Red Jazz neuer Stallion auf dem Lindenhof

Nachdem der Pachtvertrag für Nutan ausgelaufen ist, hat Volker Linde im Ausland einen neuen Stallion für sein Gestüt gefunden. Auch dieser ist ein Flieger. Nach dem leider nur sehr kurz dort verweilenden Overdose und dem ersten Lindenhofer Stallion Perceive Arrogance ist es der dritter Flieger, der auf dem Lindenhof eine Beschälerbox bezieht. Red Jazz stand bisher in Irland im Ballyhane Stud mit einer Decktaxe von 5.000 Euro

Was soll man von dem Newcomer halten, der seit 2014 in Irland als Stallion tätig ist?

Red Jazz hat in fünf Rennzeiten 32 Starts absolviert, fünf Rennen gewonnen und war fünfzehnmal plaziert. Auch wenn Flieger allgemein länger laufen und öfter eingesetzt werden (können), ist das eine beachtliche Zahl – auch vor dem Hintergrund, daß wir einige Hengste in Deutschland haben, die die Dreijährigen-Kampagne vorzeitig beenden mußten.

Sein größter Erfolg war der Sieg in den zur Gruppe 2 gehörenden Victor Chandler Challenge Stakes von Newmarket. Dabei schlug er mit Cat Junior und Main Aim zwei Hengste, die inzwischen ebenfalls eine Beschälerbox bezogen haben. Dies war auch sein einziger Sieg auf Gruppen-Level. Stattdessen sammelte er fleißig Plazierungen, so u.a zweimal in der zur Gruppe 2 zählenden Godolphin Mile in Dubai. Er war Zweiter in den renommierten Lennox Stakes von Goodwood und den Dubai Challenge Stakes von Newmarket. Seine beste Plazierung ist wohl der dritte Platz in den Queen Elizabeth Stakes (GR 1) von Ascot, in der er Poet’s Voice und Rip van Winkle, zwei inzwischen erfolgreichen Stallions den Vortritt lassen mußte und nur mit einer Nase und ½ Länge geschlagen war. In den 2000 Guineas von Newmarket endete er als Achter, war aber auch nur vier Längen vom Sieger geschlagen.

Angenehm fällt seine Beständigkeit auf. In jeder Saison hat er gleichmäßig gute Formen gezeigt. Er ist konstant gut gelaufen, aber ein „Kracher“ war er keinesfalls!

Seine Stärke ist sein Pedigree. Die Vollblutzucht in Deutschland ist derzeit von drei Hengststämmen geprägt: Monsun. Big Shuffle und In the Wings. Monsun hat internationale Standards für die deutsche Vollblutzucht gesetzt, bei den beiden anderen Linien ist das internationale Interesse eher weniger ausgeprägt, obwohl sie in Deutschland große Erfolge feiern. Die Big Shuffle Hengste liefern viele gute Pferde im „mittleren“ Bereich – aber ein echter Star ist seit langem nicht dabei. Aber das ist im Moment insgesamt ein Problem der heimischen Vollblutzucht.

Red Jazz ist der perfekte Outcross-Hengst für deutsche Stuten. Mit den in Deutschland dominierenden Hengststämmen ist er nicht verwandt und die Stutenlinien sind ihm ebenso fremd. Sein Vater Johannesburg blieb zweijährig ungeschlagen in sieben Rennen und gewann zum Saisonschluß die Breeders’ Cup Juvenile Stakes. Dreijährig debutierte er in den Gladness Stakes in Irland und wurde Zweiter, danach wurde er Achter im Kentucky-Derby und darauf Neunter in den Golden Jubilee Stakes während Royal Ascot. Danach hat er seine Karriere beendet. Er ist Vater von Gruppe-1-Siegern auf drei Kontinenten und mit dem viel zu früh eingegangenen Scat Daddy ist er Vater einer derzeit international angesagten Hengst-Linie.

In seinem ersten Jahrgang von 2015 ist Snazzy Jazzy das Aushängeschild von Red Jazz. Bei 10 Starts gewann er 5 Rennen und rund 207.000 Pfund, was auch einem hoch dotierten Auktionsrennen in Irland geschuldet ist. Dazu war er in drei Ländern – Irland (Auktionsrennen), Schottland (gut dotiertes Handicap) und Frankreich (Gruppe 3) siegreich. Insgesamt hat Red Jazz nach den Daten der Racingpost 68 gelaufene Nachkommen mit 27 Siegern und 49 Siegen.

Red Jazz wird sicherlich nicht als Neuzugang des Oberhauses der Hengste in Deutschland gesehen werden, sondern eher das mittlere Marktsegment bedienen. Ich möchte an dieser Stelle an Big Shuffle erinnern, der 1990 nach Deutschland kam. Damals gab es mehr Kritik als Zustimmung. Ein Flieger und dann noch nicht einmal mit Spitzen-Rennleistung. Ob das was wird, war die allgemeine Frage, die meistens mit negativem Unterton gestellt wurde.

