Chopin in der Höhle des Löwen

Erster Samstag im Juni – D-Day auf den Downs von Epsom, Derbytag Decision-Day oder wie man es auch immer nennen will. Es ist das Ur-Derby und eines der wichtigsten Pferderennen der Welt.

Wer hier gewinnt, wer hier vorne ist, der gehört zu den Großen in der Welt des Turfs. Es sind nicht immer die ganz großen Stars, die das Derby in Epsom gewinnen, es gab gute und nicht so gute Pferde, die das Epsom-Derby gewonnen. Aber egal, wie gut der Derbysieger am Ende des Jahres von den Handicappern eingeschätzt wird. Für die Aktiven – Reiter, Besitzer und Trainer ist es das Größte, hier einmal im Leben in der Winners Enclosure zu stehen.

Einen halben Derbysieger hat die deutsche Vollblutzucht schon. Slip Anchor, im Besitz des Lords Howard de Walden  gewann das Derby 1985. Seine Mutter Sayonara kam aus Schlenderhan und repräsentiert die Familie der Schwarzgold, also das Beste vom Besten, was die deutsche Vollblutzucht zu bieten hat. Es war die Zeit, als deutsche Vollblüter auf der internationalen Bühnen nicht mehr nur Gelegenheitserfolge erzielten. Die Fährhofer Lirung und  Acatenango seien hier nur beispielhaft genannt.

Dieses Jahr tritt erstmals ein in Deutschland trainiertes Pferd den Weg zum Epsom-Derby an. Chopin aus dem Stall von Andreas Wöhler versucht sein Glück. In Krefeld gewann er das DR. Busch Memorial  überlegen mit 8 Längen. Der Sieg war so beeindruckend, daß Scheich Al Tani der Herrscher von Quatar ihn haben wollte. Und wenn ein Potentat aus dem ölgeschwängerten Morgenland etwas haben will, dann bekommt er es auch.

Gezogen ist Chopin in Graditz, jenem legendären königlichen Hauptgestüt in Torgau an der Elbe, das Deutschlands Vollblutzucht auch fast 70 Jahre nach dem Ende seiner großen Epoche noch immer den Stempel aufdrückt. Graditz, das war wie Godolphin und Darley in einem. Aber nicht königsblau, sondern schwarz-weiß gestreift, in Preußens alten Farben. Graditz war Staatsgestüt, seine Aufgabe war die Förderung der Vollblutzucht. Dort wirkten solch selten geniale Hippologen wie Graf Lehndorff, der einst Dark Ronald in England für die sagenhafte Summe von 25.000 Pfund oder 500.000 Goldmark kaufte und damit die deutsche Zucht bis heute beeinflußt: Herold – Alchimist – Birkhahn – Literat – Surumu – Acatenango – Lando. Eine in der Welt fast einmalige Hengsthauptlinie von Derbysiegern, nur unterbrochen durch einen “Pannenritt” von Lester Piggott mit Literat.

Nach dem Zusammenbruch wurde Graditz “volkseigen” und es ging, wie fast alles im Sozialismus den Bach runter. Nach der Wende wurde es privatisiert, denn der Staat hatte kein Interesse mehr an der Vollblutzucht und seit einigen Jahren engagiert sich die Familie Wirth auf der traditionsreichen Scholle und züchtet Vollblüter. Nicht mehr vergleichbar mit der großen Epoche, aber sehr engagiert und offensichtlich auch sehr erfolgreich. Chopin könnte ein neuer Höhepunkt werden und Graditz wieder zu altem Glanz verhelfen.

Santiago ist Jungbeschäler in Graditz, Chopin kommt aus seinem ersten Jahrgang und beschert seinem jungen Vater direkt einen Gruppe-Sieg. Schon das läßt aufhorchen, aber reicht der Erfolg in Krefeld für einen Sieg in Epsom? Bestätigt wurde die Forum im klassischen Mehl-Mülhens-Rennen nicht wirklich. Epsom ist eine Naturbahn, bergauf und bergab – running down the hills. Vor der Zielgeraden geht es bergab, dann kommt Tattenham Corner und dann geht es in die lange Zielgerade bergauf. Da ist Stamina und Klasse gefragt.

