Das Derbymeeting 2016

Das Derbymeeting 2016 ist Geschichte – ein kleiner Blick zurück.

Das erste Gruppe-Rennen des Meetings gewann Shy Witch aus dem Stall von Hans Jürgen Gröschel, geritten von Ian Ferguson und im Besitz von Karin Schwerdtfeger. Die Stute war nach zahlreichen guten Vorleistungen einfach dran.

Am Sonntag erlebten die Zuschauer die Rückkehr des wiedererstandenen Protectionist. Wie 2014 gewann er den Hansapreis aber dieses Jahr in überlegener Manier. Ein Lehnstuhlritt für Eddy Pedroza, der den Monsun-Sohn nur in Schwing halten mußte. Die verantwortlichen von Australian Bloodstock Stable ließen schon den Wunsch anklingen, ihn im November wieder im Melbourne-Cup sehen zu wollen, wozu sich Andreas Wöhler aber erst mal noch reserviert geäußert hat. Dem Vernehmen nach soll er jetzt im Großen Preis von Berlin in Hoppegarten laufen. Und träumen wir einfach mal von einer großen Herbstkampagne in Europa mit einem Ausflug nach Frankreich als Höhepunkt.

Den Flieger-Preis am dritten Tag gewann Der Contat-Sohn Schäng gewann als einziger Dreijähriger im Feld. Der Vater Contat gehört nicht unbedingt zur Elite der Deutschen Deckhengste. Und wenn ein Dreijähriger im Juli gegen die Älteren gewinnt, scheint der Derbyjahrgang dann doch nicht ganz so schlecht zu sein, wie zuerst vermutet. Auch daß Capitano den ersten Ausgleich I des Meetings mit hohem Gewicht als Dreijähriger gegen die Älteren gewann, spricht eher nicht unbedingt für einen schlechten Jahrgang.

Im “Langen Hamburger” am Mittwoch sah mit Rock of Romance einen soliden und bewährten Steher aus dem Stall von Andreas Wöhler und im Besitz des Schweizers Hans-Georg Stihl vorne. Dahinter belegte Summershine aus dem Stall der mecklenburgischen Besitzertrainerin  Anna Schleusner-Fruhriep den zweiten Platz. Das Quartier fällt immer wieder mit hervorragenden Leistungen eher bescheiden gezogener Pferde auf.
Zu bemerken ist noch der Ritt von Dennis Schiergen auf Amour de Nuit aus dem Stall von Sir Mark Prescott. Man kann es schon als Auszeichnung für den “Teilzeitprofi”, der hauptberuflich studiert, betrachten, wenn er von einem so renommierten und erfpolgrreichen Trainer aufs Pferd gesetzt wird, denn es gab einige Jockey mit größerer Reputation, die vor Ort waren, aber in dem Rennen keinen Ritt hatten.

Donnerstag war rennfrei und Freitag mußte der Renntag kurzfristig abgesagt werden, weil ein Starkregen am späten Vormittag die Bahn im Sinne des Worts unter Wasser setzte. Der Renntag fiel aus und die Hamburg-Trophy als Hauptrennen wurde am Dienstag in Hannover gelaufen.
Lotto Hamburg als Sponsor hatte 350 Gäste eingeladen, die den Rennausfall mit Humor zur Kenntnis nahmen. Das Essen sei fertig und wir sitzen im Trockenen und jetzt wird gefeiert, war die einhellige Meinung. Da keine Pferde störten, wurde die Musik lauter gedreht und die Gesellschaft löste sich denn in den Abendstunden auf – und Lotto Hamburg zahlt den Sponsoren-Anteil an den HRC trotzdem. So muß das sein!

Man mußte Schlimmes für das Derby befürchten, weil der Boden durch die vergangenen Renntage schon arg strapaziert war und dazu die Wassetrmassen am Freitag. Dazu kam, daß die vor einigen Jahren neu angelegte Innenbahn als Entlastungsbahn nicht genutzt werden konnte, weil durch die Wasserführung in Hamburg diese noch nasser war als die Hauptbahn. Sie war schlichtweg nicht einsetzbar.

Der Zuschauer-Raum im inneren der Bahn erinnerte eher an Woodstock als an das Derbymeeting. Matsch und Schlamm, wohin man sah. Aber so man hörte, war die Stimmung trotzdem gut und auch ein wenig nach dem Motto “jetzt erst recht”, wir lassen uns vom Schiet-Wetter doch nicht das Derbymeeting verderben.

Den Nutan – Hamburger Stutenpreis am Samstag sah mit Near England eine Lord of England Tochter aus dem Gestüt Wittekindshof, trainiert von Markus Klug und geritten von Andreas Helfenbein vorne.

Auf dem Geläuf war der Boden tief. Dazu zwei Zahlen. Gewann Protectionist den Hansa-Preis  mit 6,9 sec/100m brauchten die Stuten am Samstag im Nutan – Hamburger Stutenpreis 7,4 Sec/100m oder anders ausgedrückt, Protectionist gewann mit 51,6 km/h und Near England mit 48,4 km/h. Rechnete man die Zeit von Near England auf 2400m hoch, dann hätte der Derbysieger rund 2:58 für die klassischen 2400m gebraucht.

