Sea the Moon – was für ein Pferd

Im Vorfeld des Derbys hat es heftige Diskussionen um den Reiterwechsel auf Sea the Moon gegeben, weil der Stammjockey Andreas Helfenbein wegen des Sturzes vor gut 2 Wochen angeblich nicht fit genug für den Ritt sei. Betrachtet man das taktisch, dann war der Reiterwechsel überflüssig, man hätte auch einen Lehrling mit ein paar Rennen Erfahrung drauf setzen können, er hätte Sea the Moon nicht am Siegen hindern können. Betrachtet man die Verpflichtung allerdings strategisch, dann könnte dem Ritt von Christophe Soumillon noch große Bedeutung zukommen.

Sea the Moon bestimmte von Start weg das Geschehen, in der Spitzengruppe sah man noch Lucky Lion und Wild Chief, der neben Karltheodor sehr weit vorne ging. An der Innenseite gingen Lucky Lion und auch Speedy Approach war vorne dabei. Im Einlaufbogen sah man dann auch Geoffrey Chaucer und  Giant’s Cauldron außen zu der Vordergruppe aufschließen. Geoffrey Chaucer ging aber Eingangs der Geraden schon nicht mehr zwingend.

Ausgangs des Schlußbogens schob Christophe Soumillon Sea the Moon an und nahm direkt Kurs auf die Außenbahn. Sea the Moon ging hier schon dominierend, durch den Umweg kam der innere Flügel mit Lucky Lion und Wild Chief nach vorne und Mitte der Geraden konnte man meinen, daß innen Lucky Lion in Front lag – außen ritt Christophe Soumillon den Favoriten eher gemütlich, der sich in der Distanz aber immer weiter löste. Die 11 Längen sind der größte Vorsprung des Derbysiegers seit den 12 1/2 Längen von Orofino 1981. Vergleicht man aber die Manier, dann ist Sea the Moon das noch deutlich besser gehende Pferd im Vergleich zum Zoppenbroicher vor über 30 Jahren.  Die Art, wie Christophe Soumillon den Görlsdorfer nach vorne brachte, kann man getrost als unorthodox bezeichnen, ebenso, das sehr harte Anhalten nach dem Ziel. Da hätte auch etwas passieren können. Einen Schönheitspreis darf er für diesen Ritt nicht erwarten.

An der Innenseite erkämpfte Lucky Lion den zweiten Platz vor den Riesenaußenseitern Open Your Heart und Eric, die beide noch Wild Chief hinter sich ließen und auf den fünften Platz verwiesen. Auf Platz drei und vier kamen Pferde ein, die am Toto über 600 standen. Wild Chief schien mit der in Chantilly gewählten Taktik des Wartens besser bedient zu sein, als mit einem Rennen im Vordertreffen wie in Hamburg.

Geoffrey Chaucer wurde Siebzehnter und hatte eine Lücke von 28 (sic!) Längen zum Sechszehnten! Da hat man von dem für viel Geld nachgenannten Gast aus Irland doch eine etwas andere Vorstellung erwartet. Die Racing Post berichtet, daß er sich einen ziemlich tiefen Cut (Ballentritt?) zugezogen hat, was die Vorstellung entschuldigt. Ebenso im geschlagenen Feld endete die Godolphin-Hoffnung Pinzolo, der Fünfzehnter wurde.

Es ist müßig, Sea the Moon über den geschlagenen Geoffrey Chaucer auszurechnen, denn das ist in dieser Form keine Elle. Aber hier macht der Ton die Musik und das sah ganz vorzüglich aus. Der logische nächste Start sollte wohl im Großen Preis von Baden sein, der Große Preis von Berlin kommt nach dem Derby einfach zu früh und wenn er in Baden ähnlich dominiert, dann ist der Arc das logische Ziel im Oktober. In dieser Form braucht er auch einen Australia nicht zu fürchten.

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Derbychancen

19 Pferde werden voraussichtlich am Sonntag für das 145. Deutsche Derby in die Startmaschine einrücken. Born to  run hatte ein Hufgeschwür und konnte deswegen einige Tage nicht richtig arbeiten, so sein Trainer R. Dzubasz. Der amtierende Winterfavorit ist damit aus dem Derby raus.

Und wie sind die Chancen der restlichen Teilnehmer?  In der Reihenfolge der Startnummern sind sie nachfolgend kurz beschrieben

1 Lucky Lion
Der Sieger des Mehl-Mülhens-Rennens aus dem Stall von Andreas Löwe ist seit Mai nicht mehr am Start gewesen und bisher nur über die Meile erfolgreich gewesen. Sein Vater High Chaparral  ist doppelter Derbysieger in England und Irland und verfügt über ausreichend Stamina. Aber die Mutterlinie bringt viel Fliegerblut mit und die wahrscheinlich fehlende Stamina wird sein größter Gegner sein.,

Wenn es Ioritz Mendizabal gelingt, Lucky Lion im Feld zu verstecken, hat er gute Platzchancen.

2 Sea the Moon
Der bei bisher 3 Starts ungeschlagene Sea the Stars-Sohn ist der derzeitige Derbyfavorit. Sein Trainer Markus Klug hat seinen Stall blendend in Form und führt die Statistik der erfolgreichen Trainer mit großem Vorsprung an.

Im Vorfeld hat es viel Aufregung um den Reiterwechsel gegeben. Wegen des Sturzes am Fronleichnamsrenntag in Frankfurt hatte man bedenken an der Fitness des ständigen Jockeys Andreas Helfenbein und verpflichtete den Belgier Christophe Soumillon als Reiter für das Derby.