Bei Englands Buchmachern wird Chopin mit 8/1 angeboten und steht damit im erweiterten Favoritenfeld. Die Konkurrenten sind nicht von schlechten Eltern. Down Approach ist der Favorit, ungeschlagen in 7 Rennen und Sieger in den 2000 Guineas von Newmarket. Battle of Marengo aus dem Coolmore-Imperium. Er “patzte” beim Debut, danach wurde er nicht mehr geschlagen. Ocovango reist aus Frankreich an und ist ungeschlagen. Sein Vater, der deutsche Superstallion Monsun erlebt in Frankreich gerade eine Höhenflug. Ruler of the World, ungeschlagen in zwei Rennen. Aber er scheint mehr ein leichtes Pferd und der Erfolg in Chester war nicht so überzeugend, daß er hier zwingend wirkt.

Jamie Spencer wird Chopin steuern. Das Epsom-Derby hat er noch nicht gewonnen, seine beste Plazierung war 2002 ein dritter Platz, aber er kennt die Bahn und gehört zu den besseren Jockeys in England-

Ein Sieg wird schwer sein, denn die Engländer werden es nicht so einfach zulassen, daß “ihr” Derby nach Deutschland entführt wird. Wenn alles gut läuft, dann ist eine Plazierung möglich. Hoffen wir einfach das Beste und drücken um 4 pm Greenwich time ganz fest die Daumen. Es wäre Trost auf die Seele der geschundenen deutschen Rennsports, wenn Chopin in Epsom “vorne” dabei wäre. Heinz Jentzsch, Deutschlands Trainerlegende Nr. 1 meinte einmal zum Hamburger Derby, daß das Rennen wie Königsberger Klopse ist. Da ist alles drin! Andreas Wöhler kann am D-Day von Epom Turfgeschichte schreiben!

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Ein großes Wochenende für Monsun

Monsun – Deutschlands Bester hat auf der internationalen Bühne dieses Wochenende einmal mehr ein Meisterstück abgeliefert. In beiden Gruppe-1 Rennen in Longchamp stellte er den Sieger. Im Prix Saint Alary mit Silasol  und der Prix d’Ispahan mit Maxios. Im Prix Vicomtesse Vigier wurde Last Born Vierte. Silasol dürfte mit dem Sieg Favoritin für den Prix de Diane, Frankreichs Stutenklassiker, werden.

In Mailand gewann die Manduro-Tochter Charity Line die Oaks d’Italia und stellte damit die erste klassische Siegerin für den Nachwuchsstallion.

Im Bavarian Classic, einer wichtigen Derbyvorprüfung in München war Monsun Stutenvater des Siegers, Vierten und Fünften. Dazwischen zweimal der große Acatenango.  Abgerundet wird das Wochenende durch gute Plazierungen von Nachkommen von Gentlewave und Shirocco, beides ebenfalls Söhne von Monsun.

Im Rahmenprogramm von Mailand gewann der inzwischen 10 Jahre alte Acatenango-Sohn Caudillo aus dem Stall von Dr. Andreas Bolte zum zweiten Mal die Copa d’Oro die Milano(LR). Caudillo ist nicht der große Star, aber ein Muster an treue, Gesundheit und Beständigkeit. Bei 49 Starts und 11 Siegen ist er jetzt fast bei einer Gewinnsumme von fast 350.000 EUR angekommen.

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Wie in alten Zeiten

In der guten und nicht ganz so alten Zeit des Rennsports war die Zucht in Deutschland den führenden europäischen Zuchten um einige Kilos unterlegen. Wenn die Ausländer in den großen Rennen kamen, waren sie fast immer vorne dabei. Die deutschen Pferde, die damals gegenhalten konnten, waren handverlesen.

Dann kam der Boom, der große Aufschwung in der deutschen Zucht. Es waren nicht nur erstklassige deutsche Hengste, die die heimische Zucht deutlich verbesserten, die Züchter kauften auch erstklassige Stuten im Ausland und man ging auch zu guten ausländischen Hengsten. Deutschland war im Oberhaus der Vollblutzucht angekommen.

Als die Krise im deutschen Rennsport begann, wurden Renntage gestrichen, Rennpreise nach unten angepaßt etc.. Die Zucht blieb davon erst einmal verschont, denn die großen Rennsportländer kauften gerne in Deutschland ein – erstklassige Pferde zu international zivilen Preisen. Erst wurden nur Jährlinge gekauft, inzwischen werden Pferde im Training und vor allem die besten Stuten gekauft.