Aber es kam ganz anders. Hamburg hat wegen des Bodens schon öfter in der Kritik gestanden und das Direktorium wollte das wichtigste Rennen des Jahres deswegen schon mal an eine andere Bahn vergeben. Daß dies juristisch schon damals mehr als zweifelhaft war, ist eine andere Sache, aber das soll jetzt mal außen vor bleiben.
Jedenfalls hat man in Hamburg mächtig in das Geläuf investiert , die Bahn verbreitert, so daß man die Rails besser umsetzen kann, umfangreich die Grasnarbe saniert und vor allem eine effiziente Drainage installiert – und Petrus half den Hamburgern. Statt Regen gab es Sonne.

Die Bahn wurde Samstag bis Sonnenuntergang mit Sand aufgefüllt, so daß der Boden eben wurde. Dies alles geschah manuell, weil Maschinen Spuren hinterlassen hätten und das konnte man nicht wirklich gebrauchen. Drainage – Sonne und Arbeiten an der Bahn zeigten Wirkung. Die Zeiten am Sonntag waren deutlich schneller als am Samstag. Die Bahn war nicht mehr tief, sondern nur noch schwer. Auch wenn das natürlich nicht darüber hinwegtäuschen darf, daß die Bahn “benutzt” und von den vergangenen Renntagen in Mitleidenschaft gezogen war. Aber das wäre bei jeder anderen Bahn genauso.

Mit Abstrichen waren es gute Bedingungen für das Rennen der Rennen in Deutschland. Daß es als 10. Rennen gelaufen wurde, ist natürlich auch nicht optimal, aber auch den Rahmenbedingungen im Rennsport geschuldet. Der Besuch mit rund 18.000 Zuschauern und zum Derby mit gut 20.000 Zuschauern war im historischen Vergleich nicht überragend, aber aktuell kann sich die Zahl sehen lassen.

Derbysieger wurde mit Isfahan einen Lord of England-Sohn aus dem Stall Darius und von
Andreas Wöhler trainiert. Isfahan vor Savoir Vvire aus dem Stall Ullmann und Dschingis Secret im Besitz von Horst Pudwill  lautete der Einlauf.

Der Favorit Boscaccio aus dem Stall von Christian Sprengel lkam mit dem Boden gar nicht klar und wurde Achter, ebenso der Landofhopeandglory aus dem Coolmore-Imperium, der enttäuschender Vorletzter wurde. Bei ihm als Vertreter der Waldrun-Familie hätte man eigentlich annehmen können, daß er den Boden kann und Aidan O’Brien muß sichtlich enttäuscht über das Abschneiden seines Schützlings gewesen sein. Aber man sollte auch nicht vergessen, daß der Hengst zuletzt ein strammes Programm absolviert hat.Am 17. Juni während Royal Ascot über 3216m, am 26. Juni  über 2816m und dann am 10. Juli im Derby. Drei schwere Rennen in 3 1/2 Wochen. Das muß ein Pferd erst mal wegstecken.

Die Abstände waren knapp und es gab nach dem Rennen heftige Diskussion wegen des Peitschengebrauchs und daß Dschingis Secret der moralische Sieger war, weil Martin Seidl sich weitgehen an die deutschen Vorschriften zum Peitschengebrauch gehalten habe. Dazu in einigen Tagen mehr.

Jedenfalls muß der Derbysieger ein ziemlich gutes Pferd sein, denn eigentlich war er von Savoir Vivre schon passiert und packte dann noch einmal groß an, um die Kiste nach Hause zu schaukeln. Und es war schön, daß die drei Erstplazierten Pferde alle von einem in Deutschland aufgestellten Deckhengst abstammen.

Und sonst?
Natürlich wurde in den sozialen Medien heftig über den Derbystandort gestritten und daß Hamburg dafür einfach nicht die richtige Bahn sei und das Derby am Besten nach Hoppegarten gehe, weil Geläuf und Rennbahn einfach besser zum Derby passen.

Allen Kritikern sei dazu Folgendes gesagt.
Das Derby ist seit einigen Jahren im Prinzip ohne echten Sponsor und es ist nicht das einzige Gruppe-Rennen, bei dem der Veranstalter Schwierigkeiten mit dem Sponsoring hat. Auch der Große Preis von Baden wird ohne echten Sponsor gelaufen. Es ist also kein Hamburger Problem.

Und welcher Verein hat ein Vorstandsmitglied, das “mal eben” aus Passion und aus einem hanseatischen Pflichtgefühl heraus jedes Jahr den Wert eines besseren Einfamilienhauses auf den Tisch legt, damit sich ganz Turfdeutschland über Hamburg als Derbystandort aufregen kann?

In den großen Rennen zahlt Hamburg nur noch die deutsche Standard-Dotierung, aber in den kleinen Rennen ist die Dotierung deutlich höher als im Rest der Republik. Um es klar zu sagen, Hamburg zahlt die besten Rennpreise in Deutschland! Und vergleicht man das Rahmenprogramm des Derbytags mit dem Rahmenprogramm eines anderen Gruppe-1 Renntags in Deutschland. Dann ist der Unterschied eklatant. Ein Ausgleich I, ein Listenrennen, zwei Auktionsrennen und kein Ausgleich IV! Das sieht auf anderen Bahnen leider ganz anders aus.

Die Bahn war schwer, aber in Ordnung. Es muß auch mal ein Derby auf schwerer Bahn geben,  immer nur Boden gut ist langweilig. Es gab nicht wenige, die in Hamburg gewonnen haben und sich über den Boden richtig gehend gefreut haben. Immer nur “Boden gut” ist auch langweilig und es kann auch nicht im Sinne der Zucht sein, wenn nur noch Pferde für trockenen Boden in den großen Rennen nach vorne laufen.