Sea the Moon ist kein einfach zu reitendes Pferd. In der Union brach er in Front liegend über die ganze Bahn weg. Es fehlt ihm noch einiges an Reife und er erinnert mich sehr an den Röttgener Solo, der auch den vierten Start im Derby absolvierte und unter Peter Remmert Vierter wurde.  Er ist nicht an der Klasse gescheitert, sondern an der Unreife. Dazu dann ein Jockey, der das Pferd nur vom Rennfilm kennt – für mich keine glückliche Kombination.

3 Magic Artist
Der Gast aus München, im Besitz des Stalles Salzburg und vorbereitet von Wolfgang Figge ist souveräner Sieger im Bavarian Classic. Davor war er im  Metzler-Frühjahrspreis Dritter zu Sea the Moon und Speedy Approach. In München zeigte er sich dann deutlich verbesssert.

Für mich profitiert Magic Artist sicher auch von seiner größeren Rennerfahrung. Allerdings ist er nicht gerade wie ein Steher gezogen und das Rennen in München war nicht gerade schnell gelaufen. Deswegen eher ein chancenreicher Außenseiter.

4 Wild Chief
Der Doyen-Sohn ist auch gerade mal drei Rennen gelaufen. Sein dritter Start war der Prix du Jockey Club, das französische Derby, in dem er Vierter wurde. Allerdings war der Rennverlauf bzw. der Ritt von Fabien Lefebvre alles andere als glücklich. Mit etwas mehr Glück wäre Wild Chief wohl Zweiter geworden. Man muß hoffen, daß sein Reiter ihm dieses mal ein besseres Rennen serviert.

Für mich ist Wild Chief der Favorit.

5 Geoffrey Chaucer
Der Gast aus Irland ist wohl eine der großen Unbekannten in dem Derby. Zweijährig war er Sieger in den Beresford Stakes, einem Rennen der Gruppe 2. Dreijährig war er Dritter im Derby Trial von Leopardstown und im Epsom Derby kam er als 16. über die Linie. Diese Form will man in seinem Quartier nicht akzeptieren.

Sein Trainer Aidan O’Brien reist mit 7 Mann Gefolge zum Derby nach Hamburg. 2007 sattelte er den kurz vor dem Rennen verkauften Anton Chekhov im Derby, der Dritter wurde. Für die englischen Buchmacher ist Geoffrey Chaucer der zweite Favorit und er ist auf jeden Fall ein stark zu beachtendes Pferd. Man wird in Irland nicht 65.000 EUR auf den Tisch legen, wenn man sich keine Chancen ausrechnet.

6 Swacadelic
Der einzige Starter aus dem Bergheimer Quartier von J-P Cavalho, der in den Farben des Stalles Ullmann läuft. Sein Vater Adlerflug hat einen bemerkenswerten Start mit seinem ersten Jahrgang hingelegt Adlerflug war selbst auch kein Frühstarter und die beste Form vor dem Derby  war der Sieg im Derby-Trial von Hannover.

Auch wenn Swacadelic in der Union von Sea the Moon mit über drei Längen geschlagen war, zähle ich ihn zu den chancenreichen Kandidaten.

7 Born to Run
Nichtstarter

8 Speedy Approach
Eine alte Verbindung zwischen Andreas Wöhler und Jaber Abdullah ist wieder aufgelebt. Sein Vater New Approach war Sieger im Epsom Derby. Speedy Approach’s beste Form ist der zweite Platz zu Magic Artist im Bavarian Classic. Das dürfte hier nicht ganz reichen. Deswegen gehört er für mich in die Kategorie chancenreiche Außenseiter.

9 Pinzolo
Der Gast aus England und Vertreter aus dem großen Godolphin-Imperium hat keine allzu großen Formen im Marschgepäck. Aber der Sohn der deutschen Stallionlegende Monsun genießt in seiner Umgebung einiges Vertrauen, andernfalls hätte man keine 65.000,- EUR für die Nachnennung nach Hamburg überwiesen. Der Regen und der dadurch weiche Boden wird Pinzolo’s Chancen sicherlich steigern, aber mehr als ein chancenreicher Außenseiter wird er nicht sein.

10 Madurai
Zweijährig debutierte der Marju-Sohn im Arag-Junioren-Preis in Düsseldorf, war plaziert im Herzog von Ratibor-Rennen und im Winterfavoriten. Dreijährig war er in leichten Aufgaben einmal plaziert und einmal siegreich.

Mit diesen Formen im Marschgepäck kann man sich schwerlich einen Sieg im Derby vorstellen.

11 Weltmacht
Die Röttgener Stute ist die zweite Waffe aus dem Quartier von Markus Klug. Der Trainer sagt aber selbst, daß ihre Arbeitsleistungen unter denen von Sea the Moon sind. Der zweite Platz im Diana-Trial in Hoppegarten ist sicherlich eine gute Form, um aber gegen die Hengste zu bestehen, muß die Weltmacht einiges mehr bieten.

12 Chartbreaker
Mit drei Starts gehört der Shirocco-Sohn zu den bisher wenig geprüften Pferden im Derby-Feld. Bestes Ergebnis war ein vierter Platz in der Union. Auch wenn ihm wahrscheinlich der weiche Boden entgegen kommen wird, gehört Chartbreaker  zu den Außenseitern im Feld.

13 Giant’s Cauldron
Der Ebbesloher Peintre Celebre-Sohn ist bisher noch sieglos. Im Iffezheimer Derby-Trial war er Zweiter zu Sirius, in der Union nach unglücklichem Rennverlauf Siebter. Ich kann mich nicht erinnern, daß ein Siegloser schon einmal das Derby gewonnen hat und Giant’s Cauldron wird das sicher nicht ändern. Für eine Plazierung müßte er die Vorformen deutlich steigern.

