Rekord-Dotierung im Cesarewitch

Das Ceasarewitch-Handicap gehört zu den „säulenheiligen Rennen” Britanniens über weite 2 Meilen und 2 Furlongs (3621m). Erstmals 1839 zu Ehren des damaligen Kronprinzen Alexander von Rußland, dem späteren Zaren Alexander II gelaufen, nachdem dieser dem Jockey-Club eine Spende in Höhe von 300 Pfund gemacht hat. Hört sich nach wenig an, war aber damals viel Geld. Der Sieger im englischen Derby bekam 1839 einen Siegpreis von 4100 Pfund und das Derby war das wertvollste Rennen in England.

In der Siegerliste finden sich einige respektable Deckhengste wie z.B. der Dark Ronald Sohn Son-in-Law oder Rose Prince aus Frankreich und es stand immer der Zeit entsprechend ziemlich viel Geld über dem Rennen.  In der jüngeren Geschichte haben sich auch einige deutsch gezogene Pferde in die Siegerliste eingetragen oder waren plaziert. Z.B. der Lando-Sohn Caracciola aus der Zucht von Andreas und Ilse Brunotte. Seit 2013 ist das Cesarewitch mit rund 245.000 Pfund, davon 155.000 für den Sieger dotiert. Abgesehen von Diana und Derby wäre es damit das wertvollste Rennen des deutschen Turfs.

Dieses Jahr engagieren sich die „Königsblauen“ (nicht die aus dem Pott) als Sponsoren und das Rennen ist mit 500.000 Pfund dotiert, der Sieger bekommt rund 307.000 Pfund. 33 Pferde gehen an den Start. Der Royal Hunt Cup mit rund 108.000 Pfund für den Sioeger und das Ebor-Handicap mit rund 177.000 Pfund das bisher höchstdotierte Handicap in Britannien erscheinen da geradezu bescheiden.

Ist das der Start für eine allgemeine Aufwertungsrunde im englischen Rennsport?

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Enable Doppelsiegerin im Arc

2017 gewann Enable den Arc als heiße Favoritin mit bequemen 2 ½ Längen. In der Vorbereitung für die Saison 2018 lief bei der Stute einiges nicht glatt. Sie kam erst in den September Stakes in Kempton Park in einer Gruppe-3 Prüfung dieses Jahr das erste mal an den Start und gewann souverän mit 3 ½ Längen. Trotzdem gab es einige Zweifel. Reicht die Form für den Arc und beim zweiten Start nach einem gutem Come Back nach einer langen Pause brechen viele Pferde ein, um nur zwei Argumente der Skeptiker zu nennen.

Aber sie strafte alle Zweifler Lügen. Nelson und Capri aus dem O’Brien-Quartier sorgten aus der Maschine heraus für Tempo. Frankie Dettori beorderte die Stute direkt an vierter/fünfter Stelle hinter den Pacemakern. ging eingangs der Gerade ruhig nach vorne und brachte den Vorteil gegen alle Angreifer noch knapp über die Linie. Sea of Class wurde von James Doyle strikt auf Warten geritten und war über den Weg letztes oder vorletztes Pferd. In der Geraden nahm er die Stute nach „mitte außen“ und fand dort seine Lücken, um nach vorne zu kommen, mußte aber auch eine Störung in Kauf nehmen, die vielleicht den Sieg gekostet hat. Am Ende war die Sea the Stars-Tochter eindeutig schnellstes Pferd und 50 Meter weiter hätte sie Enable überrollt. Aber das hilft nichts, der Pfosten steht da, wo er steht.

Dritter wurde Cloth of Stars, ein weiterer Sea the Stars-Sohn. Im Rennen lag er knapp vor Waldgeist, ging aber weiter außen und fand dadurch schneller eine Lücke, durch die er zeitig nach vorne kam. Waldgeist, der Sproß der Waldrun-Familie hatte ein deutlich schlechteres Rennen. Er ging im hinteren Mittelfeld innen an den Rails, fand erst mal keine Lücke, um nach vorne zu kommen und als Pierre-Charles Boudot dann eine freie Bahn gefunden hatte, muß er er zwei Störungen hinnehmen. Ohne diese Störungen wäre er sicher Dritter geworden, aber ob es für den Sieg gereicht hätte? Ich glaube eher nicht. Waldgeist ist ein sehr gutes Pferd, aber für einen Star fehlt ihm der letzte Schuß Klasse.

Capri als Pacemaker wurde Fünfter und war damit der Beste aus dem Ballydoyle-Quartier. Der Sieger, im Doncaster St. Leger, Kew Gardens wurde Siebter vor dem zweiten Pacemaker Nelson. Tiberian, der in deutschem Mitbesitz steht, wurde Zwölfter und Talismanic aus der französische Dependance der Godolphin-Flotte kam dahinter über die Linie.

Für Frankie Dettori war es der sechste Sieg im Arc, für John Gosden als Trainer der Dritte und für Khalid Abdullah als Besitzer ebenfalls der sechste Sieg in der großen Prüfung! Und am Ende war der Sieger auch ein Beweis für das Genie des Cambridge-Absolventen John Gosden, ein Pferd auch unter schwierigen Bedingungen mit einem Aufbaustart auf der Sandbahn für ein derart bedeutendes Rennen mit hochkarätigen Gegnern fit zu bekommen.

Damit ist Enable die achte Doppelsiegerin im Arc. 1920/21 war Ksar der erste Doppelsieger, Motrico 1930/32, Corrida 1936/37, Tantieme 1950/51, Ribot 1955/56, Alleged 1977/78 und Treve 2013/14. Motrico ist der älteste Arc-Sieger überhaupt. Bei seinem zweiten Erfolg war er siebenjährig und Ribot ist der einzige ungeschlagene Doppelsieger.

Aus deutschen Ställen gab es keinen Starter, uns fehlen im Moment einfach echte Klasse-Pferde und die Zuchtbasis ist im Moment einfach zu schmal um im Oberhaus der Champions-League mitreden zu können. Der schrumpfende Rennsport in Deutschland zeigt inzwischen auch deutliche Spuren in der Zucht.