Die Maßnahmen des HRC unter Federführung von Volker Linde am Geläuf haben sich gelohnt. Was noch fehlt, ist eine Verbesserung im Zuschauerbereich. Das Derbymeeting ist ja nicht Woodstock. Bei schönem Wetter ist der Rasen ein angenehmer Boden  - aber bei Regen wird es eben eine Schlammwüste – Leider.

Das Wettgeschäft
Gewettet wurde in Hamburg ordentlich. Nach dem ersten Wochenende hatte man ein Plus in den Kassen. Die Zahlen liegen noch nicht vor, wreil dieses jahr erstmals eine enge Zusammenarbeit mit der französischen PMU erfolgte.  Das führte auch zu zahlreichen technischen Problemen. Bei einigen Wettanbietern war die Wettart Sieg teilweise nicht im Angebot etc. Kinderkrankheiten, die hoffentlich bald beseitigt sind. Aber eigentlich dürften sie bei dem Anspruch, den die PMU hat, erst gar nicht auftreten.

Die deutschen Wettanbieter.Es ist natürlich schwierig für den HRC wenn Pferdewetten und Racebets während der Derbywette mit Bonusaktionen von 25% werben und dann die Voreinstellung im Wettportal auf “Buchmacherwette” steht. Besonders bei Racebets, die doch eigentlich Partner des Rennsports sind, stößt so etwas sauer auf. Wer solche Freunde hat, der braucht keine Feinde mehr. Und vor seinen Feinden kann man sich bekanntlich besser schützen als vor seinen Freunden.

Es bleibt die spannende Frage, wie und wann die Rennbahn umgebaut wird. Der Hamburger Senat muß dem offen gegenüber stehen, aber es wird wohl noch einiges Wasser die Elbe runter fließen, bis das spruchreif ist.
Das Geläuf ist okay – der Zuschauerbereich wird von einem solchen Umbau hoffentlich profitieren.

Eigentlich sollte der After-Work-Renntag am Dienstag auch noch in Hamburg gelaufen werden. Aber der wurde dann aus nicht allgemein bekannten Gründen nach Hannover vergeben.

Und 2017 ist wieder Derby in Hamburg – und es wird wieder über Bahn und Boden geflucht. So ist das eben in Turfdeutschland.

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Deutsches Derby 2016 – Auf den Spuren von Mah Jong

Mah Jong hält seit fast 90 Jahren einen eigentlich uneinholbaren Rekord im Deutschen Derby. Er ist mit 3:03 min der langsamste aller Derbysieger seit Beginn der Zeitmessung in Hamburg bzw. seit das Derby über 2400m gelaufen wird.

Es hat auch in der jüngeren Geschichte einige Schlammschlachten auf dem Horner Moor gegeben. 1980 war so ein Jahr. Navarino gewann auf tiefem Boden in 2:48,1 (offizielle Bodenangabe: tief) und damit in der langsamsten Zeit seit Endes des zweiten Weltkriegs. Robertico 1998 war auch ein Schlammkönig von Hamburg, genauso wie Zauberer 1978. Bernd Selle kann sehr lebendig von diesem Derby berichten.

Und dieses Jahr könnte es einen neuen Rekord für das langsamste Derby geben – vielleicht nicht nur für die langsamste Nachkriegszeit, sondern für die langsamste Zeit überhaut. Der Rekord von Mah Jong scheint erstmals in Gefahr zu geraten. Eine kühne Annahme, ein Schlechtreden? Keineswegs. Am Samstag sind die Stuten in einem Gruppe-3 Rennen über 2200m 2:43,6 gelaufen. Rechnet man diese Zeit auf 2400m hoch, muß man nochmal rund 15 Sekunden dazu rechnet und kommt auf eine rechnerische Zeit von rund 2:58. Das ist nur 5 Sekunden von Maj Jongs Rekord entfernt.

Bekommt Hamburg heute noch mal Regen ab – wie sieht dann der Boden morgen aus, wenn das Derby gestartet wird. Hoffentlich kann man die Startmaschine bewegen und muß nicht auf Bänderstart ausweichen. Auf jeden Fall wird es ein Derby der Spezialisten werden. Und leider – das muß auch gesagt werden – sind die Derbysieger auf schwerem Boden selten als große Rennpferde in die Geschichte eingegangen und als Deckhengst haben sie sich auch nicht sonderlich hervorgetan. Das gilt sowohl für die Derbysieger der jüngeren Vergangenheit als auch für die “Historischen”.

Wai Key Star
Mit drei Starts ist der Soldier Hollow-Sohn aus dem Stall Salzburg noch nicht oft am Ablauf gewesen. Sein Sieg im ehemaligen Albert v. Metzler Rennen, das dieses Jahr wegen der Frankfurter Querelen in Baden-Baden gelaufen wurde, sah sicher nicht schlecht aus – aber reicht bei den Bedingungen die Routine?

Boscaccio
Bei vier Starts ungeschlagen – das Pferd mit der weißen Weste. Bei strahlendem Sonnenschein hat er die Union gewonnen. Mit Christian Sprengel hat er einen Trainer, dessen zahlreiche Verwandte im Sport mehr Sieger trainiert haben dürften als die Verwandschaft aller anderen Derbytrainer in diesem Jahr  zusammen. Dennis Schiergen hat als Amateur in Berlin schon mal Gruppe 1-Luft geschnuppert und auch nach dem Wechsel ins Profi-Lager kann sich sein Rekord sehen lassen. Aber auf dem Favoriten oder Mitfavoriten im Derby zu sitzen, ist ein anderes Gefühl – und ein ganz anderer Druck. Nicht unbedingt der beste Jockey steuert den Sieger, sondern der mit den besten Nerven – und vielleicht gelingt Dennis das, was seinem Vater nicht gelungen ist – ein Derbysieg im Sattel.