Gleichzeitig schrumpft die deutsche Zucht – es werden weniger Fohlen geboren, Stuten werden nicht mehr gedeckt. Es sind sicher nicht die besten Stuten, die aus der Zucht genommen werden, denn diese werden ja bekanntlich ins Ausland verkauft.

Es ist die Frage, wie lange eine Zucht das anerkannt hohe internationale Niveau bei den in Deutschland herrschenden Rahmenbedingungen halten kann. Um jedes Jahr eine bestimmte Anzahl an Top-Pferden braucht man nicht nur gute Stuten und Hengste sowie passionierte Züchter, sondern man braucht auch eine gewisse Anzahl Pferde. Und damit die gezüchtet werden, brauchen die Züchter Rahmenbedingungen, in denen ihnen die Zucht Freude bereitet. Ist das in Deutschland noch uneingeschränkt der Fall?

Heute wurde in Köln mit dem Mehl-Mülhens-Rennen der erste deutsche Klassiker der Saison gelaufen. Von 10 Startern kamen 7 aus dem Ausland. Ganze 3 deutsche Pferde gingen an den Start, d.h. mehr als Zweidrittel der Starter kamen aus dem Ausland. Ohne die internationale Beteiligung wäre das Rennen eine Farce gewesen, wie es sie in Deutschland wohl noch nicht gegeben hat. Fehlen schon die guten Dreijährigen in den deutschen Rennställen?

Betrachtet man das Rahmenprogramm dieses ersten großen Kölner Renntags der Saison, dann  wurde eher Nützlichkeitssport geboten und nicht der erstklassige Rahmen-Sport für einen Klassiker; kein Listenrennen, kein hochdotiertes Handicap, stattdessen Agl IV und III. Interessant waren die Rennen für Dreijährige: da hat man sicher den einen oder anderen interessanten Starter für die guten Rennen gesehen. Aber reicht das? Es fehlen einfach die Startpferde in Deutschland. Wer einigermaßen gut ist, geht nach Frankreich, weil dort die Dotierungen stimmen. Und als Besitzer muß man auch an die Kasse denken.

De facto ist der deutsche Rennsport von seinen Rahmenbedingungen nur noch zweitklassig. Die Dotierungen in den Basisrennen sind auf einem historischen Tiefstand, die der tragenden Rennen sind weitab vom internationalen Standard. Dazu stimmt der Rahmen in vielen Punkten nicht mehr. International ist noch die Zucht, der Rennsport leider nicht mehr.

Geht nicht bald ein Ruck durch Turfdeutschland, dann wird die mit viel Passion und finanziellem Einsatz aufgebaute erstklassige deutsche Vollblutzucht dem Rennsport folgen und international wieder nur noch in der zweiten Reihe stehen – wie in alten Zeiten, bevor Star Appeal, Acatenango, Königsstuhl, Monsun, Lando und Danedream und all die vielen anderen Stars die deutsche Zucht ins internationale Rampenlicht galoppierten.

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Historischer Sieg für Barbara Guenet und erster deutscher Zuchterfolg in der “Grand Steeple”

Zum Jahreswechsel hat die Fegentri, der Weltreiterverband der Amateure seine Regeln geändert. Waren früher die Hindernisrennen den Herren vorbehalten, sind jetzt auch Damen in Hindernisrennen startberechtigt und reiten gemeinsam um ein Welt-Championat über Sprünge. Daneben gibt es weiterhin die getrennten Flachwertungen sowie den Weltmeister der Herren auf der Flachen und über die Sprünge. Der Verfasser gehört bekanntlich zu den Traditionalisten, die diese Änderung nicht gutheißen, aber die Generalversammlung der Fegentri hat so entschieden. Tempora mutantur, nos et mutamur in illis.

