Frohe Weihnachten

(c) Jocky Club


Allen Freunden von Galopp-Sieger und auch allen Anderen ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein glückliches und gesundes neues Jahr.

Es sind spannende Zeiten, in denen wir leben, nicht nur auf den Galopprennsport bezogen. Wir werden noch große Änderungen und auch Verwerfungen erleben. Und wir werden feststellen müssen, daß an entscheidenden Stellen den Menschen der Wille fehlt, diese Änderungen in unserer aller Sinne zu gestalten.

Aber hoffen wir einfach das Beste und es ist auch an uns, die Zukunft mitzugestalten.

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In Memoriam Cornelia Schmock und Michael Blau

(C) Marc Ruehl

Am 4. Dezember verstarb viel zu früh Cornelia Schmock, die einst über den Reitsport zum Rennsport gekommen war. Nach kurzer schwerer Krankheit und gerade einmal 62 Jahre alt.

In der Anfangszeit ritt sie als Amateurrenreiterin und ihre Mutter war die Trainerin mit Besitzertrainer-Lizenz. Und in der Anfangszeit waren die Ritte mehr durch Furchtlosigkeit als durch Stil und Eleganz geprägt. Ihr größter Erfolg als Reiterin war ohne Zweifel der Sieg 1989 mit Cadiz im Königsberger Jagdrennen in Mülheim an der Ruhr, einem Listenrennen mit einer Dotierung von 20.000 D-Mark, dahinter waren Pferde aus dem großen Stall von Uwe Stoltefuß und aus dem Steintor-Stall, der damals den Hindernissport über sehr viele Jahre in Deutschland dominiert hat.

Deutlich größer waren die Erfolge als Trainerin mit den eigenen Pferden und es waren nicht die Siege, sondern die zahlreichen Platzierungen, die im Laufe der Zeit errungen wurden. Gute Pferde, die in ihren Farben liefen, waren u.a Schäferin, die dann Mutter von Supervisor werden sollte und Nadenko. Nadenko ritt ich für Cornelia Schmock im Deutschen Amateurpreis in Düsseldorf, aber wegen eines verlorenen Eisens war das Rennen für uns vorzeitig beendet. Gewonnen hätten wir nicht, aber Geld hätte es mit ziemlicher Sicherheit gegeben.

Ihr letztes Pferd war Supervisor, den sie selbst aus der Schäferin gezogen hat. Und er war ein reell gutes und vor allem unglaublich hartes Pferd, der in über 100 Rennen über Sprünge gelaufen ist. Wann gibt es da heute noch?

Supervisor war 2009 das erfolgreichste Hindernispferd in Deutschland und für Cornelia Schmock war es das Championat als Besitzer, als Züchter und als Besitzertrainerin über Sprünge. Gewiss, der Hindernissport in Deutschland ist nur noch ein Schatten früherer Tage, nur noch ein kümmerlicher Rest – aber mit einem Pferd gegen größere Ställe das Championat zu erringen, ist immer noch eine Leistung! 2010 wurde Supervisor noch einmal erfolgreichster Steepler in Deutschland – im Besitzer-Championat hatte aber das Stall Steintor von Otto Werner Seiler die Nase vorn und Cornelia Schmock wurde dahinter Vize.

Cornelia Schmock war eine Pferdefrau durch und durch, ein Kind vom „platten Land“. Es ging ihr um die Arbeit mit den Pferden, nicht um den Glamour und den Erfolg. Der Erfolg sagte sie einmal, ist doch vor allem die Bestätigung guter Arbeit und daß man mit den Pferden alles richtig gemacht hat. Trainierst Du zu viel, haben sie keine Lust, trainierst Du zu wenig, haben sie keine Luft.

Und es tut verdammt weh und stimmt nachdenklich, wenn man gute Bekannte, die man „seit ewig“ kennt, in so jungen Jahren davon gehen sieht.

(c) Marc Ruehl

Und diese Woche ist Michael Blau gestorben, auch gerade mal 69 Jahre alt.

„Blau, rot-weiß gevierteilt“ feixte mein Vater früher über den Namen und die Rennfarbe. Wenn ich schon Blau heiße, dann sollte meine Rennfarbe doch auch blau sein.

Michael Blau hat sein Geld in der Versicherungs- und Immobilienbranche verdient und kam in den 80ern in den Rennsport. Anfangs liefen die Pferde unter dem Decknamen Gestüt Erftland und wenn ich nicht, ganz irre, war das frühere Gestüt Charlottenhof von Ferdi Leisten damals die Homebase.

Kyros, Parcel Gild und Romano waren damals seine guten Pferde. Und mit Romano gelang ihm im Consul Bayeff-Rennen in Bremen, das damals Gruppe-3 Status hatte, sein bester Sieg. Aber Parcel Gild und andere waren beständiger in der Form und eigentlich sind es doch die beständigen Pferde, die einem Besitzer Freude machen und nicht der, der einmal richtig schnell läuft.

Als Mann aus der Versicherungsbranche war er umtriebig und so war er auch Sponsor des Renntags. War es die Versicherungsgruppe für die er tätig war oder war es die Firma Michael Blau alleine, die in Köln einen oder mehrere Renntage gesponsert hat.

Er war für den damals noch sehr konservativen Rennsport aus der Art gefallen, hielt nicht viel von Konventionen, war locker drauf und in seiner Art paßte er perfekt zu seinem damaligen Trainer Anton „Toni“ Pohlkötter. Der hatte es auch weniger mit Konventionen, dafür war er nie um einen Witz verlegen.