El Loco
Er kommt zwar aus Röttgener Zucht, aber er repräsentiert die Waldfrieder Linie der Egina, aus der schon der Derbysieger von 1968 hervorgegangen ist. Und die Sippe kann allgemein weichen Boden, das paßt schon mal. Aber so richtig den Biß für Sieger hat El Loco nicht. Beim Debut gewonnen und danach immer brav auf den Ehrenplatz gelaufen. Und Röttgen teilt mit Schalke das Schicksal, daß die einen die Salatschüssel und die anderen den Derbypott zuletzt 1959 gewonnen haben – ob Röttgen den Fluch vor Schalke besiegt?

Dschingis Secret
Die zweiten Waffe von Röttgens Trainer Markus Klug und noch ein Sohn des “Soldaten” und  genau wie Wai Key Star aus Wiedinger Zucht. Seit 106 Tagen wartet er am Derbytag auf den nächsten Sieg. Nette Formen hat er im Tornister – aber den Marschallstab seh ich da nicht versteckt.

Isfahan
Der Winterfavorit gewann dieses Jahr das Bavarian Classic und war Fünfter im Derby Italiano. Seine Mutter brachte schon zwei Gruppe-Pferde vor ihm, aber Bodenspezialisten sehe ich da nicht. Darius Racing erinnert mich gerade an den großen Perserkönig, der bei Issos die große Keilerei gewann und die Griechen in den Knie zwang – aber die Form ist schon 2349 Jahre alt – nicht mehr ganz frisch.

Parthenius
Der kleine rechte Bruder von Pastorius, der 2012 keinen geringeren als Novellist in einer Kampfankunft in Hamburg auf den zweiten Platz verwies. Parthenius ist Sieger im Herzog von  Ratibor Rennen, dreijährig nur im Dr. Busch Memorial gelaufen und noch ein Soldier Hollow.  Den Derbysieg zweier Vollbrüder hat es noch nicht gegeben. Sollte Parthenius Geschichte schreiben?

Landofhopeandglory
Der nachgenannte Gast aus Irland aus dem mächtigen O’Brien -Quartier. Wetterbedingt liegt er mir inzwischen schwer im Magen. Ein Sproß der alten Waldrun-Familie, die schon drei Derby-Sieger gestellt hat und die zwar nicht spezialisiert auf schwere Bahn ist, den Boden aber ziemlich gut kann. Neun Starts hat der High Chaparral-Sohn schon im Bauch, aber außer beim Debut hat er noch nicht gewonnen. Er ist mehr in den zwei Meilen Rennen und nicht auf den klassischen 2400m gelaufen. Zuletzt war er Zweiter im Curragh Cup über rund 2800m. Die schienen ihm besser zu gefallen als die 3200m aus der Queens Vase.
Und Waldpark war damals auch ein eher unbeschriebenes Pferd, als er das Derby gewann.

Noble House
Landos letzter Jahrgang. Einen Sieg hat der Lando-Sohn im Rekord stehen – und Lando lief am Besten auf der Autobahn. Harte Piste, wie im Japan Cup 1995 und im Derby 1993, in dem er Monsun und Sternkönig niederrang. Meine beste Derbywette ever und einer der besten Jahrgänge im deutschen Turf überhaupt. Aber Autobahn ist in Horn heute nicht und ich glaub es einfach nicht.

Berghain
Einmal gewonnen – nett gelaufen in den angesagten Vorprüfungen. Aber zwingend sieht für mich anders aus.

Nimrod
Noch ein High Chaparral. Sechs Stars, ein Sieg, mit Dennis’ kleinem Bruder im Sattel. Wann hat eine Mutter schon mal zwei Jockeys im Derbyfeld? Wird auch noch nicht so oft vorgekommen sein. Nimrods Mutter war klassische Siegerin in den Oaks d’Italia. Aber die Klasse scheint er nicht zu haben. Nettes Pferd, aber nicht zwingend im Derby.

Savoir Vivre
Auch wenn er in den Farben des Stalles Ullmann läuft, ist er ein Schlenderhaner durch und durch. Adlerflug gewann nach langer Durststrecke für die alte Baronin Ullmann das Derby 2007 auf offiziell weicher Bahn – und die Zeit paßt auch dazu. Aber es waren damals vor der Sanierung des Geläufs in Hamburg auch nicht die besten Verhältnisse. Der Boden war aufgewühlt und man wollte Adlerflug zum Nichtstarter machen,. Aber die Baronin wollte laufen – und hatte recht! Die Mutterlinie ist das Beste vom Besten, was die deutsche Vollblutzucht hat: Die Schwarzgold-Familie und darüber zu berichten, hieße Eulen nach Athen zu tragen. Ich glaube, daß Savoir Vivre den Boden kann – aber drei Lebensstarts sind nicht viel Routine. Trotzdem mag ich ihn und hoffe auf ihn. Und mit Frederick Tylicki hat er einen guten Jockey im Sattel – wie der Vater so der Sohn?

Our Last Summer
Der Gast aus Norwegen will den Deutschen an der Elbe das Fürchten lehren. Sommer hatten wir dieses Jahr noch nicht und der Sieg in den Norsk 2000 Guineas ist nicht wirklich eine Referenz für das Deutsche Derby. Ich glaube nicht dran.