Prix de l’Arc de Triomphe

Das Rahmenprogramm zum Arc, das auf vielen Bahnen aus Hauptprogramm durchgehen würde nachfolgend kurz skizziert.

Der einleitende Prix Chaudenay (Gruppe 2) über 3000m für die Dreijährigen sah mit dem Dubawi-Sohn Brundtland einen Godolphin-Vertreter, trainiert von Charlie Appleby und geritten von William Buick als Sieger. Zweite wurde Lillian Russell, einer Tochter der Be Fabulous (v. Samum) aus Karlshofer Zucht, die in den Farben von Godolphin den Prix Royal Oak gewonnen hat. Godolphin und Dubawi waren damit 1-2, Dritter wurde My Swashbuckler trainiert und in Besitz von Alain Couetil mit Ioritz Mendizabel im Sattel.

Prix Chaudenay

Das Auktionsrennen, mit stolzen 275.000 Euro dotiert, gewann der Reliable Man-Sohn Master Brewer mit William Buick im Sattel für Trainer Michael Bell und The Fitzrovian 2 / Fair Salina als Besitzer. Ein schöner Erfolg für den nun nicht mehr in Deutschland stehenden Hengst.

Im folgenden Prix Dollar (Gruppe 2) siegte Alignement für die Gebrüder Wertheimer mit Maxime Guyon im Sattel und trainiert von Carlos Laffon-Parias. Zweiter wurde der Godolphin-Vertreter Loxley aus dem Stall von Charlie Appleby und geritten von William Buick. Loxley ist das vierte und bisher erfolgreichste Fohlen von Lady Marian, die 2008 für das Gestüt Hachtsee den Prix de l’Opera (Gruppe 1) gewann und danach an Godolphin verkauft wurde. Dritter wurde Fabricate in den Farben von „ Sa Majesté la Reine d’Angleterre“, geritten von Christophe Soumillon. In England steht als Besitzer einfach „The Queen“, aber die Franzosen sind da ausgesucht höflich.

Prix Dollar

Im Prix Daniel Wildenstein (Gruppe 2) gab es einen englischen Dreifach-Triumph. Ostilio (Sheik Mohammed Obaid al Maktoum, Simon Crisford, Andrea Atzeni) siegte vor Oh this is us (Team Wallop, Richard Hannon, Christophe Soumillion) und Hey Gaman (Suiltan Ali, James Tate, Oisin Murphy). Vierter wurde Plumatic für die Brüder Wertheimer.

Prix Daniel Wildenstein

Im Prix du Cadran, der einzigen Gruppe-1 Prüfung am Samstag siegte Call the Wind aus dem Stall von George Strawbridge, trainiert von Freddy Head und mit Aurelien Lemaitre vor Holdthasigreen und Morgan Le Faye. Endlich mal ein französischer Einlauf, bei dem kein „Insulaner“ dazwischen funkte. Morgan Le Faye wurde in Deutschland von Dieter Bürkle gezogen und hat Lomitas zum Großvater.

Das „bunteste“ Pferd in diesem Cadran war sicherlich Max Dynamite aus dem Stall von Mrs S Ricci, trainiert von William Mullins in Irland. Dieses Jahr lief er in Cheltenham, Punchestown und Galway über Hürden, dazwischen im Ascot Gold Cup. Im November 17 wurde er Dritter im Melbourne-Cup. Die Starts über Hürden und den englischen Cup-Rennen wechseln sich bei ihm munter ab und er ist auf beiden Gebieten erfolgreich, was in dieser Klasse eher selten ist. Gezogen ist Max Dynamite aus der Monsun-Tochter Mascara aus Bona-Zucht.

Prix du Cadran

Den Prix de Royallieu (Gruppe 2) für die dreijährigen und älteren Stuten über 2500m gewann die Engländerin Princess Yaiza mit Andrea Atzeni im Sattel und trainiert von Gavin Cromwell in Irland. In dem ruhig gelaufenen Rennen mit 6 Startern zeigte Maroubra in sehr schön anzusehender Haltung und mit toller Galoppade lange den Weg, mußte aber schnell weichen, als es ernst wurde. Zweiter wurde die Rothschild-Stute Palombe vor Shahnaza aus dem Stall des Aga Khan.

Prix Royallieu

Von Samstag auf Sonntag trocknete der Boden weiter ab und wurde nach gut bis weich mit gut angegeben.

Der Sonntag wurde vom Prix Marcel Boussac, dem Criterium für die zweijährigen Stuten eröffnet. Es gewann die Style Vendome-Tochter Lily’s Candle für Martin Schwartz, trainiert von Fabrice Vermeulen mit Pierre-Charles Bodout im Sattel vor Matematica (Rock of Gibraltar) der in England trainierten Star Terms. Lily’s Candle und Matematica kamen beide vom Ende des Feldes mit viel Speed nach vorne – und es gab mehr als eine Rempelei auf der Geraden.

Prix Marcel Boussac

Der Prix Jean Luc Lagardere wurde von Royal Marine durch die Königsblauen nach England entführt und der derzeit nicht gerade von Erfolg verwöhnte Saeed bin Suroor konnte einen Sieger in einem großen Rennen vom Geläuf abholen. Zweiter wurde Gold Vibe aus dem O’Brien-Quartier, der lange vorne ging und eine gute Pace machte, vor Anodor aus dem Stall von Freddy Head. Royal Marine hatte sich früh in das Fahrwasser des Pacemakers gelegt und war Mitte der Geraden das besser gehende Pferd, aber für den Sieg mußte er kämpfen.

Prix Jean Luc Lagardere

Im mit einer Mio Euro dotierten Qartar Arabian World Cup siegte Aaley Al Magam als Totoschocker des Tages mit 641: 10 und 159:10 auf Platz.