Ich habe ihn erst besser kennen gelernt, als er als Besitzertrainer aktiv wurde und auch öfter Starter in Fegentri-Rennen stellte. Man konnte mit ihm herrlich Lachen und die Witze waren nicht immer stubenrein, aber das war egal. Was interessiert denn das Geschwätz anderer Leute. Aber er war auch immer ein Pferdemann und ein Sportsmann durch und durch, Als in einem Fegentri-Rennen einmal ein Pferd die Startbox nicht beziehen wollte, regte er sich auf. Da kommt ein Amateur aus Spanien angereist, will in Deutschland reiten und dann sitzt er auf einem Pferd, das nicht in die Maschine will. Das finde ich vom Besitzer und vom Trainer eine Frechheit gegenüber dem Reiter, daß ein so unsicherer Kantonist i9n so einem Rennen genannt wird. Das ist sportlich unfair! Der Mann, der sonst nie um einen Witz verlegen war,egal wie schwierig die Situation gerade war,war „extrem angepißt“, nicht weil es ihn betraf, sondern weil er es sportlich beschissen fand.

Mit Michael Blau verliert der Rennsport auch wieder einen Aktiven aus der Basis, der einfach Freude am Sport hatte und für den der Sport und das Training der eigenen Pferde ein schöner Zeitvertreib war und dem es nicht mehr um die großen Erfolge ging.

„Big Blue“ wird auf den Rennbahnen fehlen! Gerade einmal 69 Jahre ist er alt geworden.

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Wenn der Kumpel Dir im Rennen die Peitsche leiht.

Es ist sicher bemerkenswert, wenn man im Rennen die Peitsche verliert und der Kumpel Dir dann seine rüber reicht. Dumm nur, daß´die Stewards das gar nicht gut fanden und dafür eine Sperre von 30 Tagen verhängt haben.

Peitschenleihe

Ähnlich hatte auch einmal Lester Piggott agiert. Eingangs der Geraden verlor er die Peitsche und nahm dem neben ihm reiternden Kollegen diese ab, um dann nach Hause zu reiten und zu gewinnen. Ich meine, es wäre African Hope im Grand Prix de Deauville gewesen und die Peitsche hat er sich von Pat Eddery oder Freddy Head (oder war es ein anderer) “geliehen”.

Als er dann den Stewarts erklärte, daß der Kollege ihm die Peitsche  doch hingehalten habe, weil er (LP) auf dem deutlich besser gehenden Pferde gesessen haben, muß es den Stewarts die Sprache verschlagen haben. Danach bekam Piggott das Rennen dann abgenommen.

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Neuss vor dem Aus?

Die schlechten Nachrichten reißen in Turf-Deutschland nicht ab. Das Damokles-Schwert der Schließung hängt schon länger über der Neusser Rennbahn, aber so wie es im Moment aussieht, scheint die Politik die Gnadenfrist nicht noch einmal zu verlängern.

Ein kleiner Blick zurück auf die Geschichte der Rennbahn, auch um die aktuellen Probleme besser einordnen zu können. Der Galopp-Sport und der Bürger-Schützen-Verein hängen in Neuss zusammen, wie in keiner anderen Stadt. Die Rennbahn ist auch die Festwiese des Schützenvereins und das alljährliche Schützenfest in Neuss ist das gesellschaftliche Ereignis in der rheinischen Metropole.

Sportlich dominierte früher in Neuss der Basis-Sport. Das herausragende Ereignis des Jahres war der Preis von Neuss, der wie ein besseres Altersgewichtsrennen dotiert war. Hier und da gab es zuweilen ein besseres Handicap, aber das war es dann sportlich gesehen auch schon.

Im Krieg wurde Neuss wie kaum eine zweite Bahn, bombardiert. Die Nähe zum Neusser Hafen, der einer der größten Binnenhäfen in Europa war, wurde der Bahn zum Verhängnis. Die Beseitigung der Kriegsschäden sollte bis 1951 andauern. Die recht große Tribüne war den Bombentod gestorben und es wurden verschiedene Notbehelfe errichtet. Neuss war der letzte der westdeutschen Vereine, die den Rennbetrieb nach dem Krieg wieder aufgenommen haben.

Der Aufschwung ließ nicht lange auf sich warten. Es war auch der allgemeine Aufschwung, den der Rennsport in Deutschland in der Zeit nach dem Krieg erlebt und auch eine Folge des allgemeinen Wirtschaftswunders war. 1952 wurde erstmals der Neusser Stutenpreis unter dem Titel „

Preis des Ministers für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten des Landes NRW -Herbst-Stuten-Preis“ gelaufen. Das Rennen war über Jahrzehnte der Höhepunkt des Neusser Rennjahres und hatte von 1976 bis 1994 Gruppe-Status. Dazu gab es einige hoch dotierte Handicaps und andere interessante Rennen.