Das erste Hindernisrennen im Rahmen der Fegentri Weltmeisterschaftswertung, das für Damen offen war, war der Prix Marechal Foch am Tag der Grand Steeplechase de Paris auf Frankreichs Parade-Hindernisbahn Auteuil. Barbara Guenet aus Frankreich gelang ein historischer Sieg, als sie dieses erste offene Fegentri Rennen mit dem fünfjährigen Halbblutwallach United Park in einem spannenden und turbulenten Finish mit einem kurzen Hals gewann. Allerdings benötigte Sie noch die Hilfe der Stewards, denn als Erster war Sous Officier mit dem Engländer Freddy Mitchell im Sattel über die Ziellinie gegangen. Dieser hatte allerdings im Endkampf den Drittplatzierten Puissancequatre behindert und wurde deswegen disqualifiziert und auf den dritten Platz gesetzt. Katie Walsh aus Irland wurde Vierte, die dritte Reiterin Delphine Garcia-Dubois kam im geschlagenen Feld ein und hatte mit dem Ausgang des Rennens nichts zu tun.

In den bisherigen Fegentri Hindernisrennen über die Sprünge waren jeweils nicht nominierte Reiter siegreich. Die üppigen 30 Punkte für einen nominierten Reiter wurden deswegen dieses Jahr noch nicht vergeben. Barbara Guenet hat durch ihren Sieg auch gleich die Spitze in der Hinderniswertung übernommen, was den Herren wohl einige Bauchschmerzen bereiten wird. Aber die Saison ist ja noch lang.

Einen zweiten historischen Sieg gab es in der mit 850.000 EUR dotierten Grand Steeplechase de Paris. Die „Grand Steeple“, wie sie in Frankreich kurz genannt wird, ist nicht nur das wichtigste Hindernisrennen Frankreichs, sondern auch eines der höchstdotierten Hindernisrennen der Welt. Wertvoller ist nur das Nakayama Grand Jump und die Grand National Steeplechase von Aintree.

In einem spannenden Finish bei dem nach dem letzten Sprung die Führung zwischen Shannon Rock und Bel la Vie dreimal wechselte, hatte schließlich der von dem Fährhofer Lavirco stammende Bel la Vie am Pfosten einen knappen Vorteil von einer halben Länge gegenüber seinem Widersacher. Der Drittplazierte und Vorjahressieger Mid Dancer führte das Feld mit einer „Weile“ zurück an.

Damit siegte erstmals ein von einem deutschen Hengst abstammender Vollblüter in der wichtigsten Steeplechase des Kontinents. Lavirco stand bis zu seinem Tod im November 2009 schon einige Jahre in Frankreich und wurde dort vor allem für die Zucht von Hindernispferden eingesetzt. Er ist Vater vieler guter und sehr guter Hindernispferde in Frankreich und mit Bel la Vie hat er nun noch einen absoluten Star gebracht.

Im Rahmenprogramm wurde der von dem Fährhofer Malinas abstammende fünfjährige Wallach La Bel Anjou Zweiter im mit 135.000 EUR dotierten Gras Savoye Cinema Prix Wild Risk. Der von Protektor stammende vierjährige Chardonnay wurde Vierter in dem mit 350.000 EUR dotierten Gras Savoye Patrimoine Prix Ferdinand Dufaure.

Insgesamt wieder ein erfolgreicher Tag für Pferde mit deutschem Zuchthintergrund in Frankreichs Hindernismetropole.

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Pastorius gewinnt den Prix Ganay

Der Jahrgang 09 scheint noch besser gelungen, als hier, an gleicher Stelle Sonntag morgen noch vermutet wurde.

Der Prix Ganay, erstes Gruppe-1 Rennen in Europa und traditioneller Aufgalopp der Grand-Prix Elite in Frankreich wurde eine leichte Beute von Deutschlands letztjährigem Derbysieger Pastorius aus dem Stall von “Super”- Mario Hofer und im Besitz des Prinzen Franz von Auersperg.

Der Rennverlauf ist schnell geschildert. Steffi Hofer machte mit Pastorius’ Stallgefährten Point Blank eine zügige Pace, Pastorius lag aus der Maschine heraus an dritter Stelle und als er Mitte der Geraden gebracht wurde, war die Angelegenheit schnell erledigt. Pastorius siegte sicher mit einer Länge vor Maxios und Dunaden. Maxios als Monsun-Sohn bringt ein weiteres deutsches Element in das Rennen.

