Die USA feiern 250 Jahre Declaration of Independance. Vor 50 Jahren zum 200sten fiel das Jubiläum auf einen Sonntag und in Hamburg gewann Stuyvesant mit Ralf Suerland in der zweiten Schlenderhaner Farbe in 2:29,1, drei Zehntel langsamer als der Rekord von Nereide 1936 und Athenagoras 1973 in etwa zu der Zeit, als Präsident Gerald Ford eine historische Glocke dreizehnmal zur Erinnerung an die 13 Gründerstaaten der USA schlug. Es war ein heißer und sehr trockener Sommer und die Bahn in Hamburg war nicht ganz „knüppelharte Piste“ aber auch nicht weit davon entfernt.
Der Name des Siegers paßte zum großen Ereignis auf der anderen Seite des Teichs. Peter oder Petrus Stuyvesant war Direktor der Niederländischen Westindien-Kompanie (W. I. C.) und verwaltete die Nieuw Nederland mit Sitz in Nieuw Amsterdam (heute New York), bevor diese 1664 von England in Besitz genommen wurde.
2026 ist alles anders die große Parade in Washington muß wegen großer Hitze ausfallen, in Deutschland ist die Hitzewelle abgeklungen und der Regen hat den Boden in Horn weich gemacht. Das Derby war einen Tag nach der Declaration, ein Schlenderhaner war nicht am Start und einen Starter mit historischen Bezug zu jenem 4. Juli gab es auch nicht.
Dardanos heißt der Sieger des 157. IDEE Deutsches Derby und er ist mit 84,8:1 der längste Außenseiter, der jemals das Derby in Deutschland gewonnen hat. Der bisherige Rekordhalter war Ako, der Sieger von 1982 mit einer Quote von 608:10, gefolgt von Temporal 1991 mit 384:10. Die Dreierwette war mit 43.221,5:1 ebenfalls ein neuer Rekord. Die bisherige Rekord-Dreierwette mit einer Quote von 368.228:10 wurde im Derby 1971 getroffen, als Lauscher mit Dave Richardson im Sattel in den damals sehr populären Rösler Farben und trainiert von Herbert Cohn das Rennen vor Madruzzo und der Stute Quisquis gewann. Damals war die kleinste Wette 2,5 DM und wer so einen krummen Einlauf treffen wollte, der mußte schon ein paar mehr Wetten schreiben und so kam dann auch das Geld in den Quoten-Topf.
Dardanos ging als Letzter in die Startbox und kam ziemlich als erster wieder raus – eine kleine Parallele zu Stuyvesant, der aber Start geklaut hatte. Das erste mal am Ziel vorbei lag er in Führung, die er dann an Chiefland abgab. Er lag immer im Vordertreffen und kam mit einer guten Position in die Geraden. Vor ihm galoppierten drei Pferde von Liberty Racing, Englishman galoppierte zusammen mit Gostam im vorderen Mittelfeld. Bei Pferde wirkten aber nie zwingend. Der englische Gast Bay of Brilliance kam aus dem hinteren Mittelfeld nie weg. Er versuchte es mehrfach, machte einige Positionen gut und fiel dann wieder zurück.
Wie gut der Jahrgang in Deutschland ist, werden wir später im Jahr wissen. Über den englischen Gast sollte man keine Elle ziehen, frei nach dem Motto, Vierter in Epsom und geschlagen in Deutschland, unsere Pferde sind besser als die Engländer. Das wäre dann ein Fall von Größenwahn.
Am Ende gewann Dardanos mit sicher mit einer Länge, dahinter auf den Plätzen 2-3-4 Baumgartens Kavallerie in der Reihenfolge Chiefland, Salitos und Kairos. Man muß dem Liberty-Team, Lars-Wilhelm Baumgarten und Nadine Siepmann, ein großes Kompliment für den Erfolg der Pferde machen. Noch nie hat es im Deutschen Derby einen Besitzer gegeben, der zwar nicht gewonnen hat, aber die Plätze 2-3-4 belegt hat, auch 1-2-3 war in der Historie im Derby kein Besitzer.