Landin
Ein weiterer Starter aus dem großen Schiergen-Stall. Drei Starts, ein Sieg im Sieglosen. Das reicht wohl nicht.

Licinius
Aus Fährhofer Zucht in den Farben des Stalls Mandarin, trainiert von Yasmin Almenräder. Ein Sieg und im Bavarian Classic mitgelaufen … hmmm.

Bora Rock
Noch ein Schiergen-Pferd, aber sieglos – ein ziemlich unwahrscheinlicher Derby-Sieger

Larry
Schon teilweise in australischem Besitz und in Hoppegarten von Uwe Stech trainiert. Zwei Starts, zwei Siege in kleinen Rennen. Beim zweiten Start überlegen gewonnen. Sein Vater Literato hat zwar die Champion Stakes von Newmarket und noch andere gute Rennen gewonnen, aber als Deckhengst reißt er in Frankreich keine Bäume aus. Aber irgendwie ist das ein Dunkler, von dem man nicht weiß, ob da noch mehr im Tank ist.

Zanini
Der Deutsche mit 9 Starts und gleichauf mit Landofhopeandglory, aber sieglos. Die Besitzer haben wohl mal eine Derbynennung riskiert und wollen jetzt gerne mal dabei sein. Kann ich gut verstehen, aber es reicht einfach nicht.

Rosenhill
Der Tiger Hill Sohn ist Sieger in einer leichten Aufgabe in München. Mit Eva-Maria Zwingelstein hat er die einzige Frau in diesem Derby im Sattel. Mit Rosengeste hat er eine tolle Mutter, aber sein Vater ist damals selbst im Schlamm von Horn steckengeblieben. Er mochte den Boden einfach nicht – und sein Sohn wird es auch nicht können.

Buzzy
Aus dem Stall von Besitzertrainer Guido Förster hat sich mit einem Sieg in Hamburg vor Wochenfrist das Derbyticket geholt. Das Horner Moor kennt er schon und es scheint ihm zu gefallen. Aber auch hier ist eher der olympische Gedanke als eine echte Siegchance der Grund für einen Start.

Und das Resumée von der Geschicht? Das Derby ist wie Königsberger Klopse, da ist alles drin, hat Heinz Jentzsch einmal gesagt. Stimmt für dieses Jahr besonders, denn nicht allein die Klasse wird entscheiden, sondern auch die Fähigkeit, auf diesem Boden schnell laufen zu können.

Einen Sympathie-Fünfer bekommt Boscaccio, weil die Form stimmt und die Weste sauber ist und auch weil ich es dem Team und besonders Christian Sprengel wünsche. Und ein Studiker als Derby-Siegreiter wäre auch ein neues Kapitel im großen Buch des Turfs. Und Savoir Vivre bekommt auch einen Sympathie-Fünfer. Adlerflug – Tylicki und Schlenderhan. Ich fänd es klasse! Und El Loco, damit der Derby-Fluch für 4711 gebrochen wird. Aber ich fürchte, es gibt einen irren Sieger!

Aber egal, wer gewinnt. Das Wichtigste ist ein ordentliches Rennen ohne Zwischenfälle, und daß alle Kandidaten gesund nach Hause kommen.

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Hamburg sagt Freitag-Renntag ab.

Hier im Rheinland ist zwar drückende Luft, aber es ist schönes Wetter mit viel Sonne. Da hatte man die Hoffnung, daß es in HH ähnlich ist und die Bahn abtrocknet und besser präpariert werden kann.

Aber dem ist nicht so – so wie es aussieht, ist in HH der Himmel runter gekommen und das Wasser steht auf der Bahn. Der Hamburger Rennclub hat die Reißleine gezogen und den Renntag am Freitag gecancelt und mitgeteilt, daß die Rennen nicht nachgeholt werden. Ein Gruppe-Rennen und ein Ausgleich I werden nicht gelaufen.

Aus Hamburger Sicht verständlich, denn den Renntag auf Montag zu verlegen, würde wahrscheinlich ein ziemliches Negativgeschäft werden – und nächste Woche noch mal Stimmung auf der Bahn zu bekommen, dürfte ebenso schwer sein.

Am Dienstag wird in Hannover der PMU-Renntag gelaufen, der eigentlich in HH gelaufen werden sollte. Eigentlich wäre es eine praktikable Lösung, wenn die beiden Hauptrennen des heutigen Tages am Dienstag in Hannover nachgeholt werden. Der Preis des Hannoverschen Rennvereins macht sich auch in Hannover gut – und Lotto Hamburg als Körperschaft des öffentlichen Rechts sollte einfach alle Augen einschließlich der Hühneraugen zudrücken und der Verlegung auf eine Bahn außerhalb des eigenen Hoheitsgebiets zustimmen.

Noch besser wäre es, den Renntag nach Bremen zu verlegen. Allein schon, damit der Galoppsport in Bremen Flagge zeigt, ist es sinnvoll, den Renntag mit Unterstützung der PMU am nächsten Sonntag durchzuführen. Dafür müßte das DVR sich dahinter klemmen und dieses mit PMU verhandeln – wahrscheinlich das schwächste Glied in der Kette. Und Bremen muß am Montag Bescheid wissen  - und dann die Werbetrommel ganz laut schlagen! Hansestadt hilft Hansestadt – oder so…

Das Jahresprogramm des Rennsports in Deutschland so schon mehr als dünn. Jedes Rennen ist wichtig!!