Nach dem Arc waren im Prix de l’Opera über 2000m wieder die Stuten gefragt und es siegte aus deutscher sehr erfreulich die von Charlie Appleby vorbereitete die Dubawi-Tochter Wild Illusion mit William Buick im Sattel. Wild Illusion’s Mutter ist die in Fährhof gezogene Monsun-Tochter Rumh. Zweiter wurde Magic Wand aus dem O’Brien-Quartier vor Homerique aus dem Stall von Francis-Henri Graffard.

Winter Lightning mit Hector Coruch im Sattel machte vor Rhododendron die Pace und Wild Illusion lag im vorderen Mittelfeld, dahinter ging die Ullman Ste Well Timed in guter Haltung, Navarro- Girl von Peter Schiergen war fast am Ende des Feldes. In der Geraden ging Wild Illusion zeitig nach vorne, mußte aber fast bis zum Pfosten kämpfen, um Magic Wand in den Griff zu bekommen. Homerique kam mit starkem Speed nicht mehr an der Coolmore-Stute vorbei und With You verwies Well Timed auf den letzten 50m auf den fünften Platz. Navarro Girl hatte Mitte der Geraden einen starken Moment und ging einige Meter mit Well Timed Kopf-Kopf, mußte am Ende aber abreißen lassen.

Prix de l’Opera

Im Prix de l’Abaye de Longchamp über 1000 gerade Bahn gewann der Dutch-Art-Sohn Mabs Cross mit Gerald Moss im Sattel vor Gold Vibe und trainiert von Micael Dobbs mit einem Kopf vor Sildier’s Call mit einem kurzen Kopf. Battaash machte die Pace und wurde am Ende noch auf Platz vier verwiesen.

Prix de l’Abbaye de Longchamp

Im Prix de la Foret, dem letzten Gruppe-Examen des Tages waren mit Lael Stable,einem Fastnet Rock-Sohn, trainiert von William Haggas und geritten von Pierre Charles Boudot erneut die Engländer vorne. Mit Inns of Court aus dem Fabre-Stall und Dutch Connection, trainiert von Charles Hills waren die Godolphin-Farben 2-3. 300m vor dem Ziel war der Sieger noch am Ende des Feldes. Insgesamt war das Finish ziemlich ruppig und Polydream aus dem Wertheimer-Stall hat man innen die Bude ziemlich hart zugemacht.

Prix de la Foret

Das zweitägige Arc-Meeting war insgesamt ein britisches Festival. Von den elf gelaufenen Gruppe-Rennen (Araber-Rennen sind nicht berücksichtigt)wurden sieben auf die Insel entführt, ein Sieger kam aus Irland, so daß die Franzosen nur drei Rennen gewinnen konnten. Der Prix Daniel Wildenstein war dabei auf den Plätzen 1 bis 3 komplett in britischer Hand.

Es war auch sonst ein ungewöhnliches Arc-Meeting. Ohne einen Sieg von Aidan O’Brien, bei dem es dieses Jahr nicht wirklich rund läuft und auch der Aga Khan konnte keinen Sieger vom Geläuf abholen, aus das ist eine Seltenheit. Und dazu die Dominanz der englischen Ställe, die sich schon in Deauville abzeichnete, aber in dieser deutlichen Form eher selten war. Im Arc lief kein französisch gezogenes Pferd ins Geld, für France Galop war das so gesehen ein preiswerter Arc.

Dubawi stellte als einziger Hengst zwei Sieger in den Gruppe-Rennen des Arc-Meetings – und Galileo keinen, was auch eher ungewöhnlich ist.

Die neue Tribüne hatte die erste Bewährungsprobe an einem Großkampftag – und wenn man den Schilderungen in der Racing-Post glauben darf, hat sie diese nicht bestanden. Viele Besucher aus England und Irland äußerten deutlichen Unmut und wollen zum Arc nicht mehr nach Frankreich fahren. 35.000 Besucher sollen auf der Bahn gewesen sein, 2015 auf der alten Tribüne waren es nach Angaben der RP 52.000 Besucher und es gab keine Klagen. Ebenso wurden die drastisch angehobenen Eintrittspreise kritisiert. Der Anfang der Woche noch offene Link steht jetzt leider hinter der Bezahlschranke.

Für France Galop besteht wohl dringender Handlungsbedarf. Hat man dem Architekten zu viel Freiheit gelassen und wurde vor allem Design realisiert und auf die Funktionalität keinen Wert gelegt? Kann man im Frühjahr keine Verbesserungen vorweisen, könnte das für den Rennsport in Frankreich deutliche Auswirkungen haben!

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Gräfin Christine von Kageneck verstorben

Es ist lange her, daß ich Gräfin Kageneck kennen gelernt habe und es ist leider viel zu lange her, daß man sich noch einmal gesehen hat und jetzt ist sie im Alter von nur 69 Jahren verstorben.

Von 1976 bis 2001 ritt sie 69 Sieger. Zweimal war sie auf dem eigenen Asolo in Nancy 1995 im Rahmen der der Euro-American Challenge erfolgreich, in Newcastle war sie mit Murray’s Mazda Zweite in einem Rennen der Challenge. Geschlagen hat sie Chinour, der von dem Saarländer Torsten Schmeer geritten wurde.

Es war eine lange Phase des Aufschwungs für den Galopprennsport in Deutschland insgesamt und besonders für den Amateurrennsport, bei dem immer mehr Frauen in den Sattel stiegen. Und die guten Amateure waren damals auf der Hindernisbahn vielen Jockeys oft gleichwertig. Während ihrer aktiven Zeit im Sattel war sie auch immer aktiv für den Amateurverband und wenn es im Südwesten etwas zu organisieren gab, war sie immer dabei.

Die in Freiburg im Breisgau geborene Wahlfrankfurterin hatte ihre Pferde bei Hans-Georg Thalau in Training, die in der Regel in den Farben vom „Stall Henckel und Gräfin Kageneck“ liefen.

