche zu schlagen. Eine eigentlich einfach Erklärung mit großer Wirkung im Sinne des Sports.

Ein anderes kurzes Beispiel. Stehen sich zwei Boxer im Ring gegenüber, spüren sie die Härte eines Schlages nicht annähernd, wie sie ihn spüren würden, wenn sie kalt erwischt einen Schlag mit der Faust ins Gesicht bekämen. Das liegt nicht nur an den Boxhandschuhen sondern vor allem daran, daß Physis und Psyche in Wettkampfstimmung sind!

Und genauso ist der Gebrauch der Peitsche im Rennen zu sehen. Auch das Pferd ist emotional aufgeladen und in Wettkampfstimmung. Pferd und Reiter sind mit Adrenalin vollgepumpt und das Schmerzempfinden ist auch dadurch erheblich reduziert. Der Reiter will, daß das Pferd schneller läuft und fordert es dazu mit der Peitsche auf. Ist das Pferd leistungsfähig, wird es entsprechend reagieren und beschleunigen.  Jedenfalls wird es die Peitsche nicht als Schmerz oder als Strafe empfinden.

Würde das Pferd in dem Fall die Peitsche als Strafe empfinden, würde es danach ängstlich reagieren.  Es wäre beim nächsten Rennen im Führring aufgekratzt, würde wahrscheinlich nur mit Widerstand auf die Bahn gehen etc.. Daß dies nicht der Fall ist, kann man – von Ausnahmen abgesehen –  jeden Renntag erleben.

Das Gesicht eines Pferdes, das gerade in panischer Angst ein Rennen gewonnen hat? (c) Gabi Suhr

Das Pferd schwitzt im Rennen und wenn der Jockey abgesessen ist, schubbelt sich das Pferd im allgemeinen den Kopf am Jockey. Paßt das zu der Aussage der sogenannten Tierschützer, daß die Pferde durch die Peitsche in Panik versetzt werden? Würde das Pferd dann unmittelbar nach dem Rennen sich seinem Peiniger zuwenden und den Kopf schubbeln?

Beobachtet man die Pferde im Führring vor dem Rennen, sind diese, mit wenigen Ausnahmen  die Ruhe in Person und Pferde wissen sehr genau, wenn Renntag ist. Würden sie so ruhig im Führring und an der Startmaschine gehen, wenn sie das Rennen und den Gebrauch der Peitsche als Strafe, als Quälerei empfinden würden? Natürlich gibt es nervöse Pferde – es sind Hochleistungsathleten  und auch bei den Menschen gibt es nervöse Sportler. Aber in der Regel sind die Pferde ruhig und gelassen. Von Panik oder Aufregung keine Spur. Und nach dem Rennen – ist die Mimik des Pferdes die einer gequälten Kreatur? Sieht der Derbysieger auf dem Siegerphoto gequält aus?

Das sind Fakten, die PETA und abgeschwächt auch andere professionelle Tierschützer nicht zur Kenntnis nehmen oder nehmen wollen, weil sie nicht in deren Weltbild passen.

Die Tierschützer argumentieren, daß ein Schlag mit der Peitsche Schmerzen verursacht. Es wird der Eindruck vermittelt, daß Schmerz eine feststehende und nicht skalierbare Größe ist. 0=kein Schmerz 1=Schmerz. Das ist falsch, im allgemeinen Sprachgebrauch unterscheidet wir sehr deutlich unterschiedlich starke Schmerzen. Von “aua” über “das tut weh” zu den Schmerzen oder starken Schmerzen – nach oben ist die Skala sicherlich offen.

Das Direktorium für Vollblut und Rennen als Aufsichtsbehörde hat genaue Vorschriften für die Beschaffenheit der Peitsche erlassen, die im Rennen verwendet werden darf. In Ziffer 480 RO ist unter d) die zulässige Peitsche beschrieben: Es ist nur eine ummantelte (shock  absorbing) Peitsche mit einer Länge, einschließlich Klappe,  von 75 cm zulässig, die an keiner Stelle schmaler als 8 mm sein darf. Die Peitschenstärke und -länge wird vom Abwieger anhand des Peitschenmeßgeräts geprüft.

Ich sage mal etwas provokant: Ein Jockeypeitsche ist heute so “weich”, daß eine Domina sie als Arbeitswerkzeug nicht akzeptieren würde. Mit Kinderspielzeug gibt man sich dort nicht ab.

Die ummantelte “weiche” Peitsche verursacht beim Schlagen einen lauten Knall – ist aber von der Wirkung viel geringer, als die Peitschen, die vor einigen Jahren verwendet wurden.

