Fehlstart in Düsseldorf – Gastbeitrag von Silke Brüggemann

Silke Brüggemann, Amateurreiterin, Besitzertrainerin und Besitzerin des in der Startmaschine verbliebenen Pferdes kommentiert das Rennen aus ihrer Sicht in einem Gastbeitrag bei Galopp-Sieger:

Ein Fehlstart, der von allen gesehen wird, aber keiner ist, weil der Starter den Fehler macht, den fehlerhaften Start nicht als Fehlstart zu erkennen. Schon  die Formulierung dieses Satzes lässt mich den Kopf schütteln und an „dem großen Ganzen“ zweifeln.

Wenn man vier Pferde trainiert, der höchst eingeschätzte –immer noch hoffnungslos überschätzt- über ein GAG von 55 verfügt und der Rest zwischen 48 und 52 Kilo steht, bedarf es schon einiges an Herzblut um jeden Tag, nach der Arbeit in den Stall zu gehen und sein Pferde zu trainieren. Und ich bin wirklich mit Herzblut dabei und würde einen Sauber oder einen Halliday gegen kein „Rennpferd“ eintauschen wollen.

Eigentlich sollte der 3. Mai ein freier Sonntag werden, der nächste Start war für den 10. vorgesehen.  Doch dann rief der Amateurverband an und bat mich um einen Starter. Und mal ehrlich, wie peinlich wäre es, wenn ein Rennen mit dem Titel „Susanna Santesson Gedächtnis Rennen“ mangels Starter ins Wasser fällt. Also habe ich New Soul als Starter angegeben. Der französische Reiter kam mit der quirligen Stute recht gut aus und gelang ohne Probleme zur Startstelle und auch in die Startmaschine. Nur das raus kommen, da ging dann alles schief. Die eine Klappe öffnete sich, die andere schlug nach innen, gegen den Kopf meines Pferdes. Alle Zuschauer sahen, dass etwas nicht stimmte und auch der Rennbahnsprecher erkannte RICHTIG, dass es einen Fehlstart gab. Nur der Starter erkannte dies bei dem übersichtlichen Feld von 7 Startern nicht.

Nachdem nun das Susanna Santesson Gedächtnisrennen zu einer sportlichen Schweigeminute wurde, da Zuschauer wie auch Sprecher sprachlos waren, wurde ich dann in die Rennleitung gebeten und mir wurde der Film gezeigt und erklärt, dass es ein reguläres Rennen war, da der Starter keinen Fehlstart erkannt hat und somit kein Fehlstart vorlag. Ich habe lange nach etwas Vergleichbarem gesucht und das Einzige was mir einfiel, waren die Diskussionen um die Torlinientechnik. Passiert so was allerdings im Fußball, das ein Tor nicht gegeben wird, obwohl der Ball drin war, wird das ungefähr 1000 Mal in der Wiederholung  gezeigt und in Zeitlupe analysiert. HIER wurde der Fehler des Funktionäres einfach aus dem Film rausgeschnitten, der Rennfilm beginnt erst nach dem Passieren des ersten Zieldurchlaufes. Nachdem mir zugesichert wurde, das eine Lösung über eine Entschädigung gefunden wird und ich es ja auch wirklich so sehe, das Fehler zwar nicht passieren sollten, aber können, hatte ich mich mit dem Tag eigentlich schon abgefunden.

Doch als ich dann zu Hause sah, das mein Reiter, der sicher ja unter Adrenalin gestanden hat, denn New Soul hatte ordentlich Randale gemacht, als sie nicht aus der Maschine kam, satte 100€ Strafe bekommen hat. Er soll sich ungebührlich verhalten haben. Ich kann mir schon vorstellen, dass er die Entscheidung der Rennleitung nicht nur wegen einer sprachlichen Barriere, sondern auch Mangels Logik nicht verstehen konnte und vielleicht etwas gesagt hat, was nicht ganz passend war.

ABER sollte hier unsere Rennleitung nicht Verständnis aufbringen? Der junge Mann hat keinerlei Fehler gemacht, saß auf einem Außenseiter und wird schon gehofft haben, auf Grund der niedrigen Starterzahl vielleicht doch ein paar Punkte zu ergattern. Diese Chance wurde ihm genommen und er war ja sogar in einer unmittelbaren Gefahrensituation. Aber anstatt eine Faust in der Tasche – und das soll kein Wortwitz sein – zu machen, wurden ihm satte 100 € Strafe aufgebrummt. Meiner Meinung nach hätte IMMER nach einer solchen Situation eine Verwarnung gereicht. Der Reiter bekommt nun nicht mal einen Punkt für die Teilnahme und es geht schließlich um eine Weltmeisterschaft.