Die deutschen Pferde scheinen im Jahr eins nach Danedream für das internationale Parkett weiter gut gerüstet zu sein. Soldier Hollow hat im ersten Jahrgang nicht nur den Derbysieger gebracht, sondern auch gleich einen Sieger auf dem großen internationalen Parkett gestellt. Man darf gespannt sein, was er im diesjährigen Derby-Jahrgang zu bieten hat. Ein derartiger Erfolg – Derbysieg und internationaler Gruppe-1-Sieg im ersten Jahrgang ist wohl noch keinem deutschen Stallion gelungen.

Man darf gespannt sein, wie die anderen Protagonisten des Jahrgangs 09 in die Saison starten werden.

Der Rennsport in Deutschland kann mit den Erfolgen der Zucht leider wieder nicht Schritt halten. Am Sonntag war in NRW schon das zweite mal in der noch jungen grünen Saison rennfrei. Hannover hatte mit dem H96-Renntag einen großartigen Publikumsrenntag im Programm und in Frankfurt war der traditionelle Renntag des Bankhauses von Metzler. Am Maifeiertag veranstaltet Düsseldorf mit einem sehr übersichtlichen Programm und wenn nicht der Preis der Dreijährigen gelaufen würde, wäre der Renntag wohl auch ausgefallen.

Die Innovation, mit der sich die deutschen Züchter und Rennstallbesitzer auf dem internationalen Parkett behaupten, fehlt dem Rennsport als Veranstalter leider sehr. Dazu scheinen die Rennvereine außerhalb von NRW innovativer zu sein, als im Kernland des Galoppsports.

Prix Ganay: Pastorius

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Der Jahrgang 09

Bisher galt der Jahrgang 1990 allgemein als der Beste, den die deutsche Vollblutzucht jemals hervorgebracht hat. Lando – Monsun – Kornado und Sternkönig waren die Protagonisten. Die Karriere der Pferde ist bestens bekannt. Lando gewann als erstes und bislang einziges deutsches Pferd den Japan Cup, Monsun wurde die deutsche Deckhengstlegende des frühen 21. Jahrhunderts, Sternkönig gewann in Düsseldorf den Großen Preis von Berlin in noch bestehender Rekordzeit und Kornado war ein sehr gutes Rennpferd, dem es im Gestüt vielleicht ein wenig an Chancen gemangelt hat.

Der Jahrgang 90 lief auf der Rennbahn als der deutsche Rennsport in der vielleicht höchsten Blüte seiner Geschichte stand. Internationale Klassepferde liefen in Deutschland, um sich mit den besten Pferden zu messen, deutsche Pferde starteten mehr und mehr in internationalen Rennen im Ausland und waren nicht mehr die früher belächelten Statisten, sondern vielfach die Protagonisten.

Jetzt muß sich der Jahrgang 09 beweisen und seine guten Leistungen als Dreijährige bestätigen. Diesem Jahrgang ist etwas gelungen, was noch nie zuvor in Deutschland gelungen ist – auch den legendären 90ern nicht. Die drei erstplazierten des Derbys haben diese Form alle durch einen Gruppe-1 Sieg nach dem Derby als Dreijährige bestätigt.

Der Derbysieger Pastorius gewann in München den Großen Dallmayr-Preis mit 8 Längen. Man muß bis zur legendären Schwarzgold zurück gehen, um einen Derbysieger zu finden, der im Rennen danach mit einem derartigen Vorsprung gewonnen hat. Pastorius geht auf die vom Stall Imperator importierte Princess Nana zurück und repräsentiert damit eine junge Importlinie.

Sein RunnerUp, Novellist bestätigte seine Derbyplazierung im Grand Premio del Jockey-Club Italiano in Mailand und schlug dabei Godolphins Australien-Import Retrieve.  Novellist hat ein Pedigree zum Niederknien. Von Monsun aus der Night Lagoon und entstammt damit der Linie der Catnip, die durch Federico Tesio die Vollblutzucht der Welt des 20. Jahrhunderts beeinflußt hat, wie wohl kaum eine zweite Stute. Über Nella da Gubbio kam die Linie nach Deutschland und hat in Erlenhof zahlreiche Spitzenpferde gebracht: Nereide – Neckar – Niederländer, um nur die Größten zu nennen.