Der Vorstand bestand aus Mitgliedern der alten, einflußreichen und nicht selten wohlhabenden Neusser Familien, der Kontakt zur lokalen Wirtschaft war damit garantiert. Der „Macher“ des Rennvereins war sein General-Sekretär, Harald von Gustedt, vor dem Krieg selbst erfolgreicher Amateurrennreiter. Der Amateur-Rennsport war im Neusser Rahmenprogramm immer präsent. Bei der Gründung der Fegentri 1955 war Harald von Gustedt einer der Mitinitiatoren auf deutscher Seite. 1956 wurde in Neuss der Preis der Olympiasieger und Weltmeister gelaufen, bei dem Amateure gegen die Großen des Reitsports. Hans-Günther Winkler stieg ebenso in den Rennsattel wie der französische Olympia-Sieger und Vizeweltmeister Pierre Jonquères d’Oriola. Initiiert wurde das Rennen von dem ehemaligen Jockey-Lehrling, Meister-Schüler von Otto Lörke und selbst ein Großmeister der klassischen Reitkunst, Willi Schultheis, der auch selbst in den Rennsattel stieg. Ein sportlich eher bescheidenes Rennen, das aber ein sehr großes Medien- und Zuschauer-Echo bewirkt hat. Pferderennen war damals total „in“.

Das Teehaus, wurde von den Firmen aus dem Gewerbegebiet am Hammfeld in Nachbarschaft zur Rennbahn als Restaurant für die Bewirtung von Gästen und Schulungsteilnehmern intensiv genutzt. Die Bude war meistens brechend voll. Und nicht wenige Besucher stellten dann fest, daß man hier auch mal zum Rennen hinkommen könnte.

Einen besonderen Stellenwert nahm die Traktoren-Fabrik IHC International Harvester Company für den Neusser Rennverein ein. Das Werk wurde 1937 im Neusser Hafen gegründet, quasi vis à vis zur Rennbahn. IHC nutzte die Rennbahn für die Präsentation neuer Maschinen und Schlepper und wurde außerdem einer der großen Sponsoren des Rennvereins. Der IHC Renntag war ein Highlight des Jahresprogramms.

Zusätzlich nutzte IHC an rennfreien Tagen die Parkplätze der Rennbahn für die Mitarbeiter. Ich kannte den letzten Personalleiter von IHC über den Reitsport recht gut und er erklärte dazu einmal, ohne eine Summe zu nennen, daß die jährlichen Zahlungen an den Rennverein für die Parkplatznutzung erheblich seien.

Aber das alles war vorbei, als 1997 das IHC-Werk im Neusser Hafen endgültig geschlossen wurde. Es gab damals ein Überangebot an Schleppern und die Traktor-Produktion wurde von Neuss nach Doncaster verlagert.

Der Verlust von IHC hat die Stadt Neuss in vielerlei Hinsicht getroffen. Für den Rennverein war es nicht nur der Wegfall eines großen Sponsors sondern auch der Wegfall von Mietzahlungen zur allgemeinen Kostendeckung.

In den 90ern wurde die Sandbahn gebaut, die zweite nach Dortmund in Deutschland. Neuss war wegen seines Standorts ausgewählt worden Köln, das Ruhrgebiet, der Niederrhein, alles relativ nah gelegen und gut zu erreichen. Die Neunziger waren so etwas wie die „Goldenen Jahre“ des Rennsports in der Nachkriegszeit. Es wurde viel Geld ausgeschüttet, auch bei Rennen, die nicht unbedingt einen hohen sportlichen Standard hatten. ‘Neuss schwamm mit auf dieser Welle. Listen-Rennen, Nationale Listenrennen, Auktionsrennen etc. Überall gab es viel Geld. Und Wettumsätze von über eine Mio DM an einem Renntag waren fast normal.

Die aufziehenden Wolken in Form eines stagnierenden Totos, der dazu teilweise von der Bahn ins Internet wanderte, wollte niemand wirklich sehen.

Das letzte eigene gut dotiere Rennen in Neuss wurde mit dem BBAG Auktionrennen 2006 gelaufen. Danach gastierte der der eigentlich in Köln beheimatete Grand-Prix-Aufgalopp witterungsbedingt noch zweimal auf der Sandbahn, aber das war es dann auch. Danach gab es nur noch Basis-Sport mit Brot und Butter ohne Nachtisch und ohne Appetit-Happen.

2009 wurde nach langer Diskussion die neue Tribüne gebaut, Rennbahnhaus genannt. Wie mir vor längerer Zeit einmal ein Vertreter der Politik erklärte, in Abstimmung mit dem Rennverein. Allerdings ist dieses Rennbahnhaus so funktional für eine Galopprennbahn wie ein Sumo-Ringer als Leichtgewichtsjockey geeignet ist. Die alten Gebäude waren nicht mehr ansehnlich, aber sie waren funktional und das ist dieses Rennbahnhaus nicht mehr. Auf einer zugigen Dachterrasse hat man einen Blick auf die Rennbahn, aber das war es dann auch. Eine Tribüne, auf der man sitzen und die Rennen verfolgen kann, gibt es nicht mehr. Das ist so, wie ein Fußballstadion, in dem es keine Zuschauer-Ränge gibt. Eine komplette Fehlkonstruktion.

Zur gleichen Zeit wurden im Eingangsbereich des Geländes alte Stallanlagen abgebrochen und durch eine Wohnbebauung ersetzt. Wurde mit dem Verkauf dieser Wohnungen der Neubau des Rennbahnhauses finanziert? Bei den heutigen Immoblien-Preisen kann man das fast vermuten – und dann ist am Ende die Finanzleistung der Stadt zugunsten des Rennvereins irgendwo bei Null.

Die restlichen Gebäude sind immer noch im „Urzustand“, Neuss atmet immer noch die Nachkriegszeit. Von Komfort für den Besucher kann nicht wirklich gesprochen werden. Die Grasbahn kann seit Jahren nicht mehr genutzt werden, angeblich ist dafür auch die Stadt verantwortlich.

