Ein historischer Sieg im Irish Derby – das Rennwochenende

Den Ausgang des diesjährigen Irischen Derbys muß man als historisch bezeichnen.

Erstmals in der Geschichte des Rennens hat ein Brüderpaar, Joseph und Donnacha O’Brien, den Sieger geritten bzw. trainiert und ebenso erstmals haben sie dabei die vom Vater trainierten Pferde auf die Plätze verwiesen. O’Brien bei den Trainern 1-2-3. Und es geht noch weiter, Joseph Patrick O’Brien ist der erste Trainer, der einen (insgesamt waren es zwei) irischen Derbysieger geritten hat danach auch als Trainer erfolgreich war. Einer seiner Derby-Sieger war Camelot, der jetzt in seinem ersten Jahrgang direkt einen Derby-Sieger stellt. Mit Camelot gewann er auch das englische Pendant und die 2000 Guineas und es sah aus, als wenn Camelot der erste Triple-Crown-Sieger seit Nijinsky 1970 in England werden könnte. Aber es ging schief, der Vater hatte keinen Tempo-Macher ins Rennen geschickt, der Sohn ritt etwas passiv im hinteren Teil des Feldes und als es ernst wurde, war Encke aus dem Godolphin-Quartier stärker.

Die O’Briens und das irische Derby ist ohnehin eine spezielle Geschichte. Aidan O’Brien dominiert das Rennen, wie es noch nie ein Trainer in der Geschichte dominiert hat. Seit 1997 hat er 12 Sieger im Irischen Derby gesattelt, fünfmal war er Trainer der drei Erstplazierten. Zwei wohl einmalige Rekorde in der Geschichte eines Derbys. Insgesamt war ein von Aidan O’Brien trainiertes Pferd seit 1996 39-Mal unter den ersten Drei. Joseph Patrick O’Brien ist wohl der erste Trainer, der einen (insgesamt waren es zwei) irischen Derbysieger geritten hat danach auch als Trainer erfolgreich war. Und er dürfte auch David O’Brien als den jüngsten Trainer, der jemals das Derby gewonnen hat, abgelöst haben.

Es gab schon immer „Familieneinläufe“ in großen Rennen. 1984 schlug Secreto, trainiert von David O’Brien den von seinem Vater Vincent O’Brien trainierten El Gran Senor mit einem Kopf im Epsom-Derby. Diese O’Briens sind aber nicht verwandt mit Aidan O’Brien. Der Name ist in Irland halt recht häufig. 1904 Ritt der Amateur (sic!) G Thursby für seinen Bruder Sir J Thursby John O’Gaunt in den englischen 2000 Guineas und im Derby auf den zweiten Platz.

Und wenn man noch lange genug sucht, wird man noch einige ähnliche Konstellationen finden.

Und der Derby-Sieger Latrobe? Das Derby war sein fünfter Start, als frische Form brachte er einen Sieg in einem Maidenrennen als Empfehlung mit, davor war er Dritter in den zur Gruppe 3 zählenden Gallinule-Stakes. Ein spätes Pferd oder einer, der am Samstag auf dem Curragh einfach über sich hinaus gewachsen war? Er hat keine schlechten Pferde geschlagen, aber was ein Derby-Sieg wirklich wert ist, weiß man am Ende des Jahres, wenn sich die Dreijährigen gegen die Älteren behauptet haben – oder auch nicht. Man wird es erleben!

Hamburg
In Hamburg ist die Derby-Woche gestartet. Der „Lange Hamburger“, ein Rennen, das eine längere Tradition als das Derby hat und der inzwischen als Memorial für Deutschlands Meister-Trainer Heinz Jentzsch gelaufen wird, war das erste Black-Type-Rennen der Woche. Es siegte die Vorjahrsiegerin Summersunshine aus dem Stall von Besitzertrainerin Anna Schleusner-Fruhriep aus dem pommerschen Marlow, einer Gemeinde mit rund 4500 Einwohnern. Bei Galopp-Sieger ist Anna Schleusner-Fruhriep das erste Mal 2014 mit einer Plazierung in einem Ausgleich I vermerkt. 2015 gewann Sie mit Alberto Hawaii das erste mal Black-Type im Dresdner Sachsen-Preis und inzwischen fällt das kleine Quartier regelmäßig durch gute Erfolge auf – und das mit Pferden die man schon von der Abstammung nicht unbedingt auf dem Schirm hat.