Heute muß man feststellen, daß Big Shuffle insgesamt für die sehr von Stehern geprägte deutsche Vollblutzucht ein echter Gewinn war. Auch wenn sein Stern heute ein wenig verblaßt ist, weil die ganz großen Vererber nicht vertreten sind. Jedoch ist sein Einfluß in den Stutenlinien deutlich sichtbar.

Red Jazz hat einen ähnlichen Hintergrund und jetzt ist es Volker Lindes Job, daraus einen Hengst zu machen, der Einfluß auf die deutsche Zucht nehmen wird.

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6 Antworten auf Red Jazz neuer Stallion auf dem Lindenhof

  1. Theo Epping sagt:

    Die Überlegung mit dem Flieger ist so schlecht nicht, wenn man sich darüber im Klaren ist, dass Pferde Wander- und Fluchttiere sind. Reine Kurzstreckler sind “Nebenproduckte” eines über Jahrtausenden auf Langstrecken ausgelegten Lebewesens. Daran ändern auch eine paar Hundert Jahre Intensivzucht nichts. Gibt es überhaupt reine Flieger Linien?

    • Eva Maria Limmer sagt:

      Ein “auf Langstrecken ausgelegtes Lebewesen”,welches verurteilt ist im “Renn-”stall zu…. stehen.

      Gibt es überhaupt reine Stand-Linien? Wer vererbte das Dauerstandgen bei den Langstreckenlebewesen?

      Noch nicht published:

      The Enigma of the Stand-by-modus in Thoroughbreds.

      Die Frage an die Blüchersche Fachsimplerkompanie: Wundert man sich nicht über das Aussehen des muskulösen “Fliegers” Red Jazz,wenn man die Realfigur der vielen sog.Blüter in der Realität sieht?

      Offenbar nicht.

      Man muß als Kenner des Rennsports nämlich lediglich bis fünf zählen können: Vier Beine unten und ein Kopf etwas darüber-und die “tolle” Erkenntnis:They run in all shapes and colours.

      h.schmelz wird nie in seinem Leben jemals ein einziges Pferd selbst versorgt haben und so wird ihm immer alles zum Pferd(selbst) nur “böhmische Dörfer” bleiben und er macht aus seiner Not der totalen praktischen Unkenntnis die Tugend des von ihm alleine erkannten Zufallsprinzips.

      Der hier so belobigte Hengst Monsun wurde nicht von Schlenderhan gezüchtet und auch nicht ausgesucht,sondern diesem durch den Agenten Alles vermittelt.

      Dass der nun rein zufällig diesen Hengst aussuchte,dürfte sehr unwahrscheinlich sein,aber dass ein h.schmelz diesen dereinst als den erkannt haben könnte,der Monsun dann wurde….,das erscheint noch sehr viel unwahrscheinlicher.

      Der sitzend aktive Rennsportler und Pferdekenner-ein Phänomen der Nachkriegsbourgoisie mit den-in diesem Blog hier regelmäßig -dezidiert- beschriebenen Konsequenzen für den (deutschen)Rennsport.

      Deshalb empfehle ich auch gerne diesen Blog mit seinen hochkarätigen Kommentatoren jedem,der sich einen durchschlagenden Eindruck vom Deutschen Rennsport verschaffen möchte.

      Hier werden sie geholfen!

  2. h.schmelz sagt:

    neffen und nichten, tanten und mütter, onkel und omas, grand-grand daddies und immer wieder Persimmon oder als die bilder laufen lernten. teeblätterlesen und die spökenkiekerei als wissenschaft und verblödung des publikums. es gibt keine überflüssigere profession als rennsport/auktions/zuchtberater, die empfänger des schlechten geldes, welches dem guten hinterher geworfen wird. ein berufszweig, der abgeschaft gehört. selbst der große vincent o’brien hat mit seinem ausflug in die welt des kommerz mit seinem unternehmen schiffbruch erlitten. der rennsport lebt, wenn überhaupt, von der unwägbarkeit. wenn es anders wäre, machte es keinen spaß.

    • Theo Epping sagt:

      Erweitern Sie die Liste der zweifelhaften Berater noch um z.B. Rechts.- Finanz.- Gesundheits.- usw. Berater und man könnte Ihnen zumindest Unvoreingenommenheit attestieren. Wenn Zucht Ihnen wie Hexerei erscheint, dann ist das mit der Verblödung nicht so weit her geholt.

      • Un Coeur B sagt:

        Epping, diese kleine 10.000 Seelen Gemeinde im Londoner Norden, da, wo die Londoner U Bahn aus der Erde kommt und die letzten Stationen oberirdisch zu Ende bringt, einige verschlug es wohl von dort über den Ärmel Kanal den Rhein hinunter, vielleicht weil sie kalte Füße bekommen hatten.

        • Theo Epping sagt:

          So oder anders rum, völlig Wurscht.
          Die Ortsbezeichnung gibt es nebenbei bemerkt, außer in Asien, auf allen vier Kontinenten, ist also ein Allerweltsname :-)

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