Der Dritte im Derby, Girolamo aus Ebbesloher Zucht geht auf die Grave and Gay zurück, die in Waldfrieds großer Zeit zahlreiche Klassepferde gebracht hat. Erwähnt seien der großartige Gradivo, der das Pech hatte, als Dreijähriger gegen den noch besseren Ticino laufen zu müssen und Grande als Sieger des Großen Preis von Nordrhein Westfalen in Düsseldorf. In jüngerer Zeit sind vor allem die Römerhofer Stuten Ghana und Gaia aus dieser Linie hervorgegangen.  Authaal, Sieger im Irischen St. Leger als der wohl beste Sohn des unglücklichen Shergar stammt aus diesem Zweig der Linie.  Für Röttgen gewann Gyreka die Oaks d’Italia aus dieser Linie. Girolamo war Sieger im Preis von Europa. Dieses Jahr lief er im Dubai Sheema Classic, war aber ohne Chancen.

Der vierte im Bunde ist Feuerblitz. Im Deutschen Derby lief er farblos, dafür hat er das italienische Pendant gewonnen. Nach dem Derby war er auf höchstem Gruppe-Level dreimal Zweiter. Zuerst im Bayern-Pokal in München, dann im Preis von Europa und danach im Premio Roma. Die Form in Hong Kong sollte man streichen, da paßte vieles nicht un vielleicht war er auch über den Berg.

Es fällt schwer, den Jahrgang 90 mit dem Jahrgang 09 zu vergleichen. Damals kamen gute Pferde aus dem Ausland nach Deutschland, weil die deutschen Rennen lohnend dotiert waren. Heute liegt der deutsche Rennsport darnieder und die Zucht hat ein internationales Level erreicht, das man mit den 90ern nicht vergleichen kann.

Man darf gespannt sein, wie die Derby-Protagonisten überwintert haben und wie sie sich im Jahr eins nach Danedream schlagen werden. Wenn Sie sich international beweisen wollen, dann müssen Sie im Ausland erfolgreich sein, denn die Zeiten, wo internationale Klassepferde nach Deutschland kamen, sind leider vorbei. Der Rennsport in Deutschland bietet dafür leider keine adäquaten Dotierungen mehr – Leider!

Pastorius läuft heute im Prix Ganay, dem Aufgalopp für die französische Elite. Früher ging man in Deutschland in den Gerling-Preis, aber leider ist die Dotierung nicht mit dem Ganay zu vergleichen und so kann man den Saisonstart des Derbysiegers nicht live erleben.

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Deutsche Erfolge in Longchamp

Am Donnerstag war die Rennbahn von Longchamp fest in deutscher Hand. Im einleitenden Prix du Pre Catelan gewann Superplex (Multiplex) für den Stall Elvissa und Florian Figge vor dem Hof Westerberger Samos. Das war die erste deutsche Zweierwette und für den Sieger gab es lohnende 300:10. Es scheint, als wenn der junge Stall Elvissa nach Feuerblitz (2012 Sieger im Derby Italiano) einen neuen Derbykandidaten im Stall hat.

Im Prix Lord Seymour, einem Listenrennen über 2400 gewann Now we can (Martillo) vor Gentle Storm (Gentlewave) und Pirika (Monsun). Eine deutsche Hengstdreierwette.

Im weiteren Rahmenprogramm gewann noch Lieberman (Big Shuffle) und Funky Mary (Soldier Hollow) wurde Zweiter zu einer Platini-Enkelin.

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Animal Kingdom siegt im Dubai World Cup

Spricht man über die erfolgreichsten und bedeutendsten Hengste der deutschen Vollblutzucht, dann fallen relativ schnell drei Namen: Ticino, Acatenango und Monsun (die Reihenfolge ist dem Geburtsjahr geschuldet und soll keine Wertung darstellen).

Acatenango, der vor einigen Jahren abgetretene Fährhofer Stallion hat am Osterwochenende der an internationalen Erfolgen reichen deutschen Vollblutzucht ein weiteres absolutes Glanzlicht  aufgesetzt. Mit dem in den USA gezogenen und trainierten Animal Kingdom gewann erstmals ein Pferd mit deutschem Zuchthintergrund den mit 10 Mio US-Dollar dotieren Dubai World Cup. Animal Kingdom stammt von dem Brasilianer Leroidesanimeaux aus der Dalicia von Acatenango.