Vergangene Woche schrieb die zur Rheinischen Post gehörende Neuss-Grevenbroicher-Zeitung, daß immer noch der Miet-Vertrag von 1953 gelte und dieser immer wieder fortgeschrieben wurde.

Wenn meine Informationen richtig sind, war „früher“ der Rennverein der Pächter oder Mieter des Grundstücks und alle Untermietverträge wurden zugunsten des Rennvereins abgeschlossen. Heute ist die Neusser Stadtmarketing-Gesellschaft für die Vermietung des Grundstücks verantwortlich. Die Erlöse fließen nicht mehr dem Rennverein zu, sondern gehen indirekt in die Stadtkasse. Der Rennverein hat keinen Einfluß mehr auf die Vertragsgestaltung und kann die Anlage lediglich für die Durchführung von Rennen nutzen. So mußte auch Dippels Waffelbude, auf den Rennbahnen im Westen allgemein eine „Institution“, entsprechend dem Pächter den Wünschen des Restaurant-Pächters weichen.

Zusätzlich soll der Rennverein eine hohe fünfstellige oder sogar sechsstellige Pacht für die Nutzung des Geländes zahlen. Diese Pachtforderung, die der Rennverein zu recht nicht erfüllen will, ist wohl auch der Streitpunkt zur Verlängerung des Pachtvertrags.

Es kann nicht sein, daß sämtliche Verträge zur Nutzung des Geländes am Rennverein vorbei geschlossen werden, ohne die Belange des Rennvereins zu berücksichtigen.

Das Damokles-Schwert der Rennbahnschließung schwebt schon einige Jahre über der Neusser Bahn und im letzten Jahr hat man noch einmal von einer Gnadenfrist gesprochen. Es wäre eigentlich Sache des Rennvereins gewesen, die Bahn wieder mehr an die Bevölkerung heran zu bringen. Auch wegen der verkehrsgünstigen Lage hätte man bequem im Sommer Abendrenntage oder am späten Samstag veranstalten können. Pferderennen bei schönem Wetter, Freizeit für die ganze Familie. Mit einem guten Konzept hätte man die Bahn richtig voll bekommen können, aber nichts geschah. Es wurden außerhalb der Wintersaison keine Termine bekannt gegeben.

Wenn man einen Verein nur verwaltet, kann er sich nicht entwickeln. Und wenn man gegenüber der Stadt seine Existenzberechtigung nachweisen will, dann muß man ein „volles Haus“ präsentieren, wenn man dazu aber nichts unternimmt, dann hat man am Ende irgendwo schlechte Karten.

Und das sei an dieser Stelle auch einmal gesagt, es sind um Rennsport und im Neusser Rennverein wohlbekannte Namen, die in der Fortführung des Rennbetriebs keinen Nutzen für die Stadt mehr erkennen können. Nachfahren von ehemaligen Vereinspräsidenten. Das sollte den Verantwortlichen auch einmal zu denken geben

Ob das Ding noch mal gedreht werden kann?

Vielleicht sollten die Verantwortlichen einmal nach Mülheim blicken. Da wurde ein Rennverein über Jahre von einem Schuldirektor verwaltet. Die Vertraglich von der Stadt Mülheim vorgegebenen Renntage wurden erfüllt – und mehr nicht. Nach einer Insolvenz des alten Vereins, die der Schuldirektor wohl auch auf Betreiben des Golfplatzbetreibers betrieben hat, hat sich ein neuer Verein gegründet, der aus dem verschlafenen Verwaltungsverein innerhalb kurzer Zeit wieder einen aktiven Rennverein gemacht hat. Sieben Renntage 2019 wurden in Mülheim ausgeschrieben und es wurden wieder zwei Listenrennen gelaufen. Und der traditionelle Mülheimer Termin am zweiten Weihnachtstag ist auch wieder im Programm. Vielleicht sollten die Macher von Mülheim mal den Neussern zeigen, wie man einen Rennverein wieder belebt!!

Ich bin sicher, daß mit einem passenden Konzept auch die Stadt wieder mitspielt!

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Fünf Rennen zur Wintersaison je Renntag?

Wie GOL vor einigen Tagen gemeldet hat, sind für die Wintersaison ab Januar jeweils nur fünf Rennen je Renntag ausgeschrieben. Vier werden über die PMU finanziert und ein ganzes  Rennen kann Deutschland-Turf selbst finanzieren.

Für 2020 sind die Renntage wieder alle auf einen Sonntag terminiert, was gegenüber der letzten Saison ein deutlicher Fortschritt ist. Da wurden die Rennen an Tagen gelaufen, an denen nur der “harte  Kern” sich auf die Bahn verirrt hat und die Wettumsätze über das Internet sind auch nicht gerade berühmt.  Die Terminierung ist jedenfalls ein gewaltiger Fortschritt.

Aber ein Rennen kann der Veranstalter jeweils je Renntag finanzieren? Im Winter müssen es sicherlich keine 10 Rennen je Tag sein, aber sieben Rennen sollten es doch sein, sonst lohnt doch die Fahrt zur Bahn kaum.  Turf-Deutschland, wohin gehst Du?