Zuletzt hatte sie Loulou’s Jackpot bei dem im Juni verstorbenen Lutz Pyritz im Training. Und wie es sich für eine ehemalige Amateurrennreiterin gehörte, der das Gewicht keinen Strich durch die Rechnung macht, ritt sie morgens in der Arbeit selbst aus. Loulou’s Jackpot war mehrfach im Ausgleich II siegreich und im Juni Dritter in einem Ausgleich I in Hoppegarten. Es war eine der letzten Starter für Lutz Pyritz. Die Kageneck-Pferde gingen danach nach Tschechien zu Helena Vorsilkova nach Tschechien in Training.

Die frühere Direktorin der Dresdner Bank am Hauptsitz in Frankfurt ist über eine Station bei der Treuhand zur Dresdner Frauenkirche gekommen und war dort die kaufmännische Leiterin der Stiftung. Dort ist sie erst im Laufe des Jahres 2018 ausgeschieden.

Im Februar 2010 wurde ihr von I. M. Königin Margarete II von Dänemark das Ritterkreuz des dänischen Danebrog-Ordens verliehen. Der Dannebrog-Orden ist ein dänischer Ritterorden, der Dänen und Ausländern für zivile oder militärische Verdienste, für besondere Leistungen in Kunst und Wissenschaft oder Wirtschaft oder für eine Tätigkeit im Interesse Dänemarks verliehen werden kann. Ordensherr ist der regierende Monarch.

Frauenkirche Dresden

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Gruppe 1 und Flaggenstart in Köln

wann ist zuletzt ein Gruppe-Rennen mit der Flagge gestartet worden? Es gab da mal in den 80ern oder 90ern extreme Verhältnisse mit tagelangem Dauerregen, wo bei den Meetings in Baden-Baden und auch einmal in Hamburg die Rennen über verkürzte Distanzen liefen und mit der Flagge bzw mit der Hindernismaschine gestartet wurden. Flaggenstart im Preis von Europa nach Einführung der Startmaschine? Kann sich daran jemand erinnern? 1993 Monsun Boden schwer 7,0, 1984 Gold and Ivory Boden schwer, 1982 Ataxerxes Boden schwer und 1981 Glint of Gold  Boden tief. Gab es da einen Flaggenstart?

Am Sonntag war der Boden in Köln offiziell weich und ab Mitte des Renntages wurden die Rennen mit der Flagge gestartet. Früher hatte man für solche Fälle noch die Bänder für den Start der Hindernisrennen, aber die hat man auch eingemottet. Also hat der Starter mit der Fahne gewunken und das Rennen war gestartet. Eines der Hauptrennen des deutschen Turfs wurde wurde gestartet als wenn es ein Provinzrennen in Blieskastel wäre – und dies bei offiziell weichem Boden.

Oder war der Boden nicht weich, sondern schwer? Die Zeiten sind bei Boden weich und schwer zwischen 2:33 und 2:45, das kann so oder so sein. Oder ist die Bahn schlecht gepflegt und deswegen kann man die Maschine nicht mehr ordentlich bewegen? Ich kann mich nicht erinnern, daß es bei „Boden weich“ nicht möglich war, die Rennen mit der Maschine zu starten.

Wie auch immer – früher wurden bei schwierigem Boden die Rennen im Rahmenprogramm mit den Bändern gestartet und das Hauptrennen mit der Maschine. Das hat – mit ganz wenigen Ausnahmen immer funktioniert.

Da muß man am Ende noch froh sein, daß die Ausländer die Dotierung des Europapreises doch eher abgeschreckt hat und diese Provinzposse international nicht so im Rampenlicht stand.

Und GOL und German Racing haben den Flaggenstart in den Renntagsberichten nicht erwähnt. So sieht sie aus, die Transparenz und Offenheit in Turfdeutschland.

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Waldpark stellen ersten Sieger

2011 gewann Waldpark aus dem Gestüt Ravensberg als chancenreicher Außenseiter das Derby in Hamburg. 46 Jahre nach Waidwerk waren die westfälischen Traditionsfarben im wichtigsten Rennen des deutschen Turfs wieder vorne.

Aber danach wollte Waldpark nicht mehr wirklich Großes gelingen. Im Prix Guillaume d’Ornano war er enttäuschender Sechster und auch sonst wollte ihm danach kein Volltreffer mehr gelingen, aber es gab einige gute Plazierungen auf Gruppe-Level im In- und Ausland. Er wurde nach Australien verlauft, aber auch dort hingen die Trauben zu hoch für ihn. Seltsam war, daß die Australier ihn erst mal über die Meile laufen ließen.

Er kam nach England zu Auktion und wurde nach Frankreich verkauft. Es gab auch deutsche Bieter und wie damals zu hören war, hat der Käufer die Deutschen zu einer Partnerschaft mit ins Bot genommen. Als Dubawi-Sohn aus einer der ganz großen deutschen Stutenlinien ist er sicherlich ein interessanter Deckhengst, auch wenn die Eigenleistung nicht so großartig ist.

Nach meinem Gefühl wird er wohl vor allem für die Zucht von Hindernispferden eingesetzt – und wenn es gut läuft kann er in die Fußstapfen von Lavirco, Network und anderen großen deutschen Hindernisvererbern in Frankreich treten. In drei Deckzeiten sind bei France Galop bisher 89 Nachkommen registriert.

Am vergangenen Sonntag stellte er in der Französischen Provinz in Niort (nie gehört, wo liegt das?) seine erste Siegerin. Arum im Besitz des früheren Renngerichtsvorsitzenden Gottfried Reims und trainiert von H-A Pantall gewann die Stute beim Debut ein Sieglosen-Rennen über 1500m in der sehr schnellen Zeit von 1:24,2, was einer Geschwindigkeit von über 64 km/h entspricht. Aber bei einem Bänderstart ist das mit der Zeitnahme aber nicht ganz so einfach.

Eigentlich schreibe ich hier nicht über die ersten Sieger neuer Deckhengste, aber Windwurf war in den 70ern der erste Galopp-Star, den ich bewußt erlebt habe – und Ravensberg mit der Familie der Waldrun ist für mich etwas persönlicher als andere Vollblüter.