Nach einem Rennen aus dem Vordertreffen ging er eingangs der Geraden ganz souverän in Front, hatte in der Geraden teilweise einen größeren Vorsprung und gewann schließlich mit 2 Längen vor dem Engländer Red Cadeaux und dem jetzt für Qatar laufenden Ex-Franzosen Planteur. Die deutsche Hoffnung Kassiano kam nicht in die Plazierung. Nach einer Siegesserie war der Sprung in den Worldcup einfach zu groß.

Animal Kingdom sorgte bereits 2011 für eine große Sensation, als er das weltberühmte Kentucky Derby in Churchill Downs gewann. Nach den Belmont-Stakes war die Saison zu Ende und er wurde nur sporadisch an den Start gebracht. Die Gesundheit spielte nicht immer mit. Deswegen wiegt der Erfolg in Dubai umso mehr, weil die in den USA übliche und erlaubte Medikamentierung in der Wüste genau wie in Europa verboten ist.

Dubai World Cup 2013

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Auf Brillants Spuren

Kauto Star als angehendes DressurpferdWie Turf-Times berichtet, wird die Steepler-Legende Kauto Star in seiner neuen Rolle als angehendes Dressurpferd mit seiner Reiterin Laura Collett im Rahmenprogramm des Cheltenham-Meetings auftreten. Kauto Star ist einmal mehr der Beweis, daß Vollblüter bei entsprechender Ausbildung vorzügliche Dressurpferde werden können. Man darf auf den ersten Auftritt des Ausnahmesteeplers “under Rules” im Dressurviereck gespannt sein.

Derby-Dritter Brillant unter Willi SchultheisOb er aber noch einmal zu so großen Erfolge wird feiern können, wie der große Brillant, darf auch aufgrund Kauto Stars Alter ein wenig bezweifelt werden. Brillant aus der Zucht von Ferdi Leisten war nicht nur dritter in Mangons Deutschen Galopp-Derby im toten Rennen mit Julius Caesar. Brillant siegte danach noch im Deutschen Dressurderby und ist damit wohl das einzige Pferd weltweit, das im Galoppderby plaziert war und danach noch einen vollen Erfolg im Dressur-Derby seines Landes erreichen konnte. Allerdings war sein Ausbilder auch der unvergleichliche Willi Schultheis, Meisterschüler der Dressur-Legende Otto Lörke und selbst Ausbilder zahlreicher Weltklasse-Pferde und Reiter. Besser konnte es ein Vollblüter auf dem Weg zum Dressurpferd einfach nicht treffen!

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Shutterfly wird 20

Shutterfly, das Superpferd von  Meredith Michaels-Beerbaum wird 20. Auch von hier herzliche Glückwünsche.

Mit einer Gewinnsumme von 3.520.864 EUR ist er das gewinnreichste Springpferd aller Zeiten und Länder und Sieger in zahlreichen großen internationalen Prüfungen. Mit 18 gewann er als seine letzte Prüfung den Preis von Europa bei großen Fest des Pferdesports in Aachen. In der ewigen Bestenliste des deutschen Turfs stünde er direkt hinter Danedream an zweiter Stelle.

Was hat das mit Galopprennsport zu tun? Eigentlich nichts außer vielleicht der Tatsache, daß der Stutenvater ein Vollblüter ist und auch sonst noch ein paar XX-Pferde im Pedigree stehen.

Auf Facebook bekam das Geburtstagsphoto auf der Seite seiner Besitzerin stolze 12.300 likes bis zu Abend. Erstaunlich wenn man bedenkt, daß der damals neu ins Amt des DVR-Geschäftsführers gewählte Andreas Tiedtke auf der Pressekonferenz 2011 erklärte, daß Dressurreiten und Springreiten langweilige Sportarten seien und daß es nicht verständlich sei, daß dafür soviel Sendezeit im Fernsehen zur Verfügung stehe.

Entweder sind die Springreiter Marketing-Genies oder der Sport ist vielleicht doch nicht so langweilig, wie uns das DVR erklären will. Jedenfalls sollte diese enorme Popularität eines Springpferdes auf Facebook dem DVR zu denken geben und vielleicht auch die eigene Strategie überdenken.

Wieviel Fans hat nochmal German Racing, die Dachmarke des deutschen Galopprennsports? 2.597 sind es am Abend des 14. Januar.

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