Gewiß, die Blockkosten, die für jeden Renntag anfallen, sind erheblich. Vom Starthelfer über den medizinischen Bereich bis zur Rennleitung. Eine Vielzahl von Einzelpositionen, die jeden Renntag anfallen. Für einen Sommerrenntag ist mir einmal vor einigen Jahren eine Zahl von rund 40,.000 Euro genannt worden, die bezahlt werden müssen, bevor auch nur ein Euro Rennpreise ausgeschüttet wird. Wenn diese Blockkosten auf fünf Rennen verteilt werden, sind das 8.000,-Euro je Rennen, bei sieben Rennen sind es noch 5.700. Das ist immer noch mehr, als die Dotierung der meisten Rennen im Winterprogramm.

Hier muß deutlich nachgebessert werden, sonst geht der Rennsport im Winter komplett den Bach runter.

1997 wurde der letzte Winterrenntag am 2. Weihnachtstag in Mülheim gelaufen. Nach den vielen Festessen raus an die frische Luft auf die zentral gelegene Bahn in NRW.  In der guten alten Zeit in den 90ern, als der Rennsport brummte, war der Renntag eigentlich immer für eine Umsatz-Millionen gut.Das sind natürlich Zahlen, von denen man heute nicht einmal träumen kann. Dieses Jahr lebt die Tradition wieder auf und es finden Rennen in Mülheim am 2. Weihnachtstag statt. 7 Rennen sind ausgeschrieben, dabei ist ein besseres Altersgewichtsrennen mit einer Dotierung von 10.000 Euro.

Die Insolvenz des alten Vereins, die das Vorgängerpräsidium zu verantworten hat, muß man heute als Glücksfall für Mülheim betrachten. Der neue Verein und sein Vorstand hat wieder “Leben in die Bude” gebracht. Nicht nur das es den Weihnachtsrenntag wieder gibt. Zwei Listenrennen wurden dieses Jahr in Mülheim gelaufen, darunter das Jahrzehnte am Raffelberg gelaufene Silberne Band der Ruhr als Deutschland längstes Flachrennen.

Es war übrigens Mülheim, das in  den späten 20ern (oder waren es die frühen 30er) mit Winterrennen in Deutschland begonnen hat. Davor  war ab Dezember die Saison zu Ende und im Februar/März wurde wieder gestartet. Diese Regel hatte Mülheim damals durchbrochen in der Folge gab es das ganze Jahr in Deutschland Rennen.

Mülheim und das neue Team im Rennverein gehören derzeit zu den positiven Erscheinungen im Rennsport.

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Alson wird 2020 in Frankreich trainiert

Nach der Ankündigung Schlenderhans, die Trainingsanlage aufzugeben, pfiffen es die Spatzen schon von den Dächern und jetzt berichtet GOL offiziell darüber, daß Alson zu André Fabre nach Frankreich wechseln soll. Insgesamt welchseln neun Pferde nach Frankreich. Außer Alson werden zukünftig Mare Australis und Shenouni von André Fabre trainiert. vier Pferde wechseln zu Francis-Henri Graffard und zwei Gavin Hernon.

Die hoffnungsvollen Nachwuchspferde verlassen das Land. Aus der Sicht des Besitzers ist das verständlich, vor allem weil André Fabre schon große Erfolge für Schlenderhan/Ullmann trainiert hat.  Für den Rennsport in Deutschland ist es ein neuer Schlag in den Nacken. Der Sport lebt auch von Stars. Nicht das Brot- und Buttergeschäft lockt die Menschen auf die Rennbahn oder in die Sport-Arenen. Es sind die Stars, die die für voll Bahnen oder Stadien sorgen.

In Deutschland ist es inzwischen ein Problem, daß die guten oder hoffnungsvollen Pferde relativ schnell ins Ausland verkauft werden oder wenn sie noch in deutschem Besitz stehen, meistens im Ausland laufen, weil die Geldpreise deutlich besser sind. Und man braucht auch die internationalen Erfolge, wenn man später einen Deckhengst vermarkten will.

Wie schmal die Gruppe der Spitzenpferde in Deutschland inzwischen ist, hat der Chef-Handicapper Harald Siemen zuletzt in seinem Blog aufgezeigt. Von sieben Gruppe-1 Rennen gingen fünf  ins Ausland.  Nur Derby und Diana blieben im Land. und bei Gruppe-2, Gruppe-3 und Listenrennen ist die Quote der im Ausland trainierten Sieger auch recht hoch.

Aber wahrscheinlich ist das alles nicht relevant für den Rennsport in Deutschland, denn das Direktorium hat ja verkündet, daß die Aussichten positiv sind.

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Breeders’ Cup 2019 – eine kurze Nachlese

Der Breeders Cup 2019 kann man aus europäischer Sicht ziemlich schnell abhaken. Dem alten Kontinent gelang ein Sieg und auch auf der Grasbahn dominierten die Amerikaner.

Die internationalen Big Playern des Rennsports hatten ebenfalls kein Glück und konnten keinen Sieger in Empfang nehmen. Weder die Scheichs, egal ob Dubai oder Katar oder sonst wo, noch Khalid Abdullah noch das Coolmore-Imperium hatten einen Sieger. Die Calumet-Farm, die man schon als Legende bezeichnen muß und deren Farben für einige Jahre in Amerika vollkommen von der Bildfläche verschwunden waren, hatte einige Plazierte in verschiedenen Rennen. Die Revitalisierung dieser Institution scheint erfolgreich zu sein.

Wer oder was sich dann wirklich in den USA hinter den teilweise unscheinbaren Besitzer-Namen verbirgt, ein kleiner Familienstall oder eine große amerikanische Besitzergemeinschaft oder eine größere Kapitalgesellschaft, ist nicht immer ganz einfach zu ergründen.

