55 Ritte hatte sie in diesem Jahr, sechs Sieger. Gleich der erste Ritt mit Angreifer war ein Siegritt und der Trainer führte sie persönlich zur Waage zurück. Wem wird diese Ehre schon zuteil. Und welcher Nachwuchsreiter darf schon die berühmten 4711-Farben des Gestüts Röttgen tragen. Ein Sieg mit dem Just4Turf-Pferd Humor war ein Traum, den sie sich früh erfüllen konnte.
Es war der Beginn einer Karriere, die eine gute Zukunft versprach. Der Rennsport in Deutschland ist international und so ist auch die Ausbildung der Nachwuchsreiter international. Wem Gott will eine rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt. Die Deutsche Jockey Schule organisiert den internationalen Austausch. Zuletzt waren die Nachwuchsreiter in Frankreich und haben dort geritten und jetzt war es ein Trip in Brasiliens Wirtschaftsmetropole, nach Sao Paulo. Ein internationales Nachwuchsreiten stand auf dem Programm. Was gibt es Schöneres für einen jungen Menschen als an internationalen Wettkämpfen teilnehmen zu können? Aber leider stand der Ritt von Sandra Eichenhofer unter keinem guten Stern. Das Pferd ging gegen eine Absperrung, mit der eine andere Linienführung gesperrt war. Soweit man es im Rennfilm erkennen kann, war es kein schlimmer Sturz, aber sie wurde wohl vom Pferd mit den Beinen getroffen, als sie zu Boden ging.
Nichts Schlimmes, so schien es zuerst. Ein paar gebrochene Rippen, aber das haut doch einen Vollblutprofi nicht um. Innere Verletzungen hatten die Ärzte bei der Untersuchung nicht festgestellt. Und so wurde sie aus dem Krankenhaus entlassen und fuhr ins Hotel. Offensichtlich hatte es neben den gebrochenen Rippen noch eine innere Verletzung gegeben, obwohl die Untersuchung keinen Befund hatte. Am folgenden Tag fühlte sie sich zunehmend schlechter, bekam einen Atemstillstand und wurde mit dem Rettungswagen sehr schnell ins Krankenhaus gebracht, aber dort kam sie nicht mehr an, sie verstarb auf dem Weg dorthin.
Schon der Unfalltod eines so jungen Menschen ist schlimm, aber die Umstände bei Sandra Eichenhofer sind noch schlimmer. Es war nicht der Tod auf dem grünen Rasen, es waren ein paar Blessuren und sie konnte auf eigenen Beinen das Krankenhaus verlassen und wußte nichts vom schleichenden Tod, der sie befallen hatte. Der Tod hat sie auf leisen Sohlen ereilt. Die Frage, ob es hätte anders gehen können, ist sicher berechtigt, ändert aber leider nichts mehr. Der Sport mit den Pferden ist der schönste Sport überhaupt, Rennen reiten ist einfach wunderbar und - aber manchmal ist der Sport so grausam, daß man es nicht in Worte fassen kann.
Der Familie und ihren Freunden meine aufrichtige Anteilnahme.









