Das Derby 2018

58 Jahre hat Röttgen auf den ersten Derbysieger seit 1959 warten müssen. Das war damals, als Schalke zuletzt Meister war. Kallisto hat die Derby-Durststrecke mit dem Sieg im Derby Italiano 2000 etwas abgemildert, aber das Derby des Heimatlandes ist eben doch etwas anderes, als die damals finanziell sehr großzügig ausgestattete italienische Variante. Und jetzt haben die Röttgener in zwei Jahren gleich zwei Derbysieger aus der gleichen Stute gezogen. Aber Schalke ist immer noch nicht Meister.

Als aus der Maschine heraus niemand wirklich gehen wollte, übernahm Jozef Bojko mit dem Brümmerhofer Aldenham die Initiative und sorgte für eine gute Pace, ohne das Rennen übermäßig schnell zu machen. Salve del Rio und Jimmu waren dahinter im Vordertreffen auszumachen. Weltstar galoppierte im Mittelfeld mit Guiri und Royal Youmzain.

Aldenham Brachte das Feld in die Gerade und eingangs der Geraden gab es einiges durcheinander. Weltstar tendierte nach außen, obwohl er eigentlich freie Bahn hatte und geradeaus seinen Anggriff hätte starten können. Dabei lief er Royal Youmzain vor die Füße der merklich irritiert wurde und neu ansetzten mußte. Der Wiedinger Destino und Weltstar hingen dann außen an den Rails und die beiden Trainingsgefährten machten das Derby unter sich aus. Kampf Hals lautet der Richterspruch, eineinhalb Längen dahinter wurde der unglückliche Royal Youmzain mit Eduardo Pedroza im Sattel aus dem Stall von Jaber Abdullah Dritter. Aldenham, der Pacemaker lief sein bisher bestes Rennen und wurde noch Fünfter. Guiri, der im Schlußbogen noch in guter Haltung im Mittelfeld galoppierte, kam nicht weiter und wurde nur Neunter.

Die Rennleitung überprüfte den Ausgang des Rennens. Die entscheidende Szene war ca 50-100m nach erreichen der Geraden, als Weltstar ohne Not nach außen tendierte und dabei Royal Youmzain vor die Füße lief und in einer Kettenreaktion Jimmu gegen Salve del Rio drückt. Andreas Wöhler geht auf seiner Webseite mit Adrie de Vries sehr hart ins Gericht. Er schaue sich um und statt sein Pferd geradezu richten, reitet er weiter nach außen und behindert dann eben Royal Younzaim deutlich. Für mein Gefühl ist es übertrieben, Adrie de Vries hier Absicht zu unterstellen, wie Andreas Wöhler es macht, aber ein guter Ritt war es nicht. Manchmal sieht man ein Unglück einfach kommen und kann es nicht verhindern – warum auch immer. Das ist wie beim Autofahren, wo man lenken müßte, dazu aber gerade nicht fähig ist und dann kommt der Knall.

Es verwundert allerdings, daß der Sieger nicht heraus genommen wurde. Vergleicht man die Behinderung mit der Behinderung von Sirius gegen Erica im „Frühjahrspreis des Carl Jaspers Versicherungskontor“ im Mai in Köln dann wurde Sirius wegen einer viel geringeren Spurabweichung und wegen weniger Irritation der drittplazierten Erica zurück gesetzt. Zieht man noch einen Vergleich mit dem Kölner Rennen, dann wurde Alexander Pietsch für die Störung nicht bestraft (im Rennbericht ist nichts vermerkt), Adrie de Vries wurde von der Rennleitung mit 5 Tagen Reitverbot belegt. Auch hier liegt eine deutliche Diskrepanz zwischen den beiden Entscheidungen der gleichen Rennleitung!

Allerdings kann ich Andreas Wöhler auch nicht verstehen. Durch die Überprüfung des Rennens durch die Rennleitung war genug Zeit, sich die Situation noch einmal anzusehen und wenn ich der Meinung bin, daß mein Pferd behindert wurde, dann muß ich Protest einlegen und mich nicht darauf verlassen, daß die RL das schon machen wird. Wer A sagt, muß dann auch B sagen!

Wellenspiel reiht sich mit dem Sieg von Weltstar in die Creme de la Creme der wenigen Stuten ein, die sich als Mütter von zwei Derbysiegern ausgezeichnet haben. Sie ist in der fast 150-Jährigen Geschichte des Deutschen Derbys die sechste Stute, der dieses Kunststück gelungen ist.

Im Rennstall vertrat sie solide Ausgleich III-Klasse, also kein großer Star des Turfs. Aber sie ist auch ein Beispiel, daß eine Stute aus einer erstklassigen Familie auch mit mäßiger Eigenleistung eine sehr gute Zuchtstute sein kann Mit 10 Jahren (Jahrgang 2008) ist sie noch eine recht junge Stute und die beiden ersten Fohlen waren Derby-Sieger! Das läßt für die Zukunft viel Raum für Phantasie.