14 Amazonit
Der Kamsin-Sohn im Besitz des Gestüt Karlshof ist auch ein bisher wenig geprüfter Kandidat.  Amazonit war Sieger im Bremer Derby-Trial, aber das dürfte hier nicht wirklich reichen.

15 Karltheodor
Auch wenn der Desert-Prince Sohn einen großen (Vor)Namen trägt, gehört er mit einem Sieg in der Sieglosenklasse und einem fünften Platz im Frankfurter-Metzler-Preis zu den Außenseitern im Rennen.

16 Open your Heart
Zwei Starts, ein Sieg beim Debut in der Maiden-Klasse und ein fünfter Platz in der Union sind die Formen des Samun-Sohns aus Karlshofer Zucht. Eigentlich ein ziemlicher Außenseiter, aber  mit einer ähnlichen Form ist Wild Chief nach Paris zum Prix de Jockey Club gereist und nach schlechtem Rennverlauf mit einem vierten Platz nach Hause gekommen.

Open your Heart ist Riesenaußenseiter, aber einen Fünfer als die verrückte Wette des Tages sollte man ihm mitgeben.

17 Russian Bolero
Er ist rechter Bruder zu Russian Tango, der 2010 durch eine nicht unumstrittene Disqualifikation Dritter im Derby wurde und insgesamt ein sehr gutes Rennpferd war. Aber ob der Bolero so gut ist, wie der Tango, darf derzeit noch bezweifelt werden. Er geht als Siegloser  in den Kampf um das Blaue Band und hat allenfalls Außenseiterchancen.

18 Baltic Storm
Zwei Starts und ebenso viele Plätze, davon ein Dritter im Bremer Derby-Trial stehen im Rekord des Kandahar Run Sohnes. Er ist einer der großen Außenseiter im Feld. Ein Platz unter den ersten Fünf wäre eine Riesenüberraschung.

19 Eric
Zweijährig war der Tertullian-Sohn Sieger im Iffezheimer Ferdinand Leisten-Memorial, dem höchstdotieren Zweijährigen-Rennen Deutschlands. Dreijährig hat er einige gute Plazierungen  in Derbyvorprüfungen erzielt. Trotzdem ist er einer der großen Außenseiter im Feld.

20 Amorous Adventure
Der Poseidon-Adventure-Sohn gehört mit seinen sieben Starts zu den Pferden m,it viel Rennerfahrung, aber ein Sieg in der Maidenklasse und ein Vierter Platz im Bremer Derby-Trial  sind für eine Plazierung im Derby einfach zu wenig.

Neben den Vorformen ist die Entwicklung der Pferde vom letzten Start bis zum Derby manchmal der entscheidende Faktor. Manche Pferde erleben im Frühsommer noch einmal gewaltige Entwicklungsschübe und übertreffen die Vorformen deutlich. Auch deswegen stellte der Deutsche Meistertrainer Heinz Jentzsch einmal fest, daß das Derby wie Königsberger Klopse ist, da ist alles drin.

Läßt man mögliche Überraschungen einmal beiseite, dann sind Wild Chief, der Favorit Sea the Moon, mit Einschränkung Swacadelic und wegen leichter Zweifel am Stehvermögen auch Lucky Lion die Favoriten in diesem Rennen. Wobei ich Wild Chief vor Sea the Moon sehe. Wenn Geoffrey Chaucer in Epsom wirklich einen Aussetzer hatte, ist er das zu schlagende Pferd.

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Reiterwechsel auf Sea the Moon

Es ist heute wie eine Bombe eingeschlagen, daß Andreas Helfenbein als Stalljockey für das Gestüt Görlsdorf Sea the Moon nicht im Derby reiten wird. Trainer Markus Klug begründet dies mit Konditionsproblemen von Helfenbein als Folge seines Sturzes in Frankfurt am Fronleichnamsrenntag. Nach einem ärztlichen Attest ist die erlittene Verletzung aber längst ausgeheilt. Man konnte es schon fast ahnen, als Helfenbein am Montag in Chantilly von Adrie de Vries vertreten wurde.

Nun steht es jedem Besitzer frei, den Jockey seiner Wahl auf das Pferd zu setzen und besonders im Rennen der Rennen, dem Derby soll man keinen Fehlgriff tun. Fatal, wenn der Steuermann im richtigen Moment nicht reiten kann, weil ihn ein Wehwehchen drückt. Galopprennen sind Hochleistungssport, auch für die Reiter.

Es wundert aber, daß diese Entscheidung so kurzfristig erfolgt, wo alle interessanten Ritte für das Derby vergeben sind. Man darf gespannt sein, wie viele gute Ritte Andreas Helfenbein diese Woche in Hamburg abliefern wird.

Kondition ist die eine Sache, aber die Kenntnis des Pferdes soll man nicht unterschätzen und da hat das Paar Helfenbein / Sea the Moon in der Vergangenheit schon gezeigt, daß sie sich vorzüglich verstehen und das kann manchmal mehr wert sein, als ein wenig Kondition.

Sachlich alles in Ordnung – aber guter Stil ist anders, ganz anders!

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Hamburger Derbywoche gestartet

Heute ist die Derbywoche in Hamburg gestartet. Volker Linde vom Vorstand des Hamburger Rennclubs hat dazu vor einigen Tagen eine Vorschau gegeben, wie ich hier leicht modifiziert wiedergebe.

Für die ersten Renntage war das Nennungsergebnis überwältigend. So werden wir voraussichtlich die sehr guten Starterzahlen des Vorjahres noch einmal übertreffen und liegen momentan bei deutlich über 10 Startern im Schnitt

Nun einige Informationen, die am Rande des Sports ebenfalls wichtig sind:

Im Derby muss wahrscheinlich ausgeschieden werden, es werden wohl alle 20 Startboxen gefüllt.