Das Video ist beschnitten, keiner der Funktionäre muss sich öffentlich erklären und jemand, bei dem die Emotionen überkochen, bekommt eine hohe Strafe.
Ob mein Pferd nochmal in die Startmaschine geht, bisher ging sie immer ohne Starfhelfer, und dann auch noch brav auf einen richtigen Start wartet, bleibt abzuwarten. Das war ja vielleicht auch höhere Gewalt. Aber darf so sehr mit zweierlei  Maß gemessen werden?
Zum Thema Startmaschine; vielleicht sollte das französische Geld von der PMU auch in französische Startmaschinen gesteckt werden. Die beste Maschine in Deutschland ist ja die, die gebraucht aus Chantilly gekauft wurde und nun in Dortmund steht.
Ob ich für diesen Text in die Rennleitung zitiert werde, lasse ich mal im Raum –nein besser – in der Startmaschine stehen.

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5 Antworten auf Fehlstart in Düsseldorf – Gastbeitrag von Silke Brüggemann

  1. Jutta Mayer sagt:

    Das ist genau das was mich auch so stört, Fehler können passieren, sollten nicht aber ist eben menschlich. Nur wenn wir “Kleinen” Fehler machen wird das drakonisch geahndet. Funktionäre dürfen grundsätzlich alles, der Tag wird kommen wo wir mit dem Büserhemd erscheinen müssen. Ich habe eine Stunde mit Herrn von der Recke diskutiert, ich habe einen Brief an das Direktorium geschrieben, Überschrift Demütigungen von Trainern. Herr von der Recke meinte er würde mich verstehen könne dies aber auf Sitzungen nicht verpacken, das Direktorium antwortet erst gar nicht. Bei mir ist es im Moment die Thematik das Trainer nicht mehr in das Jockeyzimmer dürfen. D.h. ich kann keine nasse Kleidung wechseln, mir nicht die Hände waschen, nicht auf die Toilette gehen, keine verschlammten Halsriemen waschen und wieder zum Jockey hängen. Unsere Rennleitung behandelt uns wie Untermenschen, ich habe um Gleichbehandlung auf Augenhöhe gebeten, ich bin Kunde und kein Bittsteller. Ich will keine Regeln oder Paragraphen ändern ich will normale Auslegung. Gleiches Recht für alle, natürlich interessiert das den Rest der Tainer in Deutschland nicht das man nicht mehr in das Jockeyzimmer kann. Im Westen scheint dies eben kein Problem zu sein und “O-Ton” Mario Hofer, ich muß nicht mehr in München laufen. Ich muß nicht in das Jockeyzimmer aber dann brauche ich als Trainer einen Raum der geheizt ist, ein Waschbecken hat, eine Toilette wäre auch nicht schlecht und wo ich mich mal fünf Minuten mit meinem Jockey ungestört unterhalten kann. Mich macht das langsam müde und diese Geschichte passt einfach so richtig ins Bild. Meine Rede, wenn Zwei das Gleiche tun ist es noch lange nicht das Selbe.
    Mit freundlichen Grüßen
    Jutta Mayer

  2. h.schmelz sagt:

    guter beitrag, eine sich gut in andere begebenheiten einpassende geschichte. blindheit, feurige untätigkeit, blasierte behandlung der sache. dem rennsport nicht zum nutzen.

  3. Acatenango sagt:

    Gut geschrieben von Frau Brüggemann. Der Beitrag paßt gut in diesen kritischen Blog.

    Es wäre an der Zeit, daß sich die RL zur Bestrafung des Amateurs mit 100€ wegen ungebührlichem Benehmens einmal unter besonderer Berücksichtigung aller Umstände in diesem Fall erklären würde oder die Presse einfach mal nachfragt!

  4. erwin engl sagt:

    entlich sagt mal jemand was Sache ist wird aber nicht viel nützen gewisse leute
    sind unfehlbar und wollen nicht sehen was sie alles kaputt machen leben tut der
    Rennsport von besitzern u. Trainern und nicht wie manche glauben von
    Bürokraten. das beste Beispiel ist österreich

  5. Halligalli sagt:

    Liebe Frau Brüggemann,

    vielen Dank für Ihren gelungenen Beitrag!

    Wie sage ich schon seit langem: Die Totengräber sind unter uns!

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