Arum siegt in Niort

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Well Timed gewinnt die Diana und zwei Bahnrekorde in Düsseldorf

Die Presse außerhalb des Turfs meint es derzeit nicht gut mit Schlenderhan und dem Gestütseigner. Man kann hoffen, daß es gut ausgeht,

Die unruhigen Zeiten hindern das Team aber nicht an guter Arbeit und große Rennen zu gewinnen. Well Time ist seit dem Diana-Trial in Hoppegarten nicht mehr gelaufen. Trotzdem hat Jean-Pierre Carvalho die Stute topfit an den Start gebracht. Die Pace wurde von der für 50.000 EUR nachgenannten und gerade vom international agierenden Team Valor gekaufte Come on City gemacht. Direkt in deren Fahrwasser legte sich Well Timed und Mitte der Geraden hatte die Siegerin alles geregelt. Damit ist sie auch beim Dritten Start in Deutschland ungeschlagen und jetzt klassische Siegerin. Die Mutter von Well Timed lief bereits in den Farben von Baron Ullmann, ist aber kein Schlenderhaner Gewächs, sondern wurde gekauft.

Zweite wurde Night of England, im Besitz vom Stall Route 66, trainiert von Henk Grewe in Köln und geritten von Andrasch Starke. Dritte wurde Stall Lintecs Wonder of Lips mit Alexander Pietsch im Sattel und trainiert von Andreas Suborics, die von weit hinten mit viel Speed ihren Platz eroberte. Trotz der auch international guten Dotierung der Diana war leider keine ausländische Stute am Start, die eine Standortbestimmung der deutschen Zucht und des Jahrgangs 2015 ermöglicht hätte.

Das trockene Wetter macht eine schnelle Bahn, auch wenn man versucht, den Boden mit viel Wasser elastisch zu halten. Will Timed hat heute für den Düsseldorfer Grafenberg mit 2 Min 12,6 Sek einen neuen Bahnrekord über 2200m aufgestellt und den alten Bahnrekord von dem Fährhofer Loco aus dem Jahr 1999 um 1/10 Sekunden verbessert. In Deutschland waren eventuell zwei Pferde über die 2200m schneller. Der Waldfrieder Audens gewann den Großen Preis von Danzig 1937 ebenfalls über 2200 in 2:10,0. Die Zeit wurde so im JRK vermerkt, aber damals gab es zuweilen fehlerhafte Zeit- und Distanzangaben auch im Rennkalender und deswegen muß man damit vorsichtig sein. Außerdem lief Tannenprinz in den Farben des Fürsten zu Oettingen Wallerstein im Otto Schmidt-Rennen 1974 in Hamburg mit 2 Min 12,3 3/10 schneller als Well Timed heute in der Diana.

Als Fritz Henkel Stiftungspreis wurde dieses Jahr das ursprünglich in Baden Baden beheimatete Fürstenberg Rennen über 2400m gelaufen. Nur sieben Pferde rückten in die Startbox ein, aber vom Fleck weg gab es hohes Tempo, für das abwechselnd Panthelia und Devastar als erste Wiedinger Farbe verantwortlichen waren. Oberhalb des Bergs ging Devastar nach vorne und drückte noch einmal auf das Tempo, aber am Ende hatte der von Martin Seidl auf Warten gerittene Destino den längeren Atem und gewann sicher mit einer halben Länge vor Salve del Rio und dem Stallgefährten Devastar.

Und Destino gewann in neuer Rekordzeit von 2:24,0. Der alte Rekord von Sternkönig stammt aus dem Jahr 1994, aufgestellt im damals noch in Düsseldorf gelaufenen Großen Preis von Berlin mit 2:25,3. Destino hat den Bahnrekord damit um satte 1,3 Sekunden verbessert und gleichzeitig auch den Deutschen Rekord von Oriental Eagle, gerade im Mai im Gerling Preis aufgestellt, eingestellt.

Um den Rekord von Oriental Eagle hat es damals heftige Diskussionen gegeben und die ursprünglich gemessene Zeit von 2:22,6 mußte korrigiert werden. Hoffentlich hat man in Düsseldorf besser gemessen als in der Stadt des Kölsche Klüngels.

Und wo wir gerade bei Köln sind. Die Jukebox Jury-Tochter Köln aus der Zucht von Claudia Löseken hat nach einem guten zweiten Platz im ungarischen Derby heute die ungarischen Oaks auf der Rennbahn im Kincsem Park gewonnen. Gewiß, Budapest ist nicht Chantilly und nicht Epsom und auch nicht Düsseldorf, aber ein Sieg in einem Klassiker läßt jedes Züchterherz höher schlagen.

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Joan Pall lebt nicht mehr

Joan Pall in der zweiten Schlenderhaner Farbe

Einer der großen Jockeys der deutschen Nachkriegsgeschichte ist am vergangenen Donnerstag in einem Altenheim in Köln verstorben.

Jean Pall wurde 1930 in Rumänien geboren. Ein internationales Meeting der Ostblockstaaten in Hoppegarten nutzte er 1954 zur Flucht in den Westen. Und wie bei fast allen Fast allen Rennsport-Flüchtlingen aus dem Ostblock war das Gestüt Röttgen die erste Anlaufstation. Graf Janos Pejacsevich, Peter Alafi, Dr. Alois Szemes und andere sind nach dem Ungarn-Aufstand 1953 auch erst einmal nach Röttgen geflüchtet.

Allerdings hat Joan Pall erst mal nicht für Röttgen geritten,jedenfalls geben das meine Daten nicht her. Seinen ersten besseren Sieger in Deutschland ritt er 1958 im Paul Döring Rennnen, dem heutigen Dr. Busch-Memorial mit Pfalzteufel, trainiert und im Besitz von F. Landler. Und Pfalzteufel sollte auch mit dem Sieg im Henckel-Rennen sein erster klassischer Sieger werden.

Joan Pall war in der damaligen Zeit für sehr viele Trainer tätig. Ob er ein festes Engagement hatte, weiß ich nicht. 1962 gewann er mit Herero das Henckel-Rennen, im Derby saß Hein Bollow auf Herero und Pall ritt den Zoppenbroicher Kaiserstuhl, wurde mit kurzem Kopf geschlagen Zweiter. Im Großen Preis von Baden 1962 siegte er dann mit Kaiserstuhl vor dem Derby-Dritten Liebeschor aus dem Gestüt Röttgen. Nach heutiger Definition war das sein erster Sieg in einem Gruppe-1 Rennen.