Die Rennbahnprüfungskommission bezeichnet das HH Geläuf als “hervorragend”
Die Bremer Freunde haben uns erneut ihre Startmaschinen zur Verfügung gestellt. Dafür vielen Dank. Die Maschinen wurde bereits im Sondertransport durch die Spedition Holler nachts nach Hamburg verbracht und sind gestern vom Starter abgenommen worden.
Prinz Abdullah, einer der größten Besitzer im Galoppsport, wird persönlich nach Hamburg kommen und sein Derbypferd live starten sehen.

Dr. Oetker hält die Derbyrede beim traditionellem Derby-Dinner.

Die ARD übertägt direkt von der Bahn das Derby und einen Gesamtbericht.

Die Hamburger Politik beweist ihre Verbundenheit und den Schulterschluß mit dem HRC indem an jedem Renntag ein Senator vor Ort sein wird. Am Derbytag wohl der Wirtschaftssenator der Freien und Hansestadt Hamburg kommen. Angemessen wäre allerdings der erste Bürgermeister der Hansestadt.

Der HSV kommt am Dienstag mit voller Mannschaft, Trainer und Präsidenten

Und zum Schluss der absolute Hammer: Altbundeskanzler Helmut Schmidt, der Mann, der als Verteidigungsminister damit drohte Panzer auf den Rathausplatz in Hamburg auffahren zu lassen, wenn jemand die Finger nach dem Hamburger Derby ausstreckt, der Mann, der als Kanzler regelmäßig zum Derby kam, der als Verteidigungsminister kurz vor dem Derby mit dem Bundeswehrhubschrauber landete, kommt trotz Seines hohen Alters dieses Jahr zu Hamburger Derby! In die neu geschaffene Raucherlounge auf der Tribüne. Standing Ovation garantiert

Am Sonntag heißt es dann: The Flag is up. Mit einem toll besetzten 10 Pferde Lucky Speed Hansa Preis.

Am Montag dann die Startboxenauslosung in der Spielbank Hamburg an der Esplanade

Boxen auf zur Hamburger Rennwoche. Mal gucken, wieviel Ittlinger laufen werden.

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2. Juni 1954

Mittwoch, D-Day auf den Downs von Epsom. Favorit war Rowston Manor mit 5/1 aus dem Stall von F W Dennis und geritten von D. Smith. Landau aus dem Stall der Königin stand 100/7 bei den Buchmachern. Rowston Manor wurde Siebter, die königlichen Farben gingen als Achter über die Linie. Es sollte der erste ganz große Erfolg des gerade 18 Jahre alten Lester Piggott werden.

Große Rennen hatte der junge Reiter aus einer Rennsport-Dynastie schon vorher gewonnen. 1951 ritt er, gerade einmal 15 Jahre “alt” mit Mystery IX den Sieger in den Eclips Stakes von Sandown. Damals wie heute gehörte das Rennen zu den bedeutendsten Rennen Englands. Seine Visitenkarte hat er in Epsom ebenfalls 1951 abgegeben, als er mit Zucchero die Blue Riband Trial Stakes gewann, ein Jahr später wurde der von Piggott gerittene Gay Time Zweiter im Epsom Derby und 1953 ritt er mit Zucchero den Sieger im Coronation Cup in Epsom. Seinen ersten Royal Ascot Sieger ritt er ebenfalls 1953 mit Absolve in der Gold Vase (heute Queen’s Vase).

Ein Unbekannter war Lester Piggott schon damals nicht mehr. Es sind nur wenige Jockeys, die in so jungen Jahren schon Sieger in den bedeutenden Rennen des englischen Turfs geritten haben.

Das Epsom Derby galt damals wie heute als eines oder als das wichtigste Rennen der Welt. An jenem Mittwoch im Juni 1954, heute vor 60 Jahren ritt Lester Piggott mit Never Say Die seinen ersten Sieger im Derby. 33/1 zahlte der Wettmarkt für den Außenseiter, die längste Quote, die es jemals auf einen Piggott-Sieger im Epsom-Derby gab, zwei Längen – Hals lautete der Richterspruch. Acht weitere Epsom-Derbys sollten folgen und Teenoso war 1983, fast 30 Jahre nach seinem ersten Erfolg sein letzter Sieger im Epsom-Derby. Kein anderer Jockey hat bisher mehr Sieger im englischen Derby geritten und vielleicht ist sein Rekord mit neun Siegern sogar für die Ewigkeit.

Heute gilt Lester Piggott als einer der Besten oder vielleicht sogar der Beste Jockey aller Zeiten und Länder. Er perfektionierte den von Todd Sloan “erfundenen” Hocksitz, schnallte sich die Bügel früh kürzer, als alle anderen Jockeys und stand mit waagerechtem Oberkörper über dem Pferd und auch als seine Kollegen ihn kopierten und die Bügel ebenfalls kürzer schnallten, blieb sein Stil einmalig. In jedem Feld konnte man Piggott am Reitstil erkennen.

Er war ein Genius im Sattel, der als sehr starker Finish-Reiter galt. Unvergessen für mich das Derby 1977, das er mit The Minstrel gegen Hot Grove mit Bill Carson im Sattel gewann. Das Derby wurde damals Live im Deutschen Fernsehen übertragen, es war ein Finish auf Biegen und Brechen und erst ganz zum Schluß brachte Piggott The Minstrel in Front. Aber eigentlich war sein viel größere Genius seine enorme Übersicht im Rennen und das Gefühl, das er für das Pferd hatte. Er wußte, wieviel “unter ihm” noch im Tank war. Als er mit Nijinsky 1970 das Leger in Doncaster gewann und die Triple-Crown perfekt machte, forderte er Nijinsky zweimal mit der Peitsche auf und lange bevor er in Front war, steckte er die Peitsche wieder weg und ritt mit den Händen nach Hause – lange vor der Linie spürte er, daß es reicht. Kaum ein Reiter heute würde das machen, lieber die Peitsche “zur Hand” haben, wenn es doch nicht reichen sollte oder eng werden könnte.

