Die Union 2019 – Herold lebt!

Laccario gewinnt mit Eduardo Pedroza im Sattel souverän die Union. (C) Marc Rühl

Nein, eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und ein Union-Sieger ist noch lange kein Deckhengst und wie gut der Jahrgang 16 ist, wird sich erst noch zeigen. Aber immerhin weht seit langem mal wieder eine frische Brise durch Deutschlands ältester, noch existierender Hengstlinie. Denn trotz einzelner Erfolge – national und international – war es um diese einstige Perle der deutschen Vollblutzucht in den letzten Jahren doch ziemlich ruhig geworden.

Dark Ronald – Herold – Alchimist – Birkhahn – Literat – Surumu – Acatenango – Lando – Scalo.

Scalo war vielleicht nicht der Super-Star seiner Zeit, dafür fehlen internationale Erfolge in seinem Rekord, aber er war ein sehr gutes Rennpferd, Gruppe-1 und Europapreis-Sieger. Es war schwierig, ihn in Deutschland als Deckhengst unterzubringen, weil es mit ähnlichem Pedigree einfach zu viele Hengste in Deutschland gab. Er ging nach Frankreich und man hatte eigentlich gehofft, daß er dort erfolgreich wirken kann, aber dem war leider nicht so. Bei Galopp-Sieger sind gerade mal eine handvoll Nachkommen von ihm erfaßt und das auch nur, weil auch Erfolge, die eigentlich bei GS nicht erwähnt werden, in manchen Fällen trotzdem Eingang in die Datenbank finden.

Auch konnte man fragen, ob er aus Ittlingen genügend Unterstützung bekommt oder ob man nicht vielleicht etwas mehr Engagement zeigen könnte – wie auch immer. Jetzt hat Scalo mit Laccario seinen ersten Gruppe-2 Sieger gebracht und mit dem beeindruckenden Sieg in der Union ist er klarer Favorit für das Derby. Er schlug dabei Django Freeman den Sieger des Bavarian Classic in München und Winterfuchs, den Sieger des Dr. Busch-Memorials in Krefeld, die beide Campanologist zum Vater haben und zwei renommierte Derby-Vorprüfungen gewonnen haben.

Laccario muß jetzt zeigen, daß er die Klasse für die Fortsetzung von Deutschlands Traditionshengstlinie hat. Gezogen ist er schon mal gut genug. Er hat Lomtias zum Stutenvater und ist auf Laurea, der Mutter zweier Derbysieger 3 x 3 ingezogen. Aber auf dem Pedigree reitet man nicht und das Pedigree alleine läuft auch nicht schnell.

Das Ergebnis der Union und auch anderer Prüfungen für die Dreijährigen hat aber auch gezeigt, daß die Vollblutzucht oft eine wahre Passion ist – eine Leidenschaft, die Leiden schafft. Der Kingmambo-Sohn Campanologist wurde vom Gestüt Fährhof 2012 von Godolphin erworben und brachte sowohl in Deutschland als auch in seinem Shuttle-Land Argentinien sehr schnell gute Pferde. Aus dem Jahrgang 2014 war in Argentinien Village King im zur Gruppe 1 zählenden Gran Premio Jockey Club erfolgreich und in Europa war Walsingham im von Khan gewonnenen Europa-Preis 2018 Zweiter. Das hätte eine ganz große Karriere als Deckhengst werden können, aber auf der Rückreise von Argentinien nach Europa im Dezember 2015 ist er im Flugzeug an einer Kolik eingegangen.

Und wer mir jetzt wieder einen Hang zu Nostalgie vorwirft, dem kann ich nicht ganz widersprechen. Aber es gilt, daß Galopprennen keine Schönheitswettbewerbe und auch keine Veranstaltung vom Mütter-Genesungswerk sind. Es ist ein Auslesesport in dem sich die jeweils besten Pferde für die Zucht qualifizieren. Und wenn die besten eines Jahrgangs dann Tradition aus einer alten deutschen Hengstlinie und Leistung vereinen, ist es doch ganz im Sinne der Vollblutzucht in Deutschland – auch ganz ohne Nostalgie.

Union-Rennen 2019

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4 Antworten auf Die Union 2019 – Herold lebt!

  1. Theo Epping sagt:

    Nostalgie hin oder her – es kann nicht falsch sein, nachweislich erfolgreiches Wissen zu nutzen. Der Genpool ist seit jeher der selbe. Was früher gepasst hat, sollte auch heute noch/wieder passen.

    • Theo Epping sagt:

      Ist schon schade, dass sich keiner für den eigentlichen Kern unseres schönen, Nebenproduktes, Galopprennsport interessiert!

  2. Fritze Flink sagt:

    “Was damals Recht war, kann heute nicht Unrecht sein” – wegen dieses Satzes endete die politische Karriere eines Ex-Marine-Richters in Ämtern auf Basis der FDGO.

    Wer ähnlich dämlich argumentiert, darf sich nicht wundern, wenn man mit ihm nicht diskutieren mag.

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