1964 gewann er mit Zank, trainiert von Andreas Hecker in Frankfurt für Walter Vischer das Derby vor Kronzeuge und Wiesenklee. Es war sein erster ganz großer Treffer im Westen.

In den frühen Siebzigern ritt er viele gute Pferde für Hein Bollow, gewann zB 1970 mit Dulcia das Schwarzgold-Rennen und wurde mit der Stute zweiter im Preis der Diana. Aber ebenso ritt er häufig für Heinz Jentzsch und gewann mit Arratos 1973 den Großen Hansa-Preis.

Das Derby 1974 war wegen der in Deutschland stattfindenden Fußball-Weltmeisterschaft erstmals später im Juli gelaufen, nämlich am 21. Juli. Das war Glück für Marduk, Hein Bollow und Joan Pall. Denn Marduk hatte sich bei einem Start zuvor an der Maschine verletzt und die Derby-Fahrkarte erst im Otto-Schmidt-Rennen gelöst. Das Derby gewann er mit kurzem Kopf vor dem Röttgener Lord Udo mit Bill Carson im Sattel und Benedikt im Besitz von Stall Konstantin / Peter Boenisch. Damals war Peter Remmert noch Stalljockey bei Hein Bollow und er hat Marduk auch danach im Aral-Pokal geritten, aber warum er im Derby nicht drauf saß, kann ich nicht sagen. Als Reiter hat Hein Bollow vier Derby-Sieger geritten, als Trainer hatte er einen Derby-Sieger – Marduk mit Joan Pall im Sattel vor dem Weltklasse-Jockey Bill Carson.

Es folgte danach ein Engagement bei Heinz Jentzsch. Es war die Zeit, als ich mich mit dem Rennsport intensiver zu beschäftigen begann. Mein Vater mochte Joan Pall als Reiter sehr. Er ritt immer mit langen Zügeln und ließ die Pferde frei galoppieren.Und Pall war ein Taktiker. Es war die Zeit, als die Pferde von Heinz Jentzsch nicht immer von vorne gewannen, sondern oft vom letzten Platz das Feld aufrollten. Joan Pall konnte extrem gut warten, wie wohl kaum ein zweiter Jockey inDeutschland

Irgendwann in den späten 70ern endete der Stalljockey-Vertrag bei Heinz Jentzsch und der junge Ralf Suerland, der schon 1976 das Derby mit Stuyvesant gewonnen hatte, wurde sein Vorgänger Joan Pall war wieder Freelancer.

Sein letzter Sieg bei Galopp-Sieger war im April 1981, als er den Jan Wellem-Preis, einem Altersgewichtsrennen mit 30.000 DM Dotierung gewann. Er wurde danach Trainer in Gelsenkirchen, wenn ich mich recht erinnere. Aber seine Trainer-Karriere war nicht annähernd so erfolgreich wie seine Jockey-Karriere. Bei Galopp-Sieger ist als einziger Sieg für Trainer Joan Pall der Sieg von Zend im „Grosser IJSBOERKE-Preis von Magdeburg“ vermerkt. Zend zeigte die ganze Internationalität des Galopp-Sports Ein Rumäne trainiert ein in Polen gezogenes Pferd für den österreichischen Springreiter Rüdiger Wassibauer. Im Sattel saß mit Lutz Pyritz ein Jockey aus den neuen Bundesländern.

Ein Jockey-Championat blieb ihm versagt. 1975 war er mit 87 Siegen Vizechampion hinter Peter Alafi mit 97 Siegern, 1976 wurde er mit 70 Siegen Vizechampion hinter Erwin Schindler mit 71 Siegen, 1977 mit 85 Siegen hinter Peter Alafi mit 96 Siegen, 1978 mit 88 Siegen hinter Georg Bocskai mit 110 Siegen. Vier Vizechampionate in vier Jahren, außer 1980 und 1981 war er immer unter den Top-Ten der Jockeystatistik. Insgesamt hat er 1396 Sieger geritten, davon zwei Derbysieger.

Es war sehr still geworden um den Ex-Jockey. Am vergangenen Donnerstag ist er als sehr einsamer Mann in einem Pflegeheim in Köln gestorben. Seine Frau ist schon vor einigen Jahren gestorben, Kinder hatte er keine.

Bernd Selle hatte ein paar alte Photos bei Facebook gepostet, die ich einfach mal anhänge (ich darf es).

Die Beerdigung ist am 2. August um 10:15 auf dem Friedhof in Gladbeck-Brauck.

Joan Pall - ist das die Farbe von Quenhorn oder Römerhof?

Am Stall Johannsmann mit Bernd Selle

Jockeytreff 2014 mit Bernd Selle

Autogrammstunde beim Jockeytreff 2014

Gruppenbild mit Joan Pall - Gelsenkirchen?

Jocketreff 2014 mit Uwe Matthony

In Fährhofer Farben als erster Jockey von Heinz Jentzsch

Jockeytreff 2014 mit Bernd Selle und Uwe Ficht

Jockeytreff 2014

Jockeytreff 2014

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Wird Schlenderhan verkauft?

Die Turbolenzen um den Niedergang des einst hochrenommierten Bankhauses Oppenheim sind noch immer nicht ausgestanden. Die Deutsche Bank als neuer Eigentümer hat noch Forderungen gegen die früheren Gesellschafter. Das Manager-Magazin nennt dazu Zahlen von rund 800 Mio Euro, die die Gesellschafter an das Bankhaus Oppenheim zurück zahlen müssen

Im Rahmen des Forderungsausgleichs soll jetzt nach einem Bericht des Manager-Magazins vom Samstag auch das Gestüt Schlenderhan zur Disposition. Es wird ein Verkehrswert von rund 50 Mio Euro genannt. Ob das der Wert der Immobilie oder inklusive der Pferde ist, wird im Artikel nicht erwähnt.