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Der Boden von Hamburg

“Und Gott erschuf im Zorn, die Galopp-Rennbahn von Hamburg-Horn” lautet ein uraltes “Bonmot” des Turfs. Warum das so ist, auf was es sich bezieht – keiner weiß es heute mehr. Von denen, die es einst in die Welt gesetzt haben, lebt schon ewig keiner mehr.

Aber wohl kein anderen Rennverein hat nach erheblicher Kritik in den letzten Jahren auch nur annähernd so viel Geld in die Verbesserung des Geläufs investiert, wie der Hamburger Rennclub. Letztes Jahr war der Rasen bei brütender Hitze wie ein Teppich, selbst am Derbytag war der Boden von sehr guter Qualität. Volker Linde hatte als damals neues Mitglied des Vorstands die Bahn verbreitert und den Boden insgesamt aufarbeiten lassen. Jetzt ist Hamburg die wohl einzige Bahn in Deutschland mit einem derart breiten Geläuf, daß man praktisch zwei Bahnen nebeneinander abstecken kann.

Aber das hat dieses Jahr fast nichts geholfen. Die neu geschaffene Innenbahn ist fast nicht zu benutzen, weil zu naß. Die “normale Bahn” ist aber auch nicht viel besser, 2:55,0 Min sind die Pferde am Mittwoch über die klassischen 2400m gelaufen. Das ist schon fast wie Mah Jong im legendären Sumpfderby von 1927.

Aber welche Bahn sähe bei den Wetterverhältnissen und dieser Beanspruchung denn besser aus?

Jetzt heißt es Geläuf schonen – deswegen sind die Trabrennen am Freitag abgesagt. Es werden nur 6 Rennen gelaufen. Und hoffentlich bleibt es trocken, dann kann sich der Boden bis Sonntag um einiges erholen und es ist den Hamburgern zu wünschen, daß sie die Lage bestmöglich in den Griff bekommen.

Es wäre mehr als einfach nur ein Jammer, wenn die massiven Bemühungen des Rennclubs ein möglichst perfektes Geläuf für das wichtigste Rennen des Jahres zu präsentieren, durch einen Regensommer zunichte gemacht wird.

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Landofhopeandglory für das Derby nachgenannt

Wie Turf-Times gerade meldet, ist Landofhopeandglory anderthalb Stunden vor der Deadline von Aidan O’Brien für das Deutsche Derby nachgenannt worden.

Landofhopeandglory ist aus der Wurfklinge gezogen und vertritt eine alte Ravensberger Familie, die mit Waldpark, Waidwerk und Wilderer schon drei Derbysieger gestellt hat. Seine Mutter Wurfklinge war im Hoppegartener Preis der Dreijährigen über 2800m Dritte gegen den späteren Gruppe-Sieger Rotteck (u. a. Hansa-Preis) und Selvas.

Landofhopeandglory wurde zu den besseren Pferden in seinem Quartier gerechnet, konnte die Hoffnungen  aber nicht ganz erfüllen. In einem Auktionsrennen in Newmarket im April wurde er Vierter, ebenso in der Queens Vase während Royal Ascot. Letzte Woche wurde er während des Derbymeetings auf dem Curragh Zweiter im zur Gruppe 2 zählenden Curragh Cup über rund 2800m.

Auch wenn er aus einem großen und sehr erfolgreichen Stall kommt und man dort nicht mal eben so eine Nachnennung für 65.000 EUR abgibt und auch wenn er eine der besten Stutenlinien der deutschen Vollblutzucht vertritt, sollte er von den deutschen Pferden geschlagen werden können.

Jedenfalls ist es ein sehr interessanter Kandidat vor allem für das Publikum – und hoffentlich gibt sich “The Master of Ballydoyle” persönlich die Ehre in Hamburg

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Hamburger Derbywoche – das erste Wochenende mit Shy Witch und Protectionist

Am Samstag ist Hamburg in die Derbywoche gestartet. Am ersten Tag wurde die Hamburger Stutenmeile als Memorial für den großen Präsidenten des HRC, Franz Günther von Gaertner gelaufen. Hamburg ehrt seinen Ex-Präsidenten, der viel Gutes für den Renn-Club und den Galoppsport in Deutschland insgesamt getan hat, jedes Jahr durch die Stutenmeile. Andere Bahnen tun sich damit leider schwer. Der Fürst zu Oettingen und viele andere  hätten ein solches Memorial mit Sicherheit auch verdient.

Gewonnen wurde das Rennen von Shy Witch aus dem Besitz von Frau Karin Schwerdtfeger. Die Stute war einfach dran, in den 1000 Guineas in Düsseldorf wurde sie nur von einer starken  Ausländerin geschlagen. Auf der Meile gehört sie jetzt zu den besten Stuten Deutschlands. Für die Diana hat sie kein Engagement und ob sie stehen kann, ist bei der Abstammung eh fraglich.

Karin Schwerdtfeger ist die Witwe des vor einigen Jahren im hohen Alter gestorbenen Max Schwerdtfeger. Max Schwerdtfeger war vor und nach dem Krieg trotz seiner stattlichen Größe  ein erfolgreicher Amateurrennreiter. Im Krieg war er Oberst iG der 4.Kavallerie-Division und  hat 1945 rund 20.000 Soldaten das Leben gerettet. Seine damalige Ordonnanz, Caspar Schuller aus Düsseldorf kann darüber sehr lebhaft berichten. Aber leider habe ich ihn bis heute nicht dafür gewinnen können, diese Geschichte einmal aufzuschreiben.

Hans-Jürgen Gröschel hat seine Pferde im Moment mehr als gut in Schuß und mit Shy Witch und Iquitos (Sieger im Preis der Badischen Wirtschaft) hat er zwei echte Grand-Prix Pferde im Stall.