Und die schlechte Nachricht. Mongolian Groom, der im Breeders’ Cup Classic angehalten wurde, hat es nicht überlebt. Sonntag Morgen kam von HorseRacingNation die Nachricht, daß der diesjährige Sieger in den Awsome Again Stakes (GR 1) aufgegeben werden mußte. Das ist natürlich bitter, aber es läßt sich leider nicht verhindern, daß ein Pferd einen falschen Tritt macht und sich dabei ein Bein bricht. Ansonsten scheinen die Verantwortlichen die heftig kritisierten Probleme es Frühjahrs gelöst zu haben, denn es war wohl der einzige Zwischenfall während des zweitägigen Meetings mit einer sehr umfangreichen Karte

Zur Eröffnung des Meetings wurden die Marathon-Stakes gelaufen, die einige Jahre zum Breeders’ Cup Programm gehörten, jetzt aber nur noch ein Rennen im Rahmenprogramm sind. Der Sieger war Itsinthepost, trainiert von dem Amerikaner Jeff Mullins und geritten von Drayden von Dyke.

Interessantes Detail am Rande. Laut Equibase, der offiziellen amerikanischen Rennsportseite, wird der Bahnrekord für die 2816m in Santa Anita immer noch von Noor mit 2:52,8 gehalten. Aufgestellt wurde der Rekord am 4. März 1950. Der diesjährige Sieger war 11 Sekunden langsamer. Das macht einen Vorsprung von rund 160m für den Helden von damals.

Die fünf Breeders’ Cup Rennen des ersten Tages waren den Zweijährigen vorbehalten.

In dem zur Gruppe 2 zählenden Breeders’ Cup Juvenile Turf Sprint über 1006m stammte der Sieger und der Dritte von American Pharoah ab. Der Triple-Crown Sieger von 2015 ist auch als Deckhengst blendend vom Start gekommen.

Am zweiten Tag gelang Joseph Patrick O’Brien der einzige europäische Sieg mit Iridessa im Breeders Cup Filly & Mare Turf über 2011m. Und es war ein Sieg für die Geschichtsbücher. Joseph O’Brien ist nicht nur der jüngste Trainer, der einen Breeders’ Cup Sieger gesattelt hat, sondern auch der einzige Aktive, der sowohl einen Sieger geritten und trainiert hat. Ein Rekord, dem ihm so schnell niemand nachmachen wird.

Belvoir Bay, die Siegerin des Turf Sprint gehörte zu den Pferden, die im Januar 2018 von dem verheerenden Feuer in San Luis de Rey betroffen waren. Jetzt siegte die Stute in neuer Rekordzeit von 0:54,8 Min für die 1006m. Manchmal schreibt das Leben richtig schöne Geschichten.

Im „Turf“ über 2414m, der die Domäne der Europäer ist, lief der Epsom-Derbysieger Anthony van Dyck auf den dritten Platz. Sieger war der in Amerika bewährte Bricks and Motar. Alounak im Besitz von Darius Racing und trainiert von Waldemar Hickst in Köln wurde mit Clement Lecoeuvre als einziger Starter aus Deutschland Fünfter und lief ein sehr gutes Rennen. Er war 2 ½ Längen vom Sieger geschlagen und eine Länge vom Epsom-Derbysieger. Das ist eine Form, die sich sehen lassen kann.

Den mit 6 Mio USD dotierten „Classic“ gewann Vino Rosso nach einem tollen Ritt von Irad Ortiz jr vor McKinzie und Higher Power. Damit gewann Irad Ortiz jr nicht nur den „Turf“ und den „Classic“ sondern war auch erfolgreichster Jockey des Meeting. Sein kleiner Bruder Jose gewann zusätzlich zwei Rennen. Die Familie ist top in Form und beide Ortiz gehören derzeit zu den führenden Jockeys in den USA.

Wie Eingangs schon erwähnt, erlitt Mongolian Groom nach Erreichen der Geraden einen Bruch des linken Hinterbeins. Das Pferd galoppierte zum Zweitpunkt des Unfalls relativ alleine in ca dritter Spur. Fremdverschulden scheidet aus und an der Bahn kann es nicht wirklich gelegen haben, denn über die Stelle sind dieses Wochenende rund 100 Pferde galoppiert. Freud und Leid sind nicht nur im Rennsport manchmal ganz dicht beieinander. Faszinierender Rennsport, grausamer Rennsport.

Breeders Cup Turf

Breeders Cup Classic

Breeders Cup Filly and Mare Turf

Breeders Cup Sprint Dirt

Breeders Cup Mile Turf

Breeders Cup Mile Dirt

Breeders Cup Filly and Mare Sprint Dirt

Breeders Cup Juvenile Turf

Breeders Cup Sprint Turf

Breeders Cup Distaff

Breeders Cup Juvenile Fillies Turf

Breeders Cup Juvenile Turf Sprint

Breeders Cup Juvenile Dirt

Breeders Cup Juvenile Fillies Dirt

Ich hoffe, ich habe alle Breeders Cup Rennen und keines doppelt. Ist bei YouTube nicht ganz einfach zu sortieren.  Die Rennen wiederholen sich mit unterschiedlichen Titeln.

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OLG bestätigt den Derby-Einlauf 2016

In seiner Entscheidung vom 30.10 hat das OLG den Einlauf im Deutschen Derby 2016 für korrekt erklärt und Antrag des Besitzers von Dschingis Secret auf Änderung des Richterspruchs abgewiesen.