Im Hintergrund steht wohl eine komplexe Vertragsstruktur, die einen einfachen Verkauf an Dritte nicht möglich macht, weil Baron Ullmann als Eigentümer ein Rückkaufs-, bzw. ein Vorkaufsrecht zu dem Preis hat, den der Meistbietende nennt.

Egal wie die Affäre ausgehen wird und man kann nur hoffen, daß sie „gut“ im Sinne des Rennsports und der deutschen Vollblutzucht ausgehen wird. Schlenderhan und der Sports insgesamt werden wieder einmal in schwerer See fahren und einige schlechte Presseartikel ertragen müssen.

Da fällt es doppelt schwer, wieder allgemeines Renommee zu gewinnen.

Manager-Magazin

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Das Derby 2018

58 Jahre hat Röttgen auf den ersten Derbysieger seit 1959 warten müssen. Das war damals, als Schalke zuletzt Meister war. Kallisto hat die Derby-Durststrecke mit dem Sieg im Derby Italiano 2000 etwas abgemildert, aber das Derby des Heimatlandes ist eben doch etwas anderes, als die damals finanziell sehr großzügig ausgestattete italienische Variante. Und jetzt haben die Röttgener in zwei Jahren gleich zwei Derbysieger aus der gleichen Stute gezogen. Aber Schalke ist immer noch nicht Meister.

Als aus der Maschine heraus niemand wirklich gehen wollte, übernahm Jozef Bojko mit dem Brümmerhofer Aldenham die Initiative und sorgte für eine gute Pace, ohne das Rennen übermäßig schnell zu machen. Salve del Rio und Jimmu waren dahinter im Vordertreffen auszumachen. Weltstar galoppierte im Mittelfeld mit Guiri und Royal Youmzain.

Aldenham Brachte das Feld in die Gerade und eingangs der Geraden gab es einiges durcheinander. Weltstar tendierte nach außen, obwohl er eigentlich freie Bahn hatte und geradeaus seinen Anggriff hätte starten können. Dabei lief er Royal Youmzain vor die Füße der merklich irritiert wurde und neu ansetzten mußte. Der Wiedinger Destino und Weltstar hingen dann außen an den Rails und die beiden Trainingsgefährten machten das Derby unter sich aus. Kampf Hals lautet der Richterspruch, eineinhalb Längen dahinter wurde der unglückliche Royal Youmzain mit Eduardo Pedroza im Sattel aus dem Stall von Jaber Abdullah Dritter. Aldenham, der Pacemaker lief sein bisher bestes Rennen und wurde noch Fünfter. Guiri, der im Schlußbogen noch in guter Haltung im Mittelfeld galoppierte, kam nicht weiter und wurde nur Neunter.

Die Rennleitung überprüfte den Ausgang des Rennens. Die entscheidende Szene war ca 50-100m nach erreichen der Geraden, als Weltstar ohne Not nach außen tendierte und dabei Royal Youmzain vor die Füße lief und in einer Kettenreaktion Jimmu gegen Salve del Rio drückt. Andreas Wöhler geht auf seiner Webseite mit Adrie de Vries sehr hart ins Gericht. Er schaue sich um und statt sein Pferd geradezu richten, reitet er weiter nach außen und behindert dann eben Royal Younzaim deutlich. Für mein Gefühl ist es übertrieben, Adrie de Vries hier Absicht zu unterstellen, wie Andreas Wöhler es macht, aber ein guter Ritt war es nicht. Manchmal sieht man ein Unglück einfach kommen und kann es nicht verhindern – warum auch immer. Das ist wie beim Autofahren, wo man lenken müßte, dazu aber gerade nicht fähig ist und dann kommt der Knall.

Es verwundert allerdings, daß der Sieger nicht heraus genommen wurde. Vergleicht man die Behinderung mit der Behinderung von Sirius gegen Erica im „Frühjahrspreis des Carl Jaspers Versicherungskontor“ im Mai in Köln dann wurde Sirius wegen einer viel geringeren Spurabweichung und wegen weniger Irritation der drittplazierten Erica zurück gesetzt. Zieht man noch einen Vergleich mit dem Kölner Rennen, dann wurde Alexander Pietsch für die Störung nicht bestraft (im Rennbericht ist nichts vermerkt), Adrie de Vries wurde von der Rennleitung mit 5 Tagen Reitverbot belegt. Auch hier liegt eine deutliche Diskrepanz zwischen den beiden Entscheidungen der gleichen Rennleitung!

Allerdings kann ich Andreas Wöhler auch nicht verstehen. Durch die Überprüfung des Rennens durch die Rennleitung war genug Zeit, sich die Situation noch einmal anzusehen und wenn ich der Meinung bin, daß mein Pferd behindert wurde, dann muß ich Protest einlegen und mich nicht darauf verlassen, daß die RL das schon machen wird. Wer A sagt, muß dann auch B sagen!

Wellenspiel reiht sich mit dem Sieg von Weltstar in die Creme de la Creme der wenigen Stuten ein, die sich als Mütter von zwei Derbysiegern ausgezeichnet haben. Sie ist in der fast 150-Jährigen Geschichte des Deutschen Derbys die sechste Stute, der dieses Kunststück gelungen ist.

Im Rennstall vertrat sie solide Ausgleich III-Klasse, also kein großer Star des Turfs. Aber sie ist auch ein Beispiel, daß eine Stute aus einer erstklassigen Familie auch mit mäßiger Eigenleistung eine sehr gute Zuchtstute sein kann Mit 10 Jahren (Jahrgang 2008) ist sie noch eine recht junge Stute und die beiden ersten Fohlen waren Derby-Sieger! Das läßt für die Zukunft viel Raum für Phantasie.

Sechs Stuten mit zwei Derbysiegern gibt es in der deutschen Vollblutzucht. Auffällig, daß es vor dem Krieg keiner Stute gelungen ist, Doppel-Derbysieger-Mutter zu werden.