Der weitere Weg von Piggott als Jockey ist tausendmal beschrieben, schon bald Legende und hat mehrere Bücher gefüllt – aber heute vor 60 Jahre war der erste ganz große Sieg für den damals jungen Reiter fällig und der “Maestro” ist inzwischen auch schon 78 Jahre alt.

Derby 1954

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In Memoriam Baron Johann Matthias von der Recke

Am vergangenen Samstag ist Baron Johann Matthias von der Recke gestorben.

Als Aktiver hat er bei 172 Ritten 28 Sieger geritten. Aber Baron Recke war nicht nur im Rennsattel aktiv, sondern auch im Militarysattel. Die Pferde und die Reiterei waren für viele Jahre ein wichtiger Bestandteil im Leben des Juristen.

Seine Präsidentschaft von 1984 bis 2003 kann man als eine der großen Zeiten des Amateurrennsports in Deutschland bezeichnen und das gilt nicht nur für die Zeit nach dem Krieg. Die Liste der erfolgreichen Reiter in dieser Zeit ist lang. Auch wenn viele erfolgreiche Reiter teilweise mit familiärem Hintergrund in den Sattel stiegen, brauchten sie Rennen um zu reiten. Es war die Zeit, wo ca 8% bis 10% der in Deutschland gelaufenen Rennen als Amateurrennen ausgeschrieben waren und die Gewichte waren so, daß auch die Herren in den Sattel steigen konnten. Baron Recke war ein unermüdlicher Klinkenputzer für die Sache des Amateurrennsports, ob bei Sponsoren oder bei den Rennvereinen. Es gab eigentlich keine Bahn  in Deutschland, auf der keine Amateurrennen gelaufen wurden und es waren nicht nur die Basis-Rennen, in denen nur Amateure in den Sattel stiegen. Hamburg schuf in dieser Zeit z. B. den Hanse-Merkur-Cup, einem gut dotierten Rennen für Amateurrennreiterinnen. Dazu kamen viele internationale Championate deutscher Reiter, Matthias Keller, Andreas Schütz, Viktoria Furler,  Karin Schlick und Julia Will wurden in dieser Zeit Weltmeister der Amateure, dazu noch den Siver Spur für die Weltmeisterschaft auf der Flachen für Ronnie Lüdtke.

Damals hatte der Hindernissport in Deutschland noch eine ganz andere Bedeutung und eine erheblich Zahl der Sieger und Plazierten in den großen Jagdrennen wurden von Amateurreitern geritten. Einige dieser erfolgreichen “Hindernis-Amateure” haben den Weg in das Profi-Lager gefunden. Zu erwähnen ist hier besonders Peter Gehm, er startete seine großartige Karriere als Amateur und setzte sie danach im Profi-Lager fort. Er war u. A. vierfacher Siegreiter in der Großen Steeplechase von Pardubitz.

Von 2001 bis 2003 war er zusätzlich Präsident der Fegentri, der Federation of Gentlemen Riders, dem Weltverband der Amateurrennreiter. Außerdem war er viele Jahre Justitiar des Direktoriums für Vollblutzucht und Rennen.

1996 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande für seine Verdienste um den Rennsport und besonders um den Amateurrennsport verliehen. Nach seiner aktiven Präsidentschaft wurde ihm das Amt des Ehrenpräsidenten angetragen, was er natürlich gerne angenommen hat.

Mit Baron von der Recke verliert nicht nur der Amateurrennsport eine große Persönlichkeit. Es ist wieder einer von den “Alten” die sich mit großem Engagement für den Amateurrennsport eingesetzt haben.

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Rennpreise

In Lingfield wurde heute der “Championship-Day” der Sandbahn gelaufen. Sieben  Rennen, zur  Eröffnung ein Lehrlingsreiten mit 50.000 Pfund, danach 5 Rennen mit jeweils 150.000 Pfund und zum Abschluß die “Easter Classic All-Weather Middle Distance Championships Conditions Stakes” mit 200.000 Pfund Dotierung. Titelsponsoren der Rennen waren verschiedene Buchmacherfirmen. Eine runde Millionen Pfund Geldpreise wurden heute in Lingfield ausgeschüttet.
Zum Vergleich, in Bremen wurden heute 37.000 EUR Geldpreise ausgezahlt. Über das lange Osterwochenende werden in Deutschland insgesamt 327.850 EUR Geldpreis gezahlt. Dabei sind insgesamt zwei Rennen mit der grandiosen Dotierung von 2.000,- in den Rennprogrammen zu finden. Eine Dotierung, die für eine A-Bahn eigentlich unterirdisch ist. Sonsbeck als Alleinveranstalter am Ostersonntag in NRW ist dabei nicht berücksichtigt. Ein Provinzbahn am Niederrhein als Alleinveranstalter in NRW am Ostersonntag spricht Bände!

Natürlich gibt es in England genauso Renntage mit einem unterirdischen Rennpreisvolumen von 30.000 oder 40.000 Pfund für den Renntag insgesamt. Aber es gibt eben auch Renntage, an denen richtig viel Geld verdient werden kann. Wieviel Renntage gibt es denn in Deutschland, an denen 1.200.000 EUR ausgeschüttet werden?