Das Urteil ist natürlich zu begrüßen. Viel wichtiger als die Entscheidung des Einzelfalls ist aber die grundsätzliche Bestätigung der Verbandsgerichtsbarkeit und die Rechtskraft der getroffenen Entscheidungen. Auch die vom LG gerügte angebliche Nicht-Entscheidung des Oberen Renngerichts wurde vom OLG als korrekt und verbindlich gesehen.

Die Kritiker, die im Einklang mit dem LG Köln die interne Verbandsgerichtsbarkeit kritisierten, müssen nach dem OLG-Urteil feststellen, daß die Kritik nicht berechtigt war und sie nur eine Mindermeinung vertreten.

Pressemitteilung des OLG Köln

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Glanz und Elend in schwarz-blau-rot

Vor wenigen Wochen feierte Schlenderhan sein 150 jähriges bestehen, wie GOL berichtet hat. 1869 kaufte Freiherr von Oppenheim Schloß und Gut Schlenderhan vor den Toren Kölns. Möglich wurde dieser Kauf auch durch eine weitere Emanzipation der Juden in Preußen und in dem von Preußen dominierten Norddeutschen Bund. Danach war es Juden u. a. erlaubt, Land und Grundbesitz außerhalb der Städte zu erwerben und es war damals wohl die weitreichendste Emanzipation, die Juden in Europa erfahren hatten. Vor allem aus Osteuropa und da besonders aus Rußland zog es sie nach Preußen, in dem sie nicht nur ihren Glauben nahezu unbeschränkt leben konnten.

Schlenderhan ist seither nicht nur das älteste Privatgestüt in Deutschland, sondern auch das Erfolgreichste und dazu mit einer Beständigkeit, die ihresgleichen sucht.

Am Sonntag gab es durch Alson mit seinem Sieg im Criterium International (Gruppe 1) in Longchamp ein nachträgliches Jubiläumspräsent. Und obwohl es ein Zweipferderennen war, lieferte der Areion-Sohn eine eindrucksvolle Demonstration seiner Klasse. Vier Pferde wurden als Starter für die mit 250.000 Euro dotierte Gruppe-1 Prüfung angegeben drei Iren aus den Ställen von Vater und Sohn O’Brien und ein Deutscher. Auch wenn am Vortag mit dem Criterium de Saint Cloud ein weiteres Gruppe-1 Rennen für Zweijährige entschieden wurde, irritieren die fehlenden Franzosen in diesem Rennen doch einigermaßen. In Saint Cloud ging es über die für Zweijährige sehr weite Distanz von 2000m, in Longchamp waren 1400m gefragt.

Dann wurde Wichita abgemeldet und es verblieben drei Starter. Lady Penelope aus dem Stall von Josef O’Brien war nach Paris gereist, verletzte sich in der Box und wurde abgemeldet.

Es rückten zwei Pferde in die Startbox ein – und wenn man nur das Ergebnis gelesen hat, dann dachte man erst mal an ein gemütliches Rennen, in dem der Zweitplazierte zeitig die Überlegenheit des Gegners erkannte und die Hände runter gesetzt hat und den Sieger ziehen ließ. Weit gefehlt! Es war ein aus der Maschine heraus zügig gelaufenes Rennen in dem Alson immer das besser gehende Pferd war. Eingangs der langen Pariser Zielgeraden mußte Donnacha O’Brien Armory schon anschieben, um den Takt von Alson mitgehen zu können.

Während Frankie Dettori auf Alson ganz lässig die Gerade runter galoppierte, wurde Armory noch sehr energisch angefaßt. Eine für mich unverständliche Reitweise! Donnacha O’Brien ist zwar ein junger aber trotzdem erfahrener Jockey, der in vielen großen Rennen geritten und gewonnen hat. Er mußte doch die drückende Überlegenheit von Alson erkannt haben und hätte ohne Anstrengung das zweite Geld bekommen. Wenn ein Finish eng ist, sehe ich den Peitschengebrauch als sinnvoll und unbedingt statthaft, wenn das Pferd unter der Peitsche anzieht. Ob das nun der Derbysieg von Isfahan 2016 oder das legendäre Derby 1979 zwischen Königsstuhl und Nebos war. Aber hier war der Peitschengebrauch absolut sinnlos und man könnte angesichts der unterschiedlichen Klasse der Pferde durchaus von Mißbrauch sprechen.

Auch wenn es nur ein Zweipferderennen war, wurde das Criterium International seinem Namen vollauf gerecht. Ein Ire und ein Deutscher kämpfen auf französischem Boden um den Sieg in einem bedeutenden Rennen! Es war absolut International!

Am Ende gewann Alson mit dem Finger in der Nase und 20 Längen Vorsprung gegen einen angestrengten Armory, den er am Arc-Tag im Grand Criterium noch knapp mit einem kurzen Hals von Alson auf den dritten Platz verwiesen wurde. Wann hat es zuletzt einen Sieger in einem Gruppe 1 Rennen mit 20 Längen gegeben? Die Frage wurde hier nach dem Sieg von Ghaiyyath im Großen Preis von Baden diskutiert und bei 20 Längen landet man bei Secretariat und den Belmont Stakes 1973. Lang lang ists her. Ebenso die Zeit kann sich absolut sehen lassen.: 1:27,6 Min auf sehr schwerer Bahn, die man in Dtld wahrscheinlich als „tief“ bezeichnen würde. 2018 gewann der Sieger auf Boden „gut bis weich“ in 1:27,1 Min, also eine halbe Sekunde schneller auf viel besserer Bahn. Es war ein absolut reell gelaufenes Rennen.