Kirschfliege 1954 Kaliber 1956 Kilometer
Ordinale 1981 Orofino 1983 Ordos
Laurea 1993 Lando 1994 Laroche
Britannia 1997 Borgia 2001 Boreal
Sacarina 2000 Samum 2006 Schiaparelli
Wellenspiel 2017 Windstoß 2018 Weltstar

Es stellt sich auch die Frage, wie gut der Derbyjahrgang ist. Die Zeit von 2:32,4 ist für den guten Boden nicht unbedingt berauschend, aber der inzwischen international bewährte Dschingis Secret war im Hansa-Preis bei ähnlichen Bodenverhältnissen noch langsamer. War der Boden trocken aber vielleicht nicht schnell?

Der Hamburger Rennclub hat sich sehr bemüht, am Derbytag ein gutes Programm auf die Beine zu stellen. Ein Listenrennen, zwei Ausgleich I und zwei gut dotierte Auktionsrennen, mit dem Derby sechs bessere Rennen an einem Tag. Das ist schon mal eine Ansage, vor allem wenn man das Rahmenprogramm auf den NRW-Bahnen bei Großereignissen sieht. Wenn man dem Publikum großen Sport bieten will, dann paßt ein Rennen für vierjährige Sieglose einfach nicht zu einem großen Renntag. Das hat man in Hamburg sehr gut gemacht!

Die Woche war sicher nicht einfach, teilweise frühe Anfangszeiten, auch wegen der Fußball-WM aber es gab auch viele Rennen mit gut besetzten Feldern.Hamburg zahlt in den Basisrennen die besten Rennpreise der Republik und das zahlt sich aus.

Der Totoumsatz war hingegen eher nicht so erfreulich. Im Derby wurde das selbst gesetzte Umsatzziel verfehlt. Das lag sicher auch an dem recht kleinen Starterfeld mit nur 13 Pferden. Aber Impulse für den Wettumsatz müssen „von oben“ kommen. Eine Bahn schafft es nicht, das maue Geschäft zu drehen.

Offiziell waren 20.000 Zuschauer auf der Bahn. Volker Linde vom Vorstand erklärte, daß man diese Zahl gezählt habe. Es sah jedenfalls recht gut besucht aus. Und der erste Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg weilte auf der Bahn, nicht wie in der Vergangenheit, nur ein Ressortleiter. Aber man hätte ihn bei der Siegerehrung irgendwie mehr einbinden sollen. Er stand von außen betrachtet ein wenig abseits.

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Der Hamburger Tierschutzverein und das Derby

Die diesjährige Derbywoche steht im Focus des Hamburger Tierschutzvereins von 1841. Auf der Webseite sind dazu verschiedene Beiträge verfaßt, wo die Pferde zu Tode gehetzt werden und wenn sie nicht mehr schnell genug sind, aussortiert werden.

In einem anderen Beitrag wird über die grausamen und brutalen Trainingsmethoden „berichtet“ und es geht natürlich um den Peitschengebrauch und die Schmerzen, die man dem Pferd damit zufügt und jeder, der mehr als die erlaubten fünf Schläge mit der Peitsche ausführt, ist ein Tierquäler.

Bei Facebook wird eine heiße Diskussion geführt und wie es so üblich ist, treten die Tierschützer aggressiv auf, aber wenn sie einzelne Vorwürfe konkret belegen sollen oder mal ganz einfach die wesentliche Elemente einer Peitsche benennen sollen, wie sie im Rennen eingesetzt wird, dann erlebt man die Mauer des Schweigens. Dann hört man sie ganz laut nichts sagen. Auch mit mehrfachen Nachfragen lockt man die Kerls nicht aus der Reserve.

Also eigentlich nichts Neues. Freche Behauptungen die teilweise den Tatbestand der Verleumdung erfüllen (ich hoffe, Herr Schmelz stimmt mir zu), viel heiße Luft in markigen Worten. Wenn man das liest, dann wird einem erst mal bewußt, wie dezent doch die Schlagzeilen bei der Bild-Zeitung formuliert werden.

Jetzt hat es am Mittwoch noch zwei Unfälle geben, bei denen jeweils ein Pferd aufgegeben werden mußte.  In der überregionalen Presse liest man so gut wie nichts über die Rennwoche in HH – aber die beiden Toten Pferde kommen beim  Focus und anderen Gazetten vor.  Haben die Tierschützer etwa die bessere Presseabteilung als der Galoppsport??

Es ist manchmal hanebüchen zu lesen, was dort über Pferderennen, Training und den Umgang mit dem Pferd geschrieben steht. Es ist für mich aber auch genauso unverständlich, daß das DVR gegen die teilweise offensichtlichen Falschaussagen nicht entschieden vorgeht. Wenn man sie gewähren läßt, machen sie Propaganda gegen den Galoppsport, man kann diese Möchtegern-Tierschützer nicht dadurch kleinhalten, daß man sie ignoriert. Solange sie keinen Gegenwind bekommen, segeln sie mit vollen Segeln voraus.

Für Sonntag hat der HTV 1841 eine Mahnwache von 11 bis 13 Uhr vor der Rennbahn angekündigt. Bisher haben 26 Holde Recken haben bei FB schon ihre Teilnahme erklärt, heute Morgen früh waren es noch 24.

Man kann diese Veranstaltung natürlich ignorieren – oder man kann die offene Diskussion mit den Teilnehmern suchen. Ich habe mehr als eine Diskussionsrunde mit den ausgefochten und auch die Erfahrung gemacht, daß, wenn man den Leuten den eigenen Standpunkt gut erklären kann, oft eine positive Resonanz bekommt. Die Hardliner mal außen. Der Hamburger Rennclub sollte seine Besten zu den sogenannten Tierschützern schicken und sie mal richtig alt aussehen lassen!!

Und es hilft auch nichts, die Sachen schönzureden. Ehrliche Ansagen und auch mal zugeben, daß auch mal was schief läuft geht besser. Wenn  Jockeys sagen, daß sie die Pferde nicht schlagen und nur vorbei wischen, ist das einfach nicht glaubwürdig.

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