Sechs Stuten mit zwei Derbysiegern gibt es in der deutschen Vollblutzucht. Auffällig, daß es vor dem Krieg keiner Stute gelungen ist, Doppel-Derbysieger-Mutter zu werden.

Kirschfliege 1954 Kaliber 1956 Kilometer
Ordinale 1981 Orofino 1983 Ordos
Laurea 1993 Lando 1994 Laroche
Britannia 1997 Borgia 2001 Boreal
Sacarina 2000 Samum 2006 Schiaparelli
Wellenspiel 2017 Windstoß 2018 Weltstar

Es stellt sich auch die Frage, wie gut der Derbyjahrgang ist. Die Zeit von 2:32,4 ist für den guten Boden nicht unbedingt berauschend, aber der inzwischen international bewährte Dschingis Secret war im Hansa-Preis bei ähnlichen Bodenverhältnissen noch langsamer. War der Boden trocken aber vielleicht nicht schnell?

Der Hamburger Rennclub hat sich sehr bemüht, am Derbytag ein gutes Programm auf die Beine zu stellen. Ein Listenrennen, zwei Ausgleich I und zwei gut dotierte Auktionsrennen, mit dem Derby sechs bessere Rennen an einem Tag. Das ist schon mal eine Ansage, vor allem wenn man das Rahmenprogramm auf den NRW-Bahnen bei Großereignissen sieht. Wenn man dem Publikum großen Sport bieten will, dann paßt ein Rennen für vierjährige Sieglose einfach nicht zu einem großen Renntag. Das hat man in Hamburg sehr gut gemacht!

Die Woche war sicher nicht einfach, teilweise frühe Anfangszeiten, auch wegen der Fußball-WM aber es gab auch viele Rennen mit gut besetzten Feldern.Hamburg zahlt in den Basisrennen die besten Rennpreise der Republik und das zahlt sich aus.

Der Totoumsatz war hingegen eher nicht so erfreulich. Im Derby wurde das selbst gesetzte Umsatzziel verfehlt. Das lag sicher auch an dem recht kleinen Starterfeld mit nur 13 Pferden. Aber Impulse für den Wettumsatz müssen „von oben“ kommen. Eine Bahn schafft es nicht, das maue Geschäft zu drehen.

Offiziell waren 20.000 Zuschauer auf der Bahn. Volker Linde vom Vorstand erklärte, daß man diese Zahl gezählt habe. Es sah jedenfalls recht gut besucht aus. Und der erste Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg weilte auf der Bahn, nicht wie in der Vergangenheit, nur ein Ressortleiter. Aber man hätte ihn bei der Siegerehrung irgendwie mehr einbinden sollen. Er stand von außen betrachtet ein wenig abseits.

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4 Antworten auf Das Derby 2018

  1. Theo Epping sagt:

    Das es vor dem Krieg keine Doppel – Derbysieger – Mutter gegeben hat, könnte ja möglicherweise am Bestand der Mutterstuten in Deutschland gelegen haben.
    Das mit den Stars des Turfs und Blacktype wird, ich wiederhole mich, völlig überbewertet. Eine solide Ausgleich III-Klasse sagt für mich mehr aus, als ein getrickste Listenplatzierung, außer, dass sie den Verkaufswert der Nachzucht steigert.

    • Blücher sagt:

      Der Bestand an Mutterstuten schwankte vor dem Krieg teilweise erheblich. In der Zeit der Wirtschaftskrise sank er deutlich und hat sich dann, wenn ich mich recht erinnere, erst nach dem Krieg wieder auf die Höhe von Mitte der 20er erholt. Parlo weiß das ziemlich genau ;-)

  2. h.schmelz sagt:

    wo sie gerade parlo erwähnen, den große mutterstuten versteher, wo mag der wohl abgeblieben sein? man hört so rein garnix mehr von ihm.

    abgesehen davon fehlen natürlich viele gute stuten, die nach JPN gegangen sind oder ENG oder sonstwo in die große weite welt. seitdem hat sich das niveau bei uns deutlich abgesenkt. recht eigentlich hat keiner mehr seit Novelist in ascot echtes gruppe I format gehabt, und das ist jahre her. es mag eine koinzidez sein, aber es fällt zusammen mit der abnahme des absoluten bestands. wo weniger gezogen wird, gibts es auch weniger top pferde. man denke an die derby pferde der letzten jahre. alles nur gruppe II, wenn überhaupt. daher fürchte ich auch, daß das derby bald unter die räder des systems kommen wird. falls nicht noch ein phönix aus dem busch erscheint.

    • Theo Epping sagt:

      Ich kann mir gut vorstellen, das demnächst mal wieder ein
      New Phönix oder ein Sweet Phönix, oder so, über dem Sauerland erscheint.

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