Wenn ich nichts übersehen habe, ist es der erste in Deutschland trainierte Sieger in einem Gruppe-1 Rennen für zweijährige Pferde in Frankreich und es ist der erste Sieg für einen Areion-Sohn in einem Gruppe-1 Rennen. Damit ist Alson auch der gewinnreichste Zweijährige, der jemals in Deutschland trainiert wurde.

Zweifellos, es war eine Sternstunde für die Vollblutzucht in Deutschland und für Schlenderhan. Aber nach Feiern wird den wenigsten in Bergheim bei Köln zumute gewesen sein.

Am vergangenen Freitag meldete GOL, daß Schlenderhan seine eigene Trainingsanlage, die vor rund 10 Jahren für viel Geld erstellt wurde, aufgeben wird. Die Pferde sollen auf verschiedene Trainer verteilt werden.

Für Informierte war das nicht ganz so verwunderlich. Wird doch die Trainingsanlage mit unterschiedlichen Ländereien seit rund einem Jahr von einem renommierten Makler für Immobilien im ländlichen Raum angeboten. Auf Nachfrage am Montag war der zuständige Sachbearbeiter aber nicht bereit, weitere Auskünfte zu geben, außer daß es für die Anlage ein normales Interesse gäbe und daß sie noch nicht verkauft ist. Es ist ja auch verständlich, daß man bei einem auf Grund seiner Besonderheiten nicht einfach zu vermarktenden Objekt sich nicht allzu tief in die Karten gucken lassen will.

Keine Frage, diese Entscheidung ist aus Kostengründen getroffen worden. Eine derart großzügige Anlage zu pflegen und zu unterhalten kostet viele Geld und wenn man die Kosten auf 50 Pferde im Training umlegt, sind das höhere Kosten je Pferde, als wenn die Pferde bei einem Public Trainer auf einer Rennbahn im Training stehen, wo die Kosten der Pflege auf 100 und mehr Pferde umgelegt werden.

Früher hatte Schlenderhan eine eigene Hausbank und mit den zeitweise sehr üppigen Erträgen konnte man viel gestalten. Natürlich sind es diese ‘nderungen bei der Eigentümerfamilie, die sich auf Schlenerhan ganz massiv auswirken. Aber auch nach dem Ende der Hausbank war es der Monsun, der mit seinem warmen Regen für reiche Ernten sorgte und als dieser ausblieb, wurden die Böden karg und es mußte gespart werden. Und es ist natürlich auch der Rennsport mit seinen Geldpreisen, die nicht nur international nicht mehr konkurrenzfähig sind, sondern auch die allgemeine Kostenwicklung seit rund 20 Jahren nicht mehr abbilden.

Und jetzt wird der Luxus einer eigenen Trainingsanlage gespart. Aber das ist es nicht, es ist eine Zäsur und nicht nur für Schlenderhan. Das größte und älteste deutsche Privatgestüt nmuß kleine Brötchen backen, so als wenn Daimler-Benz in Stuttgart für den Vorstand eine Kleinwagenregelung bei den Dienstwagen erläßt.

Dazu kommt die Außenwirkung, warum soll man noch in den Galopprennsport investieren, wenn der Branchenprimus sich massiv verkleinert. Die Schließung der Trainingsanlage wird Galopp-Deutschland noch bitter zu spüren bekommen.

In den sozialen Medien las man von Mitarbeitern, daß es sie besonders bedrücke, die Nachricht von der Schließung des Trainingszentrums aus der Presse zu erfahren. Wenn es stimmen sollte, ist das wahrlich nicht der Stil, der Schlenderhan würdig ist!

Es ist unverständlich,daß das DVR zu dieser Causa noch nicht geäußert hat. Und die angeblich so guten Aussichten, die das DVR in Baden Baden kommuniziert hat, sollten einmal mit belastbaren Fakten unterlegt werden. Es paßt einfach zur Causa Schlenderhan!

Criterium International

Statement J-P Carvalho nach dem Rennen

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Enable auf den Spuren von Goldikova?

Wie die Racing Post heute berichtet, hat Khalid Abdullah entschieden, daß seine Wunderstute Enable noch ein weiteres Jahr im Training bleiben wird. Damit wandelt Enable auf den Spuren der französischen Superstute Goldikova, aus dem Wertheimer-Stall und trainiert von Freddy Head, die auch sechsjährig im Training blieb. Der Versuch, den Breeders’ Cup Turf viermal zu gewinnen, gelang aber leider nicht. Beim vierten Versuch wurde sie “nur” Dritte.

Und Enable -  soll sie jetzt die erste Stute werden, die die King George VI and Queen Elizabeth Stakes dreimal gewinnen kann? Die Chancen stehen ja nicht schlecht. Oder soll sie mit einem Jahr Pause ein drittes Mal den Arc gewinnen und nach Motrico die älteste Arc-Siegerin der Geschichte zu werden?  Oder vielleicht auch Beides – dreimal King George und dreimal Arc?

Das wäre dann ein Rekord, der vielleicht so lange bestehen wird, wie der von Kincsem – ungeschlagen in 54 Rennen von der Bahn abzutreten. Und Kincsems Rekord wurde dieses Jahr 140 Jahre alt! Und da es gerade paßt: 1929, also vor 90 Jahren, gewann Oleander das dritte Mal den Großen Preis von Baden – 50 Jahre nach Kincsem.

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