Englishman wurde Sechster, und Gostam Zehnter, zwingend waren sie beide nie. Sehr stark lief Quitos, der als Fünfter einkam. Toto-Favorit war Bay of Brilliance, der mit einem vierten Platz im Epsom Derby als Empfehlung angereist war, aber nie wirklich im Rennen war und als Vorletzter einkam. Letzte wurde Iron Trumpf für die Neutrainerin Stefanie Koyuncu, die den Stall von Ihrem Vater übernommen hat.
Dardanos ist von dem inzwischen abgetretenen Soldier Hollow aus der aus Frankreich stammenden Delegation gezogen. Für seinen Vater war er der dritte Derbysieger. Seine Mutter wurde von Jürgen Albrecht in der Tschechei trainiert, lief aber überwiegend in Frankreich. France Galop nennt 30 Starts, 3 Siege und 11 Plazierungen und eine Gewinnsumme ohne Inländerprämie von von 55.150 Euro. 2022 brachte sie nach Best Solution Delgardo, der auch in den Farben des Stalles Bergholz läuft und Listensieger sowie Gruppe-plaziert ist.
Die zweite Mutter Delta Diva ist nicht gelaufen. Sie hat sechs Pferde auf der Bahn und Delegation ist dabei mit Abstand beste Produkt.
Den Stall Bergholz gibt es seit 20 Jahren. Dahinter stehen zwei Juristen, Dr. Hans-Wilhelm Jaeckel aus Hamburg und Friedrich v. Lenthe aus Hannover., Der Sieg war der größte Erfolgt des kleinen Unternehmens. Aber wenn die großen Gestüte gar nicht mehr antreten, dann gewinnen die Kleinen. Gezogen wurde Dardanos in Auenquelle, in dem sein Vater als Deckhengst wirkte und es ist der erste Derby-Sieger für das an Erfolgen nicht arme Gestüt. Für den Trainer Andreas Wöhler war es der sechste Derbysieg und für Wladimir Panow der erste Sieg im Derby und der erste richtig große Sieg.
Der Hamburger Rennklub war mit dem geschäftlichen Teil zufrieden. 22.400 Besucher waren am Sonntag auf der Bahn. Das ist deutlich weniger als zu den Hochzeiten in den 90ern, aber trotzdem eine sehr respektable Zahl. Und welcher andere Veranstalter kann so einen Zuspruch bieten? Der Umsatz am Sonntag in Deutschland betrug 1.086.548 Euro, davon rund die Hälfte auf der Bahn. Über den World Pool wurden 19,9 Mio gewettet. Für deutsche Verhältnisse unglaublich, was in anderen Ländern auf Pferderennen gewettet wird. Der deutsche Jahresumsatz an einem Tag!
Dardanos stammt aus der griechischen Mythologie und ist ein Sohn des Göttervaters Zeus.
Wikipedia schreibt dazu: Dardanos ist nach der griechischen Mythologie ein Sohn des Zeus und der Atlantide (Tochter des Atlas) Elektra. Er gründete in der Troas an den Dardanellen die sagenhafte Stadt Dardania oder Dardanos und gilt als der mythische Stammvater und Eponymos ebenso der troischen Dardaner wie der aus diesen hervorgegangenen Trojaner, schließlich durch Aeneas auch der Römer. Sein Heimatland war Arkadien, wo er mit seiner ersten Gattin Chryse, die bei ihrer Vermählung von Pallas Athene das Palladion und die Heiligtümer (sacra) der großen Götter als Mitgift erhalten hatte, den Deimas und Idaios gezeugt haben soll.
Er ist neben Deukalion und Ogygos einer der griechischen Fluthelden, welche jeweils eine große Sintflut überlebt haben sollen.