Am zweiten Tag sah man im Preis der Mitglieder des Hamburger Rennclubs den ersten Gruppe-Sieg von Julio, der in den Farben des Kölner Präsidenten Eckhard Sauren läuft. Im Internet fanden sich verschiedene Presse-Meldungen, daß der Torwart vom Kölner FC Timo Horn, Eigentümer oder Miteigentümer des Pferdes sei. Die Presse-Resonanz war recht umfangreich und bei Sport1 wurde zuerst direkt vom Derby berichtet, was dann später korrigiert wurde. Aber warum läuft Julio in den Farben von Eckhard Sauren, warum wird der Mitbesitzer verschweigen? Solche Fehlberichte wie bei Sport1 zeigen leider auch sehr deutlich, wie wenig Wissen die allgemeine Sportpresse über den Galopp-Sport noch hat. Hier muß das DVR noch viel Arbeit leisten.

Erster Start am Samstag war um 10:30, also Rennbeginn um 10 Uhr. 3800 Zuschauer sollen auf der Bahn gewesen sein. In Horn haben 50.000 Menschen Platz, 3800 sind in Neuss eine ganze Masse aber in Horn verlieren die sich. Sicher wird die frühe Anfangszeit auch den Spielen der Fußball-Weltmeisterschaft geschuldet sein, denn selbst in Longchamp hat man früh angefangen, weil die Franzosen nachmittags in Rußland gewonnen haben.

Am Sonntag gab es den Hansa-Preis und wie im Vorjahr siegte Dschingis Secret aus dem Stall von Markus Klug. Der favorisierte Röttgener Windstoß wurde Vierter und wirkte nicht wirklich zwingend. Nach der Form in Epsom hat man ihm deutlich mehr zu getraut.

Ausländer waren nicht am Start, was sicher der Klasse der deutschen Pferde geschuldet ist, aber auch der im internationalen Vergleich bescheidenen Dotierung der Gruppe-Rennen in Deutschland.

Saint Cloud
Im Grand Prix de Saint Cloud liefen Iquitos und Oriental Eagle aus deutschen Ställen. Oriental-Eagle ist ein Opfer der jüngsten Rennordnungs-Änderungen, wonach den Pferden die Zunge nicht mehr festgebunden werden darf – und Oriental Eagle gehört zu den Experten, die die Zunge derart hochziehen, daß er Schwierigkeiten mit der Atmung hat. In Köln gewann er im Mai den Gerling-Preis in neuer deutscher Rekordzeit, danach war er im Preis der Badischen Wirtschaft geschlagen, was man auf das Zungenproblem geschoben hat und jetzt hat es in Saint Cloud trotz festgebundener Zunge auch nicht geklappt. Er ging lange vorne und brachte das Feld noch in die Gerade, wurde dann aber peut à peut durchgereicht. War die Fahrt zu flau, war der Boden zu weich oder hatte er einen schlechten Tag? Man wird sehen. Iquitos bekam als Fünfter noch Geld, aber sein Trainer Hans-Jürgen Gröschel beklagte auch die flaue Fahrt, die Iquitos an einem besseren Abschneiden gehindert hat.

Gewonnen hat Waldgeist, im Besitz einer Besitzergemeinschaft um das Gestüt Ammerland. Seine Mutter Waldlerche entstammt der großartigen Familie Ravensberger der Waldrun, die in den 50er und 60er Jahren den Turf in Deutschland beherrscht hat und nach einer Flaute wieder groß im Geschäft ist. Derzeit gehört Waldgeist zur spitze der älteren Pferde in Frankreich. Und weil Familienbande gerade in Mode sind, hat Waldlied, die zwei Jahre jüngere Halbschwester am gleichen Tag den Prix Malleret (Gruppe II) für dreijährige Stuten.

Mailand
Daß die Pferde von Sarah Steinberg dieses Jahr in großer Form laufen, ist nichts neues. Am Sonntag hatte die Münchener Jungtrainerin im Gran Premio di Milano in ihrer Karriere einen neuen persönlichen Höhepunkt. Erstmals gewann ein von ihr trainiertes Pferd ein Rennen der Gruppe II. Edington, der ebenfalls in Salzburger Farben läuft, wurde Vierter. Ansonsten war das Rennen, wie in Italien fast üblich, von den Botti-Brüdern bestimmt.

Ungarn
Und last but not least – die von Claudia Löseken gezogene Köln (Jukebox Jury – Key to win) wurde am Sonntag im Kincsem Park zweite im Ungarischen Derby. Das Rennen hat sicher nicht mehr den Stellenwert, den es einst zu Kincsems Zeiten hatte und die 14.000.000 Forint Dotierung sind in Euro auch nur noch rund 42.500, aber Derby ist Derby und dort einen Plazierten gezüchtet zu haben, tut vor allem einen kleinen Züchter ziemlich gut!

Dritter wurde Wildvogel der aus Ravensberger Zucht stammt – und so spannt sich für die alte westfälische Zuchtstätte an diesem Wochenende der Bogen von Saint Cloud bis Budapest.

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