Der Rennsport ist in England fast genauso unprofitabel wie in Deutschland. Aber der psychologische Effekt solcher Hochpreisrenntage dürfte enorm sein. Es sind eher die kleinen Besitzer, die hier laufen und wer da einen Siegpreis von fast 100.000 Pfund gewonnen hat, der wird das noch sehr lange am Stammtisch erzählen und das ist die Werbung, die der Sport braucht – auf der Insel und auf dem Kontinent! Über 4.000 EUR im Auslgeich III werden wohl eher nicht so viele Worte verloren werden!

Man muß sich nicht wundern, wenn der Rennsport in Deutschland auf ganz kleiner Flamme vor sich hinköchelt.

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Bürgerinitiative zum Erhalt der Frankfurter Rennbahn gegründet

Inzwischen hat sich für den Erhalt der Frankfurter Rennbahn eine Bürgerinitiative gegründet.
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Am ersten Renntag des Jahres sollen ungefähr 1800 Besucher auf der Bahn gewesen sein und davon sollen 1000 für den Erhalt der Rennbahn unerschrieben haben. 1800 Besucher für einenc Wochenrenntag mit “Brot und Butter” Rennen ist ein guter Wert und davon haben über 50% unterschrieben. Wie sagte Bürgermeister Cunitz in einem Interview mit dem HR so schön: Er sei sicher, daß die Frankfurter Bürger hinter dem DFB-Zentrum stehen würden.  Er hätte wohl Frankfurts Bürger besser vorher einmal gefragt und vor allem die direkt betroffenen Bürger in Niederrad. Aber das paßt dann ja nicht zu den geheim geführten Verhandlungen.
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Wenn die Initiatorin Pamela Leisterer genug Helfer aktivieren kann, wird die BI am  Metzler-Renntag  viele Unterschriften bekommen!
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Auf der Webseite der BI können Unterschriftenlisten herunter geladen werden.  Ebenso ist doch ein interessanter Beitrag auf Sky verlinkt, wo beide Seiten zu Wort kommen.
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Die Frankfurter Rundschau hat in der Ausgabe vom Mittwoch ebenfalls darüber berichtet
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Die Zukunft der Frankfurter Rennbahn