Die Iren haben deswegen auch die Regel, daß der Peitschengebrauch in Ordnung ist, wenn das Pferd unter der Peitsche anzieht – also die Aufforderung richtig versteht und entsprechend reagiert. Daß die Schlagfolge nicht zu schnell sein darf, sagt schon der gesunde Menschenverstand. Und ich finde diese irische Regelung eine sehr gute Regelung – man kann ja eine Obergrenze setzen. Wie sagte neulich ein Insider: “Wenn es im Finish eng ist und ein Pferd kämpft, dann schaden auch 7,8 oder auch 9 Schläge mit der Peitsche nicht. Beim geschlagenen Pferd, können zwei zu viel sein.

Wenn man Für und Wider gegeneinander abwägt, dann ist die Peitsche ein probates Mittel, um das Pferd zur Mobilisierung der letzten Reserven im Endkampf zu animieren. Das Pferd spürt die Peitsche natürlich, sonst würde es nicht darauf reagieren, aber ich betrachte es als falsch und vollkommen überzogen, beim Peitscheneinsatz von einem Schmerz zu sprechen, der erzeugt wird.

Als Quintessenz bleibt für mich die Feststellung, daß die angemessen eingesetzte Peitsche dem Pferd nicht schadet – egal ob es 5 oder 10 Schläge sind.  Wo man eine Obergrenze ziehen kann, weiß ich nicht und verweise auf die irische Regel. Die Peitsche ist natürlich auch nicht das Zaubermittel, um ein Rennen zu gewinnen. Da spielen viel mehr Komponenten eine Rolle und ein echter Klassereiter ohne Peitsche ist einem schlechten Reiter mit Peitsche trotzdem überlegen. Aber der Jockey muß die Möglichkeit haben, ein Pferd im Rennen wirklich schnell zu machen.

Es ist für mich vor allem eine Frage des allgemeinen Eindrucks und der Kommunikation. Der Besucher und Laie muß informiert werden – und wenn der Rennsport nicht informiert, macht es PETA. Wollen wir PETA-Desinformation oder wollen wir den Besucher im Sinne des Rennsports und der Pferde und Aktiven informieren?

Pferderennen sind Leistungsprüfungen im Sinne des Tierzuchtgesetzes, die in der Öffentlichkeit in einem gewissen Ambiente durchgeführt werden. Vor allem das Ambiente mag bei Gelegenheitsbesucher ein wenig den Eindruck erwecken, daß es ein gesellschaftliches Ereignis oder ein Jahrmarkt mit Pferderennen ist. Das ist falsch und das muß vom Sport auch entsprechen kommuniziert werden. Rennen und Leistungsprüfung sind der Sinn und Zweck der Veranstaltung, alles andere ist Beiwerk und nicht umgekehrt!

Rennpferde sind für mich mit die bestversorgten Pferde überhaupt. Perfekte Pflege und Fütterung, erstklassige medizinische Betreuung, Physiotherapie etc.. Wenn man manche Tierarztrechnung sieht, dann würde bei der Erstattung, wenn es die Rechnung für einen Kassenpatienten wäre,  eine Ersatzkasse wahrscheinlich meutern.

Als “Gegenleistung” wird dafür vom Pferd erwartet, daß es vier bis zehnmal im Jahr schnell läuft. Im Schnitt sind die in Deutschland trainierten Pferde 2016 6,17 mal im Inland oder Ausland gestartet. Von einer Überforderung kann also keine Rede sein.  Mit den Renngewinnen verdient das Pferd einen Teil seines Lebensunterhalts. So wie die Menschen auch arbeiten müssen, um das tägliche Brot zu verdienen. Der Mensch sorgt für das Pferd und das Pferd bereitet durch Erfolge seinem Besitzer und seinem Umfeld vor allem Freude – eine eigentlich perfekte Sozialpartnerschaft. Tiere sollen nicht arbeiten und nicht zum Vergnügen des Menschen dienen, denn sie haben keine Wahl, ob sie wirklich schnell Rennen wollen, sagen die sogenannten Tierschützer.  Das mag richtig sein, aber fragen Sie die Toilettenfrau oder den Hilfsarbeiter, ob er eine Wahl hat und ob ihm der Job Freude bereitet.

Schließlich müssen wir uns auch noch einmal deutlich vor Augen halten, daß der Rennsport die besten Pferde für die Zucht ermitteln soll. Der Rennsport basiert auf drei klassischen Säulen. Frühreife, Härte und Ausdauer. Härte bedeutet Gesundheit und auch Streßresistenz. Und für ein Klassepferd bedeutet das, daß es nach einem harten und mehr als spannenden Finish, wie wir es im Derby gerade erleben durften, im nächsten Rennen wieder genauso anpackt und mit seinem Organismus und auch mit seinem Kopf gewinnt. Das Klassepferd muß bei der Gemengelage zeigen, daß er da drüber steht und so etwas “kann”.