Der erste Sonntag des Meetings stand im Zeichen des Hansa-Preises – und vor allem stand die Frage im Raum, ob Protektionist noch der “alte” ist. 2014 war hier sein Stern aufgegangen und über einen Sieg in Prix Kergolay ging es nach Australien, wo er als erster Deutscher den Melbourne-Cup gewonnen hat. Es war eine der besonderen Sternstunden der deutschen Vollblutzucht.

Was dann kam, ist bekannt. Er wurde vor dem Cup an eine australische Besitzergemeinschaft verkauft, blieb in Australien im Training und es funktionierte nichts mehr. Mal war er im Mittelfeld, mal hat er das Feld gnadenlos vor sich hergejagt, aber in die Geldränge war er für seinen neuen Trainer nie gelaufen. Allerdings war auch das Management sehr wunderlich. Ein Pferd, das seine großen Erfolge über Steherdistanzen gefeiert hat, wurde über die Meile aufgeboten. So, als wenn man Black Caviar in Ascot nicht in den Diamond Jubilee Stakes, sondern im Ascot Gold Cup angespannt und sich dann gewundert hätte, daß sie nicht gewinnt.

Nach einem desaströsen Abschneiden im Caulfield Cup über eigentlich passende 2400m wurde er zurück nach Europa zu Andreas Wöhler geschickt. Wenn man die Photos sieht, die damals bei seiner Ankunft in Gütersloh veröffentlicht wurden, kam er als ziemlich “armes” Pferd zurück nach Europa. Woran das auch immer gelegen haben mag. Andreas Wöhler äußerte sich in der für ihn typischen zurückhaltenden, leisen Art – und wies auch auf die bekannten gesundheitlichen Probleme seines Schützlings hin.

Protectionist bekam die Zeit, die er brauchte und zum Aufwärmen eine leichte Aufgabe auf dem Düsseldorfer Grafenberg, die er natürlich standesgemäß in einen Sieg verwandelte. In Hamburg war es die Rückkehr in seine Heimat, in die Champions League und  daß er da noch zu Hause ist, hat er eindrucksvoll mit 3 1/4 Längen bewiesen. Internationale Konkurrenz war leider nicht am Start. Die Pferde in Deutschland sind einfach zu gut und die Geldpreise sind zu gering, um gute Pferde aus Frankreich oder England nach Deutschland zu locken.
Geht es jetzt wieder nach Frankreich in den Kergolay? Wenn er da auch als Sieger über die Linie geht, sollte man sich in Australien schon mal Gedanken machen. Aber bitte nicht noch einmal den gleichen Fehler machen und ihn ins Australien in Training geben. Das funktioniert mit diesem Pferd scheinbar nicht. Allerdings ist Protectionist nächstes Jahr sieben – und da sollte man bei einem Pferd seiner Klasse langsam mal nach einem Platz als Deckhengst Ausschau halten.

Wie auch immer – der Sieg von Protectionist ist ein sehr eindrucksvoller Beweis, daß Andreas Wöhler nicht einfach nur ein guter Trainer ist, sondern verdammt gut mit Pferden umgehen kann und auch solche, die auf den ersten Blick ziemlich fertig zu sein scheinen, wieder zu großer Klasse führt – es hat schon Hauch von Genie, wenn man das Auf und Ab von Protectionist sieht.

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Terminplanung Galopp contra EM

Heute Abend um 18 Uhr hat Deutschland ein EM-Gruppenspiel in Frankreich. Heute um 17 Uhr ist erster Start des Abendrenntags in Krefeld. Der Renntag ist über die PMU abgesichert, wie sich an den recht guten Rennpreisen unschwer ablesen läßt.

Die Rennbahn wird leer sein und das Präsidium (wenn es denn vor Ort ist), wird jeden Besucher einzeln mit Handschlag begrüßen können. Sozusagen eine menschenleere Rennbahn – frei nach dem Motto, Galopprennen ist, wenn eh keiner hingeht.

Die Partnerschaft mit der PMU ermöglicht, auch unter der Woche finanzierte Renntage abzuhalten. Das heißt aber noch lange nicht, daß man menschenleere Rennbahnen in Deutschland provozieren muß. Bei aller Absicherung durch Frankreich muß der Rennsport in Deutschland dringend wieder auf mehr Popularität gewinnen und mehr Umsatz generieren. Die vollkommene Abhängigkeit von Frankreich darf nicht die Lösung sein.

Es ist einfach ein Zeugnis schlechter Koordination und Terminabstimmung, einen Renntag in direkter Konkurrenz zu einem EM-Spiel der deutschen Mannschaft anzusetzen. Der Spielplan wurde ja nicht erst zwei Wochen vor dem Turnier veröffentlicht.

Einen weiteren Kommentar an dieser Stelle verkneife ich mir.

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Zahl der Woche

6.517.505 britische Pfund (GBP) oder 8.277.231 EUR betrug die Gesamtdotierung der Rennen des Royal Ascot Meetings. Eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr von rund 14%.  Wertvollstes Rennen waren die Prince of Wales Stakes mit einer Dotierung von rund 737.000 GBP oder 936.000 EUR. Die “Basis-Rennen” des königlichen Meetings waren mit 78.696 GBP oder mit 99.944 EUR dotiert.