Geht es nach dem Willen der Magistrats, wird der Galopprennsport Ende 2015 in Frankfurt nach über 150 Jahren Geschichte sein. Die am Freitag veröffentlichte Pressemitteilung zum Bau des DFB-Leistungszentrums ist beschämend. Der Rennverein, der Rennsport werden dort nicht mit einer Silbe erwähnt.
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Dabei sind es doch die Grünen, die immer wieder von kultureller Vielfalt sprechen, die den Schutz von Minderheiten und Randgruppen, ganz gleich welcher Art und Herkunft sie auch immer sein mögen, einfordern und dies an vielen Stellen im Parteiprogramm formuliert haben. Traditionen müssen bewahrt werden, denn die Kenntnis der Historie ist erforderlich, um die Zukunft zu gestalten. Aber ganz offensichtlich gilt dies für die Grünen nur dann, wenn es Randgruppen und Minderheiten sind, die in das Weltbild der Grünen passen.
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Bürgermeister Cunitz als der oberste Repräsentant der Grünen im Frankfurter Römer hat dies in in der Art, wie es in der Pressemitteilung formuliert wurde, sehr deutlich zum Ausdruck gebracht. Institutionen und Sportarten, die nicht in das Grünen-Weltbild passen, müssen eben beiseite und drei Schritt zurück treten, wenn es von Multi-Kulti gefordert wird. Sie werden auch nicht um Ihre Meinung gefragt, sie erhalten kaum die Möglichkeit, eine Stellungnahme abzugeben, sie haben sich einfach zu fügen! Ich möchte jetzt keine historische Parallele ziehen, das möge jeder für sich selber machen.
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Es werden die Schulden thematisiert, die der Rennverein angeblich bei der Stadt hat, die ausstehenden Zahlungen an den Rennverein werden dabei aber gar nicht erwähnt. Ich nenne bewußt keine Summe, weil die Zahlen mir nur vom Hörensagen bekannt sind. Ich stelle diese Zahlen aber trotzdem wieder in Relation zu den 38 Mio, mit der die Frankfurter Oper jährlich subventioniert wird stelle dazu die Frage, mit welchen Summen andere Großveranstaltungen wie Marathon etc. Jährlich subventioniert werden.
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Ich habe mich in der Frage, ob das Rennbahngrundstück einmal im Eigentum von Frankfurts großer Gönner-Familie v. Weinberg war, sehr weit aus dem Fenster gelehnt. Es war im Rennsport quasi eine feststehende Tatsache, daß die Rennbahn einmal Weinberg-Besitz war und daß sie im Rahmen der Enteignungen jüdischen Besitzes 1938 in den Besitz der Stadt gelangt ist. Es gab bisher keinen Anlaß, diese “historische Aussage”, die immer wieder einmal durch mündliche Überlieferung bestätigt wurde, zu bezweifeln.
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Man mag einwenden, daß man das hätte prüfen müssen, bevor man es in der von mir betriebenen Art öffentlich kommuniziert. Auch dieser Einwand ist richtig, aber bei dem von der Stadt vom Zaun gebrochenen “Blitzkrieg” war dies leider aus zeitlichen Gründen kaum möglich und zweitens ist es nicht so einfach, mal eben die Grundbücher auf frühere Eigentümer zu prüfen. Das Grundbuch gibt ja nicht nur Auskunft über die Eigentümer eines Grundstücks, sondern enthält vielfältige Informationen, aus denen auch Informationen über die wirtschaftlichen Verhältnisse des Eigentümers geschlossen werden können. Auch deswegen ist das Grundbuch nicht allgemein zugänglich. Man muß ein berechtigtes Interesse nachweisen, um Einblick zu erhalten.
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Herrn Dr. Alexander von der FAZ, der am 21. März einen Artikel auf der Webseite der FAZ veröffentlicht hat, in dem er diese Thematisierung der Rennbahnenteignung aufgegriffen hat, sei deswegen von meiner Seite ausdrücklich zugesichert, daß dies nicht in falscher Absicht geschah, sondern der lediglich den zuvor beschriebenen Umständen und Informationen geschuldet ist.
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Wolfgang Niersbach als Präsident des DFB hat erklärt, daß er andere Sportarten nicht verdrängen möchte, aber als ihm die Rennbahn angeboten wurde, habe er natürlich nicht abgelehnt.
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Reden und Handeln scheint beim DFB sehr unterschiedlich zu sein. Nach Informationen in diversen Medien soll die Bauplanung fast fertig sein. Ein solches Großprojekt plant man nicht in kurzer Zeit, dafür ist ein Vorlauf von mindestens einem Jahr erforderlich. Während dieser Zeit  hat der DFB absolutes Stillschweigen bewahrt, hat keinen Kontakt mit dem Rennverein gesucht und damit auch nicht die Möglichkeit einer Nutzung durch beide Sportvereine zur Diskussion gestellt.
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Der Fußball. ist heute die dominierende Sportart in Deutschland, was sich auch in der Fernsehberichterstattung niederschlägt. Andere Sportarten wie Einshockey oder Handball etc. sind immer weniger medienpräsent.
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Was nützt da die Aussage von Präsident Niersbach, daß man andere Sportarten nicht verdrängen möchte. Man tut es täglich, ob bewußt oder unbewußt ist dabei egal. Die Fakten sind eben anders, als Präsident Niersbach glauben machen möchte. Und für den Galoppsport in Frankfurt und damit in Hessen trifft das jetzt in besonders drastischer Weise zu. Mit einem Federstrich will der DFB eine bedeutende deutsche Rennbahn, die einzige in Hessen zur Geschichte machen. Über 150 Jahre Geschichte sollen nicht mehr präsent sein. Alte Rechte interessieren nicht – gewachsene Strukturen interessieren nicht. Wenn es dem DFB gefällt, müssen andere Sportarten weichen, einen Schritt beiseite treten und Platz machen für “König” Fußball. Sportdarvinismus im frühen 21. Jahrhundert, wie es dem DFB gefällt?
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Der Sport in Deutschland lebt von seiner Vielfältigkeit, von den großen Massensportarten und von weniger Populären Sportarten. Dabei dürfte der Galoppsport in Deutschland nach dem Fußball die meisten Zuschauer der Dauerveranstalter sein. Monokulturen waren immer schädlich, das weiß jeder Landwirt. Eine gewisse Zeit hat man damit Erfolg, aber wenn der Boden kippt und dann noch die Kultur von einem Schädling befallen wird, dann ist es vorbei. Der Fußball tut deswegen gut daran, andere Sportarten nicht vollständig zu verdrängen.
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Es bleibt das Erbe der Weinbergs. Nach die inzwischen hier vorliegenden Informationen war die Rennbahn nie im Weinberg-Besitz gewesen und es gibt auch keine diesbezüglichen Verfügungen über eine zukünftige Verwendung des Geländes. Herrn Dr. Alexander von der FAZ sei an dieser Stelle ausdrücklich Dank für die investierte Zeit zur Klärung des Sachverhalts ausgesprochen. Es war seit Freitagnachmittag ein sehr erfrischender und fruchtbarer Mailwechsel, in dem die verschiedenen Grundstücke der Weinbergs geklärt wurden.
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Für einen Vollblutmann waren die Weinbergs erst einmal die Herren auf Waldfried, die mit Festa gleich zu Beginn ihrer züchterischen Karriere eine Superstute gekauft haben und damit großen züchterischen Erfolg hatten. Den züchterischen Erfolg Waldfrieds und den Einfluß auf die deutsche Vollblutzucht kann man nicht mal eben beschreiben, dieser war schon Gegenstand verschiedener Bücher.
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Darüber hinaus waren die Weinbergs auch Gönner der Stadt Frankfurt und sie hatten jüdische Wurzeln. Auch das war mir bekannt. Welchen Umfang diese Gönnerschaft aber hatte, ist erst deutlich geworden, als ich mich im Zuge der Rennbahnaffäre etwas intensiver damit beschäftigt habe.  Die Summen und die Vielzahl der Aktivitäten der Weinbergs sind so umfassend, daß man auch sie her nicht in einem kurzen Abschnitt “mal eben” beschreiben kann. Durch ihren wirtschaftlichen Erfolg waren Sie nicht nur ein großer Arbeitgeber in Frankfurt, sondern sie sorgten auch für eine kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. Herausragend war ihr Engagement bei der Gründung der Universität. Die Gesellschafter von Cassella, die Familien Weinberg und Gans gaben als Gründungskapital die damals enorme Summe von 1,6 Mio Mark damaliger Währung. Rechnet man diesen Wert – ziemlich vereinfacht – mit dem Jahreseinkommen der Arbeiter im produzierenden Gewerbe auf heutige Verhältnisse hoch, dann kommt man auf die enorme Summe von rund 46 Mio Euro. Als Einzelspende von den Weinbergs für die Gründung der Uni!
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Frankfurt hatte wohl kaum einen größeren Gönner als die Familie v. Weinberg, aber nach dem Krieg tat man sich erst mal schwer mit diesem Erbe. Die Grundstücke wurden zwar zurück gegeben, was mit den Industriebeteiligungen geschah, konnte nicht ermittelt werden.  Jedenfalls waren die Weinbergs erst einmal nicht mehr wohlhabend, denn sie konnten die zurück gegebenen Grundstücke nicht mehr in Besitz nehmen, weil sie die von der Gemeinde erhobenen Grundsteuern nicht bezahlen konnten, so eine Quelle im Internet.
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Es dauerte dann bis 2010 bis der Wissenschaftler Dr. Arthur von Weinberg seine Straße bekam.
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Aber nicht nur in Niederrad ist Weinbergs Erbe und Ihre Leidenschaft für den Rennsport in Frankfurt noch allgemein bekannt. Die Pferde, die Vollblutzucht und der Galopp-Sport waren die große Leidenschaft der Gebrüder Weinberg – und auch ohne Namen ist die Rennbahn ein Platz, der darauf hinweist.
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Schließlich geht es noch um den Galopprennsport nicht nur in Frankfurt. Den Galoppsport plagen viele Probleme. Teilweise sind sie hausgemacht, teilweise auch durch staatliche Vorgaben. Nach der Neureglung im Sportwettenbereich sollte der Rennsport einen Steueranteil auf in Deutschland angenommene Pferdewetten erhalten. Eine entsprechende Regelung ist bis heute noch nicht formuliert.
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Bei allen Problemen muß auch erwähnt werden, daß der Rennsport als Dauerveranstalter in Deutschland nach dem Fußball wohl den größten Zuschauerzuspruch hat und weltweit eindeutig die Nummer 1 ist!
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Zu den guten Zeiten wurden in Erinnerung an die Größen des Rennsports vergangener Tage zur Erinnerung Memorials gelaufen. Das Weinberg Memorial ist in Frankfurt letztmalig 2000 als wichtiges Rennen gelaufen worden. Damals wurden die Rennpreise vor allem aus den Wettumsätzen bezahlt und der Rennverein konnte frei bestimmen, welchen Titel ein Rennen trug. Vor allem für die besser dotieren Zuchtrennen ist man heute auf Sponsoren angewiesen und die wollen dann natürlich auch im Titel erscheinen. Aus finanziellen Gründen ging damit ein eigentlich wichtiger Teil der eigenen Traditionspflege verloren.
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Natürlich sind viele interne Fehler gemacht worden. Man hat viel zu spät auf Veränderungen regiert, hat sich auch von anderen Wettanbietern die Butter vom Brot nehmen lassen, was einen Einbruch bei Rennpreisen und Anzahl der Rennen in Deutschland zur Folge hat. Aber man beginnt, die Hausaufgaben zu machen. Und im Moment ist im Sport die Stimmung so gut, wie sie schon lange nicht mehr war.  Entscheidend ist, daß die Wettumsätze wieder besser werden und das mehr Sponsoren gewonnen werden können.
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Der Frankfurter Rennclub war besonders gebeutelt. Wichtige Sponsoren vielen weg und es drückten die Schulden aus dem Tribünen-Neubau. Der Hotelbau kam nicht voran und es gab viele andere Probleme – eben die allgemeinen Probleme des Galoppsports in Deutschland.
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Der neue Verein soll auf gutem Wege sein. Öffentlich wird kommuniziert, daß im letzten Jahr keine Verluste entstanden seien. Das läßt auch auf eine Erweiterung des Rennbetriebs für die Zukunft hoffen, mehr Renntage, mehr Präsenz in den Medien und eine bessere Nutzung der Anlage.
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Schließlich bleibt noch die Rennbahn. Inzwischen hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die für den Erhalt “ihrer “ Niederräder Rennbahn kämpfen will. Die Rennbahn ist im Stadtteil nicht nur Sportarena, sondern eben auch eine Grünfläche in der Innenstadt, weitgehend frei zugänglich und auch der Platz lokaler Veranstaltungen in Niederrad. Dies würde weitgehend wegfallen, wenn der DFB dort seine Paläste baut!
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Bisher hat es nur eine Absichtserklärung von DFB und Stadt gegeben. Beide Parteien sollten sehr dringend noch einmal überdenken, ob sie wirklich 150 Jahre Tradition mal eben wegwischen wollen!!
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Die Weinbergs – Frankfurts große Gönner