Bei den Pferden gibt es sehr unterschiedliche Typen. Manche reagieren sehr sensibel und strengen sich bei einem kurzen Klaps mit der Peitsche maximal an. Andere brauchen erst mal zwei Schläge als Wachmacher, daß sie wissen, daß sie sich jetzt anstrengen müssen. Wer für eine weitere Verschärfung der Peitschenregel plädiert, würde diese phlegmatischen und wegen des Phlegmas sehr oft guten Pferde zur Erfolglosigkeit verdammen und damit quasi vom Rennbetrieb ausschließen. Will man das wirklich?
Es ist jetzt Sache des Direktoriums, den Peitschengebrauch ungeschönt zu beschreiben und auf der Webseite an prominenter Stelle zu veröffentlichen. Im Rennprogramm werden seitenlang die Wettarten erklärt – aber ein Hinweis über Gebrauch, Beschaffenheit und Sinn des Peitscheneinsatzes findet sich nirgendwo. Ein schwere Unterlassungssünde, wie ich meine.

Der Rennsport muß den offenen Disput mit den Tierschützern suchen und die eigene Position energisch vertreten. Es darf nicht so sein, daß die Tierschützer Forderungen stellen und der Rennsport klein beigibt und sich vorführen läßt wie ein Tanzbär in der Manege. Der Peitschengebrauch im Sport ist auch nicht ansatzweise ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, wie ich hoffentlich deutlich ausgeführt habe.

Schafft der Rensport es nicht,  die eigene Position zu vertreten und wieder einen normalen Gebrauch der Peitsche zu ermöglichen und dabei das Strafmaß im Fall des Mißbrauchs auf ein erträgliches Maß zu reduzieren, wird auch im internationalen Vergleich der Galoppsport in Deutschland weiter an Bedeutung verlieren – und das haben dann die Funktionäre des DVR zu verantworten.

Es sind dann die Funktionäre, die die Bedeutungslosigkeit des Sports zu verantworten haben, nicht die Züchter und Besitzer und schon gar nicht die Jockeys, die die Suppe jeden Tag auslöffeln müssen.

Der Peitschengebrauch kann nicht isoliert gesehen werden – man muß ihn eben auch im Gesamtaspekt des Rennsports sehen – und deswegen bin ich teilweise auch vom Thema etwas abgekommen.

Es gibt viele Aufgaben im Tierschutz, die dringend erledigt werden müssen und Zustände im Umgang mit Tieren, die teilweise zum Himmel schreien. Der Gebrauch der Peitsche im Rennsport ist da geradezu eine Petitesse – die extrem aufgeladen und emotional von den Tierschützern betrachtet wird.  Was hinter verschlossenen Türen von teilweise staatlich kontrollierten Einrichtungen geschieht, ist ja nicht so öffentlichkeitswirksam.

Auch wenn ich mich wiederhole: Und alle Kritiker, die den Peitscheneinsatz teilweise in sehr scharfer Form kommentiert haben, seien an die King George VI von 2012 erinnert. Danedream gewann mit Andrasch Starke nach hartem Kampf auf der Linie mit einer Nase. Vor allem auf den letzten hundert Metern hat Andrasch sehr energisch mit der Peitsche geritten, um den Gegner dann auf der Linie zu stellen. Ganz Turfdeutschland jubelte über den ersten Erfolg eines in Deutschland trainierten Pferdes in den King George VI and Queen Elizabeth Stakes. Daß Andrasch etwas mehr hingelangt hat, als er es normalerweise tut, war kaum einer Erwähnung wert.

Nachtrag: Wie ich Mittwoch aus einer im allgemeinen gut informierten Quelle erfahren habe, soll die Bestrafung bei zu starkem Gebrauch der Peitsche weiter verschärft werden. Danach ist folgende Regelung angedacht (ohne Gewähr): Ohne Vorstrafe , ab dem 6 Schlag, 14 Tage Reitverbot, mit Vorstrafe 21 bzw 30 Tage. Zusätzlich Gewinnbeteiligung und Geldstrafe wie gehabt.

Wenn das Gesetz werden sollte kann man den Jockeys nur raten, in einen Streik zu treten. Die Funktionäre, die diese Regeln machen, haben meistenfalls noch nie auf einem Pferd gesessen, geschweige denn ein Finish geritten – und wollen jetzt einen Strafenkatalog einführen, der die wirtschaftliche und soziale Situation der Jockeys noch weiter verschlechtert. Haben die Funktionäre schon  einmal unter den Bedingungen gelebt und gearbeitet, unter denen ein Jockey arbeitet?

Andreas Suborics hat es in seinem Schreiben and das Direktorium treffend gesagt: Ganz im Ernst, kennen Sie irgendeinen deutschen Jockey, der nach seiner Karriere vermögend war? Nein!!!

Unter den großen Rennsportländern in Europa haben wir die geringsten Rennpreise und damit Jockeyprozente, sehr wenige Rennen, in denen die Jockeys Geld verdienen können, aber die höchsten Strafen für Peitschenmißbrauch.

Ich kann bei diesem Ansinnen des DVR und bei so viel Unverständnis in den Gremien nur noch den Kopf schütteln!
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