Heute wird in Köln die Union gelaufen. Das älteste durchgehend in Deutschland gelaufene Galopprennen und immer noch die wichtigste Vorprüfung für das Deutsche Derby in Hamburg. Die Dotierung beträgt 70.000 EUR. 2010 betrug sie für dieses wichtige Rennen noch 100.000 EUR, ein Rückgang um 30% und die Gruppe-II Prüfung ist 30% geringer dotiert als ein Basis-Rennen des königlichen Meetings von Ascot.

Einen schönen Sonntag!

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Fußball trifft Galopp in Saint Cloud

Nein, diesmal keine neue Meldung und keine Hintergründe über den Rennbahnstreit in Frankfurt.

Am Donnerstag waren in Frankreich Rennen in Saint-Cloud. Das russische Fußballteam nutzte den freien Tag für einen Ausflug auf die Rennbahn. Initiator dieses Ausflugs war wohl der Masseur der russischen Mannschaft: Mikhail Nasibov

Sein Vater ist niemand anders, als die russische Turf-Legende Nikolai Nasibov, der der Jockey  und Trainer einer anderen russischen Legende war: Anilin. Das russische Wunderpferd ist bis heute der einziges dreifache Sieger im damals noch sehr hoch dotierten Preis von Europa in Köln 1965,1966 und 1967. 1965 schlug er Kronzeuge mit 4 Längen, 1966 war der Einlauf Rußland – England – Frankreich. Und 1967 wurde Luciano mit vier Längen abserviert.

Dazu kamen Plazierungen im Washington DC International, dem damals wertvollsten Einladungsrennen der Welt und ein fünfter Platz im von Sea-Bird gewonnenen Arc 1965. Einen Rennrekord, den damals kein Vollblüter aus Deutschland vorzuweisen hatte.
Wer sich an die damaligen politischen Verhältnisse erinnert, kann sich denken, wie diese Erfolge eines russischen “volkseigenen” Pferdes über die Galopper des Kapitalismus politisch ausgeschlachtet wurde.

Ich habe Nasibov noch in den 70ern erlebt, als er als Trainer bzw Equipe-Chef der Russen öfter in Deutschland war. Es waren interessante “Auftritte” der Russen. Ich werde nie den Russen vergessen, der im Düsseldorfer Führring ohne Pferdeführer seine Runden drehte. Der Jockey in Sovjet-Farbe rot mit gelber Kappe. Diese Kappe war keine richtige Jockey-Kappe, die hielt mit einem Gummiband unter dem Kinn – und einen Helm hatte er auch nicht auf. Das Pferd sah irgendwie aus wie ein Panje-Pony mit strubbeliger Mähne. Ernst nehmen konnte man das Paar nicht wirklich. Im Ziel waren die russischen Pferde dann 1-2 und der Panje hatte gewonnen. Und es war ein Gruppe-3-Rennen!

Sie hatten auch Pferde in Jagdrennen laufen, 1977 – da kamen die Jockeys dann mit Bauarbeiterhelm, der mit Klebeband festgeklebt war.  Leider habe ich damals nur selten einen Photoapparat mit auf die Rennbahn genommen.

Aden aus dem russischen Team gewann 1978 dann auch noch den Preis von Europa. Es war wieder der Sieg des Sozialismus über den Kapitalismus:  Rußland-Frankreich-.Frankreich und Dritte in diesem Europapreis wurde die großartige Trillion, eine der besten Rennstuten der damaligen Zeit.

Aber es war nach meiner Erinnerung auch der letzte große Sieg eines russischen Pferdes im Westen. Danach ging bergab mit Rußland…

Und am Rande: Nikolaj Nasibov war kein Russe, er war Aserbaidschaner. Das hatte man meinem Vater bei seinen damals häufigen Ausflügen in die SBZ erklärt. Und man legte beim großen Bruder in Moskau sehr großen Wert auf diese Unterscheidung – warum auch immer.

Der Rennrekord von Anilin bei Galopp-Sieger

Über Anilin berichtete damals auch der Spiegel

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50 Royal Ascot-Sieger für Aidan P O’Brien

Aidan Patrick O’Brien ist zweifelsohne einer der ganz großen Trainer im Vollblutsport. Jahr für Jahr sattelt er zwischen 10 und 20 Gruppe-1-Sieger. Viele große Rennen sehen regelmäßig die Pferde des Master of Ballydoyle vorne. Mit einer Besitzergemeinschaft Tabor/Magnier/Smith im Hintergrund hat er auch mit das Beste vom Besten im Stall, was in der Welt des Vollbluts unterwegs ist.

Es wundert deswegen schon ein wenig, daß er erst dieses Jahr seinen 50. Sieger beim königlichen Meeting von Royal Ascot gesattelt hat. Sein erster Sieger war 1997 Harbour Master in den Coventry Stakes, geritten von Chris Roche und im Besitz von Mrs John Magnier.  Und Even Song machte jetzt in den Ribbesdale Stakes, ebenfalls im Besitz von Mrs. John Magnier 2016 die 50 voll.

Ishvana, Siegerin 2012 Siegerin in den Jersey Stakes gehörte seiner Frau, fünf  Sieger wurden von seinem Sohn Joseph O’Brien geritten, elfmal saß Johnny Murtagh im Sattel und zehnmal steuerte Ryan Moore den Sieger.

Ein Rennen später, im Ascot Gold Cup, der dieses Jahr zu Ehren des 90. Geburtstags der Königin gelaufen wurde, sorgte Order of St. George mit Ryan Moore im Sattel für Sieg Nr 51. Damit haben Ryan Moore und Johnny Murtagh jeweils elf Sieger während Royal Ascot für Aidan P O’Brien geritten.

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