Durch die Grundstücksfrage um die Frankfurter Rennbahn habe ich in den letzten Tagen viel um die Familien v. Weinberg, Gestüt Waldfried und die Rennbahn recherchiert und gelesen.
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Wenn ich diese unglaubliche Großzügigkeit der Brüder und auch Ihrer Ehefrauen gegenüber der Stadt, der Bevölkerung und der Wissenschaft sehe, welche Summen dort mit welcher Selbstverständlichkeit gegeben wurden, wie die Villen von Carl und Arthur im WK I mal eben zum Lazarett umfunktioniert und Ärzte, Schwerstern und Medikamente auch gleich bezahlt wurden und dann sehe, wie diese herzensguten Menschen nach 1933 behandelt wurden, dann fällt das nicht leicht, die Tränen wegzudrücken.
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Ich frage mich auch, wenn ich die Entwicklungen und Erfindungen sehe, die aus der Cassella hervorgegangen sind, ob die Stadt Frankfurt wirklich weiß, welchen ungeheueren Wohlstand sie den Weinbergs zu verdanken hat. Weinberg hat nicht nur den Chemiestandort Frankfurt “gemacht”, sondern ist wohl neben den Leverkusen für den Chemiestandort Deutschland eine der großen Initialgeber gewesen.
Und dann konnte die Familie 1946 die Häuser erst mal nicht wieder in Besitz nehmen, weil sie die von der Gemeinde erhobenen Steuern nicht bezahlen konnte. Man faßt es manchmal nicht.
Ein recht aktueller Vortrag wurde von Hansjörg Vollmann Anfang 2013 gehalten. Für alle Interessierten stelle ich den hier einmal ein.
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Die Eigentumsfrage der Rennbahn harrt weiterhin der Klärung. Es ist